Die Arbeit beschäftigt sich mit der Herausforderung der Inklusion in Kindergärten und Waldorfkindergärten. Die Arbeit betrachtet zunächst allgemein die rechtlichen Rahmenbedingungen des Kindergartens und ordnet diesen in die Kinder- und Jugendhilfe ein. Anschließend wird die Waldorfpädagogik nach Rudolf Steiner vorgestellt, bevor die rechtlichen Rahmenbedingungen und Umsetzung der Inklusion im Kindergarten betrachtet wird. Abschließend werden die einzelnen Bausteine zusammen betrachtet, dabei wird konkret darauf eingegangen, wie Inklusion im Waldorfkindergarten umgesetzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Kindergarten
2.1. Einordnung in die Kinder- und Jugendhilfe
2.2 Allgemein gesetzliche Rahmenbedingungen
2.3. Rechtliche Reglungen der Kindergärten
3 Die Waldorfpädagogik nach Rudolf Steiner
3.1. Das Menschenbild
3.2. Waldorfkindergarten
4 Inklusion im Kindergarten
4.1. Definitionen
4.2. Rechtliche Regelungen
4.3. Umsetzung im Kindergarten
5 Inklusion im Waldorfkindergarten
5.1. Überblick
5.2. Erfahrungen aus der Praxis
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der inklusive Leitgedanke mit den Prinzipien der Waldorfpädagogik vereinbar ist und wie diese Form der Inklusion in der aktuellen Kindergartenpraxis konkret umgesetzt werden kann.
- Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe sowie rechtliche Rahmenbedingungen
- Anthropologische Grundlagen und Erziehungsmethoden der Waldorfpädagogik
- Definitionen und Herausforderungen von Inklusion im institutionellen Kontext
- Verknüpfung heilpädagogischer Ansätze mit dem Waldorf-Konzept
- Praxisbeispiele zur gemeinsamen Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung
Auszug aus dem Buch
5.1. Überblick
Inklusive Kindergärten setzen den Fokus auf die Individualität und subjektiven Bedürfnisse der Kinder. Dabei möchten die Fachkräfte durch den Aufbau einer liebevollen Beziehung die Entwicklung der Heranwachsenden positiv fördern. An diesen Aspekten der inklusiven Pädagogik orientiert sich auch die Waldorfpädagogik (vgl. Erdin, 2020, S. 205f.). Waldorfkindergärten arbeiten „grundsätzlich inklusiv“, da sie sowohl nicht behinderte, als auch behinderte und „von Behinderung bedrohte Kinder“ aufnehmen und gemeinsam betreuen (Klein, 2010, S. 134).
Die inklusive Arbeit kann im Waldorfkindergarten in drei Bereiche differenziert werden. Zu einem gibt es die „heilpädagogische Hüllenbildung“. Hierbei wird die Umgebung des Heranwachsenden so gestaltet, dass sie das Kind unterstützt und nicht überfordert. Hierunter fallen die Gestaltung des Raumes – mit Hilfe von Farben und Formen –, die des Zeitlichen – durch die Einhaltung eines bestimmten Rhythmus im Kindergartenalltag - und die geistige Gestaltung, welche durch das gemeinsame Interagieren gefördert wird. Zudem findet durch „bewusst gepflegte Stimmungen [und durch das, M.H.] Bewegungsgeschehen“ eine seelische Gestaltung statt. Die Hüllenbildung beeinflusst die kognitiven Strukturen der Kinder und hat somit direkte Auswirkungen auf das „Denken, Vorstellen und [die, M.H.] Sprache“ des Heranwachsenden (Klein, 2010, S. 141f.).
