Dies soll Gegenstand dieser Hausarbeit sein: was bedeutet »kulturelle Identität« im Kontext der interkulturellen Pädagogik und in der Migrationspolitik? Gibt es sie wirklich und wenn ja, wird diese aufgestempelt, besitzt man sie einfach oder wählt man sich seine Identität selbst? Liegt ihr eine Kontinuität oder Kohärenz inne oder ist sie veränderbar je nach Zeit und Ort? Bevor ich mich jedoch diesen und ähnlichen Fragen widme wäre es von Nutzen, würden wir uns einige der diversen theoretischen Erklärungen, die bezüglich des Begriffs der Identität gemacht worden sind, genauer anschauen. Im darauf folgenden Teil werde ich dann versuchen auf zu zeigen, wie der Begriff mit Pluralität im Sinne von Kulturvielfalt zusammenspielt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erläuterung des Begriffs der Identität
2.1. Personale Identität: Notwendigkeit der Identitätsarbeit in der Moderne – Kohärenz und Kontinuität versus Ambivalenz, Ambiguität und Differenz
2.2. Kollektive Identität: Soziales Konstrukt oder Realität?
3. Hybride Kulturen und Identitäten – Pluralität in der Einwanderungsgesellschaft
3.1. Hybride Kulturen
3.2. Hybride Identitäten
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung kultureller Identität im Kontext der interkulturellen Pädagogik und Migrationspolitik. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob Identität eine statische Zuschreibung von außen ist oder ein dynamischer Prozess der Selbstgestaltung, und wie Individuen in einer pluralistischen Gesellschaft mit hybriden Identitätskonstruktionen umgehen können.
- Kritik an essentialistischen Identitäts- und Kulturbegriffen
- Der Zusammenhang von Macht, Definitionsmacht und kollektiven Identitätszuschreibungen
- Analyse von Identitätsarbeit im Kontext der Moderne
- Konzepte von Hybridität und Transkulturalität als Gegenentwürfe zur Segregation
- Bedeutung von Kontextsensibilität in der Einwanderungsgesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Hybride Kulturen
Aus der Kritik am Interkulturalismus und Multikulturalismus – die Kulturen als einheitliche Formationen betrachten - haben sich neue Ideen entwickelt und sich anschließend 1997 durch Wolfgang Welsch zu einem Konzept der Transkulturalität geformt. Diesem Konzept zu Folge existieren keine statischen, homogenen, unveränderlichen Kulturen und haben auch nie existiert. Es gibt keine kulturellen Grenzen an denen Kunst, Politik, Weltanschauungen, Religionen und Lebensweisen halt machen, sie kennen keine Grenzen. Es ist seit jeher der Fall gewesen, dass Menschen sich miteinander ausgetauscht und bereichert haben und in Folge dieser Interaktionen ist es auch immer zu Vermischungen – sowohl biologisch als auch kulturell – gekommen. Zwar haben politische Ideologien, wie in aktuellen Fällen von Myanmar oder Nordkorea schon immer versucht sich nach außen abzuschotten oder wir-sie-Bilder zu erschaffen doch letztendlich sind imaginäre Grenzen doch immer permeabel gewesen. Die Ähnlichkeit einiger Rezepte griechischer und ägyptischer Küche, der Erfolgskurs des Rock und Pop in der Welt und deren Synthese mit örtlicher traditioneller Musik sind nur einige Beispiele für den schon in der Antike stattgefundenen Globalisierungsprozess der im 20. Jahrhundert in Folge technologischer Entwicklungen an Geschwindigkeit zugenommen hat.
Auch Kulturen einer transkulturellen Gesellschaft können als hybrid bezeichnet werden. Hybride Kulturen werden als Gegenbegriff eines kulturellen Essentialismus gedeutet. Da im Fall der Kultur von einem Plural, von einer Menschengruppe die Rede ist lässt sich im Sinne dieser Erkenntnis auch auf die kollektive Identität übertragen, dass diese im Grunde genommen aus Subjekten besteht, die unterschiedlich sind. Auch wenn eine kollektive Identität in der Regel durch eine geteilte Eigenschaft vieler verschiedener Individuen zustande kommt und dies in vielen Fällen Sinn und Ziel dieser Gründung der Gruppe ist, so darf doch nicht außer Acht gelassen werden, dass auch häufig eben eine Vereinheitlichung dieser Art insbesondere im Fall einer Fremdzuschreibung dem kollektiven Charakter nicht mehr gerecht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor beschreibt seine persönliche Motivation zur Auseinandersetzung mit dem Identitätsbegriff und legt den Fokus auf die Herausforderungen von Identität in einer pluralen Gesellschaft.
2. Erläuterung des Begriffs der Identität: Dieses Kapitel definiert Identität sowohl auf personaler als auch auf kollektiver Ebene und beleuchtet die Spannungsfelder zwischen Kontinuität und Differenz.
3. Hybride Kulturen und Identitäten – Pluralität in der Einwanderungsgesellschaft: Hier wird der Kulturbegriff dekonstruiert und das Konzept der Hybridität als Antwort auf statische und essentialistische Gesellschaftsbilder eingeführt.
4. Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Plädoyer für ein transkulturelles Verständnis, das den Fokus auf individuelle Erfahrung und das Miteinander anstelle von isolierten kulturellen Blöcken legt.
Schlüsselwörter
Identität, Interkulturelle Pädagogik, Migration, Hybridität, Transkulturalität, kulturelle Pluralität, kollektive Identität, personale Identität, Diskriminierung, Macht, Definitionsmacht, kulturelle Differenz, Migrationsgesellschaft, Identitätsarbeit, Kontextsensibilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Identität im Zeitalter kultureller Vielfalt und der Kritik an traditionellen, statischen Vorstellungen von Identität und Kultur in der Pädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören die Unterscheidung zwischen personaler und kollektiver Identität, die Problematik von Machtstrukturen bei kulturellen Zuschreibungen sowie Konzepte von Transkulturalität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, was „kulturelle Identität“ im Kontext interkultureller Pädagogik bedeutet und ob Identität ein veränderbarer, selbst gewählter Prozess ist, der über einfache nationale oder ethnische Definitionen hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und eine kritische Auseinandersetzung mit sozialwissenschaftlichen Diskursen über Identität, ergänzt durch eigene Reflexionen aus der Migrationsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen von Identität, die Folgen von Kollektivzuschreibungen durch die Mehrheitsgesellschaft und die Chancen hybrider Identitätsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hybridität, Transkulturalität, kulturelle Differenz, Identitätsarbeit und Pluralität.
Welche Rolle spielt die „Definitionsmacht“ in dieser Hausarbeit?
Die Definitionsmacht beschreibt, wie die Mehrheitsgesellschaft durch Programme und Programme zur „Interkulturalität“ bestimmt, was als fremd gilt, und somit Identitäten von Minderheiten normierend festschreibt.
Was versteht der Autor unter dem „dritten Ort“?
Der Begriff beschreibt einen Raum, an dem unterschiedliche kulturelle Elemente aufeinandertreffen, sich vermischen und zu einer neuen Wahrheit verschmelzen, statt nur nebeneinander zu existieren.
Warum ist laut Autor die „Kontextsensibilität“ für Individuen wichtig?
Kontextsensibilität ermöglicht es Menschen, in verschiedenen sozialen Situationen flexibel zwischen unterschiedlichen Identitätsanteilen oder Verhaltensregeln zu wechseln, anstatt an einer starren kulturellen Identität festzuhalten.
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- Kerem Karasu (Author), 2008, Identität im Zeitalter kultureller Pluralität und Hybridität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123833