Rassismus in Südafrika

Wahrnehmung und Wirklichkeit rassistischer Tendenzen in der südafrikanischen Republik im Wandel der Zeit


Hausarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung ::

1 Einleitung
1.1 Problemdefinition, Fragestellung, Relevanz
1.2 Aufbau, Methode und Ziel der Arbeit

2 Hauptteil
2.1 Überblick: Südafrika aktuell
2.2 Rassismus in Südafrika bis
2.2.1 Rassismus als Staatsziel: Die Zeit der Apartheid
2.2.2 Umgang mit der Apartheid auf internationaler Ebene
2.2.3 Versuch der Aufarbeitung durch die TRC
2.3 Rassismus im heutigen Südafrika
2.4.1 Rechtliche Grundlagen
2.4.2 Das Leben der Schwarzen: Situation in den Townships
2.4.3 Gleichberechtigung per Gesetz?

3 Schlussbetrachtung
3.1 Zusammenfassung
3.2 Konklusion

4 Abkürzungsverzeichnis

5 Literaturliste

» Stand: Juli 2007 «

1. Einleitung ::

1.1 Problemdefinition, Fragestellung, Relevanz

Es war im Jahre 1994, als die südafrikanische Republik mit den ersten freien und demokratischen Wahlen ihrer Geschichte und der Amtseinführung Nelson Mandelas zum Präsidenten einen tiefen gesellschaftlichen Wandel vollzog. Die Zeit der Apartheid, mit ihrer menschenverachtenden Rassentrennung, offenen Diskriminierung und brutalen Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit, die tausende Menschen das Leben kostete und gegen die sich der African National Congress (ANC) und andere Gruppen während der letzten Jahrzehnte zur Wehr setzten, sie war offiziell vorbei.

Das bereits in der kolonialen Phase der südafrikanischen Region seinen Anfang nehmende und dann ab 1948 unter der faktischen Alleinherrschaft der burischen –National Party (NP) aufgebaute System der Apartheid beherrschte mehr als ein halbes Jahrhundert die politische Situation im Lande und auch die Debatten auf internationaler Ebene, mit teils sehr unterschiedlichen Positionen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Befreiungskämpfern und der weißen Regierung zogen eine beispiellose Welle der Gewalt nach sich und hatten einen de facto permanent vorherrschenden Ausnahmezustand vor allem in den Townships, den Elendssiedlungen der schwarzen Bevölkerung, zur Folge. Denn kein Lebensbereich blieb von den rassistischen und rassenideologischen Grundsätzen des Apartheidregimes verschont.

13 Jahre nach dem Ende der Apartheid stellt sich ein deutlich gewandeltes Bild Südafrikas in der öffentlichen Wahrnehmung dar. Das Schicksal der „Regenbogennation“ und die letztendlich erfolgreiche „friedliche“[1] Absetzung des Apartheidsystems führten zu einer positiven Rezeption des Landes in Europa und anderswo in der Welt. Das Bild ist positiv, ja geradezu euphorisch optimistisch geworden, denkt man an das Land am Kap. Südafrika gilt seither als Hoffnungsträger des afrikanischen Kontinents, da es gelang, die rassistischen Vorurteile zu überwinden und vereint die Zukunft des Landes zu gestalten. So zumindest stellt sich die oberflächlich vereinfachende Wahrnehmung des Landes dar.

Doch wie genau ist dieses Bild tatsächlich? Wie stellt sich die Lage der schwarzen Bevölkerung 13 Jahre nach dem Ende der Unterdrückung und Diskriminierung ganz real dar? Wurde Südafrika mit dem Sieg gegen das Apartheidregime von allen Formen des Rassismus befreit? Diese und andere Fragen sollen zentral sein, wenn es in der nachfolgenden Hausarbeit darum gehen wird, die aktuelle Situation des Rassismus in der südafrikanischen Republik einer kritischen Analyse zu unterziehen.

