Die Rolle des Außenseiters in der Kinderliteratur


Bachelorarbeit, 2008

38 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemorientierte Kinderliteratur
2.1 Problemorientierte Textbilderbücher
2.2 Problemorientierte Kindererzählungen

3. Definition des Begriffs „Außenseiter“
3.1 Die Außenseitergruppen
3.2 Kinder als Außenseiter

4. Die Außenseiterproblematik als Thema moderner Kinderliteratur

5. Außenseiter aufgrund von Äußerlichkeiten

6. Analyse verschiedener Kinderbücher
6.1 Kathryn Cave/Chris Riddell: „Irgendwie Anders”
6.1.1 Die Autorin/Der Illustrator
6.1.2 Inhalt
6.1.3 Aufbau
6.1.4 Figurengestaltung
6.1.5 Die Illustration
6.1.6 Sprache und Erzählhaltung
6.2 Irina Korschunow: „Hanno malt sich einen Drachen“
6.2.1 Die Autorin/Die Illustratorin
6.2.2 Inhalt
6.2.3 Aufbau
6.2.4 Figurengestaltung
6.2.5 Die Illustration
6.2.6 Sprache und Erzählhaltung
6.3 Ursula Wölfel: „Feuerschuh und Windsandale“
6.3.1 Die Autorin/die Illustratorin
6.3.2 Inhalt
6.3.3 Aufbau
6.3.4 Figurengestaltung
6.3.5 Die Illustration
6.3.6 Sprache und Erzählhaltung

7. Vergleich

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“1

Dieses Geheimnis gibt der Fuchs dem kleinen Prinzen zum Abschied mit auf den Weg, dass er immer daran denke. Es verdeutlicht, worunter die Protagonisten der Außenseiterliteratur leiden, nämlich daran, dass man sie immer nur nach ihrem Äußeren beurteilt und nicht nach dem, was sie wirklich sind.

In meiner Arbeit soll es um die Rolle des Außenseiters in der Kinderliteratur gehen, des Außenseiters, der aufgrund von Äußerlichkeiten ausgegrenzt wird.

Es stellen sich hierzu eine Reihe von inhaltsbezogenen Fragen:

Warum wird jemand ausgegrenzt? Wie verhält sich der Außenseiter? Wie versucht er sein Problem zu lösen? Ebenso wichtig ist die Frage nach der Gestaltung. Wie wird die Außenseiterproblematik in der Kinderliteratur erzählerisch umgesetzt?

Drei Textbeispiele sollen dies veranschaulichen: „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave/Chris Riddell, „Hanno malt sich einen Drachen“ von Irina Korschunow und „Feuerschuh und Windsandale“ von Ursula Wölfel.

Bevor ich die von mir ausgewählten Bücher analysiere, möchte ich jedoch zunächst auf die problemorientierte Kinderliteratur als Ganzes eingehen. Dabei sollen das problemorientierte Textbilderbuch und die problemorientierte Kindererzählung als Gattungen besonders herausgestellt werden. Um die Außenseiterproblematik besser zu erfassen, werde ich versuchen eine Definition des Begriffs „Außenseiter“ vorzunehmen und auf verschiedene Außenseitergruppen eingehen. Ich werde mich dabei auf den Aspekt „Außenseiter aufgrund von Äußerlichkeiten“ konzentrieren, da dieser inhaltlich- thematische Gesichtspunkt für alle drei der von mir ausgewählten Textbeispiele von Bedeutung ist. Die ausgewählten Bücher werden im Einzelnen vorgestellt. Inhaltliche Aussage, Aufbau, und erzählerische bzw. bildliche Gestaltung sollen jeweils aufgewiesen und am Ende verglichen und beurteilt werden.

