Schon lange diskutieren Philosophen und Philosophinnen über die Willensschwäche und versuchen dieses Phänomen zu erklären. Bis heute scheint es keine eindeutige Erklärung zu geben, was die Willensschwäche umso komplexer macht. Eine der neuzeitlichen Philosophinnen, Ursula Wolf, nimmt sich dem Problem an und legt ihre Betrachtungsweise des Phänomens dar, die in diesem Essay dargestellt und im Anschluss diskutiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wolfs Betrachtung des Problems der Willensschwäche
3. Auseinandersetzung mit Wolfs Position
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Der vorliegende Essay analysiert Ursula Wolfs philosophische Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Willensschwäche. Ziel ist es, das von Wolf identifizierte "Fehler im Selbstverständnis"-Konzept zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit ihre Erklärung durch Selbsttäuschungsmechanismen den zugrunde liegenden Widerspruch zwischen überlegtem Urteil und unmittelbarem Handeln aufzulösen vermag.
- Phänomenologie der Willensschwäche
- Konflikt zwischen praktischer Überlegung und unmittelbarem Wollen
- Das Konzept des "Fehlers im Selbstverständnis"
- Mechanismen der Selbsttäuschung und Rationalisierung
- Kritische Reflexion der Position von Ursula Wolf
Auszug aus dem Buch
2. Wolfs Betrachtung des Problems der Willensschwäche
Für Wolf besteht bei der Willensschwäche ein Konflikt zwischen der überlegten Meinung und dem unmittelbaren Wollen, wobei der Handelnde schließlich dem unmittelbaren Wollen nachgeht. Das Phänomen tritt nur dort auf, wo eine Überlegung stattfindet: die praktische Überlegung. Sie impliziert einen Handlungsvorsatz, weil das Ergebnis der praktischen Überlegung die Antwort darauf darstellt, was in einer konkreten Situation die beste Handlung ist. Ein Handlungsvorsatz schließt die Durchführung der Handlung ein, wenn der Handelnde die Fähigkeit dazu besitzt und keine externe Hinderung besteht. Wenn nun der Handelnde freiwillig gegen sein bestes Urteil handelt, dann hält er nach Wolf dieses Urteil nicht für das Beste. Aus dem Vorhandensein des Vorsatzes und aus der Handlung gegen sein bestes Urteil folgt, dass der Handelnde den Vorsatz gar nicht hat oder aus inneren Gründen nicht dazu fähig ist. Der Widerspruch besteht laut Wolf darin, dass man Handlungsfreiheit hat, die das handlungsrelevante Wollen beinhaltet, aber man dennoch gegen sein bestes Urteil handelt. Wenn man etwas nicht tut, dann hält man es nicht für das beste Urteil und will es auch nicht tun.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die philosophische Debatte um die Willensschwäche ein und stellt Ursula Wolfs Ansatz als zentrale Untersuchungsgrundlage dieses Essays vor.
2. Wolfs Betrachtung des Problems der Willensschwäche: Dieses Kapitel erläutert Wolfs Ablehnung einer widersprüchlichen Willensschwäche und führt den Begriff des "Fehlers im Selbstverständnis" sowie die Rolle der Selbsttäuschung ein.
3. Auseinandersetzung mit Wolfs Position: Eine kritische Prüfung von Wolfs Thesen, wobei hinterfragt wird, ob ihr Lösungsansatz über Thomas von Aquin tatsächlich den Kern des Widerspruchs auflöst.
4. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Relevanz der von Wolf beschriebenen Mechanismen zur Aufrechterhaltung des Selbstbildes.
Schlüsselwörter
Willensschwäche, Ursula Wolf, praktische Überlegung, Selbsttäuschung, Handlungsvorsatz, Fehler im Selbstverständnis, Rationalisierung, Thomas von Aquin, Selbstbild, Handlungsfreiheit, Wollen, Meinungsänderung, Identität, moralische Philosophie, Handlungstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Analyse der Willensschwäche anhand der Thesen der Philosophin Ursula Wolf.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von überlegtem Urteil und spontanem Handeln, der Begriff des Handlungsvorsatzes sowie die psychologisch-philosophischen Mechanismen der Selbsttäuschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu klären, wie Wolf das Phänomen der Willensschwäche definiert, und ihre Erklärung für das Handeln gegen das eigene "beste Urteil" kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische und diskursive Auseinandersetzung mit fachphilosophischer Literatur, insbesondere mit Ursula Wolfs Werk "Handlung, Glück, Moral".
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Wolfs Ablehnung widersprüchlicher Willensschwäche, ihr Konzept des "Fehlers im Selbstverständnis" und diskutiert die Schwachstellen ihres Lösungsversuchs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Willensschwäche, Selbsttäuschung, praktische Überlegung und das Selbstverständnis des Handelnden definiert.
Wie unterscheidet sich Wolfs Sichtweise von der Davidsons?
Während Davidson die Willensschwäche als ein Handeln gegen das eigene beste Urteil sieht, argumentiert Wolf, dass ein solches Handeln in einen Widerspruch führt, den es in der Realität so nicht geben kann.
Was genau bedeutet der "Fehler im Selbstverständnis" bei Wolf?
Er beschreibt den kognitiven Konflikt des Handelnden, der einerseits bestimmte höherstufige Wünsche verfolgen will, aber gleichzeitig seinem unmittelbaren, unvereinbaren Wollen nachgibt, ohne dies offen einzugestehen.
Warum spielt die Selbsttäuschung eine so große Rolle für den Handelnden?
Die Selbsttäuschung dient laut Wolf dazu, das gewünschte Bild von sich selbst aufrechtzuerhalten, indem die Kluft zwischen dem überlegten Wunsch und der tatsächlichen Handlung überdeckt wird.
Ist der Ansatz der Meinungsänderung nach Thomas von Aquin laut Autor schlüssig?
Der Autor hinterfragt diesen Ansatz kritisch, da auch bei einer Meinungsänderung im Kern der Widerspruch bestehen bleibt, gegen die ursprünglich als "beste" erkannte Meinung zu handeln.
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- Melina Boll (Author), 2021, Eine Auseinandersetzung mit der Selbsttäuschung und dem Problem der Willensschwäche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187793