Frauen im Idealstaat: Die Rolle der Frau und die Thematisierung des Geschlechterverhältnisses in Platons 'Politeia'


Seminararbeit, 2000
14 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Frauen in Platons Staat
1. Allgemeines Frauenbild
2. Natur der Geschlechter
3. Aufgabenverteilung
4. Ausbildung und Erziehung
5. Weibergemeinschaft

III. Einordnung und Bewertung der Theorie

IV. Literatur :

I. Einleitung

Ich beschäftige mich in dieser Hausarbeit mit Platons Frauenbild, das heißt genauer mit der Stellung der Frau in der „Politeia“. Dabei sollen zwei Ebenen unterschieden werden. Erstens werden jene eher beiläufigen Äußerungen Platons dargestellt und zusammengefasst, die im Buch verstreut sind und sich auf viele voneinander unabhängige Einzelprobleme und Beispiele beziehen. Hierbei handelt es sich nicht um einen kohärenten Komplex, sondern um als selbstverständlich erscheinende, kaum oder gar nicht reflektierte Aussagen, in denen sich die alltäglichen Erfahrungen, gleichsam die Lebenswelt Platons widerspiegelt. Der zweite Bereich steht damit mitunter im Widerspruch. Hier handelt es sich um das theoretisch-philosophische Modell innerhalb Platons Idealstaat, das sich hauptsächlich mit dem Geschlechterverhältnis und der Rollen- bzw. Aufgabenverteilung in der Polis auseinandersetzt. Einen wesentlichen Teil dieser hauptsächlich im V. Buch der „Politeia“ entfalteten Gedanken bildet die sogenannte Weiber- und Kindergemeinschaft.

Der erste Komplex ist überwiegend durch abwertende und negative Konnotationen bezüglich der Frauen gekennzeichnet und bringt mehr oder weniger deutlich den gesellschaftlichen Kontext zum Ausdruck. Platon schrieb seine „Politeia“ vor dem Hintergrund einer „Gesellschaft [..., die] nicht nur eine reine Männergesellschaft [war], sondern es war auch eine Gesellschaft, in der Frauenverachtung Alltagsnorm war, das heißt, zu den fundamentalen Normen des politischen und gesellschaftlichen Lebens gehörte“. In dieser Welt besaßen Frauen quasi keine Öffentlichkeit. Die Frauen der Oberschicht besaßen darüber hinaus auch keine wirklichen Freiheiten und eigenverantwortliche Wirkungsbereiche im Haushalt, im Privaten. Selbst die zentralen Bereiche des Kochens und der Kindererziehung lagen in der Verantwortung eines Kochs, bzw. einer Amme, die alle dem Hausherren unterstanden. Frauen der Unterschichten, die durch ihre massive Arbeit im Oikos maßgeblich zur Reproduktion der Polis beitrugen, hatten zwar innerhalb der ökonomischen Gegebenheiten eine etwas freiere Verfügungsgewalt, hatten jedoch keine emanzipatorischen Vorteile, da ihre Arbeit nicht zu gesellschaftlicher Anerkennung führte und „die Gattin des Töpfers [...] im Grunde auch ein Ding [war], sie war eben die einzige Sklavin, die der Töpfer [...] zur Verfügung hatte“. Insgesamt war die Frau also völlig von Staat und Öffentlichkeit getrennt, sie trat nur hinsichtlich der Nachwuchssicherung ins Bewußtsein, ja sie existierte eigentlich nur in ihrer Funktion als Gebärmaschine.[1]

So kann denn auch für Platon, der aus gehobenen Aristokratenverhältnissen stammte, gelten, „daß das Thema Frauen mit Häuslichkeit, mit Verborgenheit, mit Entfernung und Abstand vom pulsierenden Lebensnerv der athenischen Polis verbunden war“. Die später philosophisch geforderte Partnerschaft der Geschlechter bildet hier noch keinen Diskussionsansatz. Vielmehr wird die Ehe hier noch gemäß Umfeld als bloßes Instrument zur Sicherung des Nachwuchses, also des biologischen Fortbestandes der Polis angesehen.[2]

