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Irrtum im Geschmack

Über die Möglichkeiten des irrtümlichen ästhetischen Urteils bei Immanuel Kant

Title: Irrtum im Geschmack

Bachelor Thesis , 2021 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sophie Blaumann (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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In der Arbeit soll zunächst grundlegend aufgezeigt werden, was Kant Anlass gibt für eine gültigkeitsbezogene Herausstellung des Geschmacksurteils. Auf dieser Basis folgt dann die Untersuchung, ob und wie in Kants Konzept, Irrtum im Geschmack definiert ist. Zu guter Letzt können Befürchtungen bezüglich einer Freiheitsbeschränkung des Geschmacks weitgehend aus dem Weg geräumt werden, wenn auch Kants Kritik durchaus zu größerer Sorgfalt in der Wahl der Urteilsprädikate sensibilisiert.

Einen Gegenstand aus Natur oder Kunst als schön zu beurteilen drückt nach Immanuel Kant kein lediglich privates Empfinden aus. Wenn das sogenannte Geschmacksurteil auch ein subjektives Lustgefühl mitteilt, so doch mit einem Anspruch auf „jedermanns Beistimmung“. Diese sogenannte subjektive Allgemeinheit unterscheidet Kant zufolge das Geschmacksurteil von subjektiven Urteilen anderer Art und ist Anlass für eine sorgfältige „Zergliederung“ in seiner Kritik der Urteilskraft. Trotz aller Präzision in Kants Ausführungen entsteht der Eindruck eines Widerspruchs: Auf den ersten Blick scheint unbestritten, dass das Geschmacksurteil nicht objektives Erkenntnisurteil sein kann. Und doch impliziert Kants beanspruchte Allgemeinheit eine über das Subjekt hinausreichende Gültigkeit solcher Urteile, somit in irgendeiner Weise deren Überprüfbarkeit und die Möglichkeit zu irren. Letzteres steht der geläufigen Vorstellung entgegen, jeder Mensch sei völlig frei in seinem Geschmack.

Es stellt sich also die Frage, ob Kant mit dieser entdeckten Allgemeinheit beansprucht, spontane Gedanken und Äußerungen über Schönheit als fehlerhaft zu ‚entlarven‘ und ob wir mit einer solchen ‚ästhetische Perspektive‘ unserem eigenen Empfinden nicht mehr trauen, uns im Urteilen über das Schöne folglich unsicher fühlen sollten. Kant selbst liefert Antworten auf diesbezügliche Fragen nicht auf dem Serviertablett. Die Arbeit soll daher eine Bündelung der zum Thema verstreuten Äußerungen leisten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Urteilskraft und Geschmack

1.1. Kritik als Kompass

1.2. Urteilskraft und Subsumtion

1.3. Schematismus und Zweckmäßigkeit

1.4. Teleologische und ästhetische Reflexion

1.5. Urteilskraft und Lust

1.6. Zweckmäßigkeit ohne Zweck

1.7. Interesselosigkeit und subjektive Allgemeinheit

1.8. Schöne Natur und schöne Kunst

1.9. Übergang zum Irrtum

2. Irrtum im Geschmack

2.1. Dialektik und Schein

2.2. Schein im Geschmack

2.3. Zwei Arten von Irrtum

2.4. Das trockene Wohlgefallen und der nicht-differenzierende Irrtum

2.5. Die Autonomie des Geschmacks und der normative Irrtum

2.6. Freiheit im Geschmack

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Konzept des Geschmacksurteils bei Immanuel Kant, um zu klären, inwiefern innerhalb einer als subjektiv angenommenen Ästhetik die Möglichkeit eines Irrtums besteht. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Kant die Gültigkeitsansprüche ästhetischer Urteile definiert, ohne dabei die Freiheit des Geschmacks zu untergraben.

  • Transzendentale Grundlagen der Urteilskraft bei Kant
  • Unterscheidung zwischen ästhetischem Reflexionsurteil und erkenntnistheoretischen Bestimmungsurteilen
  • Analyse der Begriffe Interesselosigkeit und subjektive Allgemeinheit
  • Definition und Klassifizierung von Irrtumsmöglichkeiten im Geschmack
  • Auflösung des vermeintlichen Widerspruchs zwischen ästhetischem Urteil und persönlicher Freiheit

Auszug aus dem Buch

1.1. Kritik als Kompass

Bevor Philosophie als „System der Vernunfterkenntnis durch Begriffe“ ernsthaft begonnen werden kann, ist nach Kant die reine Vernunft in ihren Möglichkeiten und Grenzen zu bestimmen. Vernunft allgemein bedeutet für ihn unser Vermögen, sinnlich und verstandesmäßig geformte Wahrnehmung unter höhere Prinzipien zu ordnen, also das Schließen von einzelnen begrifflichen Erkenntnissen auf Allgemeineres. Diese menschliche Fähigkeit ermöglicht gleichzeitig die erkenntnistheoretische Arbeit, bei Kant speziell das Ergründen der Prinzipien a priori, also der vor aller Erfahrung wirkenden Geistesstrukturen als Voraussetzung für Erkenntnis überhaupt. Sein dabei entstehendes Begriffssystem begründet die sogenannte Transzendental-Philosophie, in deren Rahmen er unsere Fähigkeit zu synthetischen Urteilen a priori untersucht: eine „Erkenntnisart“, die uns begrifflich voneinander unabhängige Vorstellungen verknüpfen lässt, ohne dass etwa vorherige Erfahrung diese Verbindung rechtfertigte. Eine grundlegende synthetische Leistung also, die wir quasi unwillkürlich ausführen, und ohne die es weder reine Mathematik, noch reine Naturwissenschaft, strenggenommen gar keine höhere Erkenntnis gäbe.

