Literatur des bürgerlichen Realismus und die Naturwissenschaften


Hausarbeit, 2002
13 Seiten, Note: 2

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Inhalt

Einleitung

1. Zum Begriff des bürgerlichen Realismus

2. Historischer Hintergrund

3. Wissenschaftliche Innovationen

4. Wissenschaft in der Literatur
4.1. Möglichkeiten zur Repräsentation
4.2. Beispiel Physikalische Briefe
4.3. Beispiel Kosmos

5. Zeitgenössische Ansichten zum Verhältnis von Literatur und Wissenschaft
5.1. Hans Christian Oerstedt
5.2. Wilhelm Bölsche

6. Fazit

verwendete Literatur

Einleitung

Ich werde in meiner folgenden Arbeit die Position der Wissenschaft in der Literatur des bürgerlichen Realismus näher beleuchten. Dabei beschränke ich mich auf die Darstellung der Naturwissenschaften für das breite Publikum im deutschsprachigen Raum. Wesentlich für meine Darstellung ist der Grundgedanke, der hinter dem Bedarf einer Popularisierung von Wissenschaft steht. Da wissenschaftliche Themen im relevanten Zeitraum im Bereich der Dichtkunst selten oder nur am Rande vorkommen, lasse ich diese außen vor.

Der Bestand an Literatur ist recht übersichtlich. Meine Arbeit stützt sich daher hauptsächlich auf Quellenarbeit, sowohl im Bezug auf wissenschaftliche Volksliteratur als auch mit der kritischen Beschäftigung zur selbigen.

Meine Auseinandersetzung fußen auf einem Verständnis zur Begrifflichkeit und im allgemeinen Stand der Wissenschaft zur Zeit. Weiter werden die Möglichkeiten und Arten von Publikationen anhand zweier konkreter Beispiele erörtert.

Im Anhang schließlich das Inhaltsverzeichnis mit Vorwort der Physikalischen Briefe, um einen Überblick zu den im einzelnen behandelten Themen und dem Selbstanspruch zu geben.

1. Zum Begriff des bürgerlichen Realismus

Die Begrifflichkeit des bürgerlichen Realismus zu erfassen, bedarf einer mehrdimensionalen Betrachtungsweise. Im Allgemeinen wird diese Strömung auf den Zeitraum zwischen 1848 und 1990 festegelegt; einer sozial-ökonomischen Krise, mitsamt Zusammenbruch der tradierten Ständeordnung und den damit verbundenen Rechts- und Sozialordnung, folgend.

Der vorindustrielle Begriff des Standes, an den Geburts- und Rechtsstatus geklammert sind, existiert nicht mehr – wir sprechen inzwischen von Klassen. Die Zugehörigkeit zu einer Klasse bestimmt die soziale Position, die damit verbunden Stellung im kapitalistischen Produktionsprozess, Eigentumsverhältnisse und folglich den Lebensstandard. Einen wesentlichen Identifikationsfaktor stellte das Vorhandensein kultureller Gemeinsamkeiten, an erster Stelle das Bildungsniveau, dar. Nur ist Streben nach Wissen besonders in der Hochzeit des sogenannten Bildungsbürgertums nicht vornehmlich von ökonomischer, sondern vor allem von sozialer und politischer Relevanz.

Andreas Huyssen spricht von Bildung als einem Instrument, deren sich die Bourgeoisie bedient, um sich klar vom Proletariat abzuheben und jenen ihre humanitäre Substanz zu rauben[1].

Die Literatur des Realismus ignoriert, im Gegensatz zur Malerei, die Arbeitswelt der Unterschicht gänzlich. Motive und Strukturen der Poesie entsprechen weitgehend den Idealen des Bürgertums. Zwar schreiben bürgerliche Autoren mit kritischer Distanz zum Bürgertum, dennoch immer wieder nur für selbiges. Ganz anders wie schon gesagt die darstellende Kunst - zumindest die fernab der Salonmalerei. Gustave Gourbet versteht den Realismus als eine möglichst objektive Widergabe der Alltagswelt in der Kunst und andererseits die thematische Konzentration auf die Welt der Arbeit, als eine Form also, die sich zwingend mit sozialkritischen Aspekten auseinanderzusetzen hat[2]. Verwiesen sei hierbei weiterhin an Menzel, Replin und v. Gogh[3].

