Organisationen nehmen einen großen Teil in unserem Leben ein und können uns helfen Interessen, Ideen und Visionen zu verwirklichen. Dabei sind die Interessen von Person zu Person unterschiedlich und können sich über die Zeit ständig ändern. Die Anforderungen an eine Organisation sind also vielseitig und nicht selten widersprüchlich. Dies führt zu einem Konflikt in der Organisation, wodurch der Druck wächst diesen Anforderungen und Erwartungen der Außenwelt gerecht zu werden. Um diesen Konflikt zu lösen, greifen Organisationen oft auf das Konzept der Heuchelei zurück.
Was unter organisierter Heuchelei zu verstehen ist und warum dies funktional und sogar notwendig für Organisationen ist, soll in diesem Essay thematisiert werden. Dabei wird das theoretische Konzept der Heuchelei nach Nils Brunsson angewendet und zentrale Begriffe dieser Theorie geklärt. Auf Basis des erarbeiteten Wissens, wird Heuchelei an einem empirischen Beispiel erläutert. Hierbei wird analysiert wie die von Hennes & Mauritz (kurz H&M) proklamierte Nachhaltigkeit umgesetzt wird und wie die einzelnen Seiten des Unternehmens hierbei miteinander gekoppelt sind.
Da dieses Thema den Rahmen der Arbeit sprengen würde, begrenze ich mich dabei auf die Reduzierung von Textilmüll durch das Recycling, welches verstärkt von der Modebranche H&M für ihr Marketing genutzt wird. Zu Beginn dieser Arbeit gehe ich davon aus, dass das Unternehmen H&M, trotz nach außen proklamierter Nachhaltigkeit, nicht wirklich nachhaltig ist. Ich denke, das Unternehmen behauptet dies nur um Kunden und deren Bedürfnisse zufrieden zu stellen, die sich vermehrt für Nachhaltigkeit interessieren. Zum Schluss dieser Arbeit, sollen zentrale Argumente zusammengefasst und ein Fazit gezogen werden, in welchem kritisch die Gültigkeit meiner anfänglichen These geprüft wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen: Organisationale Heuchelei
2.1 Definition von Heuchelei
2.2 Funktionale Aspekte organisationaler Heuchelei
2.3 Die Theorie der losen Kopplung: Talk, Decision und Action
3. Empirische Anwendung: H&M im Bereich Nachhaltigkeit
3.1 Strategische Nachhaltigkeitsausrichtung
3.2 Analyse der Recycling-Bemühungen
3.3 Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und operativer Praxis
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der von Unternehmen nach außen proklamierten Nachhaltigkeit und deren tatsächlicher Umsetzung, wobei das Konzept der "organisationalen Heuchelei" nach Nils Brunsson als theoretische Grundlage dient. Am Beispiel des Modeunternehmens H&M wird analysiert, inwiefern die Kommunikation zum Thema Textilrecycling mit den internen Entscheidungsprozessen und dem operativen Handeln übereinstimmt.
- Anwendung der Theorie organisationaler Heuchelei auf moderne Großkonzerne.
- Untersuchung der Entkopplung von "Talk", "Decision" und "Action".
- Kritische Analyse der H&M-Nachhaltigkeitsberichterstattung.
- Evaluation der Effektivität von Textilrecycling-Initiativen in der Modebranche.
- Beleuchtung des Zielkonflikts zwischen Profitmaximierung und ökologischer Verantwortung.
Auszug aus dem Buch
Die Theorie der losen Kopplung
Nach der Theorie der losen Kopplung von Brunsson (1989; 2003) werden die Seiten einer Organisation nach „talk“, „decision“ und „action“ unterschieden und nur lose miteinander gekoppelt. Unter „decision“ lässt sich die formale Seite einer Organisation erfassen, auf welcher z.B. durch die Unternehmensführung der Organisation Entscheidungen getroffen und die Handlungen anderer Organisationsmitglieder reguliert werden können (vgl. Brunsson 2003: 201). Diese ist die konsistente und konkretisierte Seite der Organisation, weil sie die Erwartungen an die Mitarbeiter bereithält (vgl. Kühl 2010: 9). Die von mir bereits ausführlicher thematisierte Schauseite/Außenseite einer Organisation lässt sich mit „talk“ nach Brunsson gleichsetzen. Auf dieser Seite wird, z.B. durch die Presseabteilung einer Organisation, ein Eindruck geschaffen (vgl. Kühl 2019). Es wird außerdem aufgewiesen, wie diese Organisation möchte, am Beispiel von H&M z.B. die proklamierte Nachhaltigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik organisationaler Heuchelei ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Nachhaltigkeitspraktiken von H&M kritisch zu hinterfragen.
2. Theoretischer Rahmen: Organisationale Heuchelei: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen nach Nils Brunsson und Stefan Kühl erläutert, insbesondere die Konzepte der Schauseite, der losen Kopplung und die funktionale Notwendigkeit von Heuchelei in Organisationen.
3. Empirische Anwendung: H&M im Bereich Nachhaltigkeit: Dieses Kapitel überträgt die Theorie auf die Praxis von H&M und analysiert, wie das Unternehmen seine Recycling-Bemühungen kommuniziert und welche operativen Widersprüche dabei auftreten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothese der Heuchelei und diskutiert die Herausforderungen für Unternehmen, ökologische Anforderungen mit ökonomischen Interessen zu vereinbaren.
Schlüsselwörter
Organisationale Heuchelei, H&M, Nachhaltigkeit, Textilrecycling, lose Kopplung, Schauseite, Unternehmenskommunikation, CSR, Fast Fashion, Brunsson, Theorie der Organisation, Greenwashing, betriebliche Praxis, ökologische Verantwortung, Umweltstandards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen, dass Organisationen oft Diskrepanzen zwischen ihrer nach außen kommunizierten moralischen Haltung (z. B. Nachhaltigkeit) und ihrem tatsächlichen operativen Handeln aufweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Organisationstheorie nach Nils Brunsson, das Konzept der organisationalen Heuchelei sowie die Nachhaltigkeitsstrategien in der Bekleidungsindustrie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, am Beispiel des Unternehmens H&M zu prüfen, ob die proklamierte Nachhaltigkeit in der Praxis – speziell beim Recycling von Textilien – tatsächlich umgesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Fallstudienanalyse, bei der soziologische Konzepte (lose Kopplung) auf empirisches Material (Nachhaltigkeitsberichte und journalistische Reportagen) angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Heuchelei-Begriffs und die anschließende empirische Analyse der Kommunikations- und Handlungsweisen von H&M.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie "Organisationale Heuchelei", "Nachhaltigkeit", "Lose Kopplung" und "Greenwashing" beschreiben.
Warum nutzt H&M laut Arbeit das Recycling als Marketinginstrument?
Das Recycling dient primär als Teil der „Schauseite“, um Kunden zu binden und den Anschein einer nachhaltigen Transformation zu erwecken, obwohl dies im Widerspruch zum Geschäftsmodell der massiven Überproduktion steht.
Wird die Heuchelei in der Arbeit als rein negativ bewertet?
Nein, unter Bezugnahme auf Brunsson wird dargelegt, dass Heuchelei auch eine funktionale Notwendigkeit sein kann, um als Organisation verschiedene, widersprüchliche Erwartungen der Außenwelt gleichzeitig bedienen zu können.
- Quote paper
- Sophie-Louise Wagner (Author), 2021, Heuchelei in Unternehmen am Beispiel von H&M. Wie wird die von H&M proklamierte Nachhaltigkeit im Bezug auf Recycling umgesetzt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189981