Nun bleibt die Arbeit der Vernunft aber nicht bei Mathematik und Naturerfahrung stehen: Sie weist nämlich das metaphysische Bestreben auf, ihre Begriffe auch über die sinnlich gestützte Erfahrung hinaus auszuweiten. Jenseits des Empirischen liegt Kant zufolge ein unvermeidliches Fragen nach „Gott, Freiheit und Unsterblichkeit“, welches dem Menschen keinesfalls abgesprochen werden kann und soll. Vielmehr soll eine genaue Analyse der Vernunfterkenntnis lehren, die verschiedenen Gebiete ihres Wirkens bewusst voneinander zu unterscheiden und den „falschen Schein“, der in ihrem „hyperphysischen Gebrauch“ begründet liegt, zu erkennen und zu benennen. Damit erhält die in Misskredit gefallene Metaphysik erstmals einen kritischen „Gerichtshof“, der „gerechte Ansprüche“ sichern, „grundlose Anmaßungen“ hingegen bremsen oder verhindern soll. Dieser Gerichtshof ist also die für jede weitere Philosophie fundamentale Kritik der reinen Vernunft. Weiter in Bildern gesprochen leisten also bei Kant sowohl die analytische Vermessung des festen Landes „der Wahrheit“, als auch die standhafte Begegnung mit dem „stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins“ eine unvermeidliche Fortbildung im Umgang menschlicher Erkenntnis durch ihre ureigenen Werkzeuge bei der Entdeckung und Kartographie des Erfahrbaren.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Problematik des Geschmacksurteils bei Kant und die Frage nach der Irrtumsmöglichkeit bei ästhetischen Urteilen.

1. Urteilskraft und Geschmack: Darstellung der transzendentalen Bedeutung der Urteilskraft, ihres Prinzips der Zweckmäßigkeit und ihrer Rolle bei der ästhetischen Reflexion.

2. Irrtum im Geschmack: Untersuchung der Formen des Irrtums im ästhetischen Bereich sowie Analyse der Unterscheidung zwischen nicht-differenzierenden und normativen Irrtumsarten.

Schlüsselwörter

Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, Geschmacksurteil, Ästhetik, Irrtum im Geschmack, subjektive Allgemeinheit, formale Zweckmäßigkeit, Interesselosigkeit, Transzendentalphilosophie, Urteilskraft, Reflexionsurteil, Vernunft, Schein, Wahrheit, Autonomie des Geschmacks.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit Kants Kritik der Urteilskraft und geht der Frage nach, wie trotz der subjektiven Natur des Geschmacksurteils Irrtümer innerhalb ästhetischer Beurteilungen philosophisch begründet werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Rolle der Urteilskraft, das Verhältnis zwischen Einbildungskraft und Verstand bei ästhetischen Urteilen, der Begriff der Zweckmäßigkeit sowie die Abgrenzung von Schönheit, Angenehmem und dem Guten.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Hauptfrage lautet, ob und wie bei Kant ein Subjekt im Geschmacksurteil irren kann, ohne dass die beanspruchte Allgemeingültigkeit das ästhetische Urteilen in ein objektiv-begriffliches System zwingt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Analyse auf Basis von Kants Hauptwerken, insbesondere der Kritik der Urteilskraft und der Kritik der reinen Vernunft, unter Einbeziehung der transzendentalen Dialektik.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der transzendentalen Voraussetzungen der Urteilskraft und eine detaillierte Analyse der Irrtumsmöglichkeiten im ästhetischen Urteil, unterteilt in den nicht-differenzierenden und den normativen Irrtum.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschmacksurteil, subjektive Allgemeinheit, formale Zweckmäßigkeit, Interesselosigkeit und Transzendentalphilosophie charakterisiert.

Was unterscheidet das Geschmacksurteil vom Genussurteil bei Kant?

Das Geschmacksurteil ist interesselos und erhebt einen Anspruch auf subjektive Allgemeinheit, während das Genussurteil an privatem Interesse und dem Erhalt eines angenehmen Zustands hängt.

Warum ist das "trockene Wohlgefallen" für Kants Theorie wichtig?

Es dient als Idealtyp für ein reines Geschmacksurteil, das frei von Neigungen und Interessen ist und somit erst die notwendige Voraussetzung für die subjektive Allgemeinheit erfüllt.

Inwiefern spielt der "transzendentale Schein" bei Irrtümern eine Rolle?

Der transzendentale Schein verleitet das Subjekt dazu, verstandesmäßige Kategorien unberechtigt auf Bereiche auszudehnen, für die sie nicht gelten, was im Kontext der Ästhetik zu einer irrtümlichen Objektivierung des Geschmacks führt.

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Details

Title
Irrtum im Geschmack
Subtitle
Über die Möglichkeiten des irrtümlichen ästhetischen Urteils bei Immanuel Kant
College
University of Tubingen
Grade
1,0
Author
Sophie Blaumann (Author)
Publication Year
2021
Pages
30
Catalog Number
V1191953
ISBN (PDF)
9783346630551
ISBN (Book)
9783346630568
Language
German
Tags
Immanuel Kant
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sophie Blaumann (Author), 2021, Irrtum im Geschmack, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191953
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