Forschung und Lehre im Fachgebiet "Wirtschaftsinformatik" beschäftigt sich im Wesentlichen mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im betrieblichen Umfeld. Ein Teilaspekt hiervon sind Fragestellungen bezüglich der Modellierung und Realisierung effizienter Geschäftsprozesse und Workflows. Eine solche Modellierung setzt die Analyse der tatsächlichen betrieblichen Gegebenheiten (z.B. derzeitige Praxis) und ihr Zusammenspiel u.a. mit IuK-Technologien voraus, welche dann in der eigentlichen Modellierung optimiert ausgestaltet werden sollen. Die darauf folgende Realisierung kann u.a. darin bestehen, die Ausführung der Soll-Modelle durch betriebliche Anwendungssoftware zu ermöglichen.
Am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik der FernUniversität in Hagen ist im Rahmen des Kurses "Betriebliche Anwendungssysteme" zu Lehrzwecken ein Ansatz zur Modellierung von Geschäftsprozessen entstanden (vgl. Gehring 1999). Dieser Ansatz umfasst u.a. eine auf anschaulichen Diagrammen basierende Sprache zur Beschreibung von Geschäftsprozessen.
Aufgabenstellung dieser Diplomarbeit ist es, zu analysieren, wie ein Software-Werkzeug zur möglichst weitgehenden Unterstützung dieses Ansatzes der Geschäftsprozessmodellierung gestaltet sein sollte, welches durch Studierende im Rahmen der Bearbeitung des Kurses "Betriebliche Anwendungssysteme" zu Übungszwecken eingesetzt werden kann. Diese Analyse soll in dem Entwurf und der prototypischen Implementierung der Software auf Basis der Eclipse Rich Client Plattform selbst münden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Geschäftsprozesse und Workflows
2.2 Geschäftsprozessmodellierung
2.3 Ergonomie von Software-Applikationen
3 Betrachtungsgegenstand
3.1 Geschäftsprozessmodellierung nach Gehring
3.1.1 Erstellung von Geschäftsprozessmodellen
3.1.2 Modellierung definierter Sichten auf Geschäftsprozessmodelle
3.1.3 Geschäftsprozess-Repository
3.2 Der Eclipse Business Process Designer
3.2.1 Funktionsumfang
3.2.2 Ergonomie
3.2.3 Design und technische Realisierung
4 Anforderungsdefinition
4.1 Funktionale Anforderungen
4.1.1 Funktionalität zur Erstellung von Geschäftsprozessmodellen
4.1.2 Funktionalität zur Modellierung der definierten Sichten auf die Geschäftsprozessmodelle
4.1.3 Funktionalität zur Verwaltung eines Geschäftsprozess-Repositories
4.1.4 Funktionalität zur konsistenten Verbindung der verschiedenen Funktionalitäten
4.2 Nicht-funktionale Anforderungen
5 Entwurf
5.1 Entwurf der Benutzungsoberfläche
5.1.1 Programm-Oberfläche
5.1.2 Übersicht und Bearbeitung von Projekten und Repositories
5.1.3 Oberfläche für die Anzeige und Bearbeitung von Diagrammen von Geschäftsprozessmodellen und Sichten
5.1.4 Anzeige und Bearbeitung der Repository-Einträge
5.2 Entwurf der Datenrepräsentation
5.3 Entwurf der Anwendungslogik
6 Implementierung
7 Evaluierung
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert, wie ein Software-Werkzeug zur Unterstützung der Geschäftsprozessmodellierung nach Gehring (1999) für studentische Übungszwecke gestaltet sein muss, und entwickelt dazu ein entsprechendes Konzept sowie eine prototypische Implementierung auf Basis der Eclipse Rich Client Platform.
- Analyse der Geschäftsprozessmodellierung nach Gehring
- Evaluierung bestehender Software-Ansätze (Eclipse Business Process Designer)
- Definition funktionaler und nicht-funktionaler Anforderungen
- Entwurf der Benutzungsoberfläche, Datenrepräsentation und Anwendungslogik
- Prototypische Implementierung und Evaluierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschäftsprozessmodellierung nach Gehring
Die von GEHRING (1999) erarbeitete Methode zur Modellierung von Geschäftsprozessen erstreckt sich auf folgende Punkte, welche im Folgenden näher betrachtet werden sollen:
• Erstellung von Geschäftsprozessmodellen
• Modellierung definierter Sichten auf Geschäftsprozessmodelle
• Geschäftsprozess-Repository
Bei den folgen Abschnitten zur detaillierten Beschreibung der Methode von GEHRING handelt es sich um eine Zusammenfassung und Analyse der für diese Arbeit wichtigen Ausführungen in GEHRING (1999).
3.1.1 Erstellung von Geschäftsprozessmodellen
GEHRING nutzt für seine Methode drei Modellierungsstufen: Meta-Meta-Modell (Stufe 1), Meta-Geschäftsprozessmodell (Stufe 2) sowie Geschäftsprozessmodell (Stufe 3). Stufe 3 stellt schließlich die Ebene dar, auf der die tatsächlichen Geschäftsprozesse erstellt bzw. modelliert werden können. Modelle dieser dritten Stufe sollen mit Hilfe der in dieser Arbeit zu erstellenden Software modelliert werden können.
