Die Untersuchung der vorliegenden Arbeit konzentriert sich in diesem Zusammenhang auf die Dominanz der konzeptionellen Mündlichkeit bei der WhatsApp-Kommunikation. Zuerst wird das Modell der konzeptionellen Mündlichkeit nach Koch und Oesterreicher aufgegriffen. Dies schließt auch eine Definition der Bezeichnungen gesprochen/mündlich und geschrieben/schriftlich nach Ludwig Söll ein. Daraufhin werden "die Sprache der Nähe" und "die Sprache der Distanz" nach Koch und Oesterreicher erläutert. Im nächsten Schritt stehen die allgemeinen Merkmale der internetbasierten Kommunikation im Fokus, in die auch die WhatsApp-Kommunikation eingeordnet wird. Hiernach werden die Merkmale der konzeptionellen Mündlichkeit in der Chatkommunikation untersucht, worauf eine Erläuterung der Vorgehensweise bei der Erhebung der Daten und der Methodik der Analyse folgt. Darauf basierend werden zwei WhatsApp-Chats im Hinblick auf die Charakteristika der konzeptionellen Mündlichkeit und die Phänomene der Syntax und der Morphologie analysiert, um festzustellen, ob bei der WhatsApp-Kommunikation eine Dominanz der konzeptionellen Mündlichkeit zu erkennen ist. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit unter Orientierung an der Problemstellung zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ZWISCHEN MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT: BETRACHTUNG AUS DER SPRACHTHEORETISCHEN SICHT
2.1 DAS VIEFELDERMODELL NACH SÖLL
2.2 DIE SPRACHE DER NÄHE UND DISTANZ NACH KOCH UND OESTERREICHER
2.3 CHARAKTERISTIKA DER KONZEPTIONELLEN MÜNDLICHKEIT BEI DER QUASI-SYNCHRONEN KOMMUNIKATION
3. DATEN UND METHODIK
4. UNTERSUCHUNG DER KONZEPTIONELLEN MÜNDLICHKEIT BEI DER WHATSAPP- KOMMUNIKATION
4.1 ELLIPSEN
4.2 PARATAXEN
4.3 SPRACHLAUTVERÄNDERUNGEN
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Gestaltung von WhatsApp-Kurznachrichten, um zu eruieren, ob eine Dominanz der konzeptionellen Mündlichkeit in dieser Form der internetbasierten Kommunikation vorliegt. Dabei werden anhand linguistischer Analysemethoden zwei WhatsApp-Chats hinsichtlich syntaktischer und morphologischer Phänomene ausgewertet.
- Konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit nach Koch/Oesterreicher
- Merkmale der Sprache der Nähe und Distanz
- Syntax und morphologische Phänomene in der Chatkommunikation
- Analyse von Ellipsen, Parataxen und Sprachlautveränderungen
- Vergleich von Alltagsgesprächen in sozialen Medien
Auszug aus dem Buch
4.1 Ellipsen
Eine eindeutige Definition des Begriffs „Ellipse“ existiert in der Linguistik nicht. Dürscheid und Frick (2016: 80) verstehen Ellipsen als „grammatische Auslassungen, die aus dem Kontext rekonstruiert werden können“. Bühler (2013: 182) definiert Ellipse hingegen als „Sprachzeichen, die das tägliche Leben hervorbringt“.
Der Ausdruck „Fahren gleich“ ist hinsichtlich der Valenz unvollkommen. Das Verb nimmt die Erststelle ein. Hierbei handelt es sich um eine Subjektellipse. In der Nachricht ist keine Information zur Person enthalten. Bei einer Eins-zu-Eins Kommunikation ist jedoch klar, wer hinter dem Subjektpronomen steht. WhatsApp Nachrichten sind für Subjektellipsen prädestiniert. Da der Nachrichtenverlauf vorhersehbar ist, bereitet die Reduktion der Satzteile keine Verständnisprobleme (vgl. Dürscheid/Frick 2016: 80f.). Das konjugierte Verb gibt Informationen über das Subjekt. Da Daria mit ihren Freunden auf der Party ist, weiß Katharina, mit wem sie fahren wird. Schwitalla (2012: 107) beschreibt das gemeinsame Kontextwissen als eine Voraussetzung für die Verwendung von Ellipsen. Wer nicht über dieses Kontextwissen verfügt, kann die Äußerung nicht verstehen (vgl. ebenda: 107).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Relevanz von WhatsApp als Kommunikationsmedium ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der Dominanz der konzeptionellen Mündlichkeit.
2. ZWISCHEN MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT: BETRACHTUNG AUS DER SPRACHTHEORETISCHEN SICHT: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen wie das Viefeldermodell nach Söll sowie das Konzept der Sprache der Nähe und Distanz.
3. DATEN UND METHODIK: Hier wird die Auswahl des Analysematerials aus der Datenbank MoCoDa2 sowie das methodische Vorgehen bei der Untersuchung der WhatsApp-Chats beschrieben.
4. UNTERSUCHUNG DER KONZEPTIONELLEN MÜNDLICHKEIT BEI DER WHATSAPP- KOMMUNIKATION: Das Hauptkapitel analysiert konkrete Chatbeispiele auf Ellipsen, Parataxen und Sprachlautveränderungen, um die theoretischen Thesen in der Praxis zu prüfen.
5. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die WhatsApp-Kommunikation stark von konzeptioneller Mündlichkeit geprägt ist.
Schlüsselwörter
WhatsApp, konzeptionelle Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Sprache der Nähe, Syntax, Morphologie, Chatkommunikation, Sprachlautveränderungen, Ellipsen, Parataxen, Klitisierung, internetbasierte Kommunikation, Sprachwandel, Linguistik, MoCoDa2
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Eigenschaften der WhatsApp-Kommunikation und analysiert, ob diese eher durch konzeptionelle Mündlichkeit oder durch Schriftlichkeit geprägt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen Nähe- und Distanzsprache, die Besonderheiten internetbasierter Kommunikation sowie spezifische syntaktische und morphologische Strukturen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Dominiert die konzeptionelle Mündlichkeit bei der WhatsApp-Kommunikation?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine exemplarische qualitative Analyse von WhatsApp-Chats aus der Datenbank MoCoDa2, um grammatikalische Phänomene wie Ellipsen, Parataxen und Sprachlautveränderungen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung und eine praktische Analyse von Chatprotokollen hinsichtlich syntaktischer und morphologischer Merkmale der konzeptionellen Mündlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Analyse wird maßgeblich durch Begriffe wie konzeptionelle Mündlichkeit, Sprache der Nähe, WhatsApp-Kommunikation, Syntax und morphologische Vereinfachung charakterisiert.
Warum wurden für die Analyse ausgerechnet zwei Chatverläufe von Geschwistern gewählt?
Die Auswahl dient der Untersuchung von Kommunikation unter hoher Vertrautheit, da diese ein wesentliches Merkmal der "Sprache der Nähe" darstellt und somit konzeptionell mündliches Schreiben begünstigt.
Welche Rolle spielt die Datenbank MoCoDa2 in dieser Untersuchung?
Die Datenbank dient als verlässliche und anonymisierte Quelle für reale Alltagskommunikation, die für die sprachwissenschaftliche Untersuchung von Kurznachrichten essenziell ist.
- Arbeit zitieren
- Sündüz Ilgaz (Autor:in), 2022, Mündlichkeit und Schriftlichkeit bei der WhatsApp-Kommunikation. Dominiert die konzeptionelle Mündlichkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188838