Schon bei dem Versuch der Begriffsdefinition der Digitalisierung wird klar, dass es sich hier um einen mehrdeutigen Begriff handelt, dessen Ausrichtungen ein breites Feld an Projekten, Forschungen und Zielsetzungen aufweist. Die Projekte und Zielsetzungen sowie die damit verbundenen Begriffserklärungen richten sich dabei an den Priorisierungen der einzelnen Bereiche aus. Eine große Literaturvielfalt lässt sich auch im Bereich des Rettungswesens finden. Auf eine Auswahl an Projekten und Zielsetzungen aus diesem Bereich wird in dieser Arbeit näher eingegangen.
Der Rettungsdienst steht dabei als zentraler Baustein im Fokus der meisten Digitalisierungsprojekte des Rettungswesens. Ein gemeinsames Ziel dieser Projekte ist die Verbesserung der Versorgungsqualität der Notfallversorgung in Deutschland. Hier ist die Beteiligung vieler Akteure von Beginn einer Notfallsituation bis zur stationären oder ambulanten Weiterversorgung gefragt.
Bevor sich die Arbeit mit den Zielen der Digitalisierung im Rettungswesen beschäftigt, wird im ersten Schritt versucht, eine allgemeine Begriffsklärung in Bezug auf den Terminus Digitalisierung zu finden. Im nächsten Schritt werden die Ziele der Digitalisierungen im deutschen Rettungswesen allgemein vorgestellt. Darauf folgt eine detaillierte Vorstellung ausgewählter Digitalisierungsprojekte im Bereich der Notfallorganisation und der Notfallversorgung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung: Digitalisierung
3. Vorhandene Digitalisierungen im Tätigkeitsfeld der Notfallsanitäter*innen
3.1. Notfalldetektion und -meldung
3.2. Strukturierte Notrufabfrage und Situationsbewertung
3.3. Telemedizinische Unterstützung
4. Zusammenfassung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse digitaler Transformationsprozesse im deutschen Rettungswesen, um deren Potenzial zur Steigerung der Versorgungsqualität bei der Notfallversorgung zu untersuchen.
- Begriffsdefinition der Digitalisierung im rettungsdienstlichen Kontext
- Methoden der automatisierten Notfallerkennung und Notrufmeldung
- Optimierung der Notrufbearbeitung durch strukturierte Abfragesysteme
- Einsatzmöglichkeiten telemedizinischer Unterstützung und Telenotarztsysteme
- Herausforderungen bei der Implementierung digitaler Technologien
Auszug aus dem Buch
3.1. Notfalldetektion und -meldung
Im Bereich der Notfalldetektion und Notfallmeldung steht aktuell das Mobiltelefon und die automatische Notfallerkennung im Fokus der Digitalisierung. (Audebert et al., 2021, S. 120) Da der Einsatz von Mobiltelefonen im überwiegenden Teil unserer Gesellschaft zum Alltag geworden ist, ist es nicht allzu verwunderlich, dass diese digitale Technik für die Arbeit des Rettungsdienstes eine wichtige Rolle spielt. (Elsner et al., 2018, S. 251f) Der Nutzungsrahmen und das Potenzial dieser Technologie soll und wird bereits in einigen Rettungsdienstbereichen mittels digitaler Optimierung ausgebaut. Ziel ist, den Funktionsrahmen von einfachen Sprachanrufen um die Möglichkeiten einer Standortübermittlung, Videotelefonie sowie einer Notruf-App zu erweitern. (Audebert et al., 2021, S. 121ff) Eine Hürde bei der Einführung dieser Möglichkeiten stellen die abschließenden datenschutzrechtlichen Regelungen dar. Entsprechende Forderungen seitens des Europäischen Parlaments über den Europäischen Kodex für die elektronische Kommunikation postulieren, dass bis Ende 2020 Notrufe per Videoverbindung und weiteren Kommunikationsarten kostenlos zur Verfügung stehen müssen. (ebd., S. 122) Trotz der einheitlichen Bundesentscheidung zur Einführung einer Notruf-App treffen einige Leitstellen noch heute die Entscheidung eigenständig, ob es zum Einsatz einer solchen Technologie kommt oder nicht. (ebd., S. 121f) Eine Standortermittlung mittels GPS (Global Positioning System) oder durch den Einsatz von AML-Verfahren (Automated Mobile Location) ist in den meisten Leitstellenstandorten bereits möglich und gängige Praxis. (ebd., S. 122) Ein weiterer Bereich der Notrufoptimierungen besteht im Ausbau einer automatischen Notfallerkennung und der automatisierten Notrufmeldung. Eine weit verbreitete Technologie, die sich bereits seit einigen Jahren in Deutschland finden lässt, ist das Hausnotrufsystem. (Scholz & Aurbek, 2013, S. 573f) Patienten und Patientinnen tragen das System in Form einer Halskette oder eines Armbandes direkt am Körper. Im Falle einer Bewusstlosigkeit der Betroffenen reagieren die Systeme auf die Lageänderung und setzen infolgedessen einen Notruf an die zuständige Hausnotruf-Leitstelle ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Vielfalt digitaler Projekte im Rettungsdienst und definiert das übergeordnete Ziel, die Versorgungsqualität durch technologische Innovationen zu verbessern.
