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Das Verhältnis von Körper und Geist. Wie entwickelte sich das Leib-Seele-Problem von Aristoteles über Descartes?

Titel: Das Verhältnis von Körper und Geist. Wie entwickelte sich das Leib-Seele-Problem von Aristoteles über Descartes?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2021 , 19 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sophie-Louise Wagner (Autor:in)

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wir erröten, wenn wir uns schämen. Unser Blutdruck steigt, wenn wir zornig sind. Die Einnahme von Drogen ruft bestimmte Erlebnisse hervor und Hirnverletzungen können zu kognitiven Ausfällen führen. Diese Phänomene zeigen, dass der Körper und unser Geist/unsere Seele in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen müssen.
Gegenstand dieser Hausarbeit ist es, sich mit diesem Verhältnis von Körper und Geist auseinanderzusetzen. Die zentrale Frage des Leib-Seele-Problems, wie sich mentale Zustände zu den physischen Zuständen verhalten, ist bis heute eine sehr umstrittene Frage der Philosophie des Geistes.

Das Ziel dieser Arbeit ist es aufzuweisen, wie aus der Frage, nach der Beziehung zwischen Körper und Geist, das Leib-Seele-Problem resultierte. Hierzu wird zunächst einmal das Leib-Seele-Problem dargestellt. Es soll verdeutlicht werden, dass die erste klassische Formulierung des Leib-Seele-Problems ihren Ursprung bei dem französischen Philosophen René Descartes findet. Deshalb wird bei der erkenntnistheoretischen Problematik angesetzt, aus welcher resultierte, dass Descartes sich für die Existenz einer geistigen Substanz, die differenziert von der des Körpers zu betrachten gilt, positioniert.

Die zwei verschiedenen Substanzen "res cogitans" und "res extensa" und die Annahme einer kausalen Interaktion sollen anschließend genauer beleuchtet werden. Das Nachdenken über den Zusammenhang von Körper und Geist geht dennoch bis in die Antike zurück. Bereits Aristoteles beschäftigte sich mit dieser Fragestellung, allerdings musste er sich mit seiner Seelenlehre nie den Problematiken stellen, wie es beispielsweise Descartes als Vertreter des Dualismus musste. Dies soll verdeutlicht werden, indem zunächst die aristotelische Seelenlehre dargestellt und auf seine Konzeption des Hylemorphismus eingegangen wird.

Im nächsten Schritt soll das Verhältnis von Körper und Geist nach Aristoteles erläutert und schließlich auf eine Ausnahme des Hylemorphismus eingegangen werden. Die theoretischen Überlegungen zu dem cartesischen Dualismus, sowie zu dem aristotelischen Hylemorphismus werden anschließend zusammengeführt. Hier sollen beide Perspektiven nochmals gegenübergestellt und die gravierenden Unterschiede zusammenfassend betont werden. Zum Schluss werden die zentralen Punkte dieser Arbeit komprimiert und eine prägnante Antwort auf die zugrunde liegende Frage der Arbeit formuliert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leib-Seele-Problem

3. Das dualistische Verhältnis von Leib und Seele nach René Descartes

3.1 Das erkenntnistheoretische Problem

3.2 Die zwei verschiedenen Substanzen „res cogitans“ und „res extensa“

3.3 Die kausale Verbindung der zwei Substanzen „res cogitans“ und „res extensa“

3.4 Die Problematik des interaktionistischen Dualismus nach Descartes

4. Der aristotelische Hylemorphismus als Gegenpol zu dem cartesischen Dualismus

4.1 Die Seele als das Prinzip des Lebens

4.2 Das Verhältnis von Körper und Seele nach dem aristotelischen Hylemorphismus

4.3 Die Ausnahme des aristotelischen Hylemorphismus

5. Ein Vergleich der zwei verschiedenen Perspektiven

6. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das historische und philosophische Verhältnis von Körper und Geist, indem sie die dualistische Position von René Descartes dem aristotelischen Hylemorphismus gegenüberstellt, um die Entwicklung des Leib-Seele-Problems kritisch zu beleuchten.

