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Riesen und Zwerge in der mittelalterlichen Literatur

Title: Riesen und Zwerge in der  mittelalterlichen Literatur

Term Paper , 2005 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Toralf Schrader (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Menschen waren und sind stets von dem fasziniert, was ihnen fremd erscheint. Dabei können die Emotionen von Abscheu bis Verlangen reichen, das wesentliche daran ist die Nicht-Alltäglichkeit einer Sache. Mit fantastischen Zügen versehene Geschichten und Erzählungen sind gerade wegen dieser Elemente interessant, die nicht im Erfahrungshorizont des Rezipienten (und oftmals auch des Autors) existieren oder nicht in die herkömmliche Definition von Realität passen. Die beinahe zeitlose Beliebtheit von Märchen oder der kommerzielle Erfolg der zeitgenössischen Fantasy-Literatur mit „Harry Potter“ und der Tolkien-Mythologie sind dafür die nur offensichtlichsten Indizien. Anders als im Mittelalter glauben die Menschen in unserer „aufgeklärten“ Zeit allerdings nicht mehr an die Existenz fabelhafter Wesen wie Drachen, Greife, Riesen und Zwerge, zumindest nicht öffentlich. Allerdings gibt es Ausnahmen wie bspw. die Überzeugung der Isländer, dass unter ihnen Elfen und Naturgeister unsichtbar wandeln. Im Mittelalter hingegen wurden die Wesen der Anderwelt als tatsächlich existent betrachtet. So erscheinen Fabelwesen ohne weiteres in Heldenepen und Romanen dieser Zeit, häufig als Widersacher der Protagonisten. Und bösartige wie auch gutartige Kreaturen mit unnatürlichen Erscheinungsformen und Fähigkeiten tauchen ebenfalls in Märchen auf, die sich über Jahrhunderte aus Sagen und Erzählungen herausgebildet haben und ursprünglich durchaus nicht für Kinderohren bestimmt waren .
Möglicherweise ist gerade diese Unwahrscheinlichkeit und die scheinbar kindliche Naivität des Riesen- und Zwergenglaubens einer der Gründe für die schwache Auseinandersetzung mit diesem Thema in der literarischen Forschung. Exemplarisch für diese Lücke mag der erste Satz von Claude Lecouteux in seinem Aufsatz „Zwerge und Verwandte“ stehen:
„Seit August Lütjens’ Dissertation Der Zwerg in der deutschen Heldendichtung [1911] ist das Thema ‚Zwerg’ nicht eingehender behandelt worden.“

Ähnliches gilt für die gigantischen Widersacher der Zwerge: die Riesen. Ohne über die weiteren möglichen Ursachen für das Desinteresse an diesem Gebiet zu mutmaßen, ist es dennoch bedauerlich, dass Riesen und Zwerge der Märchenforschung überlassen werden. Und selbst die Brüder Grimm als hohe Garde der Märchensammler (und Sprachwissenschaftler) mussten den Vorwurf der Unbedeutsamkeit ihrer Forschung hinnehmen. Dabei ist dieses Thema weitläufiger, als es den Anschein hat. Die Mythologie der Giganten und Riesen ist ebenso groß wie ihre Erscheinungsformen. Sowohl die griechische als auch die altnordische Götterwelt ist auf das Engste mit ihnen verknüpft und auch der Glaube an Zwerge reicht bis in die Antike.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herkunft, Mythologie und Wesen von Zwergen und Riesen

2.1. Ursprünge der mittelalterlichen Vorstellung zu „twerc unde rise“

2.2. Erscheinungsformen und Eigenschaften der Zwerge

2.3. Merkmale und Wesen der Riesen

3. Drei literarische Quellen zu den kleinen und großen „recken“

3.1. Grendel und seine Mutter im „Beowulf“-Epos

3.2. Siegfrieds Torwächter aus der Anderwelt

3.3. Die drei Riesen und der Zwerg Alban im „Orendel“ als Widerpart des grauen Rockes

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturnachweis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Darstellung und mythologische Einordnung von Riesen und Zwergen in der mittelalterlichen Literatur. Das Hauptziel besteht darin, die Entwicklung dieser Figuren von antiken und mythischen Ursprüngen hin zu ihrer spezifischen Rolle in heldenepischen Texten zu analysieren und ihre Funktion als Gegenspieler ritterlicher Tugenden zu beleuchten.

  • Herkunft und mythologische Deutung von Zwergen und Riesen im Mittelalter
  • Eigenschaften und Erscheinungsformen der Zwerge als übernatürliche Wesen
  • Merkmale und Verhaltensweisen der Riesen im Kontext heidnischer Bedrohung
  • Literarische Analyse der Figuren im „Beowulf“-Epos, „Nibelungenlied“ und „Orendel“

