Aggression. Aggressionstheorien, aggressives Verhalten, Formen der Aggression


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Aggression

3. Frustrations- Aggressions- Theorie

4. Bandura`s Theorie des sozialen Lernens - Lernen am Modell

5. Lernen am Effekt (Erfolg und Misserfolg)

6. Psychoanalytische Triebtheorie Freud`s

7. Lorenz` Theorie

8. Unterschiedliche Arten und Formen von Aggression

9. Wann tritt aggressives Verhalten auf?

10. Was kennzeichnet aggressive Menschen?

11. Was fördert Aggressivität?

12. Verminderung aggressiven Verhaltens

13. Kann erlernte Aggression rückgängig gemacht werden?

14. Schluss

15. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Aggression“.

Dieser Begriff ist sehr umfassend und bietet viele verschiedene Facetten, mit denen man sich beschäftigen kann. Da Aggression ein bibliothekenfüllendes Gebiet darstellt, ist es mir leider nicht möglich, alle erwähnenswerten Aspekte in dieser Hausarbeit anzusprechen. Ich habe versucht, das Wichtigste herauszufiltern und dies zu komprimieren.

Zunächst erfolgt eine beziehungsweise mehrere Definitionen des Begriffs Aggression. Anschließend werden die verschiedenen Aggressionstheorien erläutert, angefangen von der Frustrations-Aggressions-Hypothese über Bandura`s Lernen am Modell, Lernen am Effekt, zu den Triebtheorien Freud`s und Lorenz`.

Danach gehe ich auf folgende Fragen ein:

Wann tritt aggressives Verhalten auf?

Was kennzeichnet aggressive Menschen und was fördert Aggressivität?

Weiterhin beschäftigt sich diese Hausarbeit mit der Unterscheidung der verschiedenen Arten und Formen von Aggression, um dann überleiten zu können zur Frage: Aggressionen abreagieren- geht das?

Es schließt sich ein kurzer Text an, der die Frage, ob erlernte Aggression rückgängig gemacht werden kann, aufgreift.

Der Schluss dieser Hausarbeit setzt sich aus einem Fazit und der eigenen Meinung zusammen.

2. Der Begriff Aggression

Betrachtet man die Alltagssprache kritisch, wird man schnell feststellen, dass als Aggression beziehungsweise aggressives Verhalten eine Vielzahl von Verhaltensweisen benannt werden.

Generell wird Aggression als ein Verhalten verstanden, welches Objekten oder Personen Schaden, Verletzungen oder unangenehme Zustände zufügt. James T. Tedeschi schreibt, dass in der sozialpsychologischen Forschung schädigendes Verhalten als Aggression aufgefasst würde (vgl. Tedeschi, 2002, S.3)[1]. Weiterhin beschäftigen sich laut Tedeschi die Sozialpsychologen mehr mit der Interaktion zwischen Individuen und nicht mit den Konflikten zwischen Gruppen.

Eine ähnliche Definition liefern Baron und Richardson, die davon ausgehen, dass mit Aggression das Ziel verfolgt wird, ein anderes Lebewesen zu verletzen und dieses ist motiviert, eine solche Behandlung zu vermeiden.

Merz definiert Aggression als „jene Verhaltensweisen, mit denen die direkte oder indirekte Schädigung eines Individuums, meist eines Artgenossen, intendiert wird“ (Merz 1965, S.571)[2].

Diese Definitionen rechnet man dem engeren Typ von Definitionen zu, da sich die meisten Menschen bei ihrem Aggressionsverständnis von drei Merkmalen leiten lassen:

1. Schaden
2. Intention
3. Normabweichung

Selg bevorzugt daher das Merkmal der „Gerichtetheit“ und definiert Aggression wie folgt: „Aggression besteht in einem gegen einen Organismus gerichteten Austeilen schädigender Reize“ (vgl. Selg, 1988, S.14).[3]

Nicht nur bei der Definition des Begriffs gibt es Probleme. Eine weitere Fragestellung ist, wann Aggression anfängt, wann Aggression in der kindlichen Entwicklung beginnt.

Einen Aggressionsbegriff im weiteren Sinne geben beispielsweise Bach und Goldberg:

„Mit Aggression ist jedes Verhalten gemeint, das im wesentlichen das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung darstellt“ (Bach und Goldberg, 1974, S.14)[4].

Weiterhin sind sich die Begriffe Aggression und Gewalt sehr ähnlich, da man in vielen Fällen statt Aggression auch Gewalt sagen könnte (vgl. Nolting 1997, S.25)[5].

In der Praxis werden schwerere, körperliche Formen von Aggression als Gewalt bezeichnet.

