Wohl jeder von uns kennt im Bereich der somatischen Störungen das breite Spektrum zwischen leichten
körperlichen Beeinträchtigungen und Irritationen und einer schweren Krankheit, die sämtliche unsere Kräfte
bindet und intensive medizinische, therapeutische Maßnahmen erfordert.
Ebenso weit reicht das Spektrum zwischen leichten psychischen Behinderungen und Beeinträchtigungen
und schweren psychischen Erkrankungen. Die Grenze zwischen psychisch gesund und krank ist oft schwer
zu setzen. Der erlebte Leidensdruck ist das subjektive Kriterium, das einen Menschen dazu veranlaßt, die
Hilfe eines Psychotherapeuten zu suchen.
Psychische Störungen können das Leben, die Arbeit, die Fähigkeit, befriedigende Beziehungen aufzubauen,
beeinträchtigen. Ob solche Störungen genetisch bedingt oder durch die Lebenssituation der betreffenden
Menschen entstanden sind, ist eine auch heute noch umstrittene Frage, die aber angesichts der Tatsache,
daß dem Betroffenen geholfen werden muß, von sekundärer Bedeutung ist. Diese teilweise dramatischen
Störungen der Gefühle und die Reflexion ihnen gegenüber zeigen die Bedeutung der Emotionen für den
Gesamtbereich des Psychischen. Ohne Pflege seiner Gefühle kann der Mensch dem Leben nicht standhalten.
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Inhaltsverzeichnis
A. EINLEITUNG
A.1. NORM UND SEELISCHE GESUNDHEIT
A.2. DIE EINTEILUNG PSYCHISCHER STÖRUNGEN
B. DIE NEUROSE
B1. VORLÄUFIGE CHARAKTERISTIK DER NEUROSE
B2. DIE ZWANGSNEUROSE (ANANKASMUS)
B3. DIE ANGSTNEUROSE
B4. DIE PHOBIE
B5. DIE KONVERSIONSNEUROSE
B6. PSYCHO-VEGETATIVE ERSCHÖPFUNGSSYNDROME
(VEGETATIVE DYSTONIE)
B7. ANOREXIA NERVOSA
B8. DIE NEUROSENLEHRE NACH SIGMUND FREUD
B9. ZUR ÄTIOLOGIE DER NEUROSE
C. DIE PSYCHOSE
C1. ZUR CHARAKTERISTIK DER PSYCHOSE
1.1. Wie entsteht Wissensbildung beim gesunden Menschen?
1.2. Die Entstehung der Psychose:
1.3. Erscheinungsformen der Psychose:
C2. ZUR PROBLEMATIK DER ABGRENZUNG PSYCHISCHER KRANKHEITEN
(EXPERIMENT VON D.ROSENHAN)
C3. DIE SCHIZOPHRENIE
3.1. Zur Ätiologie der Schizophrenie:
3.1.1. Über das Auftreten von Kindheitspsychosen
3.2. Die wichtigsten Formen und der Krankheitsverlauf:
3.5. Schizophrenie in anderen Kulturen - Ein transkultureller Vergleich:
C4. DIE DEPRESSIVITÄT UND DEPRESSION
C5. DIE MANIE
5.1. Zur Charakteristik:
5.2. Symptomatik:
5.3. Zyklische Formen:
C6. PARANOIDE PSYCHOSEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit bietet eine systematische Einführung in das Spektrum psychischer Störungen, wobei sie die Abgrenzung zwischen psychischer Gesundheit und Krankheit anhand verschiedener Normbegriffe sowie zentraler klinischer Störungsbilder untersucht. Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Ursachen und Erscheinungsformen neurotischer und psychotischer Störungen zu vermitteln.
- Kriterien für seelische Gesundheit und Definition psychischer Störungen
- Differenzierung und Charakterisierung von Neurosen (z.B. Zwang, Angst, Phobie)
- Klinische Analyse von Psychosen mit Fokus auf Schizophrenie und affektiven Störungen
- Transkulturelle Betrachtung psychischer Erkrankungen und deren soziale Determinanten
- Überblick über neurotische Deformierungen nach der Lehre von Sigmund Freud
Auszug aus dem Buch
B1. VORLÄUFIGE CHARAKTERISTIK DER NEUROSE
Die neurotische Persönlichkeit wird im Gegensatz zu früher nicht mehr als das Opfer eines einzigen psychischen Traumas in früher Kindheit gesehen, sondern als ein Mensch, der nicht die Möglichkeit hatte, Konflikte zu lösen. - Eine Krisensituation an sich macht noch keine Neurose aus.