Platon, 428/7 v. Chr. geboren, erlebte als junger Mann große Teile des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v. Chr.). Die gewonnenen Eindrücke, insbesondere Schwäche und Niederlage der attischen Demokratie und die diesbezügliche Rolle Spartas können als durchaus prägend für seine Weltanschauung gelten. „Vor diesem Hintergrund muß Platons politische Philosophie verstanden werden“, speziell die zentrale Zielvorstellung der Einheit der Polis gilt es hier in Betracht zu ziehen. Des weiteren darf die mitunter sehr auffällige Anlehnung an spartanische Modelle nicht vernachlässigt werden.[3]

Der theoretisch-philosophische Komplex zeugt hingegen mehr davon, dass Platon Frauen eher wohlwollend, oder besser nicht ganz so stark abwertend gegenüberstand, dies hat jedoch andere Gründe, als ein Streben nach Emanzipation, wie später noch gezeigt werden soll. Platon selbst bezeichnete die Frage nach der Weiber- und Kindergemeinschaft als zentrale Kategorie und ging davon aus, daß dieser Komplex (Kinderzeugung, Kinderaufzucht, etc.) „viel, ja alles für den Staatsbau ausmacht“.[4] Dieses Interesse an der Rolle der Frau und dem Geschlechterverhältnis entsprang unter Umständen auch aus der Situation während und nach dem Peloponnesischen Krieg. In diesem Zusammenhang begann die partielle Aufweichung traditioneller Vorstellungen und Frauen mussten notgedrungen Aufgaben übernehmen, die vorher alleinige Domäne der Männer waren.[5]

II. Frauen in Platons Staat

1. Allgemeines Frauenbild

Bezüglich des allgemeinen Frauenbildes bei Platon lassen sich die Hauptinformationen nur aus verstreuten Einzelbeispielen gewinnen. Dieser Teil erhält dadurch unter Umständen einen eher anekdotenhaften Charakter, dennoch soll versucht werden, am Ende ein einheitliches Bild zu entwerfen. Zuerst wird die Frau in ihrer Funktion als Ehegattin dargestellt, wobei sich durchweg ein eher negativer, abwertender und geringschätziger Ton wiederfindet. Dies beginnt bereits mit der Reduzierung der Frau auf eine bloße funktionale Rolle. Es stand also nicht die Person, sondern deren Aufgabe für Familie und Gesellschaft im Mittelpunkt. So wird in der „Politeia“ auf die Frage nach der Beziehung eines älteren Manns zur seiner Frau klar geantwortet, dass es geradezu als Vergnügen und als Erleichterung anzusehen sei, im Alter „von gar so vielen und rasenden Herren“ befreit zu sein. Dabei hieß es, „dem [Weibe und dem Liebesgenuß, TL] bin ich ja am liebsten entronnen, wie man einem rasenden und wilden Herrn entläuft“.[6] An anderer Stelle tritt eine Ehefrau als untreues, letztendlich ihren Ehemann im Verbund mit ihrem Liebhaber, tötendes Wesen auf.[7] Diese Art der Darstellung könnte ihren praktischen Hintergrund in Sokrates´ Frau (Xanthippe) haben, die die häusliche Atmosphäre extrem unangenehm gestaltet haben soll, so dass Sokrates sich kaum zu Hause aufhielt und sich seiner Frau somit in der heimischen Praxis ein eigener Entscheidungsbereich bot. Johannes Agnoli bezeichnete dieses Handeln als „im Grunde eine praktische Subversion“, als Versuch, „die Hausordnung durch die Austreibung des Hausherren umzuwälzen“.[8]