Konkret soll bei dieser Untersuchung dabei die Beantwortung der folgenden Fragestellung im Mittelpunkt des Interesses stehen:

Inwieweit stimmt die Wahrnehmung Südafrikas mit der Wirklichkeit des Landes noch überein und herrschen auch nach dem offiziellen Ende der Apartheid nicht noch immer zahlreiche, die südafrikanische Nation spaltende, Formen von Rassismus und struktureller Diskriminierung vor, die die weitere Entwicklung der Republik gefährden?

Die Hausarbeit wird sich demnach mit der Entwicklung Südafrikas vor allem während und nach der Zeit der Apartheid auseinanderzusetzen haben und nach auch heute noch vorherrschenden Strukturen des Rassismus in der südafrikanischen Gesellschaft suchen, um die oberflächliche Wahrnehmung des Landes in Europa auf der einen mit den tatsächlichen Lebensverhältnissen der Bevölkerung auf der anderen Seite vergleichen zu können.

Aus der Fragestellung ergibt sich zudem die im Folgenden zu untersuchende These:

Die Vorstellung, mit dem formalen Ende der Apartheid sei auch der allgemeine Rassismus im Lande spürbar zurückgegangen, erscheint angesichts der noch immer in weiten Teilen der Bevölkerung manifestierten latenten Form des Rassismus als eine übertrieben positive Einschätzung zur tatsächlichen Lage und übersieht die immanenten Probleme des Landes.

Eben diese aufgestellte Behauptung auch faktisch zu untermauern und sie einer kritischen Überprüfung zu unterziehen, wird Aufgabe der folgenden Ausarbeitung sein. Die Hausarbeit erhebt dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Dies wäre angesichts des Umfangs und der Komplexität der Problematik nicht zu leisten, ja geradezu utopisch.

Vielmehr soll es darum gehen, das allgemeine Bild des vom Rassismus befreiten Südafrikas zu überprüfen und es punktuell den tatsächlich vorherrschenden Umständen gegenüberzustellen, um zu einer differenzierten Wahrnehmung Südafrikas zu gelangen und Ansätze für weitergehende Forschungsfragen zu eröffnen. Denn auch die Relevanz der folgenden Seiten besteht vor allem in der Tatsache, dass Rassismus in Südafrika in der öffentlichen Wahrnehmung des Landes kaum noch eine Rolle zu spielen scheint, obschon strukturelle Formen der Diskriminierung trotz rechtlicher Gleichstellung noch immer feststellbar sind. Angesichts dessen müssen auch die optimistischen Prognosen zur zukünftigen Entwicklung Südafrikas durchaus in Frage gestellt werden.

1.2 Aufbau, Methode und Ziel der Arbeit

Der Aufbau der Arbeit soll grundsätzlich den unterschiedlichen Phasen des Rassismus in Südafrika folgen, wobei eine Gesamtdarstellung angesichts der Begrenztheit dieser Hausarbeit keinesfalls möglich sein wird und lediglich auf die zentralen Fakten und Entwicklungen hingewiesen werden kann.

Dabei soll nach einem einführenden Überblick zur aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation Südafrikas (2.1) die Zeit des Rassismus bis 1994 genauer betrachtet werden, wobei insbesondere die Zeit der Apartheid einer Rekapitulation unterzogen werden soll (2.2). In einem dritten und letzten Abschnitt des Hauptteils dieser Hausarbeit soll daraufhin schwerpunktmäßig und punktuell auf die aktuelle Situation des Rassismus in Südafrika eingegangen werden, wobei die rechtliche Gleichstellung den faktischen Differenzen der Bevölkerungsgruppen gegenübergestellt und auf tendenzielle Entwicklungen und Prognosen eingegangen werden soll (2.3). Im abschließenden Part der Hausarbeit, der Konklusion, wird es sodann darum gehen, eine Gegenüberstellung zwischen der Wahrnehmung und der Wirklichkeit des Phänomens Rassismus in Südafrika darzustellen und die Befunde einer kritischen Bewertung zu unterziehen.

