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Ist Gottes Existenz beweisbar? Die Auseinandersetzung zwischen Anselm von Canterbury (1033-1109) und Gaunilo von Marmoutiers (+1083)

Titel: Ist Gottes Existenz beweisbar? Die Auseinandersetzung zwischen Anselm von Canterbury (1033-1109) und Gaunilo von Marmoutiers (+1083)

Hausarbeit , 2001 , 11 Seiten , Note: 1,25

Autor:in: Simone Henninger (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1300)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die sogenannte Frühscholastik ist in der Zeit von 1050 bis 1150 n.Chr. anzusiedeln. Die Grundgedanken der scholastischen Philosophie gehen in diesem Zeitraum aus der Erziehung der Geistlichkeit in den Klosterschulen hervor, mit der Entstehung der städtischen Kathedral-schulen und der Universitäten im 13. und 14. Jahrhundert werden sie sich später zur sogenannten Hochscholastik weiterentwickeln. Bereits in der Frühscholastik zeichnet sich eine klar umrissene Aufgabe für die Philosophie im christlich geprägten Mittelalter ab: Das, was der Glaube schon als unanfechtbare Wahrheit besitzt, ist vernunftsmässig zu begründen und verstehbar zu machen.

Thema dieser Arbeit ist Anselms berühmter Versuch aus dem Proslogion, die Existenz Gottes allein mit den Mitteln der menschlichen ratio zu beweisen, sowie die Kritik dieses Beweises von Gaunilo von Marmoutiers (gest.1083). Anselm hielt diese für so wichtig, dass er sie zusammen mit seinem Text abschreiben ließ, nicht ohne dass er sich gegen sie verteidigte. Nicht befassen werde ich mich mit dem wohl berühmtesten modernen Kritiker von Anselms `ontologischem´ Beweis, Immanuel Kant.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Ist Gottes Existenz beweisbar? – Einleitung

Anselms Argument

Gaunilos Kritik

Anselms Rechtfertigung

Ist Gottes Existenz bewiesen?

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den ontologischen Gottesbeweis Anselms von Canterbury im Proslogion und analysiert kritisch die Entgegnung Gaunilos von Marmoutiers. Das primäre Ziel ist es, die logische Stringenz beider Argumentationen sowie den Stellenwert der Vernunft in der Auseinandersetzung um die Beweisbarkeit göttlicher Existenz im mittelalterlichen Kontext zu bewerten.

  • Frühscholastik und das Verhältnis von Glaube und Vernunft
  • Anselms Definition Gottes als das über das hinaus Größeres nicht gedacht werden kann
  • Gaunilos Kritik an der notwendigen Existenz aus dem bloßen Verstandesbegriff
  • Die Kontroverse als wissenschaftsgeschichtlicher Wendepunkt
  • Die methodische Problematik, den Glauben durch reine Dialektik zu beweisen

Auszug aus dem Buch

Gaunilos Kritik

Gaunilo von Marmoutiers, Benediktinermönch wie Anselm, widersprach dieser Argumentation des Proslogion. Er bestritt in seiner Schrift `Was ein Namenloser anstelle des Toren darauf erwidern könnte´ den Anspruch auf die Allgemeingültigkeit des Beweises, den Anselm erhoben hatte, und auch die sachliche Richtigkeit von Anselms Argumentation. Mit dem Titel seiner Schrift machte er deutlich, dass seiner Meinung nach der `Tor´, als den Anselm den Ungläubigen bezeichnet, sehr wohl gegen Anselms Beweisgang argumentieren kann, wenn er die Vernunft zu gebrauchen weiß.

Gaunilos Kritik besteht hauptsächlich in der Infragestellung der Annahme Anselms, dass das, was als größtes Denkbares im Verstande ist deshalb auch außerhalb des Geistes real existiert. Im Einzelnen führt Gaunilo diese Kritik in folgenden Punkten aus:

1. Wenn bewiesen werden könnte, dass es sich hier um eine Sache handelt, die, wenn sie im Verstande existiert immer zugleich als tatsächlich existierend verstanden werden müsste, stände dies im Widerspruch zur allgemein anerkannten Auffassung, dass es zeitlich differenziert ist, etwas im Verstande zu haben und seine Existenz zu verstehen.

2. So wie Gottes Nicht-Sein prinzipiell möglich ist, ist auch das Nicht-Sein des Wesens über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann möglich, denn sonst müsste Anselm es nicht für nötig erachten, seinen Beweis zu formulieren.