Erklärungstheorien von Aggressionsphänomenen

Aggression gibt es in verschiedenen Erscheinungsformen. Aber wie kann man Aggression erklären? Was ist die Ursache von Aggression? Diese Fragestellungen werden im Folgenden behandelt und die vielfältigen Aggressionstheorien einzeln vorgestellt.

Sozialpsychologische Aggressionstheorie

Erst durch die so genannte Frustrations-Aggressions-Theorie in den 40er Jahren wurden Laboruntersuchungen zu menschlicher Aggression durchgeführt. Es ergaben sich Unzulänglichkeiten, die in den Lerntheorien von Buss (1961) und Bandura (1973) sowie durch Berkowitz (1989) aufgegriffen wurden.

3. Frustrations- Aggressions- Theorie

Im Jahre 1939 veröffentlichten Dollard et al. ihre Frustrations- Aggressions-Hypothese. Diese Theorie geht auf einen psychologischen Ansatz hin zurück.

Der Frustrations- Aggressions- Theorie zu Folge erzeugt eine Frustration,definiert als Störung einer zielgerichteten Handlung, eine aggressive Energie oder einen aggressiven Antrieb. Das Verhaltensmuster, auf Frustration mit Aggression zu antworten, ist angeboren (vgl. Tedeschi, 2002, S.574 ). Das aggressive Verhalten richtet sich gegen das die Frustration erzeugende Subjekt. Wird aggressives Verhalten gezeigt, reduziert dies den Aggressionstrieb. Dieses Verhalten wird als Katharsis bezeichnet. Allerdings ist aggressives Verhalten selbst verstärkend, da die Triebreduktion verstärkend wirkt.

Aggressives Verhalten kann durch Verstärkungen und Bestrafungen geformt werden.

Wird ein bestimmtes Handeln bestraft, beispielsweise, es wird Tadel ausgesprochen oder es gibt eine schlechte Note, wird ein unangenehmer Reiz hinzugefügt. Wenn ein angenehmer Reiz entfernt wird, zum Beispiel, das Taschengeld wird gestrichen, tritt eine Hemmung ein. Das entsprechende Verhalten wird nicht mehr oder nicht mehr so häufig gezeigt. Wobei es hier sicherlich auch darauf ankommt, ob kontinuierlich verstärkt wird oder nur intermittierend bestraft oder eben verstärkt wird. Wenn ein Organismus ein Aggressionspotential inne hat, dieses aber nicht auslebt, kann dieser Triebzustand zu einer Verschiebung der Aggression führen, da die Aggression gehemmt wird.

Zusammenfassend ist noch einmal zu erwähnen, dass Frustration zu Aggression führt, da diese eine Folge von Frustration ist. Weiterhin vermindert eine vorangegangene Aggression die Bereitschaft zu weiterer Aggression. Falls Aggression gehemmt wird, kommt es zu einer Verschiebung der Aggression.

Bei den Wirkungen der Frustration auf Aggression werden drei Aspekte untersucht:

1. die unmittelbaren Auswirkungen der Frustration auf Aggression
2. die Frage der Katharsis nach aggressiven Handlungen
3. die Verschiebung der Aggression auf Ersatzobjekte

Die Forschungen über die direkten Wirkungen der Frustration erbrachten sehr unterschiedliche Ergebnisse. So ließ Frustration in Form von Handlungsfehlern oder das Ausbleiben positiver Verstärkung die Versuchspersonen nicht aggressiver werden, allerdings kann bei einer negativen Verstärkung eine stärkere Aggression auftreten.

Um diese Ergebnisse erklären zu können, entschied man sich dazu, zwischen willkürlicher und gerechtfertigter Frustration zu unterscheiden. Eine Person wird also nur dann wütend, wenn die Frustration ungerechtfertigt und willkürlich ist. Nun könnte das Ausbleiben der Aggression nach einer positiven Verstärkung also durchaus daran liegen, dass die Frustration berechtigt war. Ein direkter Zusammenhang zwischen Frustration und Aggression ist nicht erkennbar, Frustration kann demnach eine Ursache von Aggression sein, muss es aber nicht.

Katharsis

Katharsis bedeutet, dass aggressives Verhalten den Aggressionstrieb reduziert. In früheren Experimenten zur Katharsishypothese wurde der Aggressionstrieb als autonome Aktivität des Nervensystems ausgelegt, die man durch Indikatoren wie Herz- und Atemfrequenz messen kann (vgl. Tedeschi, 2002, S. 575) . Durch mehrere Experimente stellte Hokanson 1970 fest, dass Beschimpfungen durch andere Personen (Frustration) zu einer verstärkenden Erregung des autonomen Nervensystems führte, allerdings wurde diese reduziert, wenn das Opfer seinem Peiniger elektrische Schläge versetzten durfte. Als Ergebnis des Experimentes kam heraus, dass männliche Versuchsteilnehmer öfter elektrische Schläge erwiderten, als das die Versuchsteilnehmerinnen taten (vgl. Tedeschi, 2002, S.576 ).

