Der Handel, welcher Teil des tertiären Wirtschaftssektors ist, hat schon seit vielen hundert Jahren einen sehr hohen Stellenwert. Früher besaßen der Verkauf von Lebensmitteln, Gewürzen oder Stoffen, als auch der Warenverkauf durch reisende Händler entlang von Fernhandelswegen eine große Bedeutung für die Wirtschaft und ebenso Auswirkungen auf die Bildung von Städten. Auch heute noch hat der Handel ein starkes wirtschaftliches und raumprägendes Gewicht. In Abhängigkeit von der Zielgruppe lässt er sich in den Groß- und Einzelhandel unterteilen. Letzterer zeigte sich in den vergangenen Dekaden als sehr reger Bereich, in dem sich durch verschiedene Entwicklungen tiefgreifende strukturelle und räumliche Veränderungen ereigneten.
In der folgenden Hausarbeit des Proseminars „Geographie des Einzelhandels“ werde ich mich mit dem Thema „Standortsysteme im Einzelhandel“ beschäftigen. Es stellt sich vor allem die Frage, welche Standortsysteme es im Einzelhandelsbereich gibt und wie sie sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Die Arbeit ist so aufgebaut, dass zunächst die Klärung der Begriffe Einzelhandel, Standort, Standortfaktoren und Standorttheorien einen Einblick in das Thema gewähren. Danach werden die Standortsysteme von Dienstleistern und des Einzelhandels vorgestellt. Im folgenden Gliederungspunkt werden die bestimmenden Faktoren des Strukturwandels von Standortsystemen näher betrachtet. Anschließend folgt eine Darstellung vom Wandel des Standortsystems des Einzelhandels in West- und Ostdeutschland. Die Schlussbetrachtung schließt die Arbeit ab
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Einzelhandel
2.2 Standort
2.3 Standortfaktoren
2.4 Standorttheorien
3. Standortsysteme
3.1 Standortsysteme von Dienstleistern
3.1.1 Netzmuster
3.1.2 Hierarchiemuster
3.1.3 Clustermuster
3.2 Standortsysteme des Einzelhandels
3.2.1 primäres Standortsystem
3.2.2 sekundäres Standortsystem
4. Bestimmende Faktoren des Strukturwandels von Standortsystemen
4.1 Einflüsse der Angebotsseite
4.2 Einflüsse der Nachfrageseite
4.3 Einflüsse der Gestaltungsseite
5. Wandel des Standortsystems des Einzelhandels
5.1 Veränderungen im Standortsystem Westdeutschlands
5.2 Veränderungen im Standortsystem Ostdeutschlands
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die räumlichen Standortsysteme im Einzelhandel und analysiert, welchen strukturellen Veränderungen diese in den vergangenen Jahrzehnten unterworfen waren, wobei insbesondere die unterschiedlichen Entwicklungen in West- und Ostdeutschland beleuchtet werden.
- Grundlagen der Standorttheorien und Begriffsdefinitionen
- Klassifizierung von Standortsystemen für Dienstleister und den Einzelhandel
- Einflussgrößen des Strukturwandels durch Angebots-, Nachfrage- und Gestaltungsfaktoren
- Vergleichende Analyse des Wandels der Einzelhandelsstandorte in West- und Ostdeutschland
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Netzmuster
Eines der drei typischen Standortsysteme von Dienstleistern ist das Netzmuster. Hauptsächlich gleichartige, konsumentenorientierte und soziale bzw. öffentliche Dienstleistungen, welche ein Angebot haben das eher simpel und standardisiert ist, zeigen dieses Standortmuster. In diesem Zusammenhang sind Einzelhandelsunternehmen mit einem kurzfristigen Angebot, wie ein Lebensmittelladen, persönliche Dienste, wie sie ein Friseur oder ein Allgemeinmediziner leistet oder auch öffentliche Einrichtungen, wie beispielsweise die Grundschule zu nennen.