Der allgemeine Forschungsstand zu dieser Thematik erscheint durchaus besser, als dies zu anderen afrikanischen Ländern der Fall ist. Denn, obschon eine wie in dieser Hausarbeit vollzogene Gegenüberstellung von Wahrnehmung und Wirklichkeit konkret kaum stattfindet, so ist das Problem des Rassismus doch gerade für die südafrikanische Vergangenheit und die Zeit der Apartheid ausführlich dokumentiert. Menschenrechtsorganisationen schließlich können mit ihren Jahresberichten und Gutachten dazu beitragen, die aktuelle Situation in Südafrika genauer zu untersuchen. Diese „vereinfachten“ Untersuchungsbedingungen sind mit Sicherheit auch der im Vergleich zum Rest des afrikanischen Kontinents fortschrittlichen Wirtschaft Südafrikas und seiner stets etwas exponierten Stellung in Afrika zu verdanken.

Die Hoffnungen, die nach 1994 in die vereinte Regenbogennation nach ihrem Sieg gegen Rassismus und Diskriminierung gesetzt wurden, sie waren groß. Südafrika sollte sich aus dem dunklen Tal der Vergangenheit befreien und nie wieder rassistischen Vorurteilen und Ideologien unterworfen sein. Aufzuzeigen, dass diese Hoffnungen auch 13 Jahre nach dem Ende der Apartheid von zahlreichen Problemen und strukturellen Defiziten in diesem Bereich begleitet werden, soll Aufgabe und Ziel der folgenden Seiten sein.

2. Hauptteil ::

2.1 Hintergrund: Südafrika aktuell

Südafrika ist nach der friedlichen Beendigung des rassistischen Apartheidregimes eine noch immer junge Demokratie mit unzähligen Licht- und Schattenseiten, von denen einige Wesentliche im Folgenden sehr kurz angerissen werden sollen. Denn trotz der immensen Hoffnungen und Erwartungen, die in die friedliche Koexistenz der 47 Millionen Einwohner unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen und Ethnien in den neun Provinzen der Nation gesetzt werden, kämpft Südafrika auch 13 Jahre nach dem Ende der Apartheid mit strukturellen Problemen, die eine sichere Prognose in die Zukunft kaum möglich werden lassen. Denn Südafrika ist neben seiner exponierten Stellung auf dem afrikanischen Kontinent[2] vor allem eines: Ein Land der Gegensätze.

Die Republik Südafrika nimmt insbesondere aus ökonomischer Perspektive eine Sonderrolle auf dem afrikanischen Kontinent ein. Denn mit einem Bruttonationaleinkommen (BNE) von 224 Mrd. US$ und jährlich stabilen Zuwachsraten von etwa 5% kann das Land auf eine progressive wirtschaftliche Entwicklung verweisen.[3] Auch das Pro-Kopf-Einkommen ist mit 11.192 US$ (2004) für afrikanische Verhältnisse überdurchschnittlich hoch.[4] Weitere positive und durchaus herauszuhebende Kennzahlen sind die politische Stabilität der Präsidialrepublik mit föderalen Elementen sowie die verfassungsrechtliche Garantie zentraler Menschen- und Freiheitsrechte.[5] Denn ebenso wie das zentrale Prinzip der Gleichheit werden in der neuen Verfassung von 1996 unter anderem die Menschenwürde jedes Einzelnen, das Recht auf Leben sowie die Freiheit der Person, die Religions- und Meinungsfreiheit[6] oder die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit von der Verfassung garantiert.

Doch die Verfassung geht noch weit über die Implementierung dieser universellen Grundrechte hinaus: Auch der Zugang zu grundlegender Bildung, die Sicherstellung einer basalen medizinischen Versorgung, das Recht auf Nahrung, eine soziale Grundsicherung sowie der Zugang zu einer Unterkunft sollen durch den Staat garantiert werden.[7] Die faktische Realisierung derartiger grundlegender sozialer Rechte jedoch erweist sich im konkreten Fall oft mehr als problematisch, wie der Streit um eine adäquate Wasserversorgung in den Townships geradezu exemplarisch zeigt.[8]

Die einseitige Betrachtung der wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Fortschrittlichkeit und Stabilität in Südafrika würde jedoch eine nur ungenügende und oberflächliche Analyse darstellen und die vorhandenen internen Probleme des Landes nahezu völlig außer Acht lassen. Denn die wirtschaftliche Stärke der Republik bedeutet noch lange keine Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Bevölkerung. Im Gegenteil: Die strukturellen Differenzen zwischen einer breiten, verarmten und vornehmlich schwarzen Bevölkerungsmehrheit und der Akkumulation des Reichtums in einer kleinen elitären und fast ausschließlich weißen Oberschicht scheinen sich angesichts stagnierender Verhältnisse in weiten Teilen der Bevölkerung auch in der neuen Republik eher noch zu manifestieren.