Eine weitere Form der Katharsishypothese ist, dass ein Organismus, der eine aggressive Reaktion gezeigt und eine Triebreduktion erfahren hat, weniger aggressiv ist, wenn er erneut die Chance hat, Aggression gegen ein Frustration auslösendes Subjekt auszuüben (vgl. Tedeschi, 2002, S. 576 ).

4. Bandura`s Theorie des sozialen Lernens - Lernen am Modell

Erst in den sechziger Jahren wurde das Modelllernen ein zentrales Forschungsthema. Lernen am Modell ist Beobachtungslernen. Durch die Beobachtung anderer können sehr schnell Verhaltensweisen neu erlernt und in ein bestehendes Verhaltensreportoire aufgenommen werden. Die betreffenden Verhaltensweisen konnte die Person vorher nicht ausführen, da sie sie nicht kannte. Nun ahmen die Menschen die erlernten Verhaltensweisen nach, imitieren sie. Deutlich wird dies in Versuchen, die Bandura anwendete und mit Kindern durchführte:

Die Kinder sahen eine erwachsene Person, die auf eine Clownpuppe aus Kunststoff einschlug. Anschließend gab man den Kindern die Möglichkeit, in einem Spielzimmer zu spielen. Es waren eine Clownpuppe, ein Holzhammer, ein Gewehr, Buntstifte und Papier vorhanden.

Untersuchungen ergaben, dass die Kinder das vorher gezeigte Verhalten häufiger nachahmten, wenn das Modell verstärkt wurde und dass die Nachahmung gehemmt wurde, wenn das Modell verurteilt wurde (Tedeschi, 2002, S.578).

Ein anderes Ergebnis als einen aggressionsfördernden Einfluss des aggressiven Verhaltens hätte wohl niemand erwartet.

Laut Nolting (vgl. Nolting, 1997, S.99), der sich hier auf Bandura bezieht, vermittelt das Vorbild anderer eine Orientierung für das eigene Verhalten, es wirkt stimulierend oder reduziert eventuelle Hemmungen.

Selbst Zeichentrickfiguren haben einen sehr großen Nachahmungseffekt. Dieser sei am größten, so Bandura, Ross und Ross (1963)[6], wenn sozialmächtige Modelle sich mit Aggressionen durchsetzen, sprich, wenn aggressive Personen zu Helden hochstilisiert werden. Personen, die besonderen Einfluss auf Kinder haben, die Eltern und Erzieher, werden von den Kindern besonders gern imitiert, da die Eltern und Erzieher den Kindern Aggressionen vorleben.

So gibt es durchaus Parallelen zwischen den Strafgewohnheiten der Eltern und dem aggressiven Verhalten der Kinder (vgl. Schmidt-Mummendey, 1975, S.39)[7].

Individuen lernen aggressives Verhalten durch Beobachtung von Modellen, die aggressiv handeln.

[...]


[1] Tedeschi, James: Die Sozialpsychologie von Aggression und Gewalt. In: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Hrsg. v. Heitmeyer, Wilhelm und Hagan, John. Wiesbaden 2002.

[2] Merz, F.: Aggression und Aggressionstrieb. In: Allgemeine Psychologie II: Motivation. Hrsg. v. Thomae, H. Göttingen 1965.

[3] Selg, H.: Menschliche Aggressivität. Göttingen, Toronto, Zürich 1974.

[4] Bach, G.R., Goldberg, H.: Keine Angst vor Aggression. Düsseldorf 1982.

[5] Nolting, H.-P.: Lernfall Aggression. Wie sie entsteht- wie sie zu vermindern ist. Hamburg 1997.

[6] Bandura, A., Ross D., Ross S.: Transmission of aggression through imitation of aggressive models. In: Journal of Abnormal and Social Psychology. 1961.

[7] Schmidt-Mummendey A.: Bedingungen aggressiven Verhaltens. Wien 1972.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Aggression. Aggressionstheorien, aggressives Verhalten, Formen der Aggression
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Anthropologie
Note
2+
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V121155
ISBN (eBook)
9783640251889
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggression, Bandura, Freud
Arbeit zitieren
Katharina Keil (Autor), 2006, Aggression. Aggressionstheorien, aggressives Verhalten, Formen der Aggression, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121155

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