Der Religionsaspekt in Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise"


Hausarbeit, 2008
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Allgemeine Angaben zum Thema und zur Vorgehensweise

2. Hauptteil
2.1 Das Religionsverständnis Lessings als Hintergrundwissen
2.2 Das Religionsverständnis der Figuren Nathan, Sultan Saladin und Tempelherr im Drama und ihre Entwicklung
2.2.1 Nathan
2.2.2 Sultan Saladin
2.2.3 Tempelherr
2.2.4 Zwischenfazit
2.3 Der Absolutheitsanspruch der Religion
2.4 Die Ringparabel als Erklärungsansatz für Toleranz

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Allgemeine Angaben zum Thema und zur Vorgehensweise

In der von mir vorgelegten Hausarbeit möchte ich mich mit dem Religionsaspekt des Werkes „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing beschäftigen, welches 1779 erschien.

Das Thema Religion beschäftigte Lessing sehr stark. Er wollte sich niemals damit zufrieden geben, was ihm beispielsweise durch die Kirche vorgegeben wurde, nein, er möchte sich sein eigenes Bild schaffen. Aus diesem Grund behandelte er den Religionsaspekt auf vielfältige Weise in vielen seiner Werke.

So auch im „Nathan“. Hier war ihm ein besonderes Anliegen, aufzuzeigen, dass seiner Meinung nach die drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam eigentlich alle dieselbe Basis haben und auf gewisse Weise doch dasselbe glauben, auch wenn sie es vehement bestreiten. Daher führt er die Verfechter der einzelnen Religionen im Werk am Ende zusammen, indem er durch den Hauptprotagonisten Nathan aufdeckt, dass sie alle in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander stehen. Der Toleranzgedanke war somit geweckt!

Meine Hausarbeit habe ich folgendermaßen aufgebaut, um den Religionsaspekt im Werk „Nathan der Weise“ herauszuarbeiten:

Ich werde zunächst auf das Religionsverständnis des Verfassers selbst eingehen, da ich denke, dass dies als Hintergrundwissen eine gewisse Basis für den weiteren Verlauf der vorliegenden Hausarbeit bieten wird. Zu diesem Zweck werden einzelne biografische Aspekte aus Lessings Leben und Wirken herangezogen, da diese maßgeblich für seine Gedanken waren, die er im Drama verarbeitete.

Im Anschluss daran werde ich das Religionsverständnis dreier elementarer Figuren des Werkes herausarbeiten. Dabei handelt es sich um die Schlüsselfigur Nathan, der Jude ist, weiterhin um den Moslem Sultan Saladin und zuletzt um den christlichen Tempelherrn. Bei dieser Gegenüberstellung sollen die Positionen bewusst gemacht werden, die die Figuren zu Beginn der Handlung einnehmen und wie sie sich innerhalb des Dramas entwickeln.

Da „Nathan der Weise“ in der Epoche der Aufklärung verfasst wurde, war es Lessing ein wichtiges Anliegen, aufzuzeigen, wie sich die Personen innerhalb des Geschehens bezüglich ihres Religionsverständnisses entwickeln und vor allem hinzulernen. Der Toleranzbegriff spielt hier immer wieder eine zentrale und tragende Rolle. Vor allem Nathan, der gleich zu Beginn als tolerant und weltoffen beschrieben wird, dient im Verlauf der Handlung immer wieder als Erzieher einzelner Figuren, was wiederum dem Aufklärungsgedanken entspricht.

Er selber hatte diese Erziehung durch tragische Erlebnisse und Verluste am eigenen Leib erlebt, was zu Beginn der Handlung beschrieben wird. Diese Ereignisse erlauben überhaupt erst, dass er die Rolle des Erziehers einnehmen kann. Nathan selber hat bereits seine Lektionen gelernt und kann diese daher weitergeben.