Diesen Verdacht einer gefährlichen Ungleichentwicklung des Landes kann auch ein Blick auf den jährlich von den Vereinten Nationen berechneten Human Development Index (HDI)[9] bestätigen. Dieser nämlich befand sich 2004 auf exakt dem selben Niveau wie 1975 und lässt Südafrika verglichen mit den Vorjahren damit im internationalen Vergleich auf Platz 121 von 177 fallen. Die Probleme liegen insbesondere in der bereits angesprochenen extrem ungleichen Verteilung des Reichtums des Landes, der in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten unterschätzten Folgen der HIV-Pandemie[10] vor allem in den armen Regionen und den Townships sowie den noch immer ungenügenden Lebensverhältnissen der schwarzen Bevölkerung.[11]

[...]


[1] „friedlich“ ist angesichts der permanenten Gewalt und der Tausenden Opfer während der Auseinandersetzungen zwischen Regierung und schwarzer Bevölkerung freilich in sehr engem Sinne zu verstehen.

[2] Zur Einordnung Südafrikas in den afrikanischen Kontinent s. Adebajo 1996.

[3] Zu den wichtigsten hier verwendeten Kerndaten und Fakten sei verwiesen auf die aktualisierten Seiten des Auswärtigen Amtes: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laender/Suedafrika.html (1.7.07).

[4] Im HDI-Vergleich nimmt Südafrika mit diesem Wert Platz 52 von 177 ein.

[5] Siehe vor allem den Abschnitt „Bill of Rights“ der auch im Internet abrufbaren Verfassung Südafrikas: http://www.info.gov.za/documents/constitution/index.htm (17.6.07).

[6] Südafrika liegt auf dem aktuellen Ranking der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ auf Platz 44 des internationalen Ländervergleichs: http://www.rsf.org/rubrique.php3?id_rubrique=639 (1.7.07)

[7] Vgl. hierzu u.a. Artikel 26 der Verfassung: „Everyone has the right to have access to adequate housing.“

[8] Vgl. zum Streit um die Finanzierung der Wasserversorgung: Dieterich 2004 (Greenpeace Magazin).

[9] Die getroffenen Aussagen basieren auf des Auswertung des Human Development Reports für Südafrika 2006: http://hdr.undp.org/hdr2006/statistics/countries/country_fact_sheets/cty_fs_ZAF.html (2.7.07)

[10] Bei einer Lebenserwartung von durchschnittlich nur 47 Jahren und einer gleichzeitig sehr jungen Bevölkerung (32,9% sind jünger als 15 Jahre) liegt die Wahrscheinlichkeit, das 40. Lebensjahr nicht zu erreichen bei 43,3% (Platz 152 im internationalen Vergleich).

[11] So sagt etwa die vergleichsweise positive Alphabetisierungsrate von 82,4% nichts über die zum Teil drastischen Unterrichtsbedingungen für die Kinder in den Townships aus (Schulwege von bis zu 30km, ein nur unzureichend ausgebildetes Lehrpersonal, der katastrophale bauliche Zustand der Schulen usw.)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Rassismus in Südafrika
Untertitel
Wahrnehmung und Wirklichkeit rassistischer Tendenzen in der südafrikanischen Republik im Wandel der Zeit
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar - Das Afrikabild Europas: Wahrnehmung eines Kontinent im Wandel der Zeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V118782
ISBN (eBook)
9783640221240
ISBN (Buch)
9783640230020
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrikabild, Europas, Wahrnehmung, Kontinent, Wandel, Zeit
Arbeit zitieren
Jens Marquardt (Autor), 2007, Rassismus in Südafrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118782

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