Zusammenfassung der Kapitel

Ist Gottes Existenz beweisbar? – Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Arbeit in der Frühscholastik und beleuchtet den historischen Konflikt zwischen dialektischer Vernunft und überlieferter Glaubenswahrheit am Beispiel von Berengar und Lanfrank.

Anselms Argument: Hier wird der ontologische Gottesbeweis aus dem Proslogion expliziert, wobei insbesondere der zweistufige Prozess der Definition Gottes als das größte Denkbare im Verstand und in der Wirklichkeit dargestellt wird.

Gaunilos Kritik: Dieser Abschnitt analysiert Gaunilos Gegenargumente, insbesondere seine Zweifel an der unmittelbaren Realexistenz eines verstandesinternen Begriffs, verdeutlicht durch das berühmte Inselbeispiel.

Anselms Rechtfertigung: Das Kapitel behandelt Anselms Versuch, die Einwände Gaunilos in einer Verteidigungsschrift zu entkräften, wobei der Fokus auf Anselms Beharren auf seiner spezifischen Begriffskonstruktion liegt.

Ist Gottes Existenz bewiesen?: Abschließend wird kritisch reflektiert, dass Anselms Beweis zwar formal genial erscheint, jedoch in seinen Prämissen letztlich auf Glaubensannahmen fußt, die einer rein rationalen Begründung widersprechen.

Schlüsselwörter

Frühscholastik, Anselm von Canterbury, Gaunilo von Marmoutiers, Ontologischer Gottesbeweis, Proslogion, Dialektik, Vernunft, Glaube, Gottesbegriff, Existenzbeweis, Scholastik, Mittelalterliche Philosophie, Denken, Wahrheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem historischen und philosophischen Streitgespräch im Mittelalter zwischen Anselm von Canterbury und Gaunilo von Marmoutiers bezüglich der Möglichkeit, Gottes Existenz rein rational zu beweisen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die scholastische Philosophie, das Spannungsfeld zwischen der Autorität der Kirche und der aristotelischen Logik sowie die methodische Herangehensweise, den Glauben durch Vernunft (ratio) zu begründen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Analyse der Argumentationsstruktur Anselms und der darauf folgenden Widerlegung durch Gaunilo, um aufzuzeigen, ob die ontologische Beweisführung über die bloße Logik hinaus eine reale Existenz Gottes zwingend verifizieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die historisch-philosophische Hermeneutik, um die Primärtexte von Anselm und Gaunilo zu interpretieren und im Kontext der frühscholastischen Philosophiegeschichte einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des berühmten Proslogion-Arguments, die detaillierte Kritik Gaunilos (unter anderem das Inselargument) und die anschließende, wenig erfolgreiche Rechtfertigungsstrategie Anselms.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind das größte Denkbare, die Unterscheidung zwischen Verstandesexistenz und Wirklichkeit sowie das Spannungsverhältnis zwischen Glaubenswahrheit und dialektischer Analyse.

Welche Rolle spielt das von Gaunilo angeführte Beispiel der "verlorenen Insel"?

Das Inselbeispiel dient Gaunilo als Analogie, um zu zeigen, dass die Vorstellung von etwas Vollkommenem im Geist nicht zwangsläufig deren tatsächliche Existenz in der Realität erzwingt.

Warum schließt die Arbeit mit der Einschätzung, dass Anselms Argumentation schwach bleibt?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Anselm in seiner Verteidigung letztlich von Glaubensvoraussetzungen Gebrauch macht, die er ursprünglich ausschließen wollte, und somit sein Ziel einer rein rationalen Beweisführung verfehlt.

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Details

Titel
Ist Gottes Existenz beweisbar? Die Auseinandersetzung zwischen Anselm von Canterbury (1033-1109) und Gaunilo von Marmoutiers (+1083)
Hochschule
Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design Halle  (Fakultät Kunst)
Note
1,25
Autor
Simone Henninger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
11
Katalognummer
V12192
ISBN (eBook)
9783638181327
ISBN (Buch)
9783640856817
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottesbeweis Gott Existenz Glauben Anselm von Canterbury
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simone Henninger (Autor:in), 2001, Ist Gottes Existenz beweisbar? Die Auseinandersetzung zwischen Anselm von Canterbury (1033-1109) und Gaunilo von Marmoutiers (+1083), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12192
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Leseprobe aus  11  Seiten
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