Die deutsche Gesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante und enorme Entwicklung und Veränderung durchlaufen. Dabei hat sich durch Individualisierung, Pluralisierung und Globalisierung die Qualität von Vielfalt verändert. Verschiedene Themen, wie z.B. veränderte Geschlechterverhältnisse, verschiedene sexuelle Identitäten und Orientierungen, eine neue Sichtweise auf Behinderung sowie eine wachsende Migrationsgesellschaft lassen in der deutschen Gesellschaft Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt neu aufkommen. Zudem werden die bisher angewandten Strategien des Umgangs mit Vielfalt, wie Assimilation und Anpassung an das "homogene Ideal" zunehmend unwirksam, so dass Raum für neue Strategien entstanden ist, der verantwortungsvoll gefüllt werden will.
Eine Strategie im produktiven Umgang mit Vielfalt stellt das Diversity Management dar. Als ein Unternehmensansatz der Organisations- und Personalentwicklung aus den USA, bringt es eine interessante Sichtweise und konkrete Instrumente auch für den Einsatz in Organisationen der Sozialen Arbeit mit sich, von denen einige am Ende dieser Arbeit
vorgestellt werden. Zunächst aber wird Diversity Management definiert und auf seine Entstehungsgeschichte geschaut. Im Anschluss wird der Umgang mit Vielfalt in der Sozialen Arbeit erläutert und eine der in diesem Zusammenhang angewandten Strategien vorgestellt. Die Vorstellung konkreter Instrumente des Diversity Managements für soziale
Einrichtungen und ein kurzes Fazit runden die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Diversity Managements
3. Entstehung des Diversity Managements
4. Umgang mit Vielfalt in der Sozialen Arbeit
5. Interkulturelle Orientierung und Öffnung
6. Instrumente des Diversity Managements für soziale Einrichtungen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Diversity Management als strategischen Ansatz in der Sozialen Arbeit, um den Herausforderungen einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft zu begegnen. Es wird analysiert, wie sich klassische Diversity-Instrumente auf soziale Einrichtungen übertragen lassen, um sowohl die Potenziale der Mitarbeitenden zu fördern als auch soziale Gerechtigkeit und Teilhabe zu stärken.
- Historische Entwicklung und Definition von Diversity Management
- Vergleich von Diversity Management mit der interkulturellen Orientierung
- Analyse operativer Diversity-Instrumente (Einarbeitung, Konfliktmanagement, Work-Life-Balance)
- Übertragbarkeit betriebswirtschaftlicher Konzepte auf den sozialen Dienstleistungssektor
Auszug aus dem Buch
3. Entstehung des Diversity Managements
Zur Entstehungsgeschichte des Diversity Managements gibt es zwei Erzählweisen, die auch das Spannungsfeld, in dem sich der wissenschaftliche und praxisbezogene Diskurs zum Diversity Management bewegt, widerspiegeln.
„Zum einen wird es als quasi logische Fortsetzung der US-amerikanischen Bürger_innenrechtsbewegung (Civil Rights Movement) dargestellt; zum anderen wird es gegenteilige gedeutet, nämlich im Sinne eines (potenziellen) Bruchs mit bis den dahin vorangetriebenen Bemühungen um Chancengleichheit und Gleichstellung“ (Dobusch 2015: 19).
Die erste Entstehungsgeschichte bezieht sich auf gerechtigkeitsorientierte Wurzeln des Diversity Managements, die bis in die Geschichte 1950er Jahre der USA zurückreichen. Damals organisierten sich u.a. Bürgerrechtsbewegungen, Frauenbewegungen sowie Schwarzenbewegungen und forderten gesellschaftliche Anerkennung und Gleichbehandlung (vgl. Schröer 2018: 779). Daraufhin wurde der Civil Rights Act verabschiedet, der Diskriminierungen aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht und nationaler Herkunft gesetzlich verbat (vgl. Dobusch 2015: 19f). Ab 1968 forderte die US-Regierung von größeren Unternehmen die Vorlage eine „Affirmative Action Plans“, bei denen benachteiligte Minderheiten gefördert werden sollten. Die Umsetzung wurde den Unternehmen selbst überlassen (vgl. ebd.). Dadurch entstand eine neue Managementorientierung, das „Human-Resources-Management“, welches Unterschiede der Mitarbeiter*innen positiv nutzte und diese als Erfolgsfaktor ansah und welches die Grundlage zur Entstehung des Diversity Managements bildete (vgl. Schröer 2018: 780).