2. Problemorientierte Kinderliteratur

Mit dem Begriff „problemorientierte Kinderliteratur“ wird Literatur bezeichnet, in der aktuelle gesellschaftliche Probleme sowie aktuelle oder auch vergangene soziale oder politische Probleme aufgegriffen und verarbeitet werden2. „Es handelt sich um Konfliktliteratur, die sich vornehmlich mit Tabuthemen, [wie zum Beispiel „Scheidung“, „Angst“ oder „Tod“] auseinandersetzt“3. Bei den meisten

problemorientierten Kinderbüchern sind Kinder die Handlungsträger, aus deren Sicht die Welt und ihre Probleme gesehen werden4. Die Aufgabe problemorientierter Kinderliteratur ist es, ihre Leser mit realen Problemen und Konflikten vertraut zu machen und ihnen zu zeigen, dass man Probleme anpacken muss, um sie zu lösen. Das Ziel problemorientierter Kinderliteratur ist, betroffenen Kindern zu helfen mit ihren Problemen umzugehen und sie zu verarbeiten. Die Bücher sollen auch Trost spenden und den Lesern vor Augen führen, dass es andere Kinder gibt, die genau das gleiche, ein ähnliches oder sogar ein schlimmeres Problem haben5. Nicht immer muss hierbei eine konkrete Lösung für das Problem aufgezeigt werden, es reicht, wenn diese nur angedeutet wird, so dass die Leser auf ein gutes Ende hoffen können. Die meisten Kinderbücher entsprechen dem Wunsch der jungen Rezipienten, dass sich die Handlung positiv entwickelt und eine klare Problemlösung bietet6. Es kann zwar nicht nachgewiesen werden, dass solch eine Kinderliteratur die Probleme im wirklichen Leben löst, es gilt jedoch als sicher, dass problemorientierte Kinderbücher eine wichtige Rolle bei der Entwicklung junger Menschen spielen, dass sie zumindest zum Teil als Hilfe zur Umweltorientierung und Umweltbewältigung, zur Konflikterfahrung und zur Konfliktlösung dienen. Sie können zur Entwicklung von Sensibilität, Solidarität, Verantwortung und zur Veränderung beitragen7.

2.1 Problemorientierte Textbilderbücher

Es wird zwischen zwei Formen des Textbilderbuches unterschieden: dem Bilderbuch mit kleinen Textbeigaben und dem Bilderbuch, in dem Text und Abbildung gleichbedeutend nebeneinander stehen8. Zwar dominieren die Illustrationen in den Bilderbüchern mit kleinen Textbeigaben, doch verfügen sie manchmal zusätzlich über kurze Prosatexte oder auch Verse, die die bildlichen Darstellungen unterstreichen sollen9. „Textbilderbücher, in denen Text und Abbildungen gleichwertig nebeneinander stehen, zeichnen sich dadurch aus, dass sich Text und Bild gegenseitig ergänzen und zu einer verbundenen Einheit zusammenfügen.“10 Besonders auf jüngere Kinder haben Textbilderbücher einen großen Einfluss, da sie den Kindern einen Einblick in ihre Umwelt geben, ihnen helfen können Neues kennen zu lernen, mit Erlebnissen umzugehen und auch die Sprachfähigkeit, die Denkleistung und die Wahrnehmung schulen, wodurch besonders Erstleser zum Selbstlesen angeregt werden können11. Textbilderbücher und somit auch problemorientierte Textbilderbücher sollen also Erstleser zum Weiterlesen motivieren, eignen sich aber auch als Vorlesebuch für Kleinkinder. So sind auch die Themen, die in problemorientierten Textbilderbüchern behandelt werden, auf dieses Alter abgestimmt. Es werden Themen, wie zum Beispiel „Anderssein“, „Angst“, „Einsamkeit“ oder „Krankheit“, aufgegriffen, die den Kindern zukünftige oder bestehende Probleme des Lebens nahe bringen sollen. Bei problemorientierten Textbilderbüchern kann man außerdem zwischen den Büchern unterscheiden, die die kindlichen Probleme und Konflikte so darstellen, wie die Kinder sie in ihrer Realität wirklich wahrnehmen, und denen, die die Probleme über eine fiktive Darstellungsweise vermitteln, bei denen, zum Beispiel bei den Figuren, mit irrealen Elementen gearbeitet wird12. Eine Trennung zwischen phantastischer und realistischer

Erzählung ist allerdings nicht immer einfach, denn, laut Thiele, ,,vermischen sich im erzählenden Bilderbuch realitätsbezogene und phantastische Ebenen auffallend häufig"13.

