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Victor Turners Ritualtheorie als literaturwissenschaftliches Werkzeug am Beispiel des Faustbuches von 1587

Titel: Victor Turners Ritualtheorie als literaturwissenschaftliches Werkzeug am Beispiel des Faustbuches von 1587

Seminararbeit , 2004 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Magister Artium Julian Philipp Schlüter (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das erste Erscheinen der Historia von D. Johann Fausten liegt mittlerweile mehr als 400 Jahre zurück und „ist mit der Buchmesse in Frankfurt am Main vom Herbst 1587 datierbar.“ Zu diesem Zeitpunkt war es noch keineswegs absehbar, dass dies die „Geburtsstunde eines der bedeutendsten Themen der Weltliteratur war.“ Zwar gibt es „zuverlässige Auskünfte über den Drucker und Verleger Johann Spies“, jedoch weiß man nicht, „wer (…) das Faustbuch niederschrieb.“
Dieses höchst einflussreiche aber auch rätselhafte Werk ist und war natürlichermaßen Gegenstand zahlreicher literaturwissenschaftlichen Betrachtungen. In der vorliegenden Arbeit soll es noch einmal in den Mittelpunkt gerückt werden, um an ihm ein zunächst andersartig anmutendes Analysekonzept zu erproben: Es wird versucht werden ursprünglich aus der Ethnologie stammende Modelle als literaturwissenschaftliche Werkzeuge anzuwenden. Namentlich die Ritualtheorie des angelsächsischen Wissenschaftlers Victor Turner soll zur Untersuchung des Faustbuches dienen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau und Methodik

3. Faustus als liminales Wesen

3.1. Das soziale Drama des Faustus

3.2. Faustus in der Liminalität

3.3. Faustus in Struktur und Anti-Struktur

4. Die Studenten um Faustus: Communitas

5. Darstellungen von Ritualen im Faustbuch

5.1. Die Ehe

5.2. Die Buße

5.3. Die Teufelsbeschwörungen

5.4. Der Teufelspakt

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das „Faustbuch von 1587“ mittels der ritualtheoretischen Konzepte von Victor Turner, um zu klären, inwiefern sozialwissenschaftliche Modelle als literaturwissenschaftliche Analysewerkzeuge dienen können. Dabei wird die Figur des Doktor Faustus als liminales Wesen analysiert und die im Text dargestellten Rituale in Bezug auf gesellschaftliche Strukturen und deren Brüche interpretiert.

  • Victor Turners Ritualtheorie als literaturwissenschaftlicher Analyseansatz
  • Faustus als liminale Figur im „sozialen Drama“
  • Analyse von Communitas-Strukturen innerhalb der Studentengruppe
  • Die Funktion von Ritualen (Ehe, Buße, Beschwörung, Pakt) im Faustbuch
  • Die Wechselwirkung zwischen Literatur und soziologischen Modellen

Auszug aus dem Buch

3. 3. Faustus in Struktur und Anti-Struktur

Turner definiert den Zustand der Liminalität als einen der absoluten Freiheit. Er beschreibt ihn als Anti-Struktur, die dem normalen sozio-kulturellen Leben gegenüberstehe, das durch Struktur gekennzeichnet sei. In ihm sei es dem Menschen, der ein Ritual durchläuft, möglich, durch geheime Symbole mit (Un-) Heiligem zu kommunizieren und kulturelle Konventionen zu durchbrechen, indem er zum Beispiel vertraute soziale Konfigurationen spielerisch dekonstruiere und rekombiniere.

Im Laufe der folgenden Handlung der Historia erleben wir Doktor Faustus, ausgestattet mit dämonischen Kräften und seinem eigenen Geist, der ihm als Diener zur Verfügung steht, als übernatürliches Wesen. Übernatürlich in seiner Macht aber auch übernatürlich in seiner Freiheit: Durch sein Dasein außerhalb der vorherrschenden gesellschaftlichen Struktur, ist er in die Lage gesetzt, absolut frei zu agieren. An keinerlei gesellschaftliche Norm gebunden, kann er jegliche seiner Gelüste befriedigen, sowohl sexueller (im Verkehr mit dem Teufel in Frauengestalt oder der von ihm geschickten schönen Helena aus der Trojasage), als auch zum Beispiel kulinarischer (Bacchanale mit den Studenten) Natur.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie sozialwissenschaftliche Modelle, insbesondere die Ritualtheorie von Victor Turner, auf literarische Texte wie das Faustbuch von 1587 angewendet werden können.

