Der Allgemeine Soziale Dienst ist aus fachlichen und rechtlichen Gründen zur Erfüllung seiner Aufgaben auf interinstitutionelle Kooperationen angewiesen. Mit Verabschiedung des § 8a SGB VIII im Jahr 2005, dem Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung, erlangte das Thema Kooperation und Vernetzung in Verbindung mit der Verabschiedung des Bundeskinderschutzgesetzes im Jahr 2012 größere Bedeutung und setzte eine erhebliche Dynamik in Gang. Die vorliegende Forschungsarbeit widmet sich folgender Forschungsfrage: Wie kann eine Kinderschutzfachkraft Kooperation unter Berücksichtigung geltender Rahmenbedingungen gut gestalten?
In dieser wird untersucht, welche Gelingensbedingungen eine Kinderschutzfachkraft für eine gelingende Kooperation benötigt. Zu Beginn werden die grundlegenden Begriffe definiert, sowie der grundlegende Forschungsstand dargestellt. In den theoretischen Grundlagen wird aufgezeigt, wie der Allgemeine Soziale Dienst mittels des fallbezogenen Handlungskonzeptes Case-Management einen Falleingang bearbeiten kann. Anschließend werden die neun von van Santen/Seckinger entwickelten Prüfkriterien für die Gestaltung guter Kooperationsbeziehungen erläutert, zudem weitere Gelingensbedingungen für gute Kooperation vorgestellt.
Anhand des Frankfurter Modells wird exemplarisch verdeutlicht, wie gute Kooperation durch interdisziplinäre Kooperation im Kinderschutz realisiert werden kann. Anschließend werden die zentralen Erkenntnisgewinne dieser Bachelorarbeit kurz zusammenfasst. Mithilfe von Expert*inneninterviews wurde in der Forschungsarbeit auch qualitativ geforscht. Anhand von fünf Forschungsfragen wurde erhoben, welchen Stellenwert die Kooperation im Kinderschutz für die befragten Kinderschutzfachkräfte einnimmt, des Weiteren die konkrete Gestaltung des Kinderschutzes untersucht, sowie wichtige Kooperationspartner*innen von den Interviewpersonen eruiert.
Des Weiteren wurden auch die Gründe für die Relevanz der Kooperationspartner*innen, den Gelingensbedingungen für erfolgreiche Kooperation sowie der eigene Beitrag der Interviewpersonen zu diesem erforscht. Es werden hemmende Faktoren bzgl. der Konstituierung der Kooperation identifiziert, sowie in diesem Zusammenhang auf Datenschutzbestimmungen eingegangen. Nach der Darstellung des Forschungsteils und der Ergebnisse werden Bezüge zwischen Theorie und Forschung hergestellt anschließend die verwendeten Methoden bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Rechtsbegriff Kindeswohlgefährdung
2.2 Allgemeiner Sozialer Dienst
2.3 Kooperation
2.4 Netzwerk
3. Forschungsstand
3.1 Kindeswohlgefährdung
3.2 Allgemeiner Sozialer Dienst
3.3 Kooperation
3.4 Netzwerkarbeit
4. Theoretische Grundlagen
4.1 Falleingang am Beispiel des Case-Management-Konzepts
4.2 Bedingungsfaktoren guter Kooperation
4.2.1 Hürden bei der Zusammenarbeit
4.3 Prüfkriterien für die Gestaltung guter Kooperationsbeziehungen
4.3.1 Weitere Gelingensbedingungen
4.4 Interdisziplinäre Vernetzung im Kinderschutz – Frankfurter Modell
5. Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen
6. Eigene Forschung
6.1 Qualitative Untersuchung
6.2 Forschungsmethodisches Vorgehen
6.3 Ergebnisdarstellung
7. Bezüge zwischen Theorie und Forschung
8. Methodenbewertung
9. Implikationen für die weitere Forschung und Praxis
9.1 Implikationen für die zukünftige Forschung
9.2 Implikationen für die Gestaltung gelingender Kooperationen
9.3 Implikationen für den Umgang mit Hemmnissen beim Eingehen von Kooperationen
9.4 Implikationen für die Relevanz der Kooperationspartner*innen
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht, wie eine Kinderschutzfachkraft Kooperationen unter Berücksichtigung geltender Rahmenbedingungen erfolgreich gestalten kann. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation von Gelingensbedingungen für eine professionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit im Kinderschutz.
- Rechtliche Grundlagen und Kindeswohlgefährdung im Kontext des ASD.
- Anwendung des Case-Management-Konzepts im Kinderschutzverfahren.
- Qualitative Analyse von Experteninterviews zur Kooperationspraxis.
- Identifikation von Hemmfaktoren und Gelingensbedingungen bei der Vernetzung.
- Das Frankfurter Modell als interdisziplinäres Praxisbeispiel.
