Fach- und Sondersprachen nehmen in der neueren Linguistikforschung eine immer bedeutendere Stellung ein. Jedermann ist durch soziale Determiniertheit in Beruf, Alter, Geschlecht etc. gewissen Gruppen zugehörig. Bei der Ausübung eines Berufes wird man mit einer, eventuell mehrerer Fachsprachen vertraut bzw. man kommt über die Gemeinsprache zu fachsprachlichen Termini. Nimmt man am gesellschaftlichen Leben teil, kann man sich den Fach- und Sondersprachen also nicht entziehen.
Einerseits werden in der Arbeit Definitionen der Fach- und Sondersprachen gegeben und deren Besonderheiten werden hervorgehoben, die durch Beispiele gestützt werden. Bei den Fachsprachen kommt eine kurze Analyse der Funktionen nach Möhn/Pelka „Fachsprachen. Eine Einführung.“ hinzu.
Im zweiten Teil der Arbeit wird versucht, die Sprache der Stasi anhand von verschiedenen Gesichtspunkten zu untersuchen. Derer sind etwa einige semantische Besonderheiten, die sich durch eine Bedeutungsverschiebung ergeben haben. Genauer eingegangen wird auf die Bedeutungsverschiedenheit des Begriffs „Aufklärung“ und auf einige exemplarisch gewählte Verben mit Akkusativobjekt, die ebenfalls eine semantische Verschiebung erfahren haben. Es kann in diesem Bereich allerdings nur ein kurzer Einblick gegeben werden.
Das nächste größere Kapitel handelt von den Einflüssen von Geheim-, Amts- und Militärssprache, welche die Stasi maßgebend geprägt hat. Schritt für Schritt werden die drei Sprachen durchgenommen, um die signifikantesten Einwirkungen auf die Sprache der Staatssicherheit, durchaus auch mit Beispielen unterstützt, zu veranschaulichen. Es ist anzumerken, dass ich mich nach dem Werk Christian Bergmanns, "Die Sprache der Stasi", orientiere.
Inhaltsverzeichnis
Einführung in das Forschungsgebiet der Fach- und Sondersprachen
Einleitung
1. Fachsprachen
1.1. Definition des Begriffs Fachsprachen
1.2. Besonderheiten von Fachsprachen
1.3. Die Funktionen von Fachtexten
1.4. Die Sozialisierung von Fachsprachen
2. Sondersprachen
2.1. Definition des Begriffs Sondersprache
2.2. Wo und zu welchem Zweck entstehen Sondersprachen?
2.3. Beispiele von Sondersprachen
2.3.1. Das Rotwelsch als historisches Beispiel einer Sondersprache
2.4. Gegenwärtige Beispiele für Sondersprachen
Zusammenfassung
Untersuchung zur Sprache der Staatssicherheit
Einleitung
1. Semantische Besonderheiten
1. 1. Bedeutungsverschiedenheiten des Begriffs „Aufklärung“
1. 2. Bearbeiten, nutzen, herauslösen von Personen
2. Einflüsse in die Sprache der Stasi
2.1. Einflüsse von Geheimsprachen
2.2. Einflüsse der Amtssprache
2.3. Einflüsse der Militärsprache
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprache des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und analysiert, wie diese durch die bewusste Umdeutung von Begriffen sowie durch Einflüsse aus Geheimsprachen, der Amtssprache und der Militärsprache geprägt wurde, um als Kontrollinstrument zu fungieren.
