Anarchismus in Kolumbien in verschiedenen Guerillaorganisationen


Hausarbeit, 2004
21 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenhang Anarchismus und Guerilla

3. Die verschiedenen Guerilla- Organisationen Kolumbiens
3.1. Die Organisationen der 1960´er
3.2. F.A.R.C.-E.P
3.3. ELN/ UC-ELN
3.4. EPL
3.5. M- 19 und weitere neuere Guerillaorganisationen

4. Die Rolle von Frauen und Kindern bzw. Jugendlichen in Guerillaorganisationen

5. Guerilla und Journalismus – ein ewiger Disput

6. Lösungsansätze zum Guerilla- Problem

7. Rückblick auf neuere Entwicklungen

8. Zusammenfassung

9. Bibliographie

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema 'Anarchismus in Kolumbien im Zusammenhang mit verschiedenen Guerillaorganisationen'. Dazu wird zuerst auf den Zusammenhang zwischen Anarchismus und Guerilla eingegangen. Es folgen nähere Betrachtungen der verschiedenen Guerillaorganisationen. Deren Entstehungsgeschichte, ideologischer Hintergrund, Mitgliederzahlen, Verbreitungsorte und Ziele bzw. Errungenschaften sind dabei von besonderem Interesse.

Anhand der vielfältigen Beispiele werden zum Einen ganz allgemein die Grundzüge der Guerilla in Kolumbien erläutert. Dabei wird auch beantwortet, wann und unter welchen Umständen es zur Gründung und Erstarkung dieser Guerillaorganisationen in Kolumbien kam. Danach werden die verschiedenen Organisationen einzeln näher beleuchtet, wobei speziell die noch heute aktiven Fuerzas Armadas Revolucionárias de Colombia (FARC) von besonderem Interesse sind. Aber auch die frühen Organisationen der 1960´er Jahren sowie UC-ELN,EPL, M-19 und andere finden Betrachtung.

Desweiteren wird auf die Lage der Frauen und Kinder in der Guerilla und generell in Kolumbien eingegangen, um aufzuzeigen, wie schlecht es um die Menschenrechtssituation bestellt ist. Außerdem wird der Disput zwischen Journalisten und Guerilleros aufgegriffen, der sowohl in der nationalen kolumbianischen als auch in der internationalen Presse ausgetragen wird. Es folgt ein Rückblick auf die aktuellen Entwicklungen in Kolumbien. Abschließend steht eine Zusammenfassung, in der die wichtigsten Aspekte der Guerilla-Problematik in Kolumbien noch einmal kompakt dargestellt werden sollen.

2. Zusammenhang Anarchismus und Guerilla

Die Guerillabewegungen in Kolumbien fordern Veränderungen des bestehenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Systems, wobei diese drei Faktoren natürlich eng miteinander verflochten sind, und eine soziale bzw. ökonomische Umwälzung nur im Einklang mit einer politischen Umstrukturierung einhergehen kann. Die kolumbianischen Guerillaorganisationen haben durchaus anarchistische Züge, da es sich bei ihnen um politisch motivierte Bewegungen handelt, die als Ziel Freiheit, Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Gewaltlosigkeit anstreben und sich gegen die Macht von Menschen über Menschen richten. Ziel ist es, die Macht des Staates zu beseitigen bzw. diese einzudämmen. Diese Aspekte gehen konform mit der anarchistischen Grundidee, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat.

Besonders zu erwähnen ist im Zusammenhang mit den Guerillaorganisationen S.G. NETSCHAJEWS Anarchismusvorstellung. Er erweiterte die zahlreichen bestehenden Grundideen zum Anarchismus z.B. von STIRNER, PROUDHON, BAKUNIN und KROPOTKIN um eine für die Guerilla entscheidende Komponente – die terroristische. In seinem Konzept soll der gleichgültigen Bevölkerung durch Attentate auf wichtige Personen und Institutionen bewußt gemacht werden, dass ein sie beherrschendes und unterdrückendes politisches System existiert, gegen das es sich zu wehren gilt.

3. Die verschiedenen Guerilla- Organisationen Kolumbiens

Die Guerillaorganisationen „FARC, UC-ELN und EPL (Caraballo)1bilden heute die 'Guerillakoordination Simón Bolívar (CGSB)'“2Für den bereits seit den 1960'er Jahren andauernden Guerillakrieg in Kolumbien gibt es verschiedene Gründe: zum Einen herrschen Ausbeutung und Gewalt hinter der demokratischen Fassade des Landes, zum Anderen lebt ein Großteil der kolumbianischen Bevölkerung, vor allem die Bewohner der ländlichen Regionen, in Armut oder Elend. Außerdem gehört die Korruption von Beamten und Politikern zum Alltag.3Gegen diese vor allem sozialen Probleme versuchen die verschiedenen Guerillaorganisationen vorzugehen. Im Folgenden sollen nun einige von ihnen von der Entstehung über die ideologischen Hintergründe und zur derzeitigen Tätigkeit näher beleuchtet werden.