Ob nun aber Malerei oder Literatur, die Kunst konnte sich ihrer Dialektik nicht entziehen:

der Künstler, der sich gegen die Bürgerliche Realität äußert und doch gleichzeitig der bürgerlichen Werte bedarf, da sich die bürgerliche ja als eine kulturelle Gesellschaft versteht.

2. Historischer Hintergrund

„Das Bürgertum ist unstreitig in unseren Tagen im Besitze der überwiegenden materiellen und moralischen Macht. Unsere ganze Zeit trägt einen bürgerlichen Charakter. Die politische Mündigsprechung des Bürgertums durch die erste französische Revolution hat die Pforten der Gegenwart erschlossen. [...] Seitdem drückt das Bürgertum den Universalismus des modernen gesellschaftlichen Lebens aus. Viele nehmen Bürgertum und moderne Gesellschaft für gleichbedeutend.“[4]

Das Jahr 1848 als Anfang des Bürgerlich Realismus festzulegen, möchte ich mit dem Beginn weitreichender sozio-ökonomischen Veränderung eben in diesem Jahr begründen. Die Pariser Februarrevolution weckte die revolutionäre Begeisterung im deutschen Bürgertum, welches sich auch tätlich zusammen mit der Unterschicht gegen die Einschränkung politischer Grundrechte und einer einheitlichen Nationalstaatlichkeit einzusetzen versuchte. Zwar scheiterten die Bewegungen zunächst[5], es konnte sich unter diesen Umständen aber auch eine völlig neue Art der politischen Öffentlichkeit formieren.

Dem bürgerlichen Mittelstand muss eine enorme Gewichtung im Hinblick auf seine wirtschaftliche und auch soziale Stärke im 19. Jahrhundert schließlich und endlich zugestanden werden. Durch die mit dem Wirtschaftswachstum einhergehenden Landflucht stieg der Anteil der Angestellten und Beamten, sowohl in staatlichen als auch nicht nichtstaatlichen Bereichen enorm an. Der Begriff des Bürgers gehört inzwischen stärker aufgefächert: so zählen eben nicht nur eben genannte, sondern auch gehobene Handwerker oder sonst wie Selbstständige zu jener Bevölkerungsgruppe.

Der wirtschaftliche Aufschwung ist bezeichnend für die Zeit zwischen 1850 und 1873 – wir befinden uns mitten in der Industriellen Revolution.

Als wesentlich für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts kann zudem die ständig zunehmende Mobilität, sowohl im räumlichen als auch sozialen Sinne, gelten[6]. Die Droschke wird von der Eisenbahn abgelöst, die Schifffahrt erfährt Fortschritte durch die Dampfturbine – Europa wird für den Einzelnen erschließbarer.

[...]


[1] Huyssen (Hrsg.): Die deutsche Literatur in Text und Darstellung. Bürgerlicher Realismus. Stuttgart 1974. S.14

[2] in Regel/Schulz: Moderne Kunst. Zugänge zu ihrem Verständnis. Stuttgart 1994. S. 70

[3] Es muss doch bemerkt werden, dass die Darstellung von Straßenarbeitern, Kohlebergwerkern und dergleichen zwar eine revolutionäre Darstellung im Sinne des damaligen Kunstverständnis gewesen sein mag, die Reichweite der Wirkung solcher Bilder aber sehr begrenzt blieb und der Maler immer noch Maler der Mittelschicht und nicht gesellschaftskritischer Propagandist war.

[4] Riehl in: Andreas Huyssen (Hrsg.): Die deutsche Literatur in Text und Darstellung. Bürgerlicher Realismus. Stuttgart 1974.S. 29

[5] später dann Gründung des Norddeutschen Bund 1866 / Deutschen Reichs 1971

[6] Gall: Europa auf dem Weg in die Moderne: 1850-1890. München 1989. S. 111

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Literatur des bürgerlichen Realismus und die Naturwissenschaften
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Der Bürgerliche Realismus
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V118903
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Realismus, Naturwissenschaften, Bürgerliche
Arbeit zitieren
Anke Duensing (Autor), 2002, Literatur des bürgerlichen Realismus und die Naturwissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118903

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