  • Analyse des cartesianischen Substanzdualismus und seiner erkenntnistheoretischen Grundlagen.
  • Untersuchung der kausalen Interaktionsproblematik zwischen res cogitans und res extensa.
  • Darstellung des aristotelischen Hylemorphismus als ganzheitliche Alternative.
  • Vergleichende Gegenüberstellung der beiden Konzepte hinsichtlich ihrer Lösung des Leib-Seele-Verhältnisses.

Auszug aus dem Buch

3.3 Die kausale Verbindung der zwei Substanzen „res cogitans“ und „res extensa“

Es scheint viel dafür zu sprechen, dass Körper und Geist aufeinander einwirken. So können psychische Stimuli Wahrnehmungserlebnisse hervorrufen, die Einnahme von Drogen kann in uns bestimmte Erlebnisse auslösen und Hirnverletzungen können zu kognitiven Ausfällen führen. Genauso kann Mentales eine körperliche Wirkung erzeugen: Scham kann zu einer Errötung der Gesichtshaut führen und Zorn kann den Blutdruck steigern. Descartes leugnet diese Wechselwirkung von Körper und Geist nicht (vgl. Beckermann 1999: 768a). Er geht davon aus, dass sich Körper und Geist beeinflussen, weshalb seine Position auch als interaktionistischer Dualismus/Interaktionismus bezeichnet wird. Als Wesen mit Empfindungen, muss der Geist aber notwendigerweise mit dem Körper zusammenhängen, weil sich sonst Empfindungen wie Schmerz nicht erklären lassen würden (vgl. Nielsen 2007: 37). Nach Descartes werden Empfindungen durch eine Verbindung von Geist und Körper hervorgebracht:

„Weiter lehrt mich die Natur durch die Empfindung des Schmerzes [...], ich sei meinem Leibe nicht nur zugestellt wie der Schiffer dem Schiff, sondern ich bin aufs innigste mit ihm vereint, durchdringe ihn gleichsam und bilde mit ihm ein einheitliches Ganzes. Wie könnte sonst ich, ein lediglich denkendes Ding, bei einer Verletzung des Körpers Schmerz empfinden? Ich würde jede Verletzung rein geistig wahrnehmen, wie das Auge des Schiffers es wahrnimmt, wenn am Schiff etwas zerbricht [...].“ (Descartes 2008, S. 195).

Descartes nimmt an, dass der Geist an einer ganz bestimmten Stelle des Körpers auf ihn einwirkt und umgekehrt, diese bestimmte Stelle sei die Zirbeldrüse: „weiter bemerke ich, dass der Geist nicht von allen Teilen des Körpers unmittelbar Eindrücke empfängt, sondern nur vom Gehirn, vielleicht sogar nur von einem ganz kleinen Teil desselben, nämlich von dem, welcher Sitz des Gemeinsinns sein soll [...]“ (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Leib-Seele-Problem ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die cartesianischen und aristotelischen Positionen zu vergleichen.

2. Das Leib-Seele-Problem: Dieses Kapitel definiert die Begriffe „Leib“, „Seele“ und „Geist“ und skizziert die historische Entwicklung der Fragestellung vom antiken Verständnis bis zur modernen Trennung.

3. Das dualistische Verhältnis von Leib und Seele nach René Descartes: Hier wird der cartesianische Dualismus als Trennung zwischen denkender und ausgedehnter Substanz sowie dessen methodische Zweifelsbegründung dargelegt.

3.1 Das erkenntnistheoretische Problem: Dieser Abschnitt behandelt die methodische Skepsis von Descartes und die Suche nach einem unbezweifelbaren Fundament für das Wissen.

3.2 Die zwei verschiedenen Substanzen „res cogitans“ und „res extensa“: Das Kapitel erläutert Descartes’ Unterscheidung zwischen der immateriellen Denksubstanz und der materiellen Ausdehnungssubstanz.

3.3 Die kausale Verbindung der zwei Substanzen „res cogitans“ und „res extensa“: Hier wird die Interaktion der Substanzen durch die Zirbeldrüse und die Rolle der „Lebensgeister“ untersucht.

3.4 Die Problematik des interaktionistischen Dualismus nach Descartes: Dieser Teil kritisiert die theoretischen Widersprüche von Descartes’ Interaktionismus, insbesondere hinsichtlich der physikalischen Erhaltungssätze.

