Da das Verstehen fremdsprachlicher Texte als eine Kunst interpretiert werden kann, sollen in dieser Arbeit besonders Friedrich Daniel Ernst Schleiermachers Übersetzungsarbeiten im Zusammenhang mit seiner hermeneutischen Auffassung untersucht werden. Wie bedienen sich seine Übersetzungsmethoden eines hermeneutischen Hintergrunds und wieso werden sie diesem nur bedingt gerecht? Dazu soll Schleiermachers Hermeneutikbegriff komprimiert dargestellt werden, um die Wichtigkeit der Sprache und ihrer Interpretation zu unterstreichen.
Daraufhin werden die Übersetzungsmethoden wiedergegeben und ihre Schwierigkeiten für den Übersetzer verdeutlicht. So soll die Verbindung zwischen Schleiermachers Hermeneutik und seiner Übersetzungstheorie deutlich werden. Hermeneutik wird weitverbreitet als die Kunst der Auslegung, der Interpretation und als Theorie dieser Auslegung, also die Reflexion der Bedingungen des Verstehens und dieser sprachlichen Wiedergabe, verstanden. Schleiermacher hat sich als Theologe, Philosