„Farbe ist Leben, denn eine Welt ohne Farben erscheint uns wie tot. […]
Das Licht, dieses Urphänomen der Welt, offenbart uns in den Farben
den Geist und die lebendige Seele der Welt.“
Dieses Eingangszitat von Johannes Itten verdeutlicht die Bedeutung der Farbe für uns und unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit. Möglicherweise nehmen Schüler diese immer bunter werdende Wirklichkeit in ihrer Farbenvielfalt gar nicht wahr. Diese Befürchtung wurde in mir laut, als ich die Kindergemälde einer 3. Klasse betrachtete. Sie waren nicht nur bezüglich ihrer Themenmotive und ihrer Malweisen ganz verschieden. Sehr unterschiedlich war auch die Anzahl der gemalten Farben. Während die einen Schüler scheinbar alle verfügbaren Farben verwendet hatten, hatten andere das ganze Bild lediglich in einem Farbton gemalt, scheinbar ohne Wert auf dessen Farbigkeit zu legen.
In den von mir gemalten Bildern, erlebe ich die verschiedenen Farben mit ihrer schier unendlichen Vielzahl an Farbnuancen. Dies ist der Grund, warum für mich die einfältige Farbwahl einzelner Schüler überhaupt nicht nachvollziehbar war und sich mir folgende Fragen aufdrängten: „Sind meine Arbeiten so bunt, da ich die Farbenpracht der Natur bewusst erlebe?“ und „Ist die monotone Farbverwendung ein Zeichen dafür, dass die Schüler die Welt der Farben nicht differenziert wahrnehmen?“. Tests belegen, dass die Farbigkeit des Gemalten, der des Vorstellungsbildes entspricht. Dieses kann nur farbig sein, wenn auch der Maler die Farben seiner Umwelt wahrnimmt.
Im Rahmen dieser Arbeit werden in der erwähnten Klasse Lernstandtests zur Farbwahrnehmung durchgeführt (s. 6; Anhang). Diese zeigen, dass die Schüler die Farbenpracht der Welt unterschiedlich intensiv wahrnehmen. Möglicherweise haben die Kinder die Farbenwelt bisher in unterschiedlichem Ausmaß entdeckt oder ist für sie inzwischen zu etwas Selbstverständlichem geworden, deren Fülle und Lebendigkeit sie nicht mehr wahrnehmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorüberlegungen
3 Definitionen und Begründungen
3.1 Der Begriff der Farbwahrnehmung
3.1.1 Physiologische Grundlagen der Farbwahrnehmung
3.1.2 Neurobiologische Grundlagen der Farbwahrnehmung
3.1.3 Wahrnehmung und Kognition
3.2 Farbsensibilisierung
3.3 Notwendigkeit der Farbsensibilisierung
3.3.1 Begründung der Farbsensibilisierung durch die Bildungsziele
3.3.2 Farbsensibilisierung in der Kunstdidaktik
3.4 Die Farbe Grün – eine Sachanalyse
3.5 Didaktische Begründung der Farbwahl und des Lernangebots
3.6 Begründung für die Wahl der Methode des Stationsbetriebs
3.6 Planerische Überlegungen hinsichtlich eines kompetenzorientierten Unterrichts
4 Beschreibung der Lerngruppe
5 Schülerbeobachtungen aus der Praxis und deren Reflexion
5.1 Grüntöne des Waldes
5.2 Grünes Bad
5.3 Grüne Farbnamen
5.4 Grüne Collage
5.5 Grüne Projektion
5.6 Grün am PC
5.7 Grün mischen
5.8 Grün sortieren
5.9 Grünes Theater
5.10 Grünes Gemälde
5.11 Grünes Abschlussfest
6 Erkenntnisse hinsichtlich der Ausgangsfragestellung unter Hinzunahme von Testverfahren und Schüleraussagen
7 Kritische Reflexion der Lernprozessbeobachtungen
8 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten der Farbsensibilisierung im kompetenzorientierten Kunstunterricht der Grundschule zu untersuchen und deren Auswirkungen auf die Wahrnehmungsfähigkeit von Schülern zu evaluieren, wobei die Forschungsfrage lautet, inwiefern eine gezielte „grüne Einheit“ eine differenziertere Farbwahrnehmung initiieren kann.
- Methodische Konzeption einer Unterrichtseinheit zur Farbe Grün
- Wahrnehmungspsychologische Grundlagen und Farbsensibilisierung
- Analyse von Lernausgangslagen und individuellen Entwicklungsprozessen
- Einsatz des Stationsbetriebs als kompetenzorientiertes Lernformat
- Vergleichende Auswertung von empirischen Tests und Schülerbeobachtungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Begriff der Farbwahrnehmung
Das Auge ist dazu ausgebildet, Lichtreize aufzunehmen. Objekte reflektieren Licht, wobei aufgrund ihrer physikalischen Struktur einzelne Frequenzbereiche nicht zurückgeworfen, sondern absorbiert werden. Somit reflektiert ein grüner Gegenstand nur die Wellen des Bereichs zurück, die wir als Grün wahrnehmen. Alle anderen werden absorbiert.
