Schizophrenie und deren Auswirkungen auf den Alltag


Akademische Arbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Ursachen
2.2 Verlauf

3 Schizophrenie des Kindes- und Jugendalters
3.1 Schizophrenie bei Kindern
3.2 Schizophrenie bei Jugendlichen

4 Diagnose
4.1 Differentialdiagnose

5 Schizophrenie und das alltägliche Leben
5.1 Auswirkung einer schizophrenen Störung im Alltag
5.2 Komorbidität und deren Auswirkungen

6 Fallbeispiele
6.1 Fallbeispiel
6.2 Fallbeispiel

7 Ausblick

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Schizophrenie ist eine Störung, welche immer wieder im alltäglichen Leben vorkommt. Weltweit, so schätzen die Forscher des Robert Koch Institut sind bis zu 1% der Bevölkerung an dieser Störung erkrankt (https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/Themenhefte/Schizophrenie_inhalt.html, 20.06.2020, 15:00). Auch in Medien und Filmen, wie beispielsweise dem amerikanischen Kinofilm „A Beautiful Mind“ von Ron Howards aus dem Jahre 2001 (https://www.imdb.com/title/tt0268978/?ref_=fn_al_tt_1, 20.06.2020, 14:25), kommt die Störung immer wieder vor. Allerdings ist die Krankheit auch nach heutigem Stand, aufgrund ihrer facettenreichen und individuellen Ausprägung noch verhältnismäßig wenig erforscht. Frau N. und Ich haben uns zur näheren Erforschung dieser Störung entschlossen, da wir beide eine persönliche Sichtweise zu Schizophrenie haben, sei es durch das familiäre oder das berufliche Umfeld. Wir beide haben bereits vermehrt mit den Betroffenen zu tun gehabt und dies war mitunter einer der Gründe, neben einem gehörigen Maß an Grundinteresse, weswegen wir uns dafür entschieden haben, diese Störung näher zu erforschen. Speziell die Auswirkungen, welche die Krankheit auf das alltägliche Leben hat und die Einschränkungen, die damit zwangsläufig einher gehen, regten unser Interesse an einer weiteren Erforschung der Thematik an. In der nachfolgenden Arbeit werden wir zu erst klar definieren, was man nach heutigem Forschungsstand und einer „Schizophrenie“ versteht, was die Symptome sind und wie sie sich während ihres Verlaufes weiterentwickelt. Im Anschluss werden wir auf die unterschiedliche Ausprägung der Störung eingehen, welche sie in verschiedenen Altersstufen aufweist und den schwierigen Diagnoseverlauf näher erläutern. Darüber hinaus gehen wir vermehrt auf die Probleme der Betroffenen in deren alltäglichem Leben ein, welche entweder durch die Krankheit selbst oder durch deren Begleiterscheinungen ausgelöst werden. Zum Schluss werden wir unsere Fälle, welche aus dem beruflichen und persönlichen Umfeld stammen darstellen und einen Ausblick formulieren, der gleichzeitig als ein Fazit unserer Arbeit zählen wird.

2 Definition

Schizophrenie bezeichnet eine schwerwiegende, psychische Störung, welche sich vor allem in einer starken Wahrnehmungsveränderung des Betroffenen äußert und sich nur schwerlich klar definieren lässt, aufgrund der Fülle von unterschiedlichen Symptomen und Ausprägungen (Caspar, F. et al, 2018). Das Wort Schizophrenie setzt sich aus den altgriechischen Wörtern „s’chizein“, welches mit „spalten“ oder „zersplittert“ übersetzt wird und aus dem Wort „phren“, das „Geist, Seele, Gemüt“ bedeutet (Schierenbeck, J., 2019). Neben anderen Symptomatiken wird üblicherweise zwischen einer akuten und einer chronischen Schizophrenie unterschieden (Rennenberg et al, 2009) , hierzu wird die Symptomatik der Schizophrenie in zwei Kategorien aufgeteilt, der sogenannten „Positivsymptomatik (=Zum Erleben und Verhalten kommt etwas hinzu) und Negativsymptomatik (Erleben und Verhalten wird eingeschränkt)“ (Caspar, F. et al, 2018, S.83). Letzteres bezieht sich hauptsächlich auf psychomotorische Störungen, und hat beispielsweise den sozialen Rückzug, eine gewisse Sprachverarmung und Freudlosigkeit zur Folge (Hoyer, W. & Wittchen, H., 2011). Im Gegenzug beziehen sich die positiven Symptome auf tiefgreifende Veränderungen im aktiven Erleben und dem alltäglichen Verhalten des Individuums und werden hauptsächlich geprägt durch Wahn, Halluzinationen und Denkstörungen, Zerfahrenheit oder Ich – Störungen (Caspar, F. et al, 2018).