4. Der aristotelische Hylemorphismus als Gegenpol zu dem cartesischen Dualismus: Das Kapitel führt Aristoteles’ Konzept der Einheit von Form und Materie ein, das eine ganzheitliche Alternative zum Dualismus bietet.

4.1 Die Seele als das Prinzip des Lebens: Dieser Abschnitt erklärt die aristotelische Auffassung der Seele als belebendes Prinzip, das einem Körper Vollkommenheit verleiht.

4.2 Das Verhältnis von Körper und Seele nach dem aristotelischen Hylemorphismus: Hier wird die unauflösliche Einheit von Körper und Seele am Beispiel funktionaler Tätigkeiten beschrieben.

4.3 Die Ausnahme des aristotelischen Hylemorphismus: Dieser Teil analysiert das Denken als den einzigen Bereich, den Aristoteles potenziell als unabhängig vom Körper betrachtet.

5. Ein Vergleich der zwei verschiedenen Perspektiven: Der Vergleich stellt die radikale Trennung bei Descartes der funktionalen Einheit bei Aristoteles gegenüber.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die anhaltende Relevanz der untersuchten Leib-Seele-Konzepte in der modernen Philosophie.

Schlüsselwörter

Leib-Seele-Problem, Dualismus, Hylemorphismus, René Descartes, Aristoteles, res cogitans, res extensa, Interaktionismus, Zirbeldrüse, Lebensgeister, Substanz, Denken, Körperlichkeit, Philosophie des Geistes, Erkenntnistheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem klassischen philosophischen Leib-Seele-Problem und der Frage, wie die Beziehung zwischen physischen Körpern und mentalen Zuständen zu verstehen ist.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf dem substanzdualistischen Ansatz nach René Descartes und dem aristotelischen Konzept des Hylemorphismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Entwicklung des Leib-Seele-Problems von Aristoteles über Descartes nachzuzeichnen und aufzuzeigen, warum Descartes als Vater dieses spezifischen philosophischen Problems gilt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse und komparative Untersuchung, die primäre philosophische Schriften auswertet.

Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert Descartes' Theorie der zwei Substanzen und deren kausale Problematik sowie die aristotelische Lehre der Einheit von Materie und Form.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Leib-Seele-Problem, Dualismus, Hylemorphismus, res cogitans, res extensa und Interaktionismus.

Warum wird Descartes als Vater des Leib-Seele-Problems bezeichnet?

Aufgrund seiner radikalen Trennung von Geist und Materie in zwei unterschiedliche Substanzen schuf er das philosophische Rätsel, wie diese beiden unterschiedlichen Bereiche überhaupt miteinander kommunizieren oder interagieren können.

Was unterscheidet den Hylemorphismus vom Dualismus?

Während der Dualismus Körper und Geist als zwei eigenständige, voneinander trennbare Substanzen ansieht, begreift der Hylemorphismus den Körper als Materie und die Seele als dessen Form, wodurch sie eine unauflösliche Einheit bilden.

Welche Rolle spielt die Zirbeldrüse in Descartes' Theorie?

Descartes postulierte die Zirbeldrüse als den zentralen Ort im Gehirn, an dem die Wechselwirkung zwischen der immateriellen Seele und dem physischen Körper stattfindet.

Welche Ausnahme macht Aristoteles im Hylemorphismus?

Aristoteles erwägt die Möglichkeit, dass das Denken (der Intellekt) eine Ausnahme darstellt und potenziell ohne einen spezifischen körperlichen Anteil existieren könnte.

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Details

Titel
Das Verhältnis von Körper und Geist. Wie entwickelte sich das Leib-Seele-Problem von Aristoteles über Descartes?
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
theoretische Philosophie
Note
1,3
Autor
Sophie-Louise Wagner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1189933
ISBN (PDF)
9783346628596
ISBN (Buch)
9783346628602
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Körper Geist Leib-Seele-Problem René Descartes Aristoteles Dualismus Hylemorphismus res cogitans res extensa Vergleich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sophie-Louise Wagner (Autor:in), 2021, Das Verhältnis von Körper und Geist. Wie entwickelte sich das Leib-Seele-Problem von Aristoteles über Descartes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189933
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Leseprobe aus  19  Seiten
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