2. Aufbau und Methodik: Hier wird der theoretische Rahmen abgesteckt, indem erläutert wird, dass das Faustbuch durch die Brille von Turners Konzepten des sozialen Dramas, der Liminalität sowie Struktur und Anti-Struktur betrachtet werden soll.

3. Faustus als liminales Wesen: Dieses Kapitel verortet Faustus als liminales Wesen, das sich außerhalb der christlichen Gesellschaft und der Ordnung befindet, und analysiert seine Entwicklung sowie seine Rolle im Spannungsfeld zwischen Menschlichem und Dämonischem.

4. Die Studenten um Faustus: Communitas: In diesem Teil wird die Gemeinschaft der Studenten um Faustus als „Communitas“ interpretiert, eine unstrukturierte Gemeinschaft, die sich in einem Schwellenzustand abseits der gesellschaftlichen Normen formiert.

5. Darstellungen von Ritualen im Faustbuch: Dieses Kapitel widmet sich spezifischen rituellen Handlungen im Werk, wie der Ehe, der Buße, der Teufelsbeschwörung und dem Pakt, und untersucht deren jeweilige Funktion für den Diskurs über Moral und Sündhaftigkeit.

6. Fazit: Das Fazit resümiert die Anwendbarkeit der Ritualtheorie auf die Literaturwissenschaft und betont den Wert interdisziplinärer Ansätze für das Verständnis historischer Schwellenphasen.

Schlüsselwörter

Victor Turner, Ritualtheorie, Faustbuch, Faustus, Liminalität, Soziales Drama, Anti-Struktur, Communitas, Literaturwissenschaft, Teufelspakt, Teufelsbeschwörung, Buße, Protestantismus, Anthropologie, Kulturkritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das „Faustbuch von 1587“ unter Anwendung der Ritualtheorie des Ethnologen Victor Turner.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kategorien der Liminalität, des sozialen Dramas, der Communitas sowie die Analyse ritueller Handlungen wie Pakt und Buße.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass sozialwissenschaftliche Modelle als hilfreiche Werkzeuge zur literaturwissenschaftlichen Interpretation klassischer Texte dienen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Konzepte der ethnologischen Ritualforschung auf das Faustbuch überträgt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Faustus als liminale Figur, die Analyse der studentischen Gemeinschaft als Communitas sowie eine detaillierte Betrachtung kirchlicher und teuflischer Rituale.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ritualtheorie, Liminalität, Faustbuch, Communitas und interdisziplinäre Literaturforschung beschreiben.

Warum ist das Konzept der Liminalität für Faustus zentral?

Faustus befindet sich in einem Zustand „betwixt and between“, da er weder vollständig Teil der christlichen Gesellschaft noch vollwertiges Mitglied der dämonischen Welt ist.

Wie unterscheidet sich die „Communitas“ der Studenten von der normalen Gesellschaft?

Im Gegensatz zur strukturierten Alltagsgesellschaft ist die studentische Gruppe um Faustus als eine unstrukturierte Gemeinschaft von Gleichen dargestellt, die sich kurzzeitig den sozialen Zwängen entziehen.

Warum spielt das Ritual der Buße eine so wichtige Rolle im Text?

Die Buße dient in der „Schwarzweißwelt“ des Faustbuchs als Kontrastmittel, um das Fehlverhalten des Protagonisten und seine mangelnde Bußfertigkeit hervorzuheben.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Victor Turners Ritualtheorie als literaturwissenschaftliches Werkzeug am Beispiel des Faustbuches von 1587
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar C2, Teufelsliteratur
Note
1,0
Autor
Magister Artium Julian Philipp Schlüter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V119746
ISBN (eBook)
9783640226825
ISBN (Buch)
9783640227976
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Victor Turners Ritualtheorie Werkzeug Beispiel Faustbuches Proseminar Teufelsliteratur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magister Artium Julian Philipp Schlüter (Autor:in), 2004, Victor Turners Ritualtheorie als literaturwissenschaftliches Werkzeug am Beispiel des Faustbuches von 1587 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119746
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Leseprobe aus  21  Seiten
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