2.2 Problemorientierte Kindererzählungen

„Mit dem Begriff ’Kindererzählungen’ sind im Allgemeinen Texte für Kinder von belletristischem Charakter gemeint.“14 Damit diese Erzählungen für die Kinder verständlich sind, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: Sprache und Struktur sollten der Entwicklung des Kindes angepasst sein; das heißt, die Texte sollten überschaubar sein, keine Schachtelsätze oder eine unübersichtliche Rahmenhandlung enthalten und über eine klare Gliederung mit überschaubaren Kapiteln, über einen übersichtlichen Druck und auch Illustrationen verfügen15. Diese Kindererzählungen unterscheiden sich trotz der Illustrationen von den Textbilderbüchern, da bei ihnen nicht das Bild, sondern der Erzähltext im Vordergrund steht. Zum Verständnis des Textes sind die bildlichen Darstellungen nicht mehr erforderlich, doch bei Kindern sind sie sehr beliebt, auch wenn es sich häufig um schwarz-weiß gestaltete Bilder oder Zeichnungen handelt, die eine Episode oder eine konkrete Situation in der erzählten Handlung wiedergeben. Bevorzugte Themen der problemorientierten Kindererzählungen sind, wie schon in Punkt 2 erwähnt, Tabuthemen wie „Scheidung“, „Angst“, „Tod“, „Außenseitertum“, „Armut“ oder „Ausländerfeindlichkeit“, wobei die Komplexität der Themen mit steigendem Alter der Leser zunimmt16. Im Gegensatz zu den Textbilderbüchern ist ein Großteil der problemorientierten Kindererzählungen der realistischen Kinderliteratur zuzuordnen und nur eher ein geringer Teil der phantastischen Kinderliteratur17.

3. Definition des Begriffs „Außenseiter“

’Mayers Online Lexikon’ definiert den Begriff „Außenseiter“ wie folgt: „Außenseiter,Soziologie:Outsider,aufgrund ihres Verhaltens oder bestimmter körperlicher, psychischer oder kultureller Merkmale als am Rande der Gesellschaft stehend angesehene Individuen oder soziale Gruppen“18. Diese Definition verweist auf ein Phänomen unserer Gesellschaft, in der es Einzelne oder auch soziale Gruppen gibt, die nicht in die Gemeinschaft integriert oder nur am Rande der Gesellschaft geduldet sind. Nach Buchkremer befinden sich Außenseiter in einem gebrochenen Verhältnis zu einer Gruppe oder zu mehreren Gruppen und leiden sehr unter diesem Zustand19. Ihnen wird mit Ablehnung, Feindseligkeit, Distanz und Vorurteilen begegnet. Die Situation kann sich sogar so sehr zuspitzen, dass diese Personen von der Allgemeinheit gemieden sowie von Aktivitäten und Kommunikation ausgeschlossen werden, dass ihre Meinung ignoriert wird und sie verhöhnt, ausgelacht, beschimpft und diskriminiert werden20. Der Außenseiter wird mit immer neuen Vorurteilen belegt, damit die sich innerhalb der Gruppe befindenden Individuen diese Außenseiterposition rechtfertigen können. In der Regel übernehmen die Ausgegrenzten die Positionen, die ihnen zugeschrieben werden, und nehmen die negativen Attribute, die man ihnen zuschreibt, an und versuchen erst gar nicht das Gegenteil zu beweisen21. Dieses Verhalten wird auch „self-fulfilling prophecy“ genannt, was auf Deutsch „selbsterfüllende Prophezeiung“ bedeutet, ein Begriff, der von dem Soziologen R.K. Merton eingeführt wurde. Die Theorie besagt, dass, wenn ein Individuum von einer bestimmten Sache glaubt, dass sie wahr ist und eintreten wird, es durch sein Handeln und sein Verhalten dazu beiträgt, dass diese Prophezeiung wirklich eintritt22. Sicher ist, dass, wie auch immer Außenseiter auf ihren Sozialstatus reagieren, ob nun mit Misstrauen, Verunsicherung und Passivität oder mit Aggressivität und Destruktivität, sie verspüren doch oft den Wunsch nach Akzeptanz, Integration, Anerkennung und Gleichberechtigung23.