Ausgangspunkt für die Modellierung ist das Meta-Meta-Modell von SINZ (1996), welches die Modellierung von Meta-Modellen ermöglicht, die in ihrer Form vergleichbar mit typischen objektorientierten Modellen (z.B. UML-Klassendiagramm, vgl. OMG 2003) sind. Demnach sind Meta-Modelle bestehend aus Meta-Objekttypen und Meta-Beziehen. Diese Beziehungen können als Generalisierungs- („ist ein“) oder als Zuordnungsbeziehungen („hat“) verwendet werden. Für Generalisierungsbeziehungen gelten Kardinalitäten implizit. Bei der Modellierung von Zuordnungsbeziehungen müssen sie dagegen explizit angegeben werden. Für beide durch die Beziehung verbundenen Objekte wird eine Kardinalität in Bezug auf die Beziehung angegeben, welche eine untere und eine obere Schranke beinhaltet. Es sind die natürlichen Zahlen inklusive 0 sowie „*“ für „mehrere“ als Werte zugelassen. In Vorgriff auf die folgenden Ausführungen sei hier als Beispiel die Beziehung zwischen Kontrollfluss und Ereignis in Abbildung 1 herangezogen: Ein Kontrollfluss hat entweder kein oder genau ein Ereignis („0,1“), während ein Ereignis genau einem Kontrollfluss zugeordnet ist („1,1“).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Geschäftsprozessmodellierung, Abgrenzung der Forschungsziele und Aufbau der Arbeit.
2 Grundlagen: Theoretische Fundierung der Begriffe Geschäftsprozess und Workflow sowie Darstellung ergonomischer Richtlinien für Software.
3 Betrachtungsgegenstand: Analyse der Modellierungsmethode nach Gehring und des bestehenden Eclipse Business Process Designers.
4 Anforderungsdefinition: Ableitung funktionaler und nicht-funktionaler Anforderungen an die zu entwickelnde Software.
5 Entwurf: Konzeptioneller Entwurf der Benutzeroberfläche, der Datenstruktur und der Anwendungslogik nach dem MVC-Entwurfsmuster.
6 Implementierung: Beschreibung der praktischen Realisierung der Anwendung unter Verwendung von Java, RCP und weiteren Frameworks.
7 Evaluierung: Prüfung und Validierung des implementierten Software-Prototyps anhand eines praktischen Modellierungsbeispiels.
8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion möglicher zukünftiger Erweiterungen.
Schlüsselwörter
Geschäftsprozessmodellierung, Gehring, Eclipse Rich Client Platform, Software-Ergonomie, Geschäftsprozess-Repository, Anforderungsdefinition, Modell-View-Controller, UML, Metamodell, Prototyping, Prozesssicht, Funktionssicht, Datensicht, Informationssysteme, Software-Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Software-Werkzeugs zur Unterstützung der Geschäftsprozessmodellierung nach der Methode von Gehring für studentische Übungszwecke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt Geschäftsprozessmodellierung, Software-Ergonomie, den Entwurf von Datenstrukturen für Modellierungswerkzeuge und die Implementierung unter Verwendung moderner Java-Frameworks wie Eclipse RCP.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Software-Werkzeug zu entwerfen und prototypisch zu implementieren, das die Modellierung von Geschäftsprozessen nach Gehring möglichst umfassend unterstützt und ergonomisch für Studierende gestaltet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine strukturierte Analyse der theoretischen Grundlagen und der Methode von Gehring, gefolgt von einer Anforderungsdefinition, einem softwaretechnischen Entwurf und einer prototypischen Umsetzung sowie deren abschließender Evaluierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse des Betrachtungsgegenstandes, die Ableitung der Anforderungen, den konkreten Software-Entwurf nach dem MVC-Muster sowie die detaillierte Beschreibung der Implementierung und anschließende Evaluation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geschäftsprozessmodellierung, Gehring-Methode, Eclipse RCP, Software-Ergonomie, Geschäftsprozess-Repository und Modell-View-Controller.
Warum wurde die Eclipse Rich Client Platform gewählt?
Die RCP bietet umfangreiche Funktionalitäten zur Anordnung von GUI-Elementen und ermöglicht die Implementierung eigenständiger Anwendungen, was für die Zielgruppe der Studierenden eine einfache Installation und Nutzung erlaubt.
Welche Defizite weist der frühere "Eclipse Business Process Designer" auf?
Der EBPD war unvollständig in Bezug auf die Gehring-Methode (keine Unterstützung aller Sichten), ergonomisch optimierbar und bot keine konsistente projektübergreifende Verwaltung sowie keine korrekte Abbildung der Hierarchien.
Wie stellt die neue Software Konsistenz sicher?
Die Software stellt durch ein zentrales Datenmodell sicher, dass Änderungen an Entitäten automatisch in allen beteiligten Diagrammen, Sichten und Repository-Einträgen propagiert und aktualisiert werden.
- Arbeit zitieren
- Richard Hackelbusch (Autor:in), 2007, Entwicklung einer Applikation zur Modellierung von Geschäftsprozessen auf Basis der Eclipse Rich Client Platform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120095