Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet. Es bildet den Grundstein für eine bis heute fast sechzig Jahre stabile Demokratie in Deutschland. Geprägt wurde es maßgeblich durch die Erfahrungen mit der Weimarer Verfassung und dem Nationalsozialismus in Deutschland. Aus diesen heraus wurde die spätere gesamtdeutsche Verfassung so ausgerichtet, dass es nicht möglich sei, die Grundprämissen der Verfassung zu ändern. Die Mütter und Väter der Verfassung mussten das richtige Maß zwischen dem Schutz der Verfassung vor Feinden und der Offenheit gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen finden. Dem Bürger wurden konkret einklagbare Grundrechte und die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit gewährleistet. [...]
Die vorliegende Arbeit befasst sich zunächst mit den Erfahrungen der deutschen Politik in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus und den daraus folgenden Schlüssen der Verfassungsväter zum Schutz der neuen Verfassung. Jene Mechanismen werden unter dem Stichwort der wehrhaften bzw. streitbaren Demokratie zusammengefasst. Diese stehen von Zeit zu Zeit immer wieder unter heftiger Diskussion. Besonders über das Verbot verfassungsfeindlicher Parteien entsteht bei entsprechenden Gegebenheiten immer wieder eine sehr kontrovers geführte Debatte. Aus diesem Grunde gibt diese Arbeit zunächst einen Überblick über Entstehung, Ziel und Möglichkeit des Verbots verfassungsfeindlicher Parteien. Anhand der bisher angestoßenen bzw. auch nicht angestoßenen Verfahren, wird aufgezeigt, ob das „Parteienverbot“ ein wirksames und sinnvolles Mittel zum Schutz der verfassungsmäßigen Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historische Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes
2.1 Die Weimarer Republik
2.2 Lehren aus der Vergangenheit
2.3 Die Erarbeitung einer neuen Verfassung für Deutschland
2.3.1 Ausschuss: Strukturprinzipien und Grundsatzfrage
2.3.2 Ausschuss: Die Organisation des Bundes sowie Verfassungsgerichtshof und Rechtspflege
2.4 Demokratie- und Verfassungsschutz in der Nachkriegsdiskussion
3 Demokratieverständnis des Grundgesetzes
3.1 Die „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ und das Konzept der wehrhaften Demokratie
3.2 Verfassungsschutz
4 Parteienverbote
4.1 Rechtsgrundlagen
4.2 Verbot der SRP
4.3 Verbot der KPD
4.4 Verbotsdiskussion der DRP
4.5 NPD-Verbotsverfahren
4.6 „Kaltes Parteienverbot“ von FAP und NL
4.7 Verfassungsschutz heute
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Parteienverbot als zentrales Instrument einer wehrhaften Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit dieses Instrument zum Schutz der verfassungsmäßigen Ordnung wirksam und sinnvoll ist, indem historische Erfahrungen und konkrete Verbotsverfahren analysiert werden.