3.1 Die Außenseitergruppen

Im Prinzip kann jeder Mensch durch gewisse Umstände, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit oder Krankheit, zum Außenseiter werden, doch es gibt Personen und Personengruppen, die tendenziell häufiger aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, und zwarethnische Minderheiten,soziale MinderheitenundNeue in einer Gruppe. Diese werden häufig als „gezwungene Außenseiter“ bezeichnet, da ihnen das Außenseitertum von anderen aufdiktiert wird24. Ethnische Minderheiten können aus nationalen, rassischen oder religiösen Gründen zu Außenseitern der Gesellschaft werden, da sie sich durch bestimmte ethnische Merkmale von der Masse der Gesellschaft unterscheiden, was allerdings nicht bedeutet, dass zwangsweise jeder mit einer anderen Nationalität, Kultur, Rasse oder Religion eine Außenseiterposition einnimmt25.

Zu den sozialen Außenseitern werden alle Personen und Personengruppen gezählt, die aufgrund ihres Verhaltens, ihres Erscheinungsbildes, ihrer Eigenarten und/oder ihrer wirtschaftlichen Unter- oder Überlegenheit von der Gesellschaft als anormal und inakzeptabel erachtet werden.26

Dabei ist ebenfalls zu bemerken, dass nicht alle Leute dieser Personengruppe zwangsläufig randständig sind. Ein weiterer Fall von Außenseitertum betrifft die Personen, die die Neuen in einer schon gefestigten Gruppe sind, da sie den anderen unbekannt und fremd sind27. Erfüllt die neue Person in der Gruppe jedoch die geforderten Normen, die zum Beispiel Herkunft, Lebenseinstellung, Verhalten und sozialen Status beinhalten, kann sie die Außenseiterposition meist schnell verlassen und sich gut integrieren, was für Personen aus den zuvor genannten Minderheitengruppen viel komplizierter und schwerer ist28.

3.2 Kinder als Außenseiter

„Kinder sind schon von klein auf gleichermaßen Täter, Opfer und Zeugen von gesellschaftlicher Ausgrenzung, Diskriminierung, Unterdrückung und […] Gewalt.“29 Wo Kinder zusammentreffen, sei es nun auf dem Spielplatz, im Kindergarten oder in der Schule, kommt es häufig zu Ausgrenzungen anderer. Kinder werden von anderen Kindern vom Spiel ausgeschlossen, sie werden beleidigt, ausgelacht, verspottet oder gehänselt, der Kontakt zu ihnen wird vermieden und gelegentlich kommt es auch zu gewaltsamen Übergriffen. Für dieses Verhalten, andere Kinder auszuschließen, kann es verschiedene Ursachen geben: Einerseits kann dieses Verhalten von den Erwachsenen übernommen und dann auf andere Mitmenschen angewandt sein; andererseits kann dieses Verhalten von den Bezugspersonen explizit gewollt und „angelernt“ sein30. Wenn zum Beispiel dem Kind von seinen Eltern seit der frühesten Kindheit gesagt wird, dass dunkelhäutige Menschen weniger wert sind als hellhäutige und dies dann auch von den Eltern regelmäßig gezeigt wird, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auch das Kind dunkelhäutigen Menschen weniger Wert zumisst, sie verstößt und ausgrenzt. Durch das Schaffen eines oder mehrerer Außenseiter will der Ausstoßende demonstrieren, dass er stark in die Gruppe integriert ist und dass er eine gewisse Stellung in der Gruppe einnimmt, meistens die des Anführers. Die anderen Kinder sind meistens nur Mitläufer, manchmal auch aus Angst selbst ausgestoßen zu werden. Häufig finden sich Kinder in der Rolle des Ausgestoßenen wieder, doch muss dabei unterschieden werden, ob sie von anderen Kindern oder von Erwachsenen in diese Lage gebracht wurden31.