Daran anschließend stellte Platon das mannigfaltige Fehlverhalten von Frauen in der Mutterrolle, mithin bei der Reproduktion der Polis dar. Dabei stand der Gedanke im Hintergrund, dass die Erziehung des Nachwuchses bestimmten Vorgaben, die dem Interesse des Staates entsprechen sollten, zu folgen hatte. Die Arbeit der Frauen wurde nach diesen Kriterien beurteilt und sie galt als erfolgreich bei der Erreichung des größten Nutzens. Platon entwarf hier das Bild einer Mutter, die ihrem Sohn stets klagend entgegentrat und sich über mangelndes Machtstreben und fehlende Geldgier ihres Mannes erregte. Moniert wurde, dass eine solche Frau ihrem Sohn erzähle, „daß sein Vater unmännlich und sehr schlaff sei, und was dergleichen mehr die Weiber in solchen Fällen herzuleiern lieben“ und dadurch dessen Charakter verderbe.[9]

Inhaltlich ganz in der Nähe dazu steht die oft getroffene Zuordnung von Klageliedern zum weiblichen Geschlecht. Jammern und Klagen erschienen als typisch weibliche Beschäftigungen, die den Männern verboten werden sollten, da sie deren Kräfte beeinträchtigten.[10] Im Ganzen kann die von Platon getroffene Gleichsetzung von „unfrei und habgierig“ als „ein Zeichen weibischer und kleiner Gesinnung“ als typisch und das Ganze treffend zusammenfassend gelten.[11]

In weitesten Sinne gehört Platons Ächtung der Prostitution in diesen groben Bereich. Insbesondere der Umgang mit „korinthischen Dirnen“, deren ausschweifender Lebensstil bekannt sei, sollte gemieden werden, da sie den Charakter der Männer negativ beeinflussten.[12]

[...]


[1] Agnoli, Johannes: Subversive Theorie. Die Sache selbst und ihre Geschichte. Eine Berliner Vorlesung, Freiburg 1996, S. 64ff.

[2] Lübke, Dieter: Platon über Frauen, Liebe und Ehe, in: Die Frau in der Antike. Kolloquium der Winckelmann-Gesellschaft Stendal, Stendal 1988, S. 52.

[3] Trampedach, Kai: Platons „Politeia“: die Alternative zum Bürgerstaat ?, in: GWU, Bd. 47 (1996), H 7/8, S. 427f.

[4] Pomeroy, Sarah B.: Frauenleben im klassischen Altertum, Stuttgart 1985, S. 362; Platon, 449d, vgl. dazu: Lübke, Dieter: Platon über Frauen, Liebe und Ehe, in: Die Frau in der Antike. Kolloquium der Winckelmann-Gesellschaft Stendal, Stendal 1988, S. 55.

[5] Pomeroy, S. 179.

[6] Platon, 329b, c.

[7] Platon, 360b.

[8] Agnoli, S. 66f.

[9] Platon, 549d, e.

[10] Ebd., 388; 395d, e.

[11] Ebd., 479d, e.

[12] Ebd., 404d; vgl. dazu: Pomeroy, S. 176; um dieses Problem zu vermeiden, empfahl Platon, den Wächtern nur den nötigsten Lebensunterhalt zu ermöglichen, so daß es diesen „nicht möglich sei, noch Freundinnen etwas zu schenken“, Platon, 420.

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Details

Titel
Frauen im Idealstaat: Die Rolle der Frau und die Thematisierung des Geschlechterverhältnisses in Platons 'Politeia'
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Frauen in Griechenland und Rom
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V12271
ISBN (eBook)
9783638181983
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Idealstaat, Rolle, Frau, Thematisierung, Geschlechterverhältnisses, Platons, Politeia, Griechenland
Arbeit zitieren
Timo Luks (Autor), 2000, Frauen im Idealstaat: Die Rolle der Frau und die Thematisierung des Geschlechterverhältnisses in Platons 'Politeia', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12271

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