2. Begriffserklärung: Digitalisierung: Dieses Kapitel erörtert die Mehrdeutigkeit des Digitalisierungsbegriffs und spezifiziert ihn im Kontext von Automatisierung, Optimierung und digitalen Transformationsprozessen im Gesundheitswesen.
3. Vorhandene Digitalisierungen im Tätigkeitsfeld der Notfallsanitäter*innen: Das Hauptkapitel beschreibt spezifische Anwendungsbereiche von der automatisierten Notfalldetektion bis hin zur telemedizinischen Unterstützung der Einsatzkräfte.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert den aktuellen Stand der Digitalisierung, weist auf die föderale Ungleichheit bei der Umsetzung hin und betont die Notwendigkeit von Aus- und Fortbildung.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die beschriebenen Ansätze nur einen Teil der Möglichkeiten darstellen und unterstreicht die Bedeutung gesellschaftlichen Vertrauens sowie die Rolle von Künstlicher Intelligenz für die Zukunft.
Schlüsselwörter
Rettungswesen, Digitalisierung, Notfallversorgung, Notfallsanitäter, Telemedizin, Telenotarztsystem, Notruf, Künstliche Intelligenz, Leitstelle, Notfalldetektion, eCall, Gesundheitswesen, Rettungskette, Versorgungsqualität, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem aktuellen Stand und den Zukunftsperspektiven der Digitalisierung innerhalb des deutschen Rettungswesens.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Notfalldetektion, der strukturierten Notrufbearbeitung sowie der telemedizinischen Unterstützung im Rettungsdienst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie digitale Technologien die Versorgungsqualität der präklinischen Notfallversorgung optimieren und bestehende Prozessabläufe verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse aktueller Studien, Fachpublikationen und rechtlicher Rahmenbedingungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Digitalisierungsprojekte wie eCall, strukturierte Notrufabfragesysteme, künstliche Intelligenz und Telenotarztsysteme detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Rettungswesen, Digitalisierung, Notfallversorgung, Telemedizin und Künstliche Intelligenz.
Welche Rolle spielt der Föderalismus bei der Digitalisierung des Rettungsdienstes?
Der Föderalismus führt zu einer ungleichmäßigen Umsetzung digitaler Projekte, da Priorisierungen und Förderungen auf Länder- oder Kreisebene individuell entschieden werden.
Welchen Vorteil bietet das Telenotarzt-System (TNA)?
Das TNA-System verbessert insbesondere in ländlichen Regionen die Versorgungsqualität und reduziert Anfahrts- sowie Einsatzzeiten durch telemedizinische Expertise.
Wie trägt Künstliche Intelligenz zur Notrufbearbeitung bei?
KI wird zur Optimierung der Symptomeinordnung, zur automatischen Identifizierung von Schlüsselwörtern und zur Unterstützung der Situationsbewertung durch Dispatcher eingesetzt.
- Quote paper
- Alexander Franke (Author), 2021, Die Digitalisierung des deutschen Rettungswesens. Ein Überblick über Notfalldetektion, Notrufabfrage und telemedizinische Unterstützung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188688