[Unter Kindern] können neben ausländer- und behindertenfeindlichen Tendenzen auch schlechte oder extrem gute Noten, Ungeschicklichkeit, materieller Besitz, eine Brille oder Zahnspange, rote Haare, eine sehr kräftige Figur, Kleidung oder das Neuhinzukommen in eine bestehende Gruppe zum Außenseitertum führen.32

Andererseits werden Kinder von Erwachsenen in die Außenseiterposition gebracht, wenn sie mit den Maßstäben eines Erwachsenen gemessen werden oder glauben, sich selbst so sehen zu müssen. Außerdem bilden Kinder eine Randgruppe durch ihre völlige Verschiedenheit zu den Erwachsenen, was ihr Lebensstadium betrifft33.

4. Die Außenseiterproblematik als Thema moderner Kinderliteratur

„Außenseiter, ’Randfiguren menschlicher Gesellschaft’ wurden immer wieder im Laufe der Geschichte in die Kinder- und Jugendliteratur aufgenommen.“34 Besonders in den 70er Jahren wird es scheinbar zum Trend, Probleme und Konflikte von Kindern und auch speziell die Außenseiterproblematik darzustellen. So werden in Kindertexten beispielsweise behinderte, dicke oder besonders kleine Menschen und Brillenträger sowie Aussiedler oder Asylanten in den Außenseiterrollen dargestellt.35 Meistens belegt eine einzelne kindliche Figur die Außenseiterrolle, in die sie, häufig von anderen Kindern, hineingedrängt worden ist36. Nach Dahrendorf dient die Darstellung des Außenseiters in der Literatur verschiedenen Zwecken:

- sie unterhält, da es um faszinierende Besonderheiten und Auffälligkeiten geht,
- sie beeindruckt, denn der Leser merkt, dass er Anteil an diesem Besonderen und Andersartigen hat,
- sie wirkt identitätsfördernd, da sie die Auseinandersetzung mit nicht-sozialen Anteilen der eigenen Psyche ermöglicht
- sie ermöglicht eine gewisse Stabilisierung der eigenen Persönlichkeit, auch wenn die eigenen nicht-sozialen Anteile verdrängt werden37.

Es lässt sich also festhalten, dass die Texte über Außenseiter auf das reale Leben der Leser verweisen wollen. Dadurch soll den Kindern bewusst werden, dass es auch in der Realität Außenseiter gibt, die aber durch ihr Außenseiterdasein keine schlechteren oder minderwertigeren Menschen sind. Die Vorurteile gegenüber Außenseitern sollen durch die Literatur entkräftet werden und die Kinder sollen lernen toleranter, verständnisvoller und hilfsbereiter mit anderen Menschen, besonders mit denen, die sich in einer Außenseiterposition befinden, umzugehen. Die Texte sollen jedoch auch betroffenen Kindern Mut machen, ihnen eventuell Lösungswege aufzeigen oder deutlich machen, dass ihre Situation nicht ausweglos ist38.

