Was genau ist die Problematik bei weil-Sätzen mit Hauptsatzstellung? Weshalb gelten sie als von der Norm abweichend, sogar grammatisch falsch, wenn sich ihnen der Großteil der Sprecher der deutschen Sprache (bewusst oder unbewusst) doch immer häufiger bedient? Um die Berechtigung dieser Fragen beurteilen zu können, wird in dieser Arbeit zunächst ein Blick auf weil im typischen Sinne eines Verknüpfungswortes, also eines Konnektors, geworfen. Dazu wird der Konnektorenbegriff geklärt und zwischen einer weit und eng gefassten Terminologie differenziert.
Daran anknüpfend wird untersucht, inwiefern sich Diskursmarker in den Kontext von Konnektoren einordnen lassen. Es werden Parallelen und Unterschiede hervorgehoben. Im nächsten Schritt wird der Spezialfall weil in den Blickwinkel genommen. Was sagt die Normgrammatik über seine (ursprüngliche) Funktion als Konnektor/Konjunktion aus und wie differenziert sie sich von der Funktion als Diskursmarker?
Nachdem der Forschungsstand weitgehend ausgeführt wurde, erfolgt in eine Erläuterung des empirischen Vorgehens. Daraufhin werden die Daten angeführt und analysiert mit dem Blick auf die Kriterien, die zuvor im theoretischen Teil dargestellt wurden. Anhand von Beispieltranskripten, welche aus Alltagskommunikationen im gesprochenen Deutsch bestehen, erfolgt eine Differenzierung des Begriffs Diskursmarker in folgende drei Diskursfunktionen: weil in der Funktion als 1) Einleitung von Zusatzinformationen, 2) Einleitung von längeren Erzählsequenzen und 3) konversationelles Fortsetzungssignal. Die Theorie wird anhand der Transkripte veranschaulicht. Hierbei erfolgt die Orientierung dieser Einteilung größtenteils an Gohl/Günthner (1999).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
3. Forschungsstand
3.1. Konnektoren
3.2. Diskursmarker
3.3. Kausalsubjunktor weil als Diskursmarker
4. Empirisches Vorgehen
4.1. Einleitung von Zusatzinformationen durch weil Beispiel 1
4.2. Einleitung von Zusatzinformationen durch weil Beispiel 2
4.3. Einleitung von Erzählsequenzen durch weil Beispiel 3
4.4. Einleitung von Erzählsequenzen durch weil Beispiel 4
4.5. weil als konversationelles Fortsetzungssignal Beispiel 5
4.6. weil als konversationelles Fortsetzungssignal Beispiel 6
5. Schlussfolgerung/Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der „weil“-Sätze mit Verbzweitstellung im gesprochenen Deutsch. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit diese Konstruktionen nicht nur als kausale Konnektoren, sondern als Diskursmarker fungieren und welche pragmatischen Funktionen sie im interaktiven Sprachgebrauch übernehmen.
- Grammatische Einordnung von Konnektoren und Diskursmarkern
- Pragmatische Funktionen von „weil“ in der gesprochenen Sprache
- Analyse authentischer Transkripte aus Alltagsgesprächen
- Untersuchung der Sequenzorganisation durch „weil“-Konstruktionen
- Abgrenzung von Kausalität und diskurssteuernden Effekten
Auszug aus dem Buch
4.2. Beispiel 2 (IAuDa, 217)
001 UL: und dann dacht ich SO=
002 =ob der wOhl- (.)
003 ob der wohl SAgen durfte ich wILL jetzt (.)
004 NICHT so groß feiern,
005 NICHT so öffentlich- =
006 =oder ob der wohl °h ne verPFLICHtung hatte=
007 =weil er mal BUNdeskanzler war.
008 LA: das weiß ich AUCH nicht=
009 weil; (.)
010 die hat ja auch ziemlich viel erFORscht glaub ich=ne?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Verbzweitstellung bei „weil“-Sätzen und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Theorie: Darstellung des theoretischen Rahmens der Interaktionalen Linguistik und Relevanz des gesprochenen Sprachgebrauchs.
3. Forschungsstand: Theoretische Abgrenzung von Konnektoren und Diskursmarkern sowie Diskussion des speziellen Forschungsgegenstandes „weil“.
4. Empirisches Vorgehen: Analyse von sechs Transkriptbeispielen, die verschiedene diskursorganisierende Funktionen von „weil“ veranschaulichen.
5. Schlussfolgerung/Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach „weil“ als Diskursmarker eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Gesprächssequenzen einnimmt.
Schlüsselwörter
Gesprochenes Deutsch, weil, Verbzweitstellung, Konnektor, Diskursmarker, Kausalität, pragmatische Funktionen, Interaktionale Linguistik, Transkriptanalyse, Redemanagement, Satzstruktur, Zusatzinformation, Erzählsequenz, Fortsetzungssignal.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung des Wortes „weil“ im gesprochenen Deutsch, insbesondere in Fällen, in denen das Verb an zweiter Stelle im Satz steht (Verbzweitstellung).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von grammatischen Konnektoren und pragmatischen Diskursmarkern sowie die Analyse der Gesprächsorganisation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass „weil“-Sätze mit Verbzweitstellung eine sinnvolle pragmatische Funktion zur Steuerung des Diskurses erfüllen und nicht lediglich als „grammatische Fehler“ zu werten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Analyse von authentischen Transkripten aus der „linguistischen Audio Datenbank“ (IAuDa) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der theoretische Forschungsstand dargelegt und anschließend sechs Fallbeispiele aus Alltagsgesprächen detailliert auf ihre pragmatische Funktion hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „weil“, Diskursmarker, gesprochene Sprache, Pragmatik und Verbzweitstellung.
Wie unterscheiden sich Konnektoren von Diskursmarkern in diesem Kontext?
Konnektoren verknüpfen primär propositionale Inhalte (Satzebene), während Diskursmarker eine organisierende Funktion im Gesprächsverlauf haben (Sequenzebene).
Kann „weil“ auch als Signal zur Aufrechterhaltung des Rederechts dienen?
Ja, die Arbeit zeigt auf, dass „weil“ in Kombination mit Zögerungspartikeln als „floor-holder“ fungieren kann, um das Rederecht während der Planung nachfolgender Äußerungen zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Irem Kavuncu (Autor:in), 2020, Ist das Wort "weil" ein Konnektor oder Diskursmarker? Zu den unterschiedlichen Funktionen des kausalen Subjunktors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215016