Im Folgenden wird das Thema der Erinnerungsorte der Pest im Mittelalter in slowenischen Gebieten unter die Lupe genommen. Zuerst jedoch werde ich einige Informationen über die Pest selbst bzw. den aktuellen Forschungsstand wiedergeben, damit das Ausmass dieser dämonischen Krankheit verstanden werden kann. Des Weiteren berichte ich über die pestrelevanten Ereignisse in ehemaligen slowenischen Gebieten. Somit kann der Arbeit ein geographisch-historischer Kontext verliehen werden, damit Handlungen des Volkes und Erkenntnisse nachvollzogen werden können.
Im Kapitel 3 komme ich dann zum eigentlichen Thema dieser Arbeit: Erinnerungsorte. Dabei werden Erinnerungsorte definiert und erklärt. Des Weiteren wird dann die Theorie in die Praxis umgesetzt, als die Erinnerungsorte im Bezug zur Pest in slowenischen Gebieten ins Fokus rücken. Hierzu ist zu erwähnen, dass bei materiellen Erinnerungsorten, diejenige in der Region Untersteiermark im Vordergrund stehen, da aufgrund des Corona-Virus kein Zugang zu anderen Regionen in Slowenien mir gewährt werden konnte. Schliesslich, im letzten Kapitel folgt eine Evaluation über die Bedeutung der Erinnerungsorte heute: Was haben wir vergessen und wieso erinnern wir uns immer noch, obwohl schon relativ viel Zeit seit den Pest-Epidemien vergangen ist? Wieso nicht?
Inhaltsverzeichnis
1 Die Einleitung
1.1 Teil I – Über die Arbeit oder was berichtet wird.
1.2 Teil II – Der Forschungsstand oder was wir über die Pest wissen.
2 Die Pest in Gebieten der damaligen slowenischen Bevölkerung.
2.1 Erste Fälle oder wann kam die Pest.
2.2 Die Pest des späten Mittelalter oder die ‘bekannte’ Pest.
2.2.1 Ankündigung einer siegreichen Reise
2.2.2 Des Volkes Theorien I – Reaktionen der Bevölkerung auf die Pandemie.
2.2.3 Des Volkes Theorien II – Die Pest loswerden.
3 Die Suche nach den Spuren der Pest in slowenischen Gebieten
3.1 Die Erinnerungsorte oder das Gedächtnis der Gemeinschaft.
3.2 Erinnerungsorte der Pest in Slowenien oder was wir heute finden können.
3.2.1 Materielle Erinnerungsorte.
3.2.2 Halbwegs-materielle und Erinnerungsorte.
3.2.3 Immaterielle Erinnerungsorte.
4 Wer erinnert sich noch? – Wer nicht? – Wieso?
4.1 Restaurierung des Gedächtnisses oder Pflege der Kulturerbe.
4.2 Erinnerungen ohne Bedeutung oder vergessene Erinnerungen.
4.3 Konservierung der Erinnerungen oder Passivität des Gedächtnisses.
4.3.1 Spekulative Annahmen I – Analyse der Befragten.
4.3.2 Spekulative Annahmen II – eine Demonstration.
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das kulturelle Gedächtnis und die physischen wie immateriellen Erinnerungsorte an die Pest-Epidemien in slowenischen Gebieten, um zu verstehen, warum bestimmte Erinnerungen trotz des zeitlichen Abstands fortbestehen oder in Vergessenheit geraten sind.
- Historischer Kontext der Pest in den slowenischen Gebieten (14.-17. Jh.)
- Analyse materieller Erinnerungsorte wie Kirchen und Pestsäulen
- Untersuchung halbwegs-materieller Bräuche und immaterieller Tradierungen (Sprache, Sagen)
- Evaluation des gesellschaftlichen Wissensstands über historische Pest-Traditionen
- Kritische Reflexion über die Rolle von Historikern als Bewahrer des kollektiven Gedächtnisses
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Materielle Erinnerungsorte.
Die erste Kirche, welche ich als Beispiel für einen materiellen Pest-Erinnerungsort nehme, ist die Kirche des hl. Rochus in Šmarje. Diese wurde stufenweise erbaut und das Jahr 1646 wird als Jahr ihrer Gründung angesehen.