Die „heilpädagogische Haltung“ stellt einen weiteren Arbeitsbereich dar. Dabei beeinflusst die pädagogische Fachkraft die Gefühle und Empfindungen der jungen Person. Je nachdem welche Haltung die/ der Erzieher*in gegenüber dem Kind einnimmt und mit ihr/ ihm interagiert entsteht eine Atmosphäre. In dieser kann sich die/der Heranwachsende entweder wohl oder unwohl fühlen, wodurch das emotionale Erleben des Kindes beeinflusst wird. Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen muss die (pädagogische) Fachkraft vorurteilsfrei auf das beeinträchtigte Kind zu gehen (Klein, 2010, S. 141 – 143) und versuchen ihre/ seine Handlungen zu verstehen (vgl. Erdin, 2020, S. 210). Grundlage dafür ist eine positive Beziehung zwischen der/den Erzieher*in und den jungen Menschen (vgl. ebd., S. 213f.). Die Beziehung vermittelt dem Kind nicht nur Geborgenheit, sondern auch das Gefühl von Sicherheit. Die Fachkraft versucht die/den Heranwachsende*n zu unterstützen, zu motivieren, aber auch zu leiten und zu korrigieren (vgl. Klein, 2010, S. 140). Das oberste Ziel, was die erzieherische Tätigkeit des Waldorfkindergartens hierbei verfolgt, ist die Erreichung der Selbstständigkeit des (beeinträchtigten) Kindes (vgl. Erdin, 2020, S. 215).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Inklusion als gesellschaftliche Herausforderung und Zielsetzung der Untersuchung im Kontext der Waldorfpädagogik.
2 Der Kindergarten: Einordnung der Kindergärten in die Kinder- und Jugendhilfe unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben und der Rolle der Träger.
3 Die Waldorfpädagogik nach Rudolf Steiner: Darstellung des anthroposophischen Menschenbildes und der spezifischen erzieherischen Methoden im Waldorfkindergarten.
4 Inklusion im Kindergarten: Begriffliche Klärung von Inklusion sowie Analyse der rechtlichen Anforderungen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten.
5 Inklusion im Waldorfkindergarten: Spezifische Anwendung inklusiver Prinzipien in Waldorf-Einrichtungen, ergänzt um eine Fallstudie aus der Praxis.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass der waldorfpädagogische Ansatz eine gute Grundlage für Inklusion bietet.
Schlüsselwörter
Inklusion, Waldorfkindergarten, Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, Kinder- und Jugendhilfe, Heilpädagogik, Behinderung, Normalitätsverständnis, Erziehung, Kindesentwicklung, Frühförderung, Soziale Teilhabe, anthroposophische Pädagogik, Barrierefreiheit, Inklusionspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretische Kompatibilität und praktische Umsetzbarkeit des Inklusionsgedankens innerhalb der waldorfpädagogischen Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe, das Menschenbild Rudolf Steiners und die methodischen Ansätze der inklusiven Pädagogik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob und wie der inklusive Leitgedanke in einem auf speziellen anthroposophischen Konzepten basierenden Waldorfkindergarten realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie einer Analyse von Praxisberichten, um die Inklusionsfähigkeit des Ansatzes zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung des Kindergartens in die soziale Infrastruktur, die Darstellung der Waldorfpädagogik, die Definition von Inklusion und deren konkrete Umsetzung in der Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Inklusion, Waldorfpädagogik, Heilpädagogik, Anthroposophie und kindliche Entwicklung.
Warum wird das Konzept der „Hüllenbildung“ in Waldorfkindergärten als bedeutsam hervorgehoben?
Die Hüllenbildung dient dazu, eine Umgebung zu schaffen, die das beeinträchtigte Kind unterstützt, ohne es zu überfordern, indem Raumgestaltung, Rhythmus und Stimmung gezielt gestaltet werden.
Welche Erkenntnisse liefert der Praxisbericht aus Köln-Brück?
Der Bericht zeigt, dass durch verkleinerte Gruppen, multiprofessionelle Teams und eine strukturierte Umgebung eine erfolgreiche Inklusion möglich ist, von der sowohl behinderte als auch nicht behinderte Kinder profitieren.
- Arbeit zitieren
- Miriam Höller (Autor:in), 2021, Inklusion in Waldorfkindergärten. Ein stimmiges Konzept für die aktuelle Herausforderung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194164