3.1. Die Organisationen der 1960´er

Während der sechziger Jahre entstanden in Kolumbien „die ersten Guerillas“.4Diese befanden sich zu Beginn der Guerilla-Entwicklung vorerst hauptsächlich auf dem Land und waren aufgrund dieser Abgelegenheit relativ schwer erreichbar.5Von diesen abgeschiedenen Regionen aus wurden die militärischen Aktionen geplant und durchgeführt.

Zu den Anhängern dieser Bewegungen zählte vor allem die Landbevölkerung, die für „tiefgreifende“ Veränderungen der „Landreform eintrat“.6 Außerdem traten auch zahlreiche „Studenten und Studentinnen“ sowie „städtische Intellektuelle“ der ländlichen Bewegung bei.7 Da auch sehr gebildete Menschen für die Bewegung eintraten, wird deutlich, dass es sich schon in den Anfängen um klar formulierte Zielsetzungen gehandelt haben muß, die im Einklang standen mit Plänen zur sozialen Umwälzung.

3.2. F.A.R.C.-E.P.

Die „ Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia-Ejército del Pueblo8(Revolutionäre Streitkräfte Kolmbiens/ Volksarmee) bildeten sich im Jahre 1964 heraus, nachdem „48 Überlebende Campesinos eines Armeegroßangriffs den beweglichen Guerillakrieg“9ausriefen. Politische Nähe ist zur Kommunistischen Partei festzustellen, wobei die FARC durchaus über eigene Strukturen verfügen.10 Wie auch die Guerillagruppen der 1960'er treten die FARC vor allem für eine „Agrarreform“11ein. Man sagt, die FARC verfügen über eine „hierarchische Organisationsstruktur“.12

In ihren Anfängen vertrat die FARC die „'Partido Comunista Columbiano' (Kommunistische Partei Kolumbiens)“13, die eher den politischen als den militärischen Auseinandersetzungen nahestand, woraus sich ergibt, dass die FARC zu Beginn ihrer Herausbildung eher „Selbstverteidigungscharakter hatte“.14Erst zum Beginn der 1990'er Jahre wurde ein Wechsel zum militärischen Kampf deutlich. Dieser war notwendig geworden, da die linken Parteien immer mehr an Wichtigkeit verloren und sich die FARC von der Armee angegriffen sahen.15

Während der 1990´er Jahre etablierten sich die FARC als „militärisch stärkste Organisation“Kolumbiens.16Sie bestanden zu dieser Zeit aus „ca. 50 Guerillafronten“17an denen ungefähr „8000 bis 10.000 Bewaffnete“18Guerilleros kämpften.19

Heute wird die Truppenstärke der FARC auf „9.000- 18.000“ bewaffnete Personen geschätzt, von denen etwa 40 Prozent weiblich sind. Geführt und geleitet werden die FARC-EP heute von Manuel Marulanda, José Briceño, Tomás Medina Caracas und Leon Saenz Vargas.20

In der heutigen kolumbianischen Gesellschaft haben die FARC einige ländliche Gebiete vollständig für sich eingenommen und fest unter ihrer Kontrolle. In Anbaugebieten der Kokapflanze erheben die FARC sogar eine „sogenannte ´Revolutionssteuer´“.21

Zu den politischen Mitteln der FARC gehören neben dem herkömmlichen bewaffneten Kampf auch Guerillamethoden, wie z. B. Entführungen und Mord. Den FARC werden jährlich ca. 1.000 Entführungen nachgesagt. Eines der bekanntesten Entführungsopfer der FARC ist Ingrid Betancourt, die kolumbianische Präsidentschaftskandidatin des Jahres 2002, die sich bis zum heutigen Tag in der Gewalt der FARC befindet. Sinn und Zweck der Entführungen ist natürlich, der amtierenden Regierung und anderen wichtigen Personen der politischen und gesellschaftlichen Szene Kolumbiens klar zu machen, dass sie in ihrem Land nicht sicher sind und nicht von allen Teilen der Gesellschaft akzeptiert werden. Ein zweites Ziel der Entführungen ist das Erpressen von Geld zur Selbstfinanzierung.22Hier wird deutlich, welchen großen Einfluß die FARC auf die Politik und Gesellschaft Kolumbiens nehmen können und wie 'einfach' es für sie ist, sich durch illegale Aktionen ihren eigenen Fortbestand zu sichern.

