Soziale Netzwerkarbeit. Darstellung der Methode anhand eines Fallbeispiels aus der Jugendberufshilfe


Wissenschaftliche Studie, 2022

14 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Begriffsklärung
2.2 Netzwerktypen
2.3 Netzwerkkriterien

3 Fallrekonstruktion

4 Methodenanwendung
4.1 Grundlegende Prinzipien der Sozialen Netzwerkarbeit
4.2 Technik der Sozialen Netzwerkarbeit

5 Möglichkeiten und Grenzen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Netzwerkanalysen boomen heute in fast allen humanwissenschaftlichen Disziplinen. Dieser massiv gestiegene Stellenwert der Netzwerkperspektive wird damit erklärt, dass wir am Beginn einer durch Netzwerke strukturierten Gesellschaft stehen“ (Straus, 2004, S. 5).

Das obige Zitate bekräftigt, dass in der Praxis der Sozialen Arbeit eine Perspektivausweitung von der Betrachtung des isolierten Einzelfalls hin zur Betrachtung des Einzelfalls in seinem sozialen Beziehungsgeflecht stattgefunden hat (Galuske, 2013, S. 330). Galuske geht so weit, diesen Wandel als einen Megatrend zu klassifizieren. Als ein möglicher Grund hierfür wird die Erkenntnis aufgeführt, dass staatliche Hilfen zur Erziehung einen vorübergehenden Charakter haben und insofern eines Tages eingestellt werden (Friedrich, 2008, S. 72). Folglich sollte es „neben der Stärkung personaler Ressourcen in der Sozialen Arbeit immer auch um die Stärkung sozialer Ressourcen gehen [...], also darum, Unterstützungsleistungen in das natürliche Netzwerk der Betroffenen zurückzuverlagern“ (ebd., S. 72). Zu diesem Zweck stellt die soziale Netzwerkarbeit eine geeignete Methode im sozialpädagogischen Hilfeprozess dar (Wendt, 2021, S. 155 – 156).

Bisher findet die soziale Netzwerkarbeit insbesondere in den Bereichen der Familien-, Arbeitslosen- und Altenhilfe sowie im Gesundheits- und Gemeinwesen verstärkt Anwendung (Galuske, 2013, S. 330). Ihren Ursprung hat sie allerdings in der Netzwerkforschung, die um 1950 herum im Zuge soziologischer Untersuchungen entwickelt wurde. So haben vielzählige Studien der Netzwerkforschung in Hinblick auf die sozialen Bezüge von Individuen, die Implementierung der Netzwerkarbeit in die Humanwissenschaften und damit in die Soziale Arbeit begleitet und geprägt (Bullinger & Nowak, 1998, S. 65). An dieser Stelle verweist die Autorin dieser Arbeit auf die Anmerkungen zur Sozialraumdebatte von Straus, wo die elementarsten Ergebnisse dieser Studien zusammenfasst werden (2004, S. 7 – 9).

Vor diesem Hintergrund geht die vorliegende Fallstudie der Frage nach, wie die soziale Netzwerkarbeit in der Praxis der Sozialen Arbeit angewandt werden kann. Die Fragestellung wird durch die Darstellung der Methode anhand eines Fallbeispiels aus der Jugendberufshilfe beantwortet. Zu Beginn der Arbeit erfolgt zunächst eine Erläuterung theoretischer Grundlagen. Im Anschluss wird der Fall geschildert. Im nächsten Kapitel wird der Praxistransfer hergestellt, indem Ansätze der Methode herausgearbeitet und auf den Fall übertragen werden. Hierbei werden grundlegende Prinzipien der sozialen Netzwerkarbeit sowie die Netzwerkkarte als eine mögliche Technik dargelegt und umgesetzt. Anschließend werden Möglichkeiten und Grenzen der Methode aufgezeigt, bevor im letzten Kapitel das Fazit formuliert wird.

2 Theoretischer Hintergrund

Dieses Kapitel dient dazu, ein besseres Verständnis der Thematik zu ermöglichen. Hierfür erfolgt im Folgenden die Klärung zentraler Begrifflichkeiten sowie eine Veranschaulichung theoretischer Grundlagen.

2.1 Begriffsklärung

In diesem Abschnitt wird der Versuch unternommen, relevante Begriffe zu definieren. Hierdurch soll sichergestellt werden, in welchem Zusammenhang diese im Verlauf der Fallstudie verwendet werden. Nachfolgend werden die Jugendberufshilfe, das soziale Netzwerk und die soziale Netzwerkarbeit in den Blick genommen.

Da die vorliegende Arbeit auf einem Fallbeispiel aus der Jugendberufshilfe gründet, scheint es zweckmäßig, dieses Handlungsfeld darzulegen und von anderen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit abzugrenzen. Bei der Jugendberufshilfe handelt es sich um einen gesetzlich nicht definierten Ausdruck der Kinder- und Jugendhilfe, welcher gemäß § 13 Abs. 1 SGB VIII das Angebotsspektrum der Jugendsozialarbeit beinhaltet:

Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.

Demzufolge schließt die Jugendberufshilfe sozialpädagogisch begleitete Hilfen für Jugendliche ein, die sich in den Worten von Lidl „aufgrund individueller Beeinträchtigungen, Motivations- und Lerndefiziten oder anderen sozialen Benachteiligungen nicht unter den bestehenden Konkurrenzbedingungen des Arbeits- bzw. Ausbildungsmarktes behaupten können“ (2014, S. 146). Konträr zu anderen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit, umfasst die Jugendberufshilfe insbesondere folgende Bereiche: Berufsorientierung, Berufsausbildungsvorbereitung, Übergangsbegleitung und ausbildungsbegleitende Maßnahmen (Mairhofer, 2017, S. 16 – 21).