Auszug aus dem Buch

2.3. Merkmale und Wesen der Riesen

In der Heldenepik verkörpern die Riesen das Heidentum. Sie sind mit unhöfischen Keulen bewaffnet und müssen in der Auseinandersetzung mit dem Helden als Beweis für dessen kämpferischen Geschick herhalten. Riesen tauchen häufig als Feinde der Helden auf, wenn diese von Zwergen Hilfe bekommen. Gleichbedeutend zur Bezeichnung „Riese“ taucht im norddeutschen Raum die Benennung „Hüne“ auf. Es gibt Ähnlichkeiten zwischen diesen Geschöpfen und dem englischen „Oger“ sowie dem norwegischen „Troll“. Der „Gigant“ hingegen ist typisch griechisch. Jeder dieser Ausdrücke wurde ursprünglich vermutlich für eine besondere Art Riese benutzt. In allen Mythologien ist das Merkmal der gewaltigen, übermenschlichen Körpergröße bei aller Unterschiedlichkeit der Riesen gleich. Die Angaben schwanken freilich mit Aussagen wie: Der Riese „reicht bis in den Himmel“, die „Ohren sind 600 Fuß lang“, „er sieht von weitem wie ein Gebirge aus“, „er verfügt über die Kraft von zwölf Männern“ (was mir etwas wenig für einen berghohen Riesen schiene) und „bei ihrem Schnarchen biegen sich die Bäume“. Die geradezu wahnwitzig großen Riesen verbieten sich natürlich für die Heldenepik, denn derart fantastische Wesen lassen sich nicht im Zweikampf besiegen. Oft besitzen sie Burgen, aber nicht im Sinne eines christlichen Hofes, sondern als vorhöfische Wohnung. Sie haben auch Könige, wie etwa den Riesenkönig Watzmann.

Die meisten Riesen stellte man sich (wie auch die Zwerge) in antropomorpher Gestalt vor, sie sind aber häufig um einige fantastische Elemente bereichert. Die griechischen Zyklopen besitzen nur ein Auge, andere Riesen teilen sich abwechselnd zu dritt ein Auge, die alttestamentarischen Riesen haben sechs Finger und ebenso viele Zehen und wieder andere verwahren ihr Herz außerhalb des Körpers. Für gewöhnlich sind sie ausgesprochen hässlich, besitzen eine fellartige Haut, riesige Ohren, über die Lippen stehende Zähne und lange Augenbrauen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zeitlose Faszination für fantastische Wesen und erläutert, warum Zwerge und Riesen als Spiegelbilder der damaligen Vorstellungswelt in der mittelalterlichen Literatur eine zentrale Rolle spielen.

2. Herkunft, Mythologie und Wesen von Zwergen und Riesen: Dieses Kapitel widmet sich den antiken Wurzeln der Zwergen- und Riesenbilder, erklärt ihre Einordnung in die göttliche Schöpfung und beschreibt ihre wesentlichen physischen sowie charakterlichen Eigenschaften.

3. Drei literarische Quellen zu den kleinen und großen „recken“: Anhand konkreter Textbeispiele wie dem „Beowulf“, dem „Nibelungenlied“ und dem „Orendel“ wird untersucht, wie die Begegnung mit Riesen und Zwergen in der Heldendichtung gestaltet ist und welchen Wandel diese Figuren vollziehen.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Faszination für das Fremde in der mittelalterlichen Literatur eine fundamentale Grundlage für die Sagenbildung legte und zeigt den Übergang dieser Figuren in den späteren Volksglauben auf.

5. Literaturnachweis: Dieses Kapitel listet die für die Hausarbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Mittelalterliche Literatur, Riesen, Zwerge, Heldenepik, Mythologie, Beowulf, Nibelungenlied, Orendel, Alberich, Grendel, Heidentum, Ritterkultur, Sagengestalten, Märchenforschung, Anderwelt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung und mythologischen Herkunft von Riesen und Zwergen in der Literatur des Mittelalters.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Erscheinungsformen, Eigenschaften und die mythologische Einordnung dieser Fabelwesen, sowie ihre Rolle in der Heldenepik als Widersacher der Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, den Umgang der mittelalterlichen Literatur mit diesen Wesen aufzuzeigen und zu analysieren, wie sie sich von bloßen Fantasiegestalten zu bedeutsamen Handlungselementen entwickelten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der er Fachliteratur zur germanistischen Mediävistik mit ausgewählten Epen und Sagen vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Zwerge und Riesen sowie eine spezifische Textanalyse von drei ausgewählten Werken: „Beowulf“, „Nibelungenlied“ und „Orendel“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Heldendichtung, Heidentum, Ritterkultur, Mythologie sowie der spezifische literarische Kontext von Riesen und Zwergen.

Inwiefern unterscheidet sich Grendel von anderen Riesen in der Literatur?

Grendel aus dem Beowulf-Epos wird als Verkörperung des Teufels und „Feind aus der Hölle“ dargestellt, was ihm eine düstere und bösartige Qualität verleiht, die sich von später stilisierten Riesen unterscheidet.

Wie verändert sich die Darstellung der Riesen im Epos „Orendel“?

Im Vergleich zu älteren Werken treten die Riesen im „Orendel“ prunkvoll ausgestattet und ritterlich bewaffnet auf, wobei sie sich in Zweikämpfen messen, die stark an die höfische Kultur angelehnt sind.

Welche Rolle spielt der Zwerg Alban im „Orendel“?

Alban fungiert als eine Art Imitator des höfischen Lebens, der seine Machtansprüche durch die Forderung nach ritterlicher „Minne“ gegenüber der Heldin Bride ausdrückt.

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Details

Title
Riesen und Zwerge in der mittelalterlichen Literatur
College
Dresden Technical University  (Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften: Ältere deutsche Literatur)
Course
Orendel, der graue Rock
Grade
2,0
Author
Toralf Schrader (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V119799
ISBN (eBook)
9783640232468
ISBN (Book)
9783640232642
Language
German
Tags
Riesen Zwerge Literatur Orendel Rock
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Toralf Schrader (Author), 2005, Riesen und Zwerge in der mittelalterlichen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119799
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