Der Legende nach, brachten 1645 zwei Einheimische die Pest von Ptuj nach Šmarje. Die Krankheit tötete in kurzer Zeit mehr als zweihundert Menschen. Damit die dämonische Krankheit so schnell wie möglich aus dem Land vertrieben wird, wurde auf dem Hügel oberhalb von Šmarje eine Kapelle errichtet. Gott, auf Fürsprache der Muttergottes, beantwortete Gebete des hl. Rochus und hl. Sebastian. Schliesslich vertrieb Gott die Pest aus der Region. Die Gläubigen widmeten der Kirche so viele Geschenke, dass sie dort, wo sich die unbedeutende Kapelle befand, eine magisch schöne Kirche errichteten und diese dem hl. Rochus als Beschützer und Fürsprecher gegen die Pest widmeten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Einleitung: Definiert das Thema der Arbeit, den Fokus auf slowenische Gebiete und den methodischen Ansatz zur Untersuchung von Erinnerungsorten im Kontext der Pest.
2 Die Pest in Gebieten der damaligen slowenischen Bevölkerung.: Bietet einen historischen Überblick über das Auftreten der Pestpandemie und beschreibt die soziokulturellen Reaktionen der Bevölkerung.
3 Die Suche nach den Spuren der Pest in slowenischen Gebieten: Erläutert theoretische Konzepte von Erinnerungsorten und konkretisiert diese durch die Kategorisierung in materielle, halbwegs-materielle und immaterielle Zeugnisse.
4 Wer erinnert sich noch? – Wer nicht? – Wieso?: Evaluiert den heutigen Kenntnisstand der Gesellschaft über Pest-Erinnerungen und diskutiert die Rolle der Konservierung sowie das instinktive Fortbestehen kultureller Praktiken.
Schlüsselwörter
Pest, Slowenien, Erinnerungsorte, Kulturerbe, hl. Rochus, Pestsäule, kollektives Gedächtnis, Pest-Epidemie, Historische Überlieferung, Wallfahrten, Volksglauben, Immaterielles Erbe, Mittelalter, Geschichtsbewusstsein, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie die Pestzeit als historisches Trauma in slowenischen Regionen in Form von sogenannten Erinnerungsorten (wie Kirchen, Pestsäulen, Sagen oder Sprachwendungen) im kollektiven Gedächtnis bewahrt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte der Pest-Epidemien, die Kategorisierung von Erinnerungsobjekten, religiöse Praktiken und die Analyse von Umfrageergebnissen zum Wissen der heutigen Bevölkerung über diese Themen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es herauszufinden, warum und wie Erinnerungen an die Pest-Epidemien in Slowenien durch Erinnerungsorte erhalten bleiben oder warum sie im Bewusstsein der Bevölkerung schwinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer historischen Quellenanalyse nutzt die Arbeit kulturwissenschaftliche Ansätze (z.B. nach Pierre Nora) sowie die Auswertung empirischer Daten in Form von Umfragen bei Studenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Pest, eine methodisch fundierte Typologie von Erinnerungsorten und eine Analyse der Bedeutung dieser Orte in der Gegenwart.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pest, Erinnerungsorte, Slowenien, hl. Rochus, Kulturerbe und kollektives Gedächtnis.
Welche Rolle spielt der hl. Rochus in dieser Untersuchung?
Der hl. Rochus wird als zentraler Schutzpatron identifiziert, dessen Kult an zahlreichen materiellen Orten (Kirchen, Bildstöcke) in Slowenien sichtbar ist und somit als Ankerpunkt der Pest-Erinnerung dient.
Wie erklärt der Autor das Weiterbestehen von Wallfahrten trotz schwindenden Wissens?
Der Autor führt dies auf ein "passives Unwissen" zurück, bei dem religiöse Praktiken eher instinktiv und aus einer tief verwurzelten Tradition heraus fortgeführt werden, auch wenn die expliziten Hintergründe in Vergessenheit geraten sind.
Warum wurden im 17. Jahrhundert Kirchenglocken zu festen Zeiten geläutet?
Das Läuten diente als präventive religiöse Maßnahme auf Anweisung der Bischöfe, um die Gläubigen zum Gebet zu bewegen und Gottes Beistand im Kampf gegen die Pest zu erflehen.
Inwiefern beeinflusste die Pest-Zeit die heutige slowenische Sprache?
Der Autor zeigt auf, dass sich aus der Pest-Zeit Redewendungen und spezifische Ausdrücke (wie Segenssprüche beim Niesen) im Sprachgebrauch verfestigt haben, die noch heute als kulturelle Spuren existieren.
- Arbeit zitieren
- Miro Ilic (Autor:in), 2021, Erinnerungsorte der Pest in slowenischen Gebieten und ihr Pflegepersonal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1234762