In den 70er und 80er Jahren, in denen es zu einer immer weiter voranschreitenden gesellschaftlichen Modernisierung kam, sank die Stabilität der Familienformen, was sich in Scheidungen und Ein-Eltern-Familien zeigte und die Kinder vor neue Probleme stellte, die in der problemorientierten Kinderliteratur verarbeitet wurden. Es ist nicht mehr das innerfamiliäre Autoritätsgefälle, das im Vordergrund steht, sondern die Angst der Kinder über die Trennung der Eltern und ihr Leiden an der Scheidung39. In den 70er und 80er Jahren wurde außerdem häufig das Motiv des heldenhaften Außenseiters verwendet, der Mutproben besteht oder eine außergewöhnliche Begabung hat und so die Gruppe von sich überzeugt und letztlich integriert wird. Dieses Lösungsmuster ist jedoch umstritten, da der Außenseiter in so einem Falle ausschließlich aufgrund seiner

besonderen Fähigkeiten in die Gruppe integriert wird. Mittlerweile bemühen sich die Autoren andere Lösungswege zu finden um deutlich zu machen, dass der Außenseiter als Person wert ist in die Gruppe integriert zu werden und nicht, weil er besondere Fähigkeiten hat40. Während es in den 60er Jahren noch darum ging, wie Außenseiter sich durch Anpassung wieder in die Gruppe integrieren können, wurde in den 70er Jahren hinterfragt, ob sich nicht die Gruppe dem Außenseiter anzupassen habe.

Aufgrund der Arbeitsimmigration sind die “Gastarbeiter“ ein sehr häufig gewähltes Thema dieser Zeit, aber es geht auch häufig um die Ausgrenzung behinderter Menschen41.

[...]


1 De Saint-Exupéry, Antoine: Der kleine Prinz. 57. Auflage. Düsseldorf 2001, S. 72.

2 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S.5.

3 Ebd., S. 5.

4 Vgl. Lichtenberger, Sigrid: Das Jugendbuch in Grund- und Hauptschule. 1978, S.35.

5 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S.6.

6 Vgl. ebd, S. 9f.

7 Vgl. Sahr, Michael: Problemorientierte Kinderbücher im Unterricht der Grundschule. 1987, S.4.

8 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 16.

9 Vgl. ebd., S. 16.

10 Ebd., S. 16.

11 Vgl. ebd., S. 17.

12 Vgl. ebd., S. 18.

13 Thiele, Jens: Das Bilderbuch. 2000, S. 237.

14 Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 21.

15 Vgl. ebd., S. 21f.

16 Vgl. ebd., S. 22.

17 Vgl. ebd., S. 23.

18 http://lexikon.meyers.de/wissen/Au%C3%9Fenseiter+(Sachartikel)+Soziologie

19 Vgl. Buchkremer, Hansjosef: Verständnis für Außenseiter. 1977, S. 8.

20 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 26.

21 Vgl. ebd., 27f.

22 http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/PLEX/PLex/Lemmata/s-Lemma/self-ful.htm

23 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 28.

24 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 29.

25 Vgl. ebd., S. 30.

26 Ebd., S. 30.

27 Vgl. ebd., S. 31.

28 Vgl. ebd., S. 31f.

29 Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 34.

30 Vgl. ebd., S. 35.

31 Vgl. ebd., S. 36.

32 Ebd., S. 36.

33 Vgl. ebd., S. 37.

34 Pfadt, Maria: Außenseiter in der historischen Kinder- und Jugendliteratur. 1995, S. 13.

35 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 39.

36 Vgl. ebd., S. 40.

37 Vgl. Dahrendorf, Malte: Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur. 1995, S. 3.

38 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 41.

39 Vgl. Scheiner Peter: Realistische Kinder und Jugendliteratur. 2000, S. 173.

40 Vgl. Kurpjuhn, Jutta: Außenseiter in der Kinderliteratur. 2000, S. 42f.

41 Vgl. Dahrendorf, Malte: Außenseiter in der Kinder- und Jugendliteratur. 1995, S. 4.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Außenseiters in der Kinderliteratur
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
38
Katalognummer
V122733
ISBN (eBook)
9783640272884
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Außenseiters, Kinderliteratur
Arbeit zitieren
Anne Nickel (Autor), 2008, Die Rolle des Außenseiters in der Kinderliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122733

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