Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die unterschiedlichen Ermittlungsarten bezüglich der Kapitalkosten in der Unternehmensbewertung sowie deren Einflussfaktoren geben. Als Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen werden zu Beginn die allgemeinen Grundlagen in Bezug auf die Bewertung von Unternehmen erläutert. Hierzu zählen eine Beschreibung der Kapitalwertmethode und eine anschließende Übersicht über die Anlässe und Funktionen sowie die unterschiedlichen Methoden der Unternehmensbewertung. Nach diesem kurzen Einstieg in das vielschichtige Themengebiet kann festgehalten werden, dass es keinen „richtigen“ Unternehmenswert gibt. Vielmehr wird dieser durch Anlass und Funktion nicht unerheblich beeinflusst.
Basis einer Unternehmenswertberechnung sind in den meisten Fällen die geplanten Überschüsse der Unternehmung für die folgenden Perioden. Da diese in der Praxis nicht sicher vorausgesagt werden können, ist die enthaltene Unsicherheit in die Berechnung einzubeziehen. Die zwei grundlegend zur Verfügung stehenden Methoden zur Berücksichtigung dieser Unsicherheit werden in Kapitel 3 erläutert. Diesbezüglich wird im weiteren Verlauf der Arbeit das Hauptaugenmerk auf die Integration des Risikos im Diskontierungszinssatz gelegt.
Aufgrund der Zielsetzung der Arbeit erfolgt im Kapitel 4 eine Fokussierung auf die unterschiedlichen Ermittlungsarten des Kapitalisierungszinssatzes sowie die zugehörigen Einflussfaktoren. Hierfür wird eine Trennung des Diskontierungszinssatzes in zwei Bestandteile vorgenommen. Der Basiszinssatz als erste Komponente wird als risikolose Alternativanlage interpretiert. Nach den Versuchen diesen Bestandteil des Kapitalisierungszinssatzes aus Vergangenheits- und Zukunftsdaten sowie dem Stichtagszins abzuleiten folgt eine Erläuterung des Phasenmodells und der von der Deutschen Bundesbank verwendeten Svensson-Methode. Bei der Ermittlung der Risikokosten wird beschrieben, wie diese anhand fundamentaler Unternehmensdaten abgeleitet werden können. Als weitere Ermittlungsart wird anschließend das auf Marktdaten basierende CAPM ausführlich erörtert. Als zusätzliche Methode zur Ermittlung eines risikoadjustierten Diskontierungszinssatzes wird die Konzeption des internen Zinsfußes beschrieben, für die Unternehmensbewertung allerdings als nicht geeignet beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Die Kapitalwertmethode und ihre Einflussfaktoren
2.2 Anlässe und Funktionen von Unternehmensbewertungen
2.3 Überblick über unterschiedliche Bewertungsmethoden
3 Risikoabschlag / -zuschlag
4 Komponenten des Kalkulationszinssatzes und unterschiedliche Ermittlungsmethoden
4.1 Basiszinssatz
4.1.1 Konkretisierung des Basiszinssatzes
4.1.2 Ermittlung des Basiszinssatzes
4.1.2.1 Vergangenheitsdaten, Zinsprognosen oder Stichtagszins
4.1.2.2 Svensson-Methode
4.1.2.3 Phasenmodell
4.2 Risikokosten und unterschiedliche Ermittlungsarten
4.2.1 Begründung für die Berücksichtigung von Risikokosten
4.2.2 Ermittlung anhand fundamentaler Unternehmensdaten
4.2.3 Ermittlung durch den Rückgriff auf Marktdaten am Beispiel des CAPM
4.3 Die Konzeption des internen Zinsfußes
5 Zusammenhang zwischen Unternehmenswert und Kapitalisierungszinssatz
6 Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen Methoden zur Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes in der Unternehmensbewertung systematisch zu beschreiben, kritisch zu beurteilen und deren Auswirkungen auf den Unternehmenswert zu analysieren.