- Semantische Verschiebungen und Bedeutungsänderungen innerhalb der Stasi-Sprache
- Die Instrumentalisierung von Sprache zur Enthumanisierung von Personen
- Einflüsse militärischer Wortwahl auf zivile Bereiche
- Analogie zwischen bürokratischer Verwaltungssprache und staatlicher Überwachung
- Die Rolle von Geheimsprachen und ihre Auswirkung auf die Abschottung der Stasi
Auszug aus dem Buch
1. 2. Bearbeiten, nutzen, herauslösen von Personen
Bei der Untersuchung von Dokumenten und Protokollen des MfS hat sich eine auffallende Häufigkeit von transitiven Verben ergeben, wo das Akkusativobjekt durch eine Personenbezeichnung ersetzt wurde. Personen wurden bearbeitet, gesichert, genutzt, aufgeklärt oder herausgelöst. Laut Sternberger ist dies keine Eigenheit der Sprache der Stasi:
Die offizielle Sprache der totalitären Diktaturen, der nationalsozialistischen wie der kommunistischen, ist reich an solchen teils alten, teils neuen Verben, die die Personen in den Akkusativ verdammen.
In repressiven Systemen wird also bei einigen Verben das nach der Valenz geforderte Akkusativobjekt auf ein personales Akkusativobjekt übertragen. Durch diesen Übertragungsprozess findet eine Enthumanisierung statt.
Im Folgenden werden einige Beispiele von ebensolchen transitiven Verben näher erläutert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Semantische Besonderheiten: Dieses Kapitel erläutert, wie durch Bedeutungsverschiebungen bei Schlüsselbegriffen wie „Aufklärung“ und die gezielte Verwendung transitiver Verben bei Personenbezeichnungen eine Entmenschlichung der Zielobjekte erreicht wurde.
2. Einflüsse in die Sprache der Stasi: Hier wird analysiert, wie Geheimsprachen, die bürokratische Amtssprache und die Militärsprache die interne Kommunikation des Ministeriums für Staatssicherheit formten und zur Etablierung eines Kontrollinstruments beitrugen.
Schlüsselwörter
Staatssicherheit, Stasi, Fachsprache, Sondersprache, Geheimsprache, Amtssprache, Militärsprache, Semantik, Enthumanisierung, Sprachkritik, MfS, Gruppensprache, Wortbildende Funktion, Totale Diktatur, Politisch-operative Arbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Analyse der Sprache des Ministeriums für Staatssicherheit und deren Einordnung in den Kontext von Fach- und Sondersprachen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die semantische Umdeutung von Alltagssprache, die Einflüsse von Verwaltungs- und Militärstrukturen auf die Sprache sowie die soziolinguistische Funktion dieser Sprachform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sprache durch das MfS als Instrument der Kontrolle und zur Enthumanisierung von Menschen im Rahmen eines totalitären Systems eingesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deskriptiven und analysierenden Ansatz, der sich vor allem an sprachwissenschaftlicher Literatur zu Fach- und Sondersprachen sowie an spezifischen Werken zur Sprache der Stasi (z.B. von Christian Bergmann) orientiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden semantische Besonderheiten, wie die Umdeutung des Begriffs „Aufklärung“, sowie die Einflüsse von Geheim-, Amts- und Militärsprache schrittweise analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Stasi, Enthumanisierung, Fachsprache, Sondersprache, operative Arbeit und totalitäre Sprachkritik.
Warum wird der Begriff „Aufklärung“ im Kontext der Stasi als problematisch angesehen?
Weil der Begriff von seiner ursprünglichen gemeinsprachlichen Bedeutung der Wissenserweiterung oder Erhellung entfremdet und in eine politisch-operative Tätigkeit zur Bespitzelung und Überwachung von Personen umgedeutet wurde.
Welche Rolle spielt der Nominalstil in den Dokumenten der Stasi?
Der Nominalstil dient der Erzeugung von Objektivität und Unangreifbarkeit, da durch den Verzicht auf Verben das handelnde Subjekt verschleiert wird und die Aussagen statisch und bürokratisch wirken.
Inwiefern hat die Militärsprache die Stasi-Sprache geprägt?
Die Militärsprache projizierte kriegerische Begriffe auf zivile Bereiche, wodurch eine „unsichtbare Front“ geschaffen wurde, in der Personen als Feinde oder Klassengegner betrachtet und „bekämpft“ wurden.
- Arbeit zitieren
- Theresa Zuschnegg (Autor:in), 2007, Einführung in das Forschungsgebiet der Fach- und Sondersprachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122673