Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Didaktik - Spanisch

Sprachliche Normierung und Standardisierung des Kastilischen unter Alfonso el Sabio

Titel: Sprachliche Normierung und Standardisierung des Kastilischen unter Alfonso el Sabio

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 21 Seiten , Note: 2,5

Autor:in: Eva-Maria Dewald (Autor:in)

Didaktik - Spanisch
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Alfonso X ging als ‚der Weise’ in die Geschichte ein, galt er doch als einer der gelehrtesten Herrscher seiner Zeit: Er förderte Künste und Wissenschaften, führte die Toledaner Übersetzerschule auf ihren Zenit und lies zum ersten Mal Texte ins Kastilische übersetzen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, baute er das Kastilische zur Literatursprache aus und schuf im Zuge dessen das castellano drecho. Mit ihm, darin ist sich die Fachwelt einig, schlägt die „Geburtsstunde der kastilischen Prosa“ .
Um so verwunderlicher ist es, dass der „father of the Castilian prose“ in sprachhistorische Abhandlungen wenig Beachtung findet. Oft wird in diesen der Beginn des Spanischen als Literatursprache auf das Jahr 1492 mit dem Erscheinen der Grammatik Nebrijas festgelegt. Hans-Josef Niederehe versteht das mangelnde Interesse der Forschung an der Arbeit Alfonsos X als Reaktion auf das Fehlen sprachtheoretischen Abhandlungen seitens des Königs, die Aufschluss über seine sprachpolitischen Intensionen geben könnten. Ein wichtiger Grund könnte auch darin bestehen, dass Alfonsos sprachpolitische Intensionen dem heutigen Betrachter ein Rätsel aufgeben: Anstatt sich auf die Verwendung und Förderung des Kastilischen zu beschränken, lies er weiterhin Texte in andere Sprachen übersetzen. Er selbst beispielsweise dichtete in galizischer Mundart die Cantígas de Santa Maria, eine Sammlung von Marienliedern, die als persönlichstes Werk des Königs gelten. Dieses Faktum wird oft, wenn die Sprache auf Alfonso X kommt, übergangen.
Nach unserem heutigen Verständnis ist „[d]ie Literatursprache ist die am weitesten entwickelte, durch bewusste Normierung geprägte Form einer Nationalsprache.“ Daraus ergibt sich normalerweise der Konflikt, dass eine Sprache einseitig gefördert wird und dies zur Marginalisierung bzw. zur Verdrängung anderer Sprachen, führt. Mit diesem Thema beschäftigt sich auch die Europäische Union, da Minderheiten in Nationalstaaten Angst haben, im Zuge der Europäisierung ihre Identität, die für sie untrennbar an die Sprache gekoppelt ist, zu verlieren. Zur Sprachenfrage wurde bereits eine Reihe von Gesetzen erlassen, aber noch kein Nenner gefunden, auf den sich alle Beteiligten einigen konnten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil

2.1. Historischer Hintergrund zur politischen und sprachlichen Situation der iberischen Halbinsel im 13. Jahrhundert

2.1.1 Politische Situation

2.1.2 Sprachliche Situation

2.1.3 Verlauf der Reconquista

2.1.4 Einfluss der Reconquista auf das Kastilische

2.2 Sprachliche Standardisierung in der Zeit Alfonso el Sabios

2.2.1 Definition und Funktion von Literatursprache

2.2.2 Standardisierung als Politik der Mehrsprachigkeit

2.2.3 Beginn der literarischen Tradition des Kastilischen

2.2.4 Standardisierung des Kastilischen im castellano drecho und durch die Toledaner Übersetzungsschule

2.2.5 Gründe für den Erfolg des Kastilischen

3 Fazit

4 Schluss

5 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Normierung und Standardisierung des Kastilischen unter der Herrschaft von Alfonso X. Dabei wird die zentrale These vertreten, dass Alfonsos Vorgehen nicht durch ein modernes, nationalstaatlich geprägtes Sprachverständnis motiviert war, sondern auf einem pragmatischen, funktional orientierten Modell der Mehrsprachigkeit beruhte, das den Wissenserwerb in den Vordergrund stellte.

  • Historische und politische Rahmenbedingungen der iberischen Halbinsel im 13. Jahrhundert
  • Einfluss der Reconquista auf die sprachliche Entwicklung und Verbreitung des Kastilischen
  • Die Rolle der Toledaner Übersetzungsschule bei der Etablierung des castellano drecho
  • Das Konzept der Mehrsprachigkeit und die Funktion von Registern im Sprachverständnis Alfons X
  • Analyse der sprachlichen Standardisierungsprozesse bezüglich Grammatik, Orthographie und Wortschatz