2.1 Ursachen

Die Ursachen einer Schizophrenie sind schwerlich zu konkretisieren. Klar scheint zu sein, dass Männer und Frauen gleichermaßen betroffen sind (Caspar, F. et al, 2018) und dass die Ätiologie zumeist multifaktoriell ist. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, welche das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Dazu gehören beispielswiese die genetischen, biochemischen und psychosozialen Faktoren. So haben beispielsweise Kinder schizophrener Eltern ein ca. 50%iges Risiko ebenfalls an Schizophrenie zu erkranken, 15% wenn es nur ein Elternteil ist (Rennenberg et al, 2009). Auch eine Veränderung am Gehirn, herbeigeführt durch Sauerstoffmangel bei der Geburt oder eine etwaige Hirnhautentzündung können das Risiko einer Erkrankung erhöhen (Schierenbeck, J. 2019). Auch der Botenstoff Dopamin spielt eine Rolle bei der Erkrankung an einer Schizophrenie, da die betroffenen Rezeptoren zu häufig und zu überaktiv im mesolimbischen Bereich des Gehirns vertreten sind. Hierbei entsteht eine „Hyperaktivität des Dopamins“ im Gehirn, welches die bereits erwähnten positiven Symptome der Schizophrenie auslösen. Einer der prägnantesten Auslöser ist jedoch Stress (Hautzinger & Thies, 2009). Diese Informationen werden auch im sogenannten „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“ wiedergespiegelt, welches allgemein benutzt wird, um den Grund für eine Erkrankung an Schizophrenie zu bestimmen. Dieses Modell beschreibt ein Zusammenspiel aus sozioökonomischen, biologischen und verschiedenen sozialen, sowie persönlichen Stressfaktoren, als den Hauptauslöser einer psychischen Krankheit wie der Schizophrenie(Caspar, F. et al, 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vulnerabilitäts-Stress-Modell psychischer Störungen (Quelle: Wittchen & Hoyer, 2011, S.21)

Die Abbildung 1 zeigt deutlich, wie aus der Kombination aus bestimmten Vulnerabilitäten, Veränderungen und zum Teil erschwerte Lebensbedingungen entstehen und wie diese zu einer psychischen Störung führen können, wenn sie unsere individuellen Ressourcen in Form von psychologischen oder entwicklungsbezogenen Faktoren übersteigen. Je mehr Faktoren in diesem Modell vertreten sind, desto höher die Chance an Schizophrenie zu erkranken (Caspar, F. et al, 2011).

2.2 Verlauf

Die Beschreibung des genauen Verlaufes einer Schizophrenie gestaltet sich ähnlich schwierig, wie bereits die genaue Festlegung auf die Ursachen und die Definition. Laut Statistik beginnen die ersten Symptome in der späten Adolenz oder dem frühen Erwachsenenalter (Hautzinger & Thies, 2009). Merkmale wären hier bspw. eine abweichende Wahrnehmung, die Entwicklung von merkwürdigen Verhaltensäußerungen, sowie dem Auftreten von den negativen Symptomen, welche in Punkt „1.1 Definition“ erläutert wurden (Hautzinger & Thies, 2009). Allgemein kann man bestimmte Phasen herausgliedern. Die Dauer dieser Phasen variiert dabei sehr und kann von wenigen Tagen bis zu einem Jahr lang andauern (Baierl, M., 2008). In der sogenannten Prodromalphase ist dies sogar noch etwas extremer, denn sie kann bis zu sieben Jahren andauern. Es beginnt zunächst mit recht unspektakulären Beeinträchtigungen, wie beispielsweise bei Kleinkindern eine „Verzögerung bei der Entwicklung der Körpermotorik, [dem Aufweisen von] starker Zurückgezogenheit, [sowie] Sprachverzögerungen […]“ (Hautzinger & Thies, 2009, S. 162). Darüber hinaus sind gerade bei Kindern und Jugendlichen Merkmale wie Konzentration – und Gedächtnisschwierigkeiten ein klares Warnzeichen, denn wenn zusätzlich auch noch ein Elternteil eine schizophrene Störung hat, so steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung des Kindes auf bis zu 70% (Hautzinger & Thies, 2009). Gegen