Der Begriff der Toleranz wird im Verlauf der Hausarbeit einen wichtigen Part einnehmen. Zunächst wird aufgeführt, dass die drei maßgeblichen Religionen, die im „Nathan“ vorkommen, jeweils einen Absolutheitsanspruch für sich erheben. Danach werde ich in einem weiteren Schritt die Ringparabel heranziehen, um daran den Toleranzbegriff zu erläutern, so wie ihn Lessing als Erklärungsansatz für die bestehenden Streitgespräche und Fragen der damaligen Zeit (die auch heute noch aktuell sind; oder gerade wieder?!) ansah.

Zuletzt ziehe ich daraus ein Fazit und schließe ein Resümee dieser Arbeit. Die Leitfrage dazu lautet:

„Kann Toleranz wie in „Nathan der Weise“ tatsächlich gelingen?“

2. Hauptteil

2.1 Das Religionsverständnis Lessings als Hintergrundwissen

Gotthold Ephraim Lessing wurde am 22. Januar 1729 in Kamenz, Sachsen geboren. Als Dichter, Literatur- und Religionskritiker zählt er zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Er war äußerst produktiv und ihn beschäftigten immer wieder wichtige Fragen der Theologie. In seinen theoretischen, literaturkritisch geprägten Schriften war Lessing stets bemüht, das literarische Schaffen von alten und überkommenen Regeln zu befreien – ein Bestreben, das den aufklärerischen Gedanken dieser Zeit erheblich vorantrieb.

Durch seine weitreichenden Studien, zum Beispiel in der Theologie, Philosophie, Medizin,[1] Mathematik und Chemie[2] und vielem mehr wird Lessings Neugierde gezeigt, Neues zu entdecken und sich nicht mit dem Geringen zufrieden zu geben. „Sein unermüdlicher Kampf um die bürgerliche Emanzipation gegenüber adligen Privilegien und sein Einsatz für die Ideale der Aufklärung (…)“[3] prägen seine Werke, im Speziellen auch das Werk „Nathan der Weise“.

Allgemein betrachtet, hatte Lessing kein einfaches Leben. Trotzdem werden seine letzten zehn Lebensjahre als die schwersten angesehen. Nachdem 1777 sein neugeborener Sohn einen Tag nach seiner Geburt verstarb, verschied nur 14 Tage später auch seine Frau Eva an den Folgen der Geburt beziehungsweise dem Kindbettfieber. Dieser Vorfall prägte Lessings Sein in entscheidender Weise, was wiederum maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung und Gestaltung des Werkes „Nathan der Weise“ hatte, welches kurze Zeit später im Jahre 1779 erschien.

Eine zweite existentielle Krise, die Lessing zum Schreiben des „Nathan“ bewog, war der so genannte „Fragmentenstreit“.[4]

Lessing war zur damaligen Zeit Herzoglicher Bibliothekar in Wolfenbüttel. In dieser Funktion war ihm die Möglichkeit gegeben, Schriften herauszugeben, ohne sie zuvor einer Prüfung durch die Zensur zu unterziehen. Genau dieser Aspekt wurde ihm zu Nutze, als er die so genannten „Fragmente eines Ungenannten“ publizierte. Erst viel später stellte sich heraus, dass es sich bei dem Ungenannten um den Hamburger Gymnasiallehrer und Orientalisten Hermann Samuel Reimarus handelte.

Lessing war mit der Familie des 1768 verstorbenen Reimarus befreundet und dadurch mit seinen christentumskritischen Schriften in Kontakt gekommen, die seine Witwe bisher versteckt gehalten hatte, aus Angst, dass sie dadurch gesellschaftliche Nachteile jedweder Art befürchten müsse. Aus diesem Grund nannte Lessing die Schriften, die er zwischen 1774 und 1778 veröffentlichte, auch „Fragmente eines Ungenannten“.[5]

Reimarus galt als Deist aus Überzeugung „und lehrte, Gott habe eine Welt geschaffen, in der das materielle, geistige und sittliche Leben nach unverrückbar feststehenden Gesetzen geregelt sei. Jegliches Wunder und jeder übernatürliche Eingriff seien ausgeschlossen“.[6]