Im Rahmen der Gespräche mit der Regierung im Jahre 1993 legten die FARC einen „Zehnpunkteplan“23vor, der als „Gesprächsgundlage“24dienen sollte. Diese Forderungen kann man mit den Zielen der FARC gleichsetzten. Als ersten Punkt forderten die FARC „die Lösung des Konflikts mit politischen Mitteln.“25 Eine weitere Forderung bestand darin, dass das Militär keinerlei innenpolitische Funktion wahrnehmen dürfe. Sie verlangten außerdem die „Durchsetzung der Gewaltenteilung zwischen Justiz und Politik, Pressefreiheit und demokratische Mitbestimmung auf allen Ebenen.“26

Punkte zwei bis sieben bezogen sich vorrangig auf die Wirtschaft. Die FARC forderten eine „Stärkung des internen Konsums, Schutz der einheimischen Industrien vor ausländischer Konkurrenz sowie staatliche Kontrolle über den Energiesektor.“27Außerdem sollten 50 Prozent des Staatshaushaltes für Ausgaben im Sozialen Sektor und zehn Prozent zur Förderung der Wissenschaften aufgewendet werden.28 Man verlangte desweiteren die „Einführung eines progressiven Steuersystems.“29Damit sollte eine Erleichterung der finanziellen Not der armen Landbevölkerung erreicht werden. Den Bauern sollten auch „Entwicklungsprogramme für ländliche Regionen“30zu Hilfe kommen.

Die eben genannten Forderungen bezogen sich ausschließlich auf die Probleme innerhalb Kolumbiens. Es gab jedoch auch Forderungen, die eine „Revision der damaligen Energiepolitik und Neuverhandlungen der Verträge zur Ausbeutung der Bodenschätze mit den multinationalen Unternehmen“31verlangten.(Punkt acht) Diese Forderungen bezogen auch internationale Unternehmen mit ein, die in Kolumbien Standorte errichteten, um Gewinne zu erzielen.

[...]


1 Anm.: benannt nach ihrem Führer F. Caraballo, der den Teil des EPL führt, der 1991 nicht, wie die Mehrheit unter Gutierrez die Waffen niederlegte (sieh 3.4.)

2 S.Sterr, Albert (1993) Ches Erben. Gespräche zur Politik der Guerilla in Lateinamerika. ISP Verlag, Köln., S. 185

3 Vgl. Stier, Christiane. Guerillakämpfe in Kolumbien. „http://www.hls.sha.bw.schule.de/konflikt/kolumb/kolumb.htm“, Website, 24.02.2005 < http://www.hls.sha.bw.schule.de/konflikt/kolumb/kolumb.htm>

4 S. Sterr, S. 184

5 Vgl. ebd.

6 S. ebd

7 S. ebd.

8 S. Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia.“http://de.wikipedia.org/wiki/FARC“, Website, 24.02.2005 < http://de.wikipedia.org/wiki/FARC>

9 S. Sterr, S. 184

10 Vgl. ebd

11 S. ebd.

12 S. ELN. „http://www.politikerscreen.de/t-news2003/lexikon_detail.asp?ID=790“, Website, 24.02.2005 < http://www.politikerscreen.de/t-news2003/lexikon_detail.asp?ID=790>

13 S. Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia.“http://de.wikipedia.org/wiki/FARC“, Website, 24.02.2005 < http://de.wikipedia.org/wiki/FARC>

14 S. ebd.

15 Vgl. ebd.

16 S. Sterr, S. 184

17 S. ebd.

18 S. ebd.

19 Anm.:Die Angaben bezüglich der Mitgliederzahlen schwanken sehr stark, man findet auch Literatur, in der von 7.000-15.000 Mitgliedern die Rede ist. Man kann aber mit Sicherheit von mindestens 5.000 und maximal 20.000 FARC Anhängern ausgehen.

20 Vgl. Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia.“http://de.wikipedia.org/wiki/FARC“, Website, 24.02.2005 < http://de.wikipedia.org/wiki/FARC>

21 S. ebd.

22 Vgl. Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia.“http://de.wikipedia.org/wiki/FARC“, Website, 24.02.2005 < http://de.wikipedia.org/wiki/FARC>

23 S. ebd.

24 S. ebd.

25 S. ebd.

26 S. ebd.

27 S. ebd.

28 Vgl. ebd.

29 S. ebd.

30 S. ebd.

31 S. Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia.“http://de.wikipedia.org/wiki/FARC“, Website, 24.02.2005 < http://de.wikipedia.org/wiki/FARC>

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Details

Titel
Anarchismus in Kolumbien in verschiedenen Guerillaorganisationen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Anarchismus in Spanien und Lateinamerika
Note
3,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V122810
ISBN (eBook)
9783640279456
ISBN (Buch)
9783668145153
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anarchismus, Kolumbien, Zusammenhang, Guerillaorganisationen, Spanien, Lateinamerika
Arbeit zitieren
Claudia Adler (Autor), 2004, Anarchismus in Kolumbien in verschiedenen Guerillaorganisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122810

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