Ende der Prodromalphase werden die Symptome schließlich konkreter und es kommt zu Gedankeninterferenzen, oder Blockaden, als auch Wahrnehmungsveränderungen, wie beispielsweise die Veränderung von Farben bei Gegenständen oder olfaktorische Halluzinationen (Hautzinger & Thies, 2009). Gerade bei Jugendlichen führt dies oftmals zu einer sozialen und personellen Unsicherheit und kann nicht selten zu einem Missbrauch von Rauschmitteln führen, um dem Gefühl „verrückt zu werden“ zu entkommen (Hautzinger & Thies, 2009). In der darauffolgenden Zwischenphase intensivieren sich die Symptome der Prodromalphase und es kommt verstärkt zu akustischen, optischen Halluzinationen, sowie Paranoia und dem Gefühl von anderen beeinflusst zu werden. Diese Symptome verstärken sich zusehens und die Akutphase wird ausgelöst, in wessen Verlauf es vermehrt zu Denkstörungen kommt, welche die sprachlichen Kompetenzen des Erkrankten beeinflussen. Auch treten die akustischen und optischen Halluzinationen stärker und häufiger auf, diese können variieren von der bereits erwähnten Farbänderung von Objekten, bis hin zu dem Sehen von Insekten, welche unter der Haut leben (Hautzinger & Thies, 2009). Während die Phasen sich intensivieren, ist stets ein Gefühl von innerer Leere und Gleichgültigkeit bei den Betroffenen festzustellen, welches mitunter zu Suizidgedanken und Depressionen als eine Komorbidität auslösen können (Hippius & Benkert, 2014). Die Symptome werden schließlich so stark, dass der oder die Betroffene eine starke, von außen nicht nachvollziehbare Verhaltensänderung durchläuft, welches Befremden und Unverständnis in seinem oder ihrem sozialen Umfeld auslösen kann und so den sozialen Rückzug des oder der Erkrankten noch verstärkt. Auch kann es durch den fehlenden Austausch und den Rückzug zu einer Regression in der Entwicklung kommen (Hautzinger & Thies, 2009).

Die letzte Phase bildet schließlich das Residuum, das „Abklingen der akuten Phase“ (Hautzinger & Thies, 2009, S.166). Interessant zu erwähnen ist hier, dass etwa bei 25 % der Betroffenen keine Einschränkungen zurückbleiben und sich der Zyklus der Phasen nicht wiederholt. Es können vereinzelt noch Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit, sowie kurzfristige Wahnvorstellungen oder Halluzinationen auftreten. Wenn diese sich jedoch wieder verstärken, droht ein Rückfall. Dieser hängt wieder mit der in Punkt „1.2. Ursachen“ zusammen und wird bestimmt durch die Ressourcen und die Lebenserfahrung, sowie die individuelle Persönlichkeit des oder der Betroffenen (Hautzinger & Thies, 2009).

3 Schizophrenie des Kindes- und Jugendalters

Psychische Prozesse sind immer dynamisch und nicht statisch, was dafür sorgt, dass eine heterogene Vielfalt bei psychischen Störungen wie Schizophrenie entstehen, die bei der Diagnose dieses Krankheitsbildes zu beachten sind (Eggers, 2011, S. 3). Gerade im Kindes- und Jugendalter ist die Diagnose von schizophrenen Psychosen nicht immer eindeutig und bedarf einer alters- und entwicklungsbezogenen Unterteilung:

- Beginn vor dem 11./12. Lebensjahr wird als sehr früh beginnende Schizophrenie bezeichnet,
- Beginn zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr wird als präpubertal beziehungsweise (bzw.) früh beginnende Schizophrenie bezeichnet und
- Beginn zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr bezeichnet man als Psychosen der Adoleszenz (Eggers, 2011, S. 4).

3.1 Schizophrenie bei Kindern

Psychosen mit schizophrenem Hintergrund sind bei Kindern selten (Finzen, 2020, S.90). Meistens beginnen die schizophrenen Psychosen nicht vor dem achten Lebensjahr (ebd). Im Vordergrund von schizophrenen Psychosen bei Kindern stehen vor allem Kontaktverlust und Sprachzerfall (ebd). Es herrschen so genannte unproduktive Symptome vor (Eggers, 2011, S. 18). Dazu gehören auch die Entwicklungsbereiche der Motorik und der Emotionalität (ebd). Spielverlust, kindliche Lebensfreude und Aktivität gehen dabei verloren (ebd). Dabei sind Wahnideen und Halluzinationen eher selten (ebd). Allgemein ist es wichtig kindliche Schizophrenie von kindlichem Autismus abzugrenzen (Finzen, 2020, S.91). Dieser lässt sich bei genauer Anamnese bis zur Geburt oder zu den ersten Lebensjahren zurückverfolgen (ebd). Bei kindlicher Schizophrenie ist dies nicht möglich, da Kinder eine gewisse Entwicklung haben müssen, um überhaupt schizophrene Psychosen zu entwickeln (Finzen, 2020, S.90). Damit ist gemeint, dass zum Beispiel die Entwicklung des Denkens, des Sprechens, der Wahrnehmung und Affektivität eine gewisse Stabilität aufweisen müssen (ebd).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Schizophrenie und deren Auswirkungen auf den Alltag
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V1216360
ISBN (Buch)
9783346662330
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schizophrenie, auswirkungen, alltag
Arbeit zitieren
Konrad Weberling (Autor:in), 2020, Schizophrenie und deren Auswirkungen auf den Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1216360

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