Bei der zweiten Entstehungsgeschichte wird Diversity Management als eine Zäsur zu den Bemühungen um Gleichstellung und Chancengleichheit betrachtet. Dabei „wird das Aufkommen von Diversity Management in erster Linie als Reaktion von Unternehmen auf einen zunehmenden demographischen Wandel interpretiert“ (Dobusch 2015: 22).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und führt in die Relevanz des Diversity Managements als strategisches Instrument für Organisationen der Sozialen Arbeit ein.
2. Definition des Diversity Managements: Dieses Kapitel definiert Diversity Management als Ansatz der Organisationsentwicklung, der Vielfalt der Mitarbeitenden zur Steigerung des Unternehmenserfolgs nutzt.
3. Entstehung des Diversity Managements: Es werden zwei historische Perspektiven auf Diversity Management beleuchtet: die gerechtigkeitsorientierte Wurzel in der US-Bürgerrechtsbewegung und die betriebswirtschaftliche Reaktion auf den demographischen Wandel.
4. Umgang mit Vielfalt in der Sozialen Arbeit: Das Kapitel zeichnet den Wandel im Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt in Deutschland nach und stellt Diversity Management den spezifischen Einzelstrategien der Sozialen Arbeit gegenüber.
5. Interkulturelle Orientierung und Öffnung: Die Interkulturelle Orientierung wird als sozialpolitische Haltung definiert, die darauf abzielt, Zugangsbarrieren abzubauen und Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen.
6. Instrumente des Diversity Managements für soziale Einrichtungen: Hier werden konkrete Maßnahmen wie Patenschafts-Programme, Konfliktmanagement und Work-Life-Balance als operative Umsetzungsmöglichkeiten für soziale Träger diskutiert.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Diversity Management eine wertvolle, ergänzende Strategie für soziale Einrichtungen sein kann, sofern sie mit bestehenden Ansätzen reflektiert kombiniert wird.
Schlüsselwörter
Diversity Management, Soziale Arbeit, Interkulturelle Öffnung, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, Chancengleichheit, Work-Life-Balance, Diskriminierungsschutz, Migrationsgesellschaft, Inklusion, Konfliktmanagement, Soziale Gerechtigkeit, Willkommenskultur, Vielfalt als Chance, Sozialmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Diversity Management als Ansatz der Organisations- und Personalentwicklung auf Einrichtungen der Sozialen Arbeit übertragen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die Definition und Historie des Diversity Managements, den Umgang mit Vielfalt in der Sozialen Arbeit, interkulturelle Öffnung und die Anwendung spezifischer Instrumente wie Work-Life-Balance.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Diversity Management als wertvolle Ergänzung zu existierenden Ansätzen der Sozialen Arbeit dienen kann, um Barrieren abzubauen und Potenziale besser zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse von Fachliteratur sowie der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Managementansätzen im sozialen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Entstehungsgeschichte, den Vergleich zu Einzelstrategien der Sozialen Arbeit und die Vorstellung operativer Instrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diversity Management, Soziale Arbeit, Interkulturelle Öffnung, Personalentwicklung und Soziale Gerechtigkeit.
Warum wird Diversity Management in der Sozialen Arbeit kritisch betrachtet?
Die Kritik bezieht sich primär auf das Spannungsfeld zwischen der betriebswirtschaftlichen "Business Case"-Perspektive und dem ursprünglichen Gerechtigkeitsauftrag der Sozialen Arbeit.
Welches Diversity-Instrument wird als besonders relevant für soziale Einrichtungen hervorgehoben?
Besonders die Work-Life-Balance wird als wichtiges Instrument genannt, da sie individuelle Lebenssituationen von Mitarbeitenden berücksichtigt und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fördert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Diversity Management. Instrumente für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194626