3.1.1 Physiologische Grundlagen der Farbwahrnehmung
Der Prozess der Farbwahrnehmung wird erst durch die Einheit von Sensorik und Kognition möglich. Das menschliche Sehen beruht auf einer Sinnesleistung, die Lichtenergie in elektrische Impulse verwandelt. Im Gehirn werden diese verarbeitet, wodurch die Illusion von Farbe entsteht. Die Grundlage des Farbensehens ist die Fähigkeit, unterschiedliche Wellenlängen des Lichts erkennen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Farbe für die Wahrnehmung und begründet die Notwendigkeit einer Farbsensibilisierung im Kunstunterricht.
2 Vorüberlegungen: In diesem Kapitel werden grundlegende konzeptionelle Entscheidungen getroffen, wie die Wahl einer spezifischen Farbe und die methodische Entscheidung für den Stationsbetrieb.
3 Definitionen und Begründungen: Es erfolgt die wissenschaftliche Herleitung der Begriffe Farbwahrnehmung und Farbsensibilisierung sowie eine Legitimation des Lernangebots im Rahmen von Bildungszielen und Kunstdidaktik.
4 Beschreibung der Lerngruppe: Dieses Kapitel analysiert die spezifische Ausgangslage der Klasse 3a und deren individuelles Lernverhalten.
5 Schülerbeobachtungen aus der Praxis und deren Reflexion: Eine detaillierte Darstellung der einzelnen Lernstationen und der Beobachtungen zur Entwicklung der Schüler während der „Grünen Woche“.
6 Erkenntnisse hinsichtlich der Ausgangsfragestellung unter Hinzunahme von Testverfahren und Schüleraussagen: Hier werden die Ergebnisse der durchgeführten Lernstandtests ausgewertet und den qualitativen Beobachtungen gegenübergestellt.
7 Kritische Reflexion der Lernprozessbeobachtungen: Eine zusammenfassende Reflexion des Lernprozesses und der Wirksamkeit der gewählten Lehrmethode.
8 Ausblick: Der abschließende Teil blickt auf die langfristige Entwicklung der Schüler und die Möglichkeiten einer Übertragung des Konzepts auf andere Farben.
Schlüsselwörter
Farbsensibilisierung, Farbwahrnehmung, Kunstunterricht, Grundschule, Farbe Grün, Stationsbetrieb, Wahrnehmungslernen, Kompetenzorientierung, Farbmischung, Schülerbeobachtung, ästhetische Bildung, Lernausgangslage, Lernprozess, Farbwirkung, Farbgedächtnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie durch eine gezielte Unterrichtseinheit zur Farbe Grün die Farbwahrnehmung und Farbsensibilisierung von Grundschülern der 3. Klasse nachhaltig gefördert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die physiologischen und kognitiven Grundlagen der Farbwahrnehmung, die didaktische Begründung von Farberfahrungen und die praktische Umsetzung mittels stationsorientiertem Lernen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Schüler durch ein kompetenzorientiertes Lernangebot ihre Fähigkeit zur differenzierten Farbwahrnehmung und Benennung von Farbnuancen verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden eine fachwissenschaftliche Fundierung durch Wahrnehmungsforschung sowie eine praxisorientierte Untersuchung durch Lernstandtests und qualitative Schülerbeobachtungen kombiniert.
Was genau behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil beschreibt die Konzeption der „Grünen Woche“, analysiert die Lernausgangslage der Klasse und dokumentiert detailliert die Durchführung und Ergebnisse der verschiedenen Stationen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Farbsensibilisierung, Kompetenzorientierung, Stationsbetrieb, Wahrnehmungslernen, ästhetische Bildung und differenzierte Farbwahrnehmung sind die zentralen Begriffe.
Warum wurde für das Projekt gerade die Farbe Grün gewählt?
Grün ist die vorherrschende Farbe der Natur, stark nuancenreich und für Kinder aufgrund ihrer Lebensweltbedeutung und der jahreszeitlichen Präsenz im Frühling besonders erlebbar.
Wie haben die Schüler auf das stationsbasierte Lernen reagiert?
Die Schüler zeigten sich hoch motiviert und konnten ihre Lernwege weitgehend selbstständig gestalten, was die differenzierte Auseinandersetzung mit den angebotenen Lerninhalten förderte.
- Arbeit zitieren
- Linda Himmelmann (Autor:in), 2008, "Die Farbe Grün". Möglichkeiten der Farbsensibilisierung im Rahmen eines kompetenzorientierten Kunstunterrichts einer dritten Grundschulklasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118676