Bevor die soziale Netzwerkarbeit im Anschluss näher thematisiert wird, erfolgt an dieser Stelle zunächst eine Erläuterung sozialer Netzwerke. Der Sozialanthropologe John A. Barnes gab dem Begriff des Netzwerkes erstmalig Form als er im Zuge einer Studie das Beziehungsgeflecht eines norwegischen Dorfes mit einem Fischernetz gleichsetzte, welches von Ressourcenaustausch, Unterstützung und Zusammenhalt unter den Fischern und ihren Familien gekennzeichnet war (Wendt, 2021, S. 153 – 154). Doch erst, wenn Beziehungsgeflechte zur Überwindung einer Notlage förderlich sind und hierfür entwickelt und gebraucht werden können, werden Netzwerke zu sozialen Netzwerken. Holzer definiert die Entstehung sozialer Netzwerke als „Nebenprodukt sozialen Handelns“ (2006, S. 21). Je nachdem, in welcher Lebenssituation sich ein Individuum befindet, weist dessen soziales Netzwerk verschiedenste Konstellationen und Kreuzungen auf (Straus, 2004, S. 6). Diese Punkte werden in der Literatur wie folgt zusammengefasst:

Das Eingebundensein der Menschen in soziale Beziehungen [...] wird bildhaft repräsentiert durch Netze, bei denen einzelne Personen die Knotenpunkte und ihre Beziehungen untereinander die Verbindungslinien zwischen den Knotenpunkten darstellen. Entscheidend ist nun, dass diese Verbindungslinien als Gleisanlagen [...] gedacht werden können, auf denen die vielfältigsten alltäglichen Austauschprozesse zwischen den Individuen ablaufen. Durch ihre Einbindung in soziale Netzwerke werden die Individuen also in die Gesellschaft integriert (Heinze et al., zitiert nach Galuske, 2013, S. 331).

Stimmer gibt einen Überblick über die Funktionen sozialer Netzwerke (2012, S. 179 – 180): zum einen schaffen sie emotionale Bindungen und verringern Belastungen. Sie wirken sie sich positiv auf die Stressbewältigung aus und erfüllen soziale Bedürfnisse. Überdies vermitteln sie Werte und sanktionieren Handlungsweisen. Dadurch wird sowohl die Sozialisation als auch die Entwicklung eines Individuums beeinflusst und geprägt. Nicht zuletzt, können soziale Netzwerke Kontakte vermitteln, auch im professionellen Kontext. Straus merkt in diesem Zusammenhang die Problematik an, dass nur wenige Individuen stabile Netzwerke besitzen und das obwohl soziale Netzwerke nicht zwingend ortsgebunden sein müssen, sondern z.B. durch diverse Möglichkeiten der Digitalisierung auch über weite Entfernungen bestehen können (2004, S. 8).

Die Methode der sozialen Netzwerkarbeit knüpft an den oben aufgeführten Funktionen sozialer Netzwerke an (Wendt, 2021, S. 155). Sie beabsichtigt, „ein systematisches Unterstützungsinstrument zu entwickeln, dass die sozialen Bezüge von Subjekten zum Fokus der sozialarbeiterischen Intervention werden lassen“ (Galuske, 2013, S. 330). Im Rahmen der sozialen Netzwerkarbeit, gilt es, unzureichende bzw. instabile Netzwerke ratsuchender Personen zu festigen und auszubauen sowie Potenziale innerhalb des Netzwerkes zu erkennen und in Anspruch zu nehmen (ebd., S. 331). Wendt hebt hervor, dass für eine adäquate Netzwerkförderung eine möglichst präzise Kenntnis des vorhandenen sozialen Netzwerkes des Ratsuchenden notwendig ist (2021, S. 156). Wie eine solche Netzwerkanalyse durchgeführt wird, wird in Kapitel 2.3 behandelt.

2.2 Netzwerktypen

In der Netzwerkforschung wird grundsätzlich zwischen drei Netzwerktypen differenziert: primäre, sekundäre und tertiäre Netzwerke (Wendt, 2021, S. 154). Diese werden im Folgenden nacheinander vorgestellt.

Das primäre Netzwerk, auch mikrosoziales oder persönliches Netzwerk genannt, bildet das lokal-gemeinschaftliche Netzwerk eines Individuums ab (Stimmer, 2012, S. 178). Dazu zählen die sozialen Beziehungen, in die das Individuum hineingeboren wird, sowie eigenständig gewählte Beziehungen. Es zeichnen sich dadurch aus, dass immer wieder face-to-face Kontakte stattfinden und kann in folgende vier Lebensbereiche unterteilt werden (Bullinger & Nowak, 1998, S. 70 – 71):

1. Das familiäre Netzwerk umfasst die Kernfamilie, wozu sowohl die beiden Elternteile als auch die Kinder und Geschwister eines Individuums gehören. Insofern stellt es das kleinste und ebenso dichteste Netzwerk sozialer Beziehungen dar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Soziale Netzwerkarbeit. Darstellung der Methode anhand eines Fallbeispiels aus der Jugendberufshilfe
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn  (IU Internationale Hochschule Duales Studium)
Note
1,0
Jahr
2022
Seiten
14
Katalognummer
V1222889
ISBN (Buch)
9783346649935
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Netzwerkarbeit, Fallbeispiel, Jugendberufshilfe, Methode, Methodenanwendung, Instrument, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Netzwerktypen, Netzwerkkriterien, Netzwerkkarte, Möglichkeiten und Grenzen
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Soziale Netzwerkarbeit. Darstellung der Methode anhand eines Fallbeispiels aus der Jugendberufshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1222889

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