In dieser Arbeit geht es um das Verhältnis von Abendmahl und heidnischem Kult wie es Paulus im ersten Korintherbrief (1 Kor 10,14-22) darstellt. Paulus wendet sich mit seinen Ausführungen über die Unvereinbarkeit von Götzendienst und dem Herrenmahl an die Mitglieder der Gemeinde von Korinth. In dieser Arbeit geht es zunächst darum, überblicksartig den geschichtlichen Hintergrund zu erörtern, sowie die thematische Einbettung in den größeren Kontext des Briefes herauszuarbeiten. In Punkt 4 erlaube ich mir dann noch eine zusammenfassende theologische Ausdeutung.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Kontext
1.1 Geschichtlich-kultureller Hintergrund
1.2 Die Gemeinde von Korinth
1.3 Inhaltliche Einbettung und Gliederungsvorschlag
2 1Kor 10,14-22
2.1 1. Teil: Aufbau und Inhalt von 1Kor 10,14-18a
2.2 Rückbezug auf 1Kor 10,1-4: Manna- und Felstypologie
2.3 Rückbezug auf 1Kor 10,5-13: Paulinischer tu,poj-Gedanken
2.4 2. Teil: Aufbau und Inhalt von 1Kor 10,18b-22
3 Theologischer Ertrag
3.1 Gemeinschaft und Teilhabe
3.2 Unvereinbarkeit mit Götzendienst
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Abendmahl und heidnischem Kult, wie es Paulus im 10. Kapitel des 1. Korintherbriefs darlegt, um die Unvereinbarkeit von christlicher Teilhabe und Götzendienst zu verdeutlichen.
- Historischer Hintergrund der Stadt Korinth und ihre religiöse Vielfalt.
- Strukturelle Analyse der Verse 1Kor 10,14-22 unter Einbeziehung von Rückbezügen auf 1Kor 10,1-13.
- Bedeutung des Begriffs "Koinonia" im Kontext der Teilhabe an Christus.
- Theologische Ausdeutung der Gefahr einer Teilnahme an heidnischen Kultmählern.
- Untersuchung der sakramentalen Dimension des Herrenmahls gegenüber dem Götzendienst.
Auszug aus dem Buch
1.1 Geschichtlich-kultureller Hintergrund
Paulus hat die konkrete Situation in der Hafenstadt Korinth vor Augen, die seit 27 v. Chr. Hauptstadt und Sitz des Statthalters von der Provinz Achaia war, einer römischen Provinz, die Mittelgriechenland und die Peloponnes umfasste. Korinth eilte der Ruf der Lasterhaftigkeit voraus. Strabon, der ca. bis 20 n. Chr. gelebt hat, berichtet, dass der Aphroditetempel früher tausend sakrale Prostituierte gehabt haben soll. Trotz mancher Übertreibungen dürfte auch zur Zeit des Paulus der Kult um die Liebesgöttin Aphrodite bezeichnend gewesen sein.
Die Bevölkerung zu seiner Zeit war sehr gemischt, was eine Vielzahl von Kulten mit sich brachte, unter anderem auch solche, bei denen Kultmähler einen hohen Stellenwert hatten. Hans-Josef Klauck zählt in seiner Arbeit „Herrenmahl und hellenistische Kunst. Eine religionsgeschichtliche Untersuchung zum ersten Korintherbrief“ eine Vielzahl religiöser Richtungen auf, die mit solchen Kultmählern verbunden sind. Die griechisch-römische Kultur kannte das Mahl im Kontext des öffentlichen Opferkultes, im Vereinswesen und im Kult um die Toten. Darüber hinaus spielte das Mahl in den meisten Mysterienkulten eine zentrale Rolle. Auch die Gnosis kannte das Mysterienmahl und sogar im hellenistisch beeinflussten Judentum war es oft Teil des Kultes. So ist es nicht verwunderlich, dass die Ähnlichkeiten im religösen Vollzug, die sich aufgrund des weit verbreiteten Mahlcharakters ritueller Handlungen ergaben, eine christliche Standortbestimmung verlangten. Es ging um die Vergewisserung des Stellenwertes des Herrenmahls.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Kontext: Die Einleitung skizziert das Anliegen der Arbeit, das Verhältnis von Abendmahl und heidnischem Kult zu untersuchen, und beleuchtet die geschichtlichen Hintergründe sowie die Situation der Gemeinde in Korinth.