Auszug aus dem Buch
4.2 Bedingungsfaktoren guter Kooperation
„Der ASD und seine Mitarbeiter müssen sich [deshalb] mit den Vor- und Nachteilen von Kooperation, mit den Herausforderungen, die für ihr Gelingen zu bewältigen sind, und mit der Eigendynamik von Kooperationszusammenhängen auseinandersetzen“ (Santen/Seckinger 2015, 738).
Um aufzuzeigen, was hinderlich für Kooperationen sein kann, werden in diesem Passus zunächst exemplarisch Hürden zwischen Kooperationspartnern anhand der Studie von Klammer et al. dargelegt. Anschließend werden in Kapitel 4.3 anhand von Prüfkriterien der Autoren van Santen/Seckinger Gelingensbedingungen für gute Kooperationen vorgestellt und erläutert, durch die diese die Wirksamkeit von Kooperationen überprüft werden kann. Daraufhin werden weitere Gelingensbedingungen für die Gestaltung von Kooperationsbeziehungen in den Blick genommen. Anhand des Frankfurter Modells wird zum Schluss dieses Kapitels illustriert, wie Kooperation durch Kooperationsvereinbarung interdisziplinär und verbindlich gestaltet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese führt in die rechtliche Relevanz des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung ein und formuliert die Forschungsfrage zur Gestaltung von Kooperationen.
2. Begriffsbestimmungen: Hier werden zentrale Begriffe wie Kindeswohlgefährdung, Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD), Kooperation und Netzwerk rechtlich und fachlich definiert.
3. Forschungsstand: Dieser Abschnitt fasst aktuelle Daten zu Kindeswohlgefährdungen zusammen und beleuchtet die Arbeitsrealität sowie Kooperationsbedingungen im ASD.
4. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert das Case-Management-Konzept als Handlungsgrundlage und stellt Modelle sowie Kriterien für erfolgreiche Kooperationsbeziehungen vor.
5. Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen: Hier erfolgt eine kurzgefasste Synthese der erarbeiteten Theorien und Kriterien für die Gestaltung von Netzwerkarbeit im Kinderschutz.
6. Eigene Forschung: Dieser Teil beschreibt das qualitative Forschungsdesign mittels Experteninterviews sowie die Methodik der Auswertung der erhobenen Daten.
7. Bezüge zwischen Theorie und Forschung: Dieses Kapitel gleicht die Ergebnisse der Experteninterviews mit den theoretischen Erkenntnissen aus der Fachliteratur ab.
8. Methodenbewertung: Hier wird das gewählte Forschungsdesign hinsichtlich wissenschaftlicher Gütekriterien kritisch reflektiert.
9. Implikationen für die weitere Forschung und Praxis: Das Kapitel leitet aus den Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen für Fachkräfte und Hinweise für zukünftige Forschungsansätze ab.
10. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und einem Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Kooperation im Kinderschutz.
Schlüsselwörter
Kinderschutz, Allgemeiner Sozialer Dienst, Kooperation, Vernetzung, Kindeswohlgefährdung, Case-Management, Gelingensbedingungen, Interdisziplinarität, Sozialarbeit, Schutzauftrag, Datenschutz, Netzwerkpartner, Kooperationsvereinbarung, Fallmanagement, Qualitätsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung professioneller Netzwerke und Kooperationsstrukturen für den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) im Rahmen des Kinderschutzes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die rechtlichen Rahmenbedingungen des Kinderschutzes, die Praxis des ASD, Konzepte des Case-Managements und die Faktoren, die eine gelingende interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie eine Kinderschutzfachkraft Kooperationen unter geltenden Rahmenbedingungen so gestalten kann, dass eine effektive Unterstützung gewährleistet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der theoretischen Grundlagen sowie einer qualitativen Forschung, die fünf Experteninterviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, den aktuellen Forschungsstand, die eigene qualitative Untersuchung und die daraus abgeleiteten Implikationen für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Kinderschutz, Allgemeiner Sozialer Dienst, Kooperation, Vernetzung, Kindeswohlgefährdung, Case-Management und Gelingensbedingungen sind für diese Arbeit maßgeblich.
Wie bewerten die befragten Fachkräfte die Relevanz der Kooperation?
Alle Interviewpartner messen der Kooperation einen sehr hohen bis existenziellen Stellenwert für die tägliche Arbeit im Kinderschutz bei.
Welche Rolle spielt der Datenschutz in der Zusammenarbeit?
Der Datenschutz wird von vielen Befragten als signifikante Hürde empfunden, die den Informationsfluss zwischen Institutionen erschweren und die Kooperation hemmen kann.
Was schlagen die Experten zur Verbesserung der Kooperation vor?
Genannt werden unter anderem mehr Zeit für Vernetzung, eine stärkere Sensibilisierung der Kooperationspartner für Kinderschutzthemen sowie eine Entbürokratisierung der Kommunikationswege.
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- Sven Kiemle (Author), 2022, Professionelle Netzwerke im Allgemeinen Sozialen Dienst. Bedeutung und Analyse von Kooperationsstrukturen im Kinderschutz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1215872