"An der Wurzel neurotischer Störungen steht ein Konflikt, der durch zwei oder mehrere einander widersprechende vitale Bedürfnisse entsteht, wobei die neurotischen Symptome Abreaktionen der daraus resultierenden Spannungen sind."
Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der Begriff der Seelischen Dispositon. Diese spezifische Beschaffenheit eines Organismus, die die Voraussetzung für die Wirkung schädigender Einflüsse ist äußert sich beim Neurotiker in der Hauptsache in einer Überempfindlichkeit gegenüber gewissen Reizen (Hypersensibilität). Die seelischen Störungen, die sich beim Hypersensiblen in einer Durchschnittsumgebung einstellen, beginnen demgemäß bereits in der frühesten Kindheit.
Das folgende Schema zeigt nun, wie zur Neurose disponierende Merkmale sowie aus der Umwelt und den Lebenserfahrungen herstammende schädigende Einflüsse zusammenwirken. Bei Gruppe 1 können selbst in günstiger Umwelt die dehr starken Dispositionen eine Neurose hervorbringen, wie dies bei Gruppe 3 bei verhältnismäßig sehr günstigen Dispositionen in äußerst ungünstiger Umwelt geschehen kann. Dazwischen liegen proportional gleitende Anteile beider Faktoren.
Zusammenfassung der Kapitel
A. EINLEITUNG: Das Kapitel definiert den Rahmen psychischer Störungen und stellt die Problematik der Abgrenzung von "normal" zu "abnorm" sowie die Grundmerkmale seelischer Gesundheit vor.
B. DIE NEUROSE: Hier werden Entstehung, Symptomatik und psychodynamische Grundlagen verschiedener neurotischer Störungsbilder, wie Angstneurosen oder Zwänge, detailliert erläutert.
C. DIE PSYCHOSE: Dieser Abschnitt widmet sich den schweren psychischen Erkrankungen, insbesondere der Schizophrenie sowie affektiven Störungen, und analysiert deren Ätiologie unter Berücksichtigung kultureller Aspekte.
Schlüsselwörter
Psychische Störung, Neurose, Psychose, Schizophrenie, Depression, Manie, Angstneurose, Phobie, Zwang, Symptomatik, Ätiologie, Psychodynamik, Persönlichkeitsstruktur, Transkulturelle Psychologie, Psychosomatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dient als grundlegende Einführung in das Feld der klinischen Psychologie und gibt einen Überblick über verschiedene psychische Störungen, deren Klassifikation und Entstehungsbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von psychischer Gesundheit, die Neurosenlehre, verschiedene Formen der Psychose sowie die Auswirkungen kultureller Einflüsse auf psychische Krankheitsbilder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Vermittlung eines fundierten Grundverständnisses für die Einordnung, Diagnostik und Ursachenanalyse psychischer Störungen im klinischen Kontext.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf tiefenpsychologische Ansätze, vergleichende transkulturelle Studien sowie auf verhaltenstheoretische Erkenntnisse zur Ätiologie psychischer Leiden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit neurotischen Symptomen wie Phobien und Zwängen sowie eine eingehende Analyse psychotischer Zustände wie Schizophrenie und Manie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Neurose, Psychose, Ätiologie, Symptomatik, Schizophrenie, Depression und die psychodynamische Perspektive.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen einer Neurose und einer Psychose?
Die Unterscheidung basiert maßgeblich auf dem Grad der Realitätswahrnehmung und dem Ausmaß der Persönlichkeitsbeteiligung; bei der Neurose bleibt der Kontakt zur Außenwelt weitgehend intakt, bei der Psychose droht ein massiver Realitätsverlust.
Welche Rolle spielt die Kultur bei der Entstehung psychischer Erkrankungen?
Die Arbeit zeigt durch transkulturelle Vergleiche, dass zwar die Grundformen psychischer Störungen universell auftreten können, die spezifische Ausprägung und soziale Bewertung der Symptome jedoch stark von der kulturellen Tradition und den Umweltfaktoren abhängen.
- Arbeit zitieren
- Mag. Arno Krause (Autor:in), 1996, Psychische Störungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121688