Wesentliches und Unwesentliches bei Descartes


Seminararbeit, 2003

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Wesentliches und Unwesentliches bei Descartes
2.1 Zwei Arten von Ideen
2.2 Klar und deutlich vs. dunkel und verworren
2.3 Ununterscheidbarkeit

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Einer der wichtigsten Begriffe bei René Descartes ist der der Idee. Nach dem „Großen Zweifel“ ist sie alles, was dem denkenden Ich bleibt. Aus ihr allein leitet der Philosoph die Existenz (s)eines Ichs ab[1]. Leider ist es sehr schwer, „Idee“ klar zu definieren, da Descartes dies selbst an keiner Stelle explizit tut. Es lässt sich jedoch sagen, dass es sich bei einer Idee um den geistigen Akt des Vorstellens, bzw. um dessen Inhalt – also um sein Repräsentat – handelt. Oder, wie Dominik Perler sagt:

„Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine Idee immer zwei Aspekte beinhaltet: den Denkakt [...] und den Inhalt oder repräsentativen Gehalt dieses Aktes [...].“[2]

Doch was repräsentiert eine solche Idee?

In den fünften Erwiderungen schreibt Descartes:

„Eine Idee repräsentiert nämlich das Wesen eines Gegenstandes und wenn ihr etwas hinzugefügt oder wenn etwas von ihr abgezogen wird, wird sie sogleich die Idee von einem anderen Gegenstand.“[3]

In der dritten Meditation sagt Descartes nun er habe zwei verschiedene Ideen von der Sonne. Die eine, entstanden durch die Betrachtung der Sonne, versieht sie mit dem Attribut „klein“, die andere, basierend auf astronomischem Wissen, stellt sie als sehr groß dar.[4] Wie sind diese beiden Aussagen aber zusammen zu verstehen?

Wenn, wie Descartes in diesem Zitat sagt, Idee und Wesen eines Gegenstandes (bzw. einer Sache) gleichzusetzen sind, bedeutet das, zum Begriff der Sonne gehören gleichzeitig die beiden konträren Eigenschaften groß und klein. Berücksichtigt man aber auch den zweiten Teilsatz, dann handelt es sich um zwei verschiedene Sachen, die durch zwei verschiedene Ideen repräsentiert werden – also um zwei verschiedene Sonnen. Dies hätte die unschöne Folge, dass wir mit jedem neuen Blick auf eine Sache nicht nur eine neue Idee, sondern auch eine neue Sache hätten[5]. Repräsentieren Ideen nun immer das Wesen einer Sache oder ist es vielleicht doch möglich, eine Idee von etwas zu haben, ohne dass sie das Wesen dieses Gegenstandes repräsentiert?

2. Wesentliches und Unwesentliches bei Descartes

2.1 Zwei Arten von Ideen

Das Wachsbeispiel legt die Vermutung nahe, dass es möglich sein könnte, eine Idee von etwas zu haben, ohne dass sie das Wesen dieser Sache repräsentiert. Hier beschreibt Descartes ein vor ihm liegendes Stück Bienenwachs in zwei verschiedenen Zustandsweisen. Zunächst beobachtet er:

„Seine Farbe, seine Gestalt, seine Größe liegen offen zutage. Es ist hart, kalt, man kann es leicht anfassen und wenn man mit dem Knöchel darauf klopft, gibt es einen Ton von sich.“[6]

Diese Beschreibung entspricht der Idee dieses Stück Wachses, die bei seiner Betrachtung entsteht. Doch dann wird eben dieses Stück Wachs erhitzt, was zu einer offensichtlich völlig anderen Idee desselben Stück Bienenwachses führt:

„[...] sein Duft verflüchtigt sich; seine Farbe ändert sich; seine Form verschwindet. Es nimmt zu an Größe, wird flüssig, wird heiß, kaum kann man es noch anfassen, und schlägt man darauf, so gibt es keinen Ton mehr.“[7] Und doch stellt Descartes abschließend fest:

[...]


[1] Vgl. Andreas Kemmerling, Ideen, in: Ideen des Ichs. Studien zu Descartes´ Philosophie, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996, Seite: 46, Zeile: 2-10.

[2] Dominik Perler, Repräsentationen bei Descartes, Frankfurt: Klostermann, 1996, S.: 95, Z.: 24-26.

[3] Oeuvres de Descartes, AT VII 371.

[4] Vgl. René Descartes, Meditationes de Prima Philosophia, Stuttgart: Reclam, 1986, S.: 109, Z.15-24.

[5] Vgl. Andreas Kemmerling, Ideen, in: Ideen des Ichs. Studien zu Descartes´ Philosophie, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996, S. 50, Z. 5 ff..

[6] René Descartes, Meditationes de Prima Philosophia, Stuttgart: Reclam, 1986, S. 89, Z. 21-23.

[7] René Descartes, Meditationes de Prima Philosophia, Stuttgart: Reclam, 1986, S. 89/91, Z. 27-2.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Wesentliches und Unwesentliches bei Descartes
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
10
Katalognummer
V122601
ISBN (eBook)
9783640275595
ISBN (Buch)
9783640275694
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Descartes, Meditationes, Meditationen, Meditation, Idee, Wesen, Repräsentation
Arbeit zitieren
Lisanne Schuster (Autor:in), 2003, Wesentliches und Unwesentliches bei Descartes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122601

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