Auszug aus dem Buch

2.2.4 Standardisierung des Kastilischen im castellano drecho und durch die Toledaner Übersetzungsschule

Auf dem Hintergrund der literarischen Tradition schuf der König das castellano drecho – das richtige oder korrekte Spanisch. Aufgrund neuer Aufgaben, die an das Kastilische als Literatursprache gestellt wurden, musste es die stilistischen Anforderungen und die syntaktischen Raffinessen einer Literatursprache erfüllen können. Um die Erfassung neuer Inhalte leisten zu können, musste das Kastilische im Bereich der Syntax und der Lexik und Graphie, Orthographie und Morphologie weiterentwickelt und standardisiert werden, was durch das castellano drecho geschah. Auf alle Veränderungen, die Alfonso X anhand des castellano drechos einführte, einzugehen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und wäre auch der Erörterung der wissenschaftlichen Fragestellung nicht zuträglich. Dennoch soll ein kurzer Überblick über die wichtigsten Tendenzen und Neuerungen des castellano drecho bezüglich Graphie und Orthographie gegeben werden, um die Grundintensionen, die der König verfolgte, aufzuzeigen.

Vor der Einführung des castellano drecho war die Umsetzung der kastilischen Laute, die dem Latein fremd waren, problematisch, was Unsicherheiten bzw. Variationen in der Schreibweise hervorrief. So finden wir beispielsweise zwei verschiedene Arten der Verschriftlichung für die Diphthonge [jɛ] und [wə/wɛ]: timpo vs. tiempo oder pusto vs. puesto. Der Schwachpunkt dieser Schreibweise war, dass ein und derselbe spanische Laut oft auf verschiedene lateinische Laute oder Lautkombinationen zurückging, was zu einer enormen Variation in der graphischen Darstellung führte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung Alfons X als Förderer der kastilischen Sprache ein und stellt die zentrale These der Arbeit hinsichtlich seiner pragmatischen Sprachpolitik vor.

2 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historischen Bedingungen, die sprachliche Situation sowie die methodischen Schritte der Standardisierung und die Gründe für den Erfolg des Kastilischen unter Alfons X.

3 Fazit: Das Fazit resümiert, dass Alfons X ein funktionales Sprachverständnis besaß und sein Wirken im Kontext einer historisch bedingten Mehrsprachigkeit zu sehen ist.

4 Schluss: Der Schluss stellt die Aktualität der alfonsinschen Sprachpolitik heraus und betont die Bedeutung für die weitere Forschung.

5 Literatur: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Primär- und Forschungsliteratur auf.

Schlüsselwörter

Alfonso X, Kastilisch, Sprachnormierung, Standardisierung, castellano drecho, Mehrsprachigkeit, Reconquista, Toledaner Übersetzungsschule, Sprachgeschichte, Literatursprache, Sprachpolitik, Mittelalter, Iberische Halbinsel, Register, Wissenschaftssprache.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den sprachhistorischen Prozessen der Normierung und Standardisierung des Kastilischen während der Regentschaft von König Alfonso X im 13. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind der historische Kontext der Reconquista, die Etablierung des sogenannten castellano drecho sowie die Rolle von Übersetzungsschulen und neuen wissenschaftlichen Diskursen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu belegen, dass Alfonsos Sprachpolitik nicht auf nationalen Bestrebungen, sondern auf einem pragmatischen, funktionalen Modell der Mehrsprachigkeit basierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine sprachhistorische Analyse und wertet dazu einschlägige Fachliteratur sowie zeitgenössische Konzepte der Romanistik aus.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Mehrsprachigkeit auf der iberischen Halbinsel und eine Untersuchung der sprachlichen Maßnahmen, wie der Standardisierung von Rechtschreibung und Wortschatz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Alfonso X, Kastilisch, Standardisierung, Mehrsprachigkeit, Reconquista und castellano drecho bilden die Kerngriffe dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung.

Warum wurde das Lateinische zunehmend durch das Kastilische verdrängt?

Aufgrund pragmatischer Anforderungen, wie der Notwendigkeit, Rechtsdokumente für die breite Bevölkerung verständlich zu machen, und dem Fehlen einer Schultradition in neuen wissenschaftlichen Disziplinen.

Welche Rolle spielte die Toledaner Übersetzungsschule?

Sie fungierte als kulturelles Zentrum, in dem Wissen aus der arabischen Welt und der Antike durch neue, standardisierte Übersetzungsprozesse in das Kastilische integriert wurde.

War Alfons X ein Vorreiter des Nationalstaatsgedankens?

Die Autorin argumentiert dagegen: Sein Handeln war funktional-pragmatisch geprägt, während der Nationalstaatsgedanke zu seiner Zeit in dem noch uneinigen Reich keine zentrale Rolle spielte.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sprachliche Normierung und Standardisierung des Kastilischen unter Alfonso el Sabio
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Nominierung und Standardisierung: Spanisch
Note
2,5
Autor
Eva-Maria Dewald (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V122821
ISBN (eBook)
9783640285075
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachliche Normierung Standardisierung Kastilischen Alfonso Sabio Nominierung Standardisierung Spanisch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Eva-Maria Dewald (Autor:in), 2004, Sprachliche Normierung und Standardisierung des Kastilischen unter Alfonso el Sabio, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122821
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  21  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum