Noch nie wurde der Sport von einem Staat so stark gefördert, und noch nie dienteer so ausgeprägt als Stütze eines Regimes, wie dies in der DDR der Fall war. DerSport spielte in der DDR eine große Rolle. Von klein an wurden die menschenangeregt, Sport zu treiben, und bis ins hohe Alter gab es die Möglichkeiten zursportlichen Betätigung. Deshalb möchte ich mich in diesem Beitrag mit dem Schul-und Freizeitsport von Kindern und Jugendlichen beschäftigen. Dabei werden Zieleund Funktion, Organisation und Motive des organisierten Kinder- und Jugendsportsnäher erläutert und ein Blick auf den nicht organisierten Freizeitsport geworfen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Aufbau einer „sozialistischen Körperkultur“
2. 1. Der „Arbeiter- und Bauernstaat“
3. Schulsport und Körpererziehung von Kindern und Jugendlichen
3. 1. Spartakiaden
3. 2. Kinder- und Jugendsportschule (KJS)
3. 3. Der Schulsport in der DDR
3. 3. 1. Wehrsport und Wehrunterricht
3. 3. 2. Schulsportgemeinschaften
3. 4. Die vormilitärische Ausbildung
4. Die körperliche Erziehung der Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit
4. 1. Die Organisation des Sports in der DDR
4. 1. 1. Der „Deutsche Turn- und Sportbund“ (DTSB)
4. 1. 2. Der Sport im Wohnfeld der Kinder
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Aufbau sowie die Funktionen des Kinder- und Jugendsports in der DDR, um aufzuzeigen, wie der Sport als politisches Instrument zur Erziehung und ideologischen Bindung der Jugend eingesetzt wurde.
- Die ideologische Definition und Rolle der „sozialistischen Körperkultur“.
- Strukturen des Schulsports, inklusive Leistungssportförderung und vormilitärischer Ausbildung.
- Die Funktion von Spartakiaden und Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) im Talentsystem.
- Die Organisation des Freizeit- und Wohnfeldsports sowie die Rolle des DTSB.
- Beweggründe für die staatliche Förderung und deren Bedeutung für das DDR-Regime.
Auszug aus dem Buch
3. 2. Kinder- und Jugendsportschule (KJS)
Die KJS wurde Mitte der 50er Jahre systematisch aufgebaut. Im Westen gehörte sie bis zum Fall der Mauer zu den Geheimnissen des DDR-Sports und Talentsystem. Westliche Besucher oder Journalisten hatten kein Zutritt zu diesen Kaderschmieden des DDR-Sports.
Für die Aufnahme in einer KJS waren nicht nur sportliche Eignung und sportliches Talent wichtig, sondern auch gute schulische Leistungen und die aktive Mitarbeit an den sozialistischen Jugendorganisationen sowie ein reiner „sozialistischer Stammbaum“, d.h. keine Verwandtschaft ersten oder zweiten Grades in der Bundesrepublik oder anderer westlichen Staaten. Die KJS waren somit nicht nur Kaderschmieden für den Spitzensport, sondern auch für zukünftige Trainer und Sportfunktionäre. Die Kinder und Jugendlichen hatten bis zu 60 Stunden pro Woche Unterricht, Training und Tätigkeit in den Pionierorganisationen bzw. politischen Unterricht. Das sportliche Training machte dabei immer den größten Anteil aus und war auch der Schwerpunkt der KJS. Die Schule trat in den Hintergrund. Wer den Anforderungen im Training nicht gewachsen war oder die sportlichen Ziele nicht erreichte, wurde in seinen Heimatort zurück geschickt. Die Kinder und Jugendlichen waren kaserniert und Unterlagen somit rund um die Uhr der Aufsicht der Trainer und Erzieher.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die bedeutende Rolle des Sports in der DDR und steckt den Untersuchungsrahmen für den Schul- und Freizeitsport ab.
2. Der Aufbau einer „sozialistischen Körperkultur“: Es wird definiert, wie der Begriff der Körperkultur als ideologisches Mittel zur Abgrenzung vom Kapitalismus genutzt wurde.
2. 1. Der „Arbeiter- und Bauernstaat“: Dieses Kapitel beschreibt die Zentralisierung des Sports durch die SED und die Umwandlung alter Vereine in Betriebssportgemeinschaften.
3. Schulsport und Körpererziehung von Kindern und Jugendlichen: Hier werden die Erziehungsziele, wie die Ausbildung sozialistischer Persönlichkeiten und die Verknüpfung von Sport mit politischer Ideologie, analysiert.
3. 1. Spartakiaden: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der Spartakiaden als Wettkampfsystem zur Talentfindung und politischen Mobilisierung.
3. 2. Kinder- und Jugendsportschule (KJS): Die KJS werden als exklusive Kaderschmieden für den Leistungssport und das Funktionärskorps dargestellt.
3. 3. Der Schulsport in der DDR: Fokus auf die leistungsorientierte, militärisch strukturierte Gestaltung des obligatorischen Sportunterrichts.
3. 3. 1. Wehrsport und Wehrunterricht: Darstellung der obligatorischen vormilitärischen Ausbildung zur physischen Vorbereitung auf den Verteidigungsdienst.
3. 3. 2. Schulsportgemeinschaften: Untersuchung der Zielsetzungen zur Förderung von Disziplin und Kollektivität an Oberschulen.
3. 4. Die vormilitärische Ausbildung: Die Rolle der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) in der vormilitärischen Ausbildung wird dargelegt.
4. Die körperliche Erziehung der Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit: Untersuchung der staatlichen Bemühungen, auch den privaten Sportbereich in die sozialistische Organisation einzubinden.
4. 1. Die Organisation des Sports in der DDR: Überblick über die staatliche Sportstruktur und die Rolle der verschiedenen Sportverbände.
4. 1. 1. Der „Deutsche Turn- und Sportbund“ (DTSB): Beschreibung des DTSB als oberste Instanz und Organisationsbasis für den Sport in der DDR.
4. 1. 2. Der Sport im Wohnfeld der Kinder: Analyse der Bedeutung von Sportstätten in Neubaugebieten und deren Einfluss auf die Sportaktivität.
5. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung des Sports als integralen Bestandteil des DDR-Systems, inklusive des kritischen Aspekts des Dopings.
Schlüsselwörter
DDR, Sozialistische Körperkultur, Schulsport, Spartakiaden, KJS, Leistungssport, DTSB, Betriebssportgemeinschaften, Wehrsport, GST, Talentfindung, Körpererziehung, Sportpolitik, Sozialismus, DDR-Sportgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Kinder- und Jugendsports in der DDR und dessen Funktion als Stütze des sozialistischen Regimes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind der Aufbau der organisierten Körperkultur, die Struktur des Schulsports, Talentsysteme wie die KJS und die Organisation des Freizeit- sowie Wohnfeldsports.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erläuterung von Zielen, Funktionen, Organisation und Motiven des staatlich gelenkten Kinder- und Jugendsports in der DDR.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Verwendung von Fachliteratur sowie statistischen Daten, wie beispielsweise Häufigkeitsverteilungen sportlicher Aktivitäten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Schulsports, inklusive Wehrunterricht und Schulsportschulen, sowie die Analyse der Freizeitgestaltung und der Verbandsstruktur des DTSB.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
DDR-Sport, sozialistische Körperkultur, KJS, Spartakiaden, DTSB und Leistungssportförderung sind die prägenden Begriffe.
Warum waren die Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) für die DDR so wichtig?
Die KJS dienten als zentrale Kaderschmieden, um talentierte Jugendliche frühzeitig für den internationalen Spitzensport zu selektieren und ideologisch zu formen.
Welche Rolle spielte die Gesellschaft für Sport und Technik (GST)?
Die GST organisierte die vormilitärische Ausbildung von Jugendlichen, um diese physisch und ideologisch auf den Wehrdienst vorzubereiten.
Was waren die Hauptgründe für Jugendliche, sich sportlich zu betätigen?
Neben dem staatlichen Druck und organisierten Angeboten gaben viele Jugendliche „Spaß und Freude“ sowie die „sinnvolle Freizeitgestaltung“ als Motive an.
Inwiefern beeinflusste das Wohnumfeld das Sportverhalten?
Untersuchungen zeigten, dass in Neubaugebieten mit gutem Sportstättenangebot Jugendliche zwar häufiger sportlich aktiv waren, bei ungünstigen Voraussetzungen jedoch verstärkt zum Individualsport tendierten.
- Arbeit zitieren
- Juliane Brose (Autor:in), 2009, Kinder- und Jugendsport in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122850