- Historische Ursprünge des Grundgesetzes und Lehren aus der Weimarer Republik
- Das Konzept der wehrhaften und streitbaren Demokratie
- Die Rolle des Verfassungsschutzes bei der Informationsbeschaffung
- Analyse relevanter Parteienverbotsverfahren (SRP, KPD, NPD, FAP/NL)
- Die rechtlichen Hürden und politischen Herausforderungen von Parteiverboten
Auszug aus dem Buch
4.1 Rechtsgrundlagen
Die politischen Parteien haben im Grundgesetz den Rang einer verfassungsrechtlichen Institution und sind notwendiger Bestandteil des Verfassungsaufbaus. Darüber hinaus kommt ihnen bei der politischen Willensbildung eine entscheidende Bedeutung zu. Aufgrund ihrer immens wichtigen Stellung im Verfassungsgefüge, können nur Parteien geduldet werden, welche auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehen. Die politische Meinungsfreiheit darf nicht soweit führen, dass verfassungswidrige Parteien an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken dürfen. Dennoch muss gewährleistet sein, dass durch die ständige Auseinandersetzung der politischen Kräfte und Interessen eine gegenseitige Kritik und Kontrolle gewährleistet ist, die die „richtige“ politische Linie hervortreten lässt. Die Abwehr staatsfeindlicher Parteien darf nicht dem Wähler überlassen werden, der nur dem Staat freundlich gesinnten Parteien seine Stimme gibt. Im Grundgesetz findet sich das Grundrecht auf politische Meinungsfreiheit und die freiheitliche demokratische Grundordnung auf einer Ebene. Dennoch ist das Verfassungsgericht zu der Auffassung gekommen, dass Art. 21. Abs. 2 GG (die freiheitliche demokratische Grundordnung) verfassungsrechtlich unangreifbar ist und in diesem Zusammenhang die Einschränkung der politischen Meinungsfreiheit keine verfassungswidrige Einschränkung der Grundrechte bedeutet. Das klar geregelte Verbotsverfahren macht gleichzeitig deutlich, in welchen Fällen eine verfassungswidrige Partei verboten werden darf. Diese muss die obersten Grundsätze der freiheitlichen Demokratie ablehnen. Hierzu zählen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Entstehungskontext des Grundgesetzes als Reaktion auf das Scheitern der Weimarer Republik und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der wehrhaften Demokratie.
2 Historische Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes: Dieses Kapitel behandelt die politischen Prozesse nach 1945 und die spezifischen Lehren, die zur diktaturfesten Ausgestaltung der neuen Verfassung führten.
3 Demokratieverständnis des Grundgesetzes: Es wird das Konzept der freiheitlich demokratischen Grundordnung sowie die Aufgabe des Verfassungsschutzes als Beobachtungsorgan erörtert.
4 Parteienverbote: Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Grundlagen und diskutiert diverse historische Parteienverbotsverfahren sowie deren politische Auswirkungen.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die gewonnenen Erkenntnisse über die Wirksamkeit des Parteienverbots und bewertet das Instrument kritisch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.
Schlüsselwörter
Grundgesetz, Wehrhafte Demokratie, Parteienverbot, Bundesverfassungsgericht, Verfassungsschutz, Weimarer Republik, Streithafte Demokratie, NPD, KPD, SRP, Politische Willensbildung, Freiheitlich demokratische Grundordnung, Verfassungsfeindlichkeit, Parteienwettbewerb, Rechtsgrundlagen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Parteienverbot als ein zentrales Instrument der deutschen wehrhaften Demokratie und untersucht, wie dieses zum Schutz der Verfassung eingesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes, dem Konzept der streitbaren Demokratie, der Arbeit der Nachrichtendienste und der juristischen sowie politischen Analyse konkreter Verbotsverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu bewerten, ob das Parteienverbot ein wirksames und sinnvolles Mittel zur Abwehr verfassungsfeindlicher Bestrebungen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse von Verfassungsprinzipien, historischen Ereignissen sowie der Auswertung von Urteilen des Bundesverfassungsgerichts und politikwissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den verfassungsrechtlichen Grundlagen, der Rolle des Verfassungsschutzes und einer detaillierten Fallstudie verschiedener Verbotsverfahren wie denen der SRP, KPD und NPD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind wehrhafte Demokratie, Parteienverbot, Grundgesetz, Verfassungsschutz, politische Willensbildung und freiheitlich demokratische Grundordnung.
Warum war das NPD-Verbotsverfahren im Jahr 2000 so problematisch?
Das Verfahren scheiterte unter anderem an einer mangelnden Transparenz bei der Informationsbeschaffung durch V-Leute, was zu einer Prozessentscheidung ohne inhaltliche Klärung der Verfassungswidrigkeit führte.
Wie unterscheidet sich die Handhabung bei „Scheinparteien“ wie der FAP?
Bei Vereinigungen, die nicht als echte Parteien anerkannt werden, können administrative Mittel wie das Vereinsverbot durch den Innenminister angewendet werden, ohne dass eine langwierige juristische Debatte vor dem Bundesverfassungsgericht notwendig ist.
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- Daniel Jäger (Author), 2008, Das Parteienverbot als Instrument der wehrhaften Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122452