Von ihnen werden eher kleinräumige Nachfragegebiete versorgt und sie haben die Aufgabe, die dort bestehende Nachfrage zu befriedigen. Deren Standorte bilden ein ziemlich gleichmäßiges Netzmuster. Diese Dienstleister verfolgen eine Konkurrenzmeidungsstrategie. Die Bevölkerungsdichte, das Einkommen der Konsumenten und die Art der Dienste sind maßgeblich entscheidend für die Flächengröße der Marktgebiete und die Maschendichte des Versorgungsnetzes. Deshalb sind die Abstände zwischen den Einzelstandorten von Anbietern in dicht besiedelten Gebieten, wie Städte, weitaus kleiner als in ländlichen Regionen.
Aber auch die Nutzungshäufigkeit der Dienste beeinflusst die Maschendichte. So besitzen die Netze von häufiger genutzten Dienstleistungen, wie beispielsweise Allgemeinärzte gegenüber Augenärzten, eine größere Dichte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des tertiären Wirtschaftssektors ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Entwicklung und Struktur der Einzelhandelsstandorte zu erforschen.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Einzelhandel, Standort, Standortfaktoren und Standorttheorien, die als theoretisches Fundament für die weitere Arbeit dienen.
3. Standortsysteme: Das Kapitel differenziert zwischen Standortmustern von Dienstleistern (Netz-, Hierarchie- und Clustermuster) und den spezifischen primären sowie sekundären Standortsystemen im Einzelhandel.
4. Bestimmende Faktoren des Strukturwandels von Standortsystemen: Hier werden die Triebkräfte des Wandels durch die Akteursgruppen Angebots-, Nachfrage- und Gestaltungsseite detailliert erläutert.
5. Wandel des Standortsystems des Einzelhandels: Dieses Kapitel analysiert die historischen und aktuellen Veränderungsprozesse der Einzelhandelsstandorte in West- und Ostdeutschland.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung, in der der Trend zur „Mischform“ der Standortsysteme und die deutlichen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Standortsysteme, Einzelhandel, Dienstleister, Strukturwandel, Standortfaktoren, Netzmuster, Hierarchiemuster, Clustermuster, Konsumenten, Angebotsseite, Raumplanung, Versorgungsnetze, Westdeutschland, Ostdeutschland, Standortwahl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den räumlichen Standortsystemen im Einzelhandel und wie diese durch ökonomische und politische Akteure über die letzten Jahrzehnte beeinflusst und verändert wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die theoretischen Grundlagen der Standorte, die Klassifizierung verschiedener Standortmuster (Netz, Hierarchie, Cluster) sowie die Faktoren, die einen Wandel der Versorgungsstrukturen vorantreiben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Autorin untersucht, welche Standortsysteme im Einzelhandel existieren und wie sich diese, beeinflusst durch den Wandel von Angebotsformen und Nachfrageverhalten, in West- und Ostdeutschland entwickelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und nutzt den „Akteursgruppenansatz“ von Elmar Kulke, um die Einflussgrößen von Anbietern, Konsumenten und Planern zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Angebots-, Nachfrage- und Gestaltungsfaktoren sowie deren konkrete Auswirkungen auf den Strukturwandel und vergleicht die unterschiedlichen Standortentwicklungen in beiden Teilen Deutschlands.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Standortsysteme, Betriebsformenwandel, sekundäres Standortsystem, Raumplanung und die historisch bedingten Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.
Warum haben sich kleine Läden in Deutschland so stark reduziert?
Die Reduktion ist maßgeblich auf den Betriebsformenwandel zurückzuführen, bei dem kleine, bedienungsintensive Läden zunehmend durch großflächige Supermärkte und Fachmärkte ersetzt wurden.
Was unterscheidet das primäre vom sekundären Standortsystem?
Das primäre System umfasst das klassische, wohnstandortnahe Netz und innerstädtische Zentren, während das sekundäre System durch großflächige Formen wie Fachmarktzentren oder Shopping-Center außerhalb geschlossener Bebauungen gekennzeichnet ist.
Welchen Einfluss hatte die deutsche Wiedervereinigung auf den Einzelhandel?
In Ostdeutschland führte sie zu einer tiefgreifenden Transformation: Von einem durch zentrale Planung geprägten System hin zu einem modernen Markt, der jedoch aufgrund von Privatisierungen und dem Aufkommen westlicher Filialisten mit einer starken Ausdünnung kleiner Betriebe einherging.
- Arbeit zitieren
- Kristina Wallner (Autor:in), 2008, Standortsysteme im Einzelhandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122468