- Grundlagen der Unternehmensbewertung und Kapitalwertmethode
- Methoden zur Bestimmung des Basiszinssatzes (u.a. Svensson-Methode und Phasenmodell)
- Ansätze zur Berücksichtigung von Risikokosten und deren Ermittlung
- Anwendung des Capital Asset Pricing Model (CAPM) in der Bewertungspraxis
- Sensitivitätsanalyse zum Zusammenhang zwischen Zinssatz und Unternehmenswert
Auszug aus dem Buch
4.1.2.2 Svensson-Methode
In der Praxis liegt selten eine flache Zinsstrukturkurve vor, weshalb die unterschiedlichen Zinssätze laufzeitadäquat zu ermitteln sind. Mögliche Fehler bei der Ermittlung des Basiszinssatzes unter Annahme einer flachen Zinsstruktur lassen sich durch die Verwendung von Spot-Rates vermeiden. Die Spot-Rate ist derjenige periodenbezogene Zinssatz, der für Anlagen über eine bestimmte Laufzeit ohne zwischenzeitliche Zinszahlungen erzielt wird. Spot-Rates und deren Zinsstruktur können unter anderem durch die folgenden drei Verfahren ermittelt werden: Direkte Ermittlung anhand von Strips (Separate Trading of Registered Interest and Principal Securities), Schätzung der Zinsstrukturkurve aus Zinsswaps oder Schätzung der Zinsstrukturkurve aus Bundesanleihen (Svensson-Methode). Das naheliegendste ist, direkt auf Nullkuponanleihen des Bundes zurückzugreifen. Das Stripping, die Trennung von Kapital- und Zinsansprüchen und deren separater Handel, ist seit 1997 für bestimmte Bundesanleihen möglich. Problematisch ist jedoch, dass das Volumen der gehandelten Strips im Vergleich zu den gehandelten Bundesanleihen relativ gering ist. Alternativ kann man die Zinsstrukturkurve aus Zinsswaps ableiten. Bei einem Zinsswap werden fixe und variable Zinszahlungen auf einen fiktiven Nominalbetrag über eine feste Vertragslaufzeit zwischen zwei Parteien ausgetauscht. Zwar ist der Swapmarkt einer der liquidesten Kapitalmärkte, allerdings findet der Handel nahezu außerbörslich statt was dazu führt, dass in den Swapsätzen Risikoprämien für Kreditausfallrisiken enthalten sind. Die enthaltene Risikoprämie ist relativ gering, da sich diese zum Großteil auf internationale Geschäftsbanken bezieht, vernachlässigen sollte man diese Größe aber nicht. Zudem werden bei einem Swap die zugrunde liegenden Beträge nicht getauscht. Dieser fehlende Liquiditätsfluss hat ebenfalls Auswirkungen auf den vereinbarten Zinssatz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Themenfeld der Kapitalkostenermittlung in der Unternehmensbewertung ein und erläutert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Grundlagen: Hier werden die allgemeinen Grundlagen der Unternehmensbewertung, insbesondere die Kapitalwertmethode sowie Anlässe und Funktionen von Bewertungen, dargelegt.
3 Risikoabschlag / -zuschlag: Dieses Kapitel behandelt die theoretische Einordnung der Unsicherheit bei der Unternehmensbewertung und die Wahlmöglichkeit zwischen Risikoabschlägen auf Zahlungen oder Risikozuschlägen beim Zinssatz.
4 Komponenten des Kalkulationszinssatzes und unterschiedliche Ermittlungsmethoden: Dieser Hauptteil analysiert die zwei Bestandteile des Kalkulationszinssatzes, Basiszinssatz und Risikokosten, anhand verschiedener wissenschaftlicher und praktischer Ermittlungsmodelle.
5 Zusammenhang zwischen Unternehmenswert und Kapitalisierungszinssatz: In diesem Kapitel wird anhand einer Sensitivitätsanalyse aufgezeigt, wie sich Variationen des Zinssatzes und Wachstumsfaktoren auf den Unternehmenswert auswirken.
6 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet kritisch die vorgestellten Ermittlungsmethoden im Hinblick auf deren Praxisrelevanz und Weiterentwicklungspotenzial.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Kapitalkosten, Basiszinssatz, Risikokosten, Kapitalwertmethode, Diskontierungszinssatz, Svensson-Methode, Phasenmodell, CAPM, Beta-Faktor, Marktrisikoprämie, Sensitivitätsanalyse, Zinsstrukturkurve, Unternehmenswert, Finanzplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Ermittlung von Kapitalkosten in der Unternehmensbewertung und untersucht die Methoden zur Bestimmung von Basiszinssätzen sowie Risikokosten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Kapitalwertmethode, die Zinsstrukturkurven-Schätzung, das CAPM-Modell sowie die Analyse von Einflussfaktoren auf den Unternehmenswert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die systematische Beschreibung und kritische Beurteilung unterschiedlicher Ermittlungsarten für den Kapitalisierungszinssatz, um dessen erhebliche Bedeutung für das Bewertungsergebnis zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden gängige kapitalmarktorientierte Verfahren (z.B. CAPM, Svensson-Methode) analysiert, miteinander verglichen und deren Eignung für die Bewertungspraxis anhand der Literatur diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung des Basiszinssatzes, die Ermittlung von Risikokosten mittels fundamentaler Daten oder Marktdaten (CAPM) sowie die Untersuchung der Konzeption des internen Zinsfußes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Unternehmensbewertung, Kapitalisierungszinssatz, CAPM, Basiszinssatz, Risikoprämie, Beta-Faktor und Sensitivitätsanalyse.
Warum wird das CAPM in der Arbeit kritisiert?
Das CAPM wird kritisiert, da seine theoretischen Annahmen – wie ein vollkommener Kapitalmarkt oder eine einperiodige Sichtweise – in der realen Bewertungspraxis nicht vollständig erfüllt sind.
Welche Rolle spielt die Svensson-Methode in der Arbeit?
Die Svensson-Methode wird als verbreitetes Verfahren zur Schätzung der Zinsstrukturkurve vorgestellt, da sie eine laufzeitadäquate Ermittlung des Basiszinssatzes ermöglicht.
Wird der interne Zinsfuß für Unternehmensbewertungen empfohlen?
Nein, der interne Zinsfuß wird zwar theoretisch diskutiert, für die Unternehmensbewertung jedoch überwiegend als ungeeignet beurteilt.
- Arbeit zitieren
- Markus Bohl (Autor:in), 2009, Ermittlung von Kapitalkosten in der Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121284