In seinen Schriften stellte er unter anderem die These auf, dass die Jünger Jesu allesamt Betrüger waren. Sie hätten zum Beispiel die Auferstehung Jesu nur vorgegaukelt, indem sie seine Leiche gestohlen hätten. Weiterhin behauptete er, dass sich die synoptischen Evangelien und Johannes widersprechen und daher das geoffenbarte Wort Gottes unbrauchbar sei. Jesu Jünger seien Betrüger in Bezug auf Jesu Lehre und Auferstehung.[7]

Weiterhin sei es ihr Motiv gewesen, „durch die Osterpredigt Anhänger zu gewinnen und so ihr schlankes Leben, das sie als Jünger hatten führen können, als Apostel fortzusetzen“.[8]

Lessing selber vertrat die Ansichten von Reimarus keineswegs ungefiltert. Daher veröffentlichte er die Fragmente auch nicht unkommentiert, sondern versah sie seinerseits mit den so genannten „Gegensätzen des Herausgebers“, in denen er sich kritisch von den Thesen Reimarus’ distanzierte und einen eigenen Deutungsweg entwickelte, der sich vor allem gegen die als unantastbar geltenden Wahrheiten richtete.[9]

In seinen Gegensätzen widersprach Lessing unter anderem der These des Jüngerbetrugs, wie sie Reimarus in seinen Schriften aufgestellt hatte. Weiterhin zeigte er die Konsequenz auf, die die These von Reimarus seiner Meinung nach mit sich gezogen hätte. Wäre es wahr, dass die Jünger betrogen hätten, so wäre die Folge daraus, dass alle Verheißungsaussagen des christlichen Glaubens auf einer einzigen Geschichtslüge aufgebaut wären.

Lessing sagte dagegen, dass es noch nicht eindeutig geklärt sei und man nicht mit Bestimmtheit sagen könne, ob der christliche Glaube unwidersprechlich wahr oder falsch sei. Daher erschien es ihm auch als so elementar, dass die Menschen lernen sollten, selbständig zu denken, um über solcherlei Problemstellungen qualifiziert nachdenken zu können.

Weiterhin war Lessing der Ansicht, dass „in diesem geschichtlich gegründeten (und deshalb immer umstrittenen und neu zu interpretierenden) Glauben auf das Zeitalter eines dritten Bundes vorausgedeutet wird: auf das Zeitalter der Aufklärung und sittlichen Vervollkommnung, in der die Menschen Brüder des Gottessohnes sein und wie er das Gute um des Guten willen tun werden“.[10]

Allgemein beurteilte Lessing die überlieferten Wundergeschichten, wie sie in der Bibel stehen, als historische Wahrheiten, die aber eben nicht alleinig ausschlaggebend zur Annahme oder Ablehnung der Lehre Jesu führen dürften. Trotzdem waren die Wunder elementar für die christliche Lehre, um die Menschen auf sich aufmerksam zu machen und dadurch über die Jahrhunderte fort zu bestehen. Außerdem waren sie nach Lessing wichtig, um dem gesunden Menschenverstand auf die Spur zu helfen.[11]

[...]


[1] vgl. Rahner, S.20

[2] vgl. Drews, S.34 Mitte

[3] vgl. Rahner, S.20 oben

[4] vgl. Rahner, S.21 oben

[5] vgl. Rahner, S.28f

[6] vg. Gehrke, S.11 oben

[7] vgl. Möbius, S.18f

[8] vgl. Kröger, S.16 unten

[9] vgl. Möbius, S.18 Mitte

[10] vgl. Kröger, S.17f

[11] vgl. Möbius, S.20

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Religionsaspekt in Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Blockseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V118900
ISBN (eBook)
9783640220199
ISBN (Buch)
9783640223534
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine gute Darstellung, die sich der Grundschrift des Textes engagiert annimmt. Die Darstellungssprache ist ansprechend.
Schlagworte
Religionsaspekt, Gotthold, Ephraim, Lessings, Nathan, Weise, Blockseminar
Arbeit zitieren
Inka Lucht (Autor), 2008, Der Religionsaspekt in Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118900

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