2 1Kor 10,14-22: In diesem Hauptteil wird der Textabschnitt Vers für Vers ausgelegt, wobei insbesondere die typologischen Rückbezüge auf die Exodus-Erfahrungen Israels (Manna, Fels, Vorbilder) zur Verdeutlichung der Warnung vor Götzendienst genutzt werden.
3 Theologischer Ertrag: Dieses Kapitel fasst die Bedeutung der Teilhabe am Herrenmahl zusammen und begründet, warum aus paulinischer Sicht die Teilnahme an heidnischen Kultmählern eine unvereinbare Absage an Christus darstellt.
Schlüsselwörter
1. Korintherbrief, Abendmahl, heidnischer Kult, Götzendienst, Koinonia, Teilhabe an Christus, Korinth, Herrenmahl, Exodusgeneration, Typologie, Dämonen, sakramentaler Leib, Kultmahl, Paulus, Unvereinbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theologischen Auseinandersetzung des Apostels Paulus im 1. Korintherbrief über das Verhältnis von christlichem Abendmahl und der Teilnahme an heidnischen Kultmählern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die christliche Gemeinschaft (Koinonia), die Abgrenzung zum Götzendienst, der Einfluss hellenistischer Kulturen auf die korinthische Gemeinde und die typologische Auslegung alttestamentlicher Ereignisse durch Paulus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Paulus die Exklusivität des Herrenmahls gegen die Gefahr einer inklusivistischen, synkretistischen Haltung der Korinther verteidigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer exegetisch-theologischen Auslegungsmethode, die sich stark auf die Kommentierung von Wolfgang Schrage sowie religionsgeschichtliche Analysen von Hans-Josef Klauck stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Verse 1Kor 10,14-22 und verknüpft diese durch Rückbezüge mit den Versen 1Kor 10,1-13, um die Gefahren für den Glauben und die Konsequenzen für die christliche Identität herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Koinonia, Herrenmahl, Götzendienst, Dämonen, Leib Christi und die paulinische Typologie.
Warum bezieht sich Paulus auf das "Israel nach dem Fleisch"?
Paulus nutzt das Beispiel des Volkes Israel in der Wüste als warnendes Vorbild, um zu demonstrieren, dass sakramentale Zugehörigkeit allein keine Garantie für das Heil bietet, wenn man sich gleichzeitig Götzen zuwendet.
Wie unterscheidet Paulus zwischen Göttern und Dämonen?
Paulus differenziert bei den Kultmählern dahingehend, dass er betont, wer an diesen Opfern teilnimmt, begibt sich in eine reale Gemeinschaft mit den Dämonen, was die Mahlgemeinschaft mit Christus ausschließt.
Welche Rolle spielt der Begriff "Koinonia" bei der Abendmahlslehre?
Koinonia beschreibt hier nicht nur eine zwischenmenschliche Gemeinschaft, sondern vor allem die reale Teilhabe am Leib und Blut Christi, die eine exklusive Bindung an den Herrn begründet.
Ist die Teilnahme an heidnischen Mählern nach Paulus immer verboten?
Ja, Paulus sieht in der Teilnahme an heidnischen Kultmahlen eine "eo ipso" Absage an den Herrn, da sie als reale Gemeinschaftsbildung mit anderen Mächten verstanden wird.
- Arbeit zitieren
- Dr.theol. Stefan Huber (Autor:in), 2004, Abendmahl und heidnischer Kult in 1 Kor 10,14-22 mit Rückbezug auf 1 Kor 10,1-4 und 1 Kor 10,5-13, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119999