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Die Theorie des poetischen Schöpfungsprozesses bei Jakob Michael Reinhold Lenz

Title: Die Theorie des poetischen Schöpfungsprozesses bei Jakob Michael Reinhold Lenz

Term Paper (Advanced seminar) , 1991 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Frithjof Böhle-Holzapfel (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Sowohl im Hinblick auf den poetischen Schaffensprozeß als auch in der Ausarbeitung dramentheoretischer Neuansätze entwickelt Jakob Michael Reinhold Lenz zwischen 1770 und 1780 Gedanken, deren zentraler Gehalt, sc. die Forderung nach konsequentem Werkrealismus, einerseits einen markanten Gegensatz zu den etablierten Dichtungswerten des "belle nature" - Klassizismus bildet, auf der anderen Seite aber bereits den sozial ambitionierten poetischen Realismus Georg Büchners antizipiert. Dabei agiert J.M.R. Lenz im eigentümlichen Spannungsfeld von noch immer präsentem Klassizismus und dem "phantastischem Taumel" (H. Hettner) der antiklassizistisch motivierten Sturm- und Drangperiode.
Insofern wird sich die vorliegende Arbeit notwendigerweise an diesen epochenimmanenten Implikationen orientieren. Nach den einleitenden Bemerkungen zur Shakespeare-Rezeption und der Emanzipation der Sinnlichkeit im 18. Jahrhundert wird die Diskussion des poetischen Schöpfungsvorgangs mit der Analyse des Körper- und Seelenbegriffs bei Lenz eröffnet. Es wird gezeigt, dass seine Dichtungstheorie durch die definitorischen Vorgaben des Körper- und Seelenbegriffs bedingt ist.

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Inhaltsverzeichnis

§ 1 Vorbemerkung

§ 2 Einleitung: Shakespeare-Rezeption und Emanzipation der Sinnlichkeit im 18. Jahrhundert

§ 3 Lenzens Körper- und Seelenbegriff

§ 4 Die Sukzession der Erkenntnis

§ 5 Der poetische Schöpfungsprozess:

I. Nachahmung als Nachhandlung

II. Das poetische Genie und seine Schöpfung

§ 6 Dramenimmanente Konsequenzen: Der individuelle Charakter

§ 7 Ausblick: Wirkungsästhetische Konsequenzen im Verhältnis Dichter und Publikum

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Theorie des poetischen Schöpfungsprozesses bei Jakob Michael Reinhold Lenz und analysiert dabei, wie der Autor das Spannungsfeld zwischen klassizistischen Dichtungswerten und dem innovativen Drang des Sturm und Drang theoretisch fundiert und in seiner Dramenkonzeption umsetzt.

  • Die erkenntnistheoretische Grundlegung durch Lenzens Körper- und Seelenbegriff.
  • Die Transformation der Nachahmung Gottes in die dichterische „Nach-Handlung“.
  • Die Definition des poetischen Genies im Gegensatz zum „schönen Geist“.
  • Die wirkungsästhetischen Implikationen für das Verhältnis von Dichter und Publikum.
  • Die dramaturgische Konsequenz der individuellen Charakterzeichnung.

Auszug aus dem Buch

§ 5 Der poetische Schöpfungsprozeß

Mit dem Einsatz der Sinnlichkeit, deren empirisch gewonnenes Material (z.B. visuelle und auditive Sensationen) innerhalb der Seele nach und nach zu komplexeren Begriffsstrukturen entwickelt wird, beginnt die Auseinandersetzung mit der Natur. Indem der Mensch aber die Natur und ihre gesetzmäßige Kontinuation kennenlernt und begrifflich durchdringt, schlußfolgert er auf die Existenz eines Schöpfergottes, der für die vorfindliche Organisation des Lebendigen Verantwortung trägt. Das der Mensch überhaupt zu einer physico-theologischen Gotteserkenntnis fähig ist, verdankt er nach Lenz* Auffassung göttlicher Initiative, dem Menschen nicht nur Reflexions- und Empfindungstauglichkeit zuzubilligen, sondern ihn vornehmlich mit dem oben behandelten Trieb zur "Konkupiszenz", dem Streben, auszustatten. Erst dadurch gelangt der Mensch zu seiner Freiheit im Handeln und mithin zu seinem Begehren, Gott "nachzuahmen", d.h. selbständige Schöpfungsarbeit im Kleinen zu leisten:

"Der Mensch sollte freilich einen Blick der Gottheit ins schöne Weltall tun und alles übereinstimmend empfinden: aber er sollte auch frei, ein kleiner Schöpfer, der Gottheit nach=handeln. Die Triebfeder unserer Handlungen ist die Konkupiszenz: ohne Begier nach etwas bleiben wir ruhig (...)"

Zusammenfassung der Kapitel

§ 1 Vorbemerkung: Einführung in das Spannungsfeld zwischen dem Klassizismus und dem Sturm und Drang, in dem sich Lenz als Dichter positioniert.

§ 2 Einleitung: Shakespeare-Rezeption und Emanzipation der Sinnlichkeit im 18. Jahrhundert: Untersuchung der historischen Ablösung von rationalistischer Erkenntnistheorie zugunsten einer durch Shakespeare angeregten Empfindungsästhetik.

§ 3 Lenzens Körper- und Seelenbegriff: Erläuterung der metaphysischen Grundlagen, die für Lenz die notwendige Voraussetzung für den menschlichen Schöpfungsprozess bilden.

§ 4 Die Sukzession der Erkenntnis: Darstellung der Entwicklung des menschlichen Geistes als ein kontinuierlicher, in Bewegung befindlicher Prozess.

§ 5 Der poetische Schöpfungsprozess: Analyse der dichterischen Nachahmung als aktives "Nach-Handeln" und die Abgrenzung des poetischen Genies vom gewöhnlichen Verstand.

§ 6 Dramenimmanente Konsequenzen: Der individuelle Charakter: Erörterung, wie Lenzens Dichtungstheorie zu einer selbstständigen und freien Charakterdarstellung im Drama führt.

§ 7 Ausblick: Wirkungsästhetische Konsequenzen im Verhältnis Dichter und Publikum: Diskussion der ästhetischen Verantwortung des Dichters für den Geschmack und die Bildung seines Publikums.

Schlüsselwörter

Jakob Michael Reinhold Lenz, Sturm und Drang, poetischer Schöpfungsprozess, Nachahmung, Körper-Seelen-Dualismus, poetisches Genie, Shakespeare-Rezeption, Dramentheorie, Werkrealismus, Erkenntnistheorie, Wirkungsästhetik, individuelle Autarkie, Konkupiszenz, Menschheitsbildung, Schöpferkraft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Dichtungstheorie von J.M.R. Lenz, insbesondere seine Überlegungen zum kreativen Schaffensprozess und dessen philosophische Fundierung im 18. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen Rationalismus und Sturm und Drang, dem Körper- und Seelenbegriff bei Lenz sowie der Rolle des Dichters als "kleiner Schöpfer".

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, Lenzens Theorie des poetischen Schöpfungsvorgangs unter Berücksichtigung seiner erkenntnistheoretischen Voraussetzungen systematisch darzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit nutzt eine werkanalytische Methode, die zentrale Begriffe aus Lenzens Hauptschriften, wie den "Anmerkungen übers Theater", philologisch expliziert und in den geistesgeschichtlichen Kontext einbettet.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lenzens philosophischen Prämissen, die Analyse der kreativen "Nach-Handlung" und die Auswirkung dieser Theorie auf die Gestaltung individueller dramatischer Charaktere.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Zentrale Begriffe sind neben Lenz' Geniebegriff vor allem die "Naturnachahmung", die "Sukzession der Erkenntnis" und die "wirkungsästhetische Relevanz" für das Publikum.

Wie unterscheidet Lenz zwischen einem "Allgemeingenie" und dem "poetischen Genie"?

Während das Allgemeingenie durch schnelle Auffassungsgabe und analytische Schärfe besticht, ist das poetische Genie durch die Fähigkeit zum gottähnlichen "Nach-Handeln" und die Schöpfung einer "neuen Realität" ausgezeichnet.

Warum spielt die Körper-Seelen-Dualität eine so entscheidende Rolle bei Lenz?

Für Lenz ist diese Dualität die ontologische Bedingung, die es dem Menschen ermöglicht, zwischen der aufgenommenen Realität und der aktiven schöpferischen Umgestaltung zu vermitteln.

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Details

Title
Die Theorie des poetischen Schöpfungsprozesses bei Jakob Michael Reinhold Lenz
College
University of Bonn  (Germanistisches Seminar)
Course
Hauptseminar: Jakob Michael Reinhold Lenz
Grade
1,0
Author
M.A. Frithjof Böhle-Holzapfel (Author)
Publication Year
1991
Pages
19
Catalog Number
V120438
ISBN (eBook)
9783640241941
ISBN (Book)
9783640245482
Language
German
Tags
Theorie Schöpfungsprozesses Jakob Michael Reinhold Lenz Hauptseminar Jakob Michael Reinhold Lenz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Frithjof Böhle-Holzapfel (Author), 1991, Die Theorie des poetischen Schöpfungsprozesses bei Jakob Michael Reinhold Lenz , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120438
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