Biographiearbeit mit Adoptiv- und Pflegekindern


Hausarbeit, 2021

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition der Biographiearbeit

3. Die Vorteile der Biographiearbeit

4. Wichtige Aspekte, die zu beachten sind

5. Entwicklung des Konzepts „Rückführung in eine bekannte Heimat“
5.1 Anlass und Rahmenbedingungen
5.2 Zielgruppe und Gruppengröße
5.3 Zielsetzung für das Konzept
5.4 Vorbereitungen

6. Methodik, Inhalt und Durchführung
6.1 Verwendete Methoden während des Konzeptes
6.2 Auftaktsitzung Projekttag 1 – Kennenlernen und Vertrauen schaffen
6.3 Folgesitzung Projekttag 2 – Das bin ich und dort lebe ich momentan
6.4 Folgesitzung Projekttag 3 – Meine Herkunftsfamilie und meine Vergangenheit
6.5 Ausblick über den weiteren Verlauf und Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Biographiearbeit im Allgemeinen und geht dann in einen praktischen Teil über, bei dem beispielhafte Sitzungen zur Biographiearbeit mit Adoptiv- und Pflegekindern dargestellt werden. Durch meine Arbeit in einer Kindertageseinrichtung und der übernommenen Position als stellvertretende Einrichtungsleitung, habe ich immer häufiger Kontakte mit dem Jugendamt. In unserer Kindertageseinrichtung betreuen wir zum Teil auch Kinder, die aufgrund unterschiedlicher Sachlagen aus ihren ursprünglichen Familien geholt wurden und nun in Pflegefamilien aufwachsen. Die Arbeit mit diesen Kindern hat mich schon immer sehr interessiert und durch die enge Zusammenarbeit mit den Pflegeeltern und dem Jugendamt habe ich hier die Biographiearbeit mit diesen Kindern kennengelernt. In dieser Arbeit werde ich einsteigen, indem ich zu Beginn grundsätzliche Aspekte der Biographiearbeit darstelle. Fortführend werde ich wichtige Anhaltspunkte zu den Adoptiv- und Pflegekindern vermitteln und dann in den Praxisteil übergehen, in dem ich Sitzungen zur Biographiearbeit mit diesen Kindern geplant habe.

2. Begriffsdefinition der Biographiearbeit

Biographiearbeit meint die eigene und die Fremdreflexion. Erinnerungen, Erlebnisse und Erfahrungen werden einsortiert und gewinnen an Bedeutung. Dies ist wichtig, um einen Blick für die Zukunft zu erhalten. Die Biographiearbeit hilft sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und sie so besser zu verstehen. Die Erinnerungen werden als Teil des eigenen Lebens anerkannt und man lernt sie einzuordnen. Biographiearbeit ist somit zusammengefasst eine Aufzeichnung des äußeren Lebensweges und der inneren Prozesse. (Ryan & Walker, 2007, S.13ff.)

3. Die Vorteile der Biographiearbeit

Kinder, die durch unterschiedliche Gründe von ihrer Herkunftsfamilie getrennt wurden, haben keine oder nur schwer eine Chance ihre Wurzeln zu ergründen. Für diese Kinder fehlt ein Teil ihrer Vergangenheit und oft stellt sich dann die Frage, wo sie herkommen und wer sie sind. Biographiearbeit geschieht in intakten Familien, wo die Kinder in ihrer Herkunftsfamilie leben, im Alltag. Die Eltern erzählen den Kindern Geschichten aus der Kindheit, es werden Bilder angesehen und die Kinder können jeder Zeit nachfragen, wenn etwas offen ist. Biographiearbeit setzt hier an und möchte den Kindern, denen ein Teil ihrer Vergangenheit fehlt, helfen. Einfühlsame Erwachsene können bei diesen Kindern in vertrauten Gesprächen und durch die Beschaffung von Gegenständen, Bildern und Informationen über Personen aus deren Vergangenheit diese Lücke füllen. Die Biographiearbeit ist besonders wertvoll, da sie für Erwachsene und Kinder jeden Alters geeignet ist. Jedem Menschen steht es zu, zu erfahren, woher er kommt und wo seine Vergangenheit liegt. Oftmals kann man Kindern auch durch das Mitteilen des Grundes einer Trennung von der Herkunftsfamilie, Schuldgefühle nehmen. (Ryan & Walker, 2007, S.13ff.; Ruhe, 2014, S.33ff.)

4. Wichtige Aspekte, die zu beachten sind

Als wichtigster Aspekt in der Vorbereitung der Biographiearbeit wird das Nachforschen gesehen. Kinder, die in einer Pflegefamilie oder einem Kinderheim untergebracht sind, haben eine Akte, in der bereits Informationen gesammelt wurden. Die Person, die die Biographiearbeit durchführt, sollte diese Akte zuvor genau lesen und so viele Informationen wie möglich über die Vergangenheit des Kindes sammeln. Es sollte klar sein, ob ein sexueller Missbrauch des Kindes in der Vergangenheit im Raum steht, da hier besonders vorsichtig beim Befragen der nächsten Angehörigen umgegangen werden muss.

Durch das Kontaktieren der vermeintlichen Täter könnten sie aufgeschreckt werden und oftmals versuchen sie dann die Kinder zum Schweigen zu bringen. Der Erwachsene, der die Biographiearbeit durchführt sollte zudem sehr engagiert sein, da er eventuell bei der Informationsbeschaffung hartnäckig sein muss, um so viele Erinnerungen wie möglich zu sammeln. (Ryan & Walker, 2007, S.31ff.)

5. Entwicklung des Konzepts „Rückführung in eine bekannte Heimat“

Im folgenden Abschnitt werden die wichtigsten Eckdaten zu der geplanten Biographiearbeit gegeben. Dies dient, um die Planung der Sitzungen nachvollziehen zu können und das Ergebnis besser beurteilen zu können.

5.1 Anlass und Rahmenbedingungen

Der Anlass für die zu planenden Sitzungen bezüglich der Biographiearbeit ist eine Anfrage durch die Pflegeeltern der Kinder. Es handelt sich um Kinder, die aus einer afrikanischen Herkunftsfamilie kommen und in langsamen Schritten auf einen Zielpunkt in 6 Monaten wieder rückgeführt werden sollen. Da die Kinder sehr jung waren, als sie aus der Herkunftsfamilie genommen wurden, können sie sich nur kaum an ihre leiblichen Eltern und die damit verbundene Vergangenheit erinnern. Hier soll das Konzept ansetzen und diesen Kindern ein Bild über ihre Vergangenheit und ihre Herkunftsfamilie geben. Sie sollen die Kultur, die ihnen mittlerweile fremd ist verstehen und annehmen können. Zudem sollen die Kinder in diesen Sitzungen den Grund für die Herausnahme aus der Herkunftsfamilie mitgeteilt bekommen.

Die Sitzungen werden in den Räumen des zuständigen Jugendamtes stattfinden, da die Kinder mit diesen Räumen vertraut sind. Bei den Sitzungen werden auf Zustimmung der Kinder, die zuständige Jugendamtsmitarbeiterin, die Pflegeeltern und die Fachkraft, die die Sitzungen durchführt anwesend sein. Die wichtigste Rahmenbedingung ist, dass die Kinder den anwesenden Erwachsenen vertrauen und sich vor diesen öffnen können.

5.2 Zielgruppe und Gruppengröße

Die Zielgruppe sind Kinder, die aus der Herkunftsfamilie entnommen wurden und ihren Platz in einer Pflegefamilie gefunden haben. Diese Kinder sind drei Geschwister und daher kommt auch die relativ kleine Gruppengröße von 3 Kindern. Es wurde diese Gruppe gewählt, da sie einen gemeinsamen Teil in ihrer Vergangenheit haben und somit eine starke Verbindung haben. Die Kinder kommen aus einer afrikanischen Familie, die vor der Inobhutnahme der Kinder in einem Übergangsheim für Flüchtlinge untergebracht war. Das älteste Kind hat die Flucht aus dem Heimatland Nordafrika pränatal miterlebt. Das mittlere Kind ist in einer Erstaufnahmestelle auf die Welt gekommen und hat dort die ersten Lebensmonate verbracht. Das dritte Kind hat seine ersten Lebensmonate in der letzten Unterkunft (Musterhäuser für Flüchtlingsfamilien) verbracht. Die Kinder wurden aufgrund mehrerer Gründe aus der Familie entnommen. Unter anderem standen emotionale Vernachlässigung und der Dreh von Kinderpornographie im Raum. In wie fern diese Kinder betroffen waren, konnte man nicht genau nachweisen. Zum Zeitpunkt der Inobhutnahme waren die Kinder 6 Jahre, 5 Jahre und 11 Monate. Mittlerweile sind die Kinder 10 Jahre, 9 Jahre und 5 Jahre. Begleitend werden die zuständige Jugendamtsmitarbeiterin, die Pflegeeltern und die Fachkraft, die die Biographiearbeit durchführt anwesend sein.

5.3 Zielsetzung für das Konzept

Das Ziel der Sitzungen zur Biographiearbeit ist, dass die Kinder die Gründe für die Trennung der Herkunftsfamilie verstehen und versuchen in Bezug zur Realität anzunehmen. Die Kinder sollen durch das Rekonstruieren ihrer Vergangenheit einen Bezug zu ihrer Herkunftsfamilie herstellen und somit auch die ihnen noch fremde Kultur besser verstehen und annehmen können. Da die Kinder zum Teil noch sehr jung waren, als sie aus der Herkunftsfamilie entnommen wurden, sollen die Sitzungen zur Biographiearbeit ihnen ihre Herkunft nahe bringen und damit eine gesunde Identitätsentwicklung fördern. Den Kindern soll bewusst werden, wo sie herkommen und was die Gründe für die Trennung waren, um ihnen so vermeintliche Schuldgefühle zu nehmen. Durch die Biographiearbeit erhalten die Herkunftsfamilie und die damit verbundenen leiblichen Eltern einen emotionalen Stellenwert im Leben der Kinder. Damit wird ihnen die bevorstehende Rückführung in ihre Herkunftsfamilie erleichtert. Dies war auch der Grund für das Aufsuchen der Sitzungen zur Biographiearbeit. Die Pflegeeltern wünschen sich, dass die Kinder eine erfolgreiche Rückführung erleben und keinen Schaden dadurch nehmen. (Wiemann, 2009, S.108ff.)

5.4 Vorbereitungen

In den Vorbereitungen wird mit ersten Nachforschungen bezüglich der Vergangenheit der Kinder begonnen. Hierzu werden die vorliegenden Akten beim Jugendamt gesichtet und wichtigste Anhaltspunkte herausnotiert. Aufgrund der Akten lassen sich erste Anhaltspunkte finden, ob ein eventueller sexueller Missbrauch vorliegt. Nach polizeilichen Ermittlungen kann davon ausgegangen werden, dass die drei Geschwister zum Zeitpunkt der Video-Drehs nicht mehr in der Herkunftsfamilie und den Wohncontainern wohnte. Jedoch sollte in den Sitzungen vorsichtig und einfühlsam vorgegangen werden, um kein Trauma hervorzurufen, auf das man nicht vorbereitet wäre.

Anhand der Akte können nun engste Verwandte, vordergründig die leiblichen Eltern angeschrieben werden. In diesem Schreiben werden Fotos und Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit der Kinder erfragt, die dem Kind dann als Anhaltspunkte dienen, um Erinnerungen zu sortieren und einordnen zu können. Der zuständige Sozialarbeiter, der für die Kinder zuständig ist, wird enge Verwandte der Kinder besuchen und so weitere Informationen sammeln. Bei Besuchen sind die Eltern oft offener und geben eher Informationen preis, wie in Briefen. Sie haben ein Gegenüber, das sie sehen und einschätzen können. Zudem kommt im Fall der drei Geschwister noch die sprachliche Barriere mit den Eltern hinzu, welche lediglich französisch sprechen. Hier kann direkt mit einem Dolmetscher vorgegangen werden. Oftmals könne bei diesen Besuchen Bedenken der Eltern angehört und beseitigt werden. Nicht selten machen Eltern sich Vorwürfe, dass ihre Kinder in Obhut genommen werden mussten. Auch die Tatsache, dass ihr Kind Hilfe bei der Erinnerung an die Vergangenheit und die leiblichen Eltern braucht, verunsichert diese oft. Sie denken, dass ihr Kind sich nicht mehr an sie erinnern kann, weil es sie vermutlich vergessen haben könnte. Hier kann der Sozialarbeiter direkt intervenieren. Auch die Pflegeeltern werden gebeten Bilder von den Kindern, gemeinsam mit ihnen und von deren Erlebnissen mitzubringen. Die zu verwendenden Methoden werden genauestens durchdacht und vorbereitet. Unmittelbar vor der ersten Sitzung werden die Kinder in ihrer Pflegefamilie besucht und ihnen wird das Vorgehen in den Sitzungen erklärt. Sie bekommen gesagt, was das Ziel dieser Sitzungen ist. Durch diesen Besuch zu Hause in der gewohnten Umgebung bauen die Kinder Vertrauen auf und knüpfen erste Kontakte mit der Fachkraft. (Ryan & Walker, 2007, S.13ff.)

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Details

Titel
Biographiearbeit mit Adoptiv- und Pflegekindern
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Autor
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1188108
ISBN (Buch)
9783346621634
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biographie, Biografie, Biografiearbeit, Biographiearbeit, Adoptivkinder, Pflegekinder, Leibliche Kinder, Migration, Migrationsfamilie, Migrationshintergrund, Afrikanisch, Afrikanische Kinder, Flüchtling, Flüchtlingsfamilie, Flüchtlingskinder, Herkunft, Wurzeln, Sitzung, Rückführung, Jugendamt, Adoption, Pflegefamilie, Konzept, Konzeptentwicklung, Kinder, Inobhutnahme, Afrikanische Kultur
Arbeit zitieren
Beatrix Albrecht (Autor:in), 2021, Biographiearbeit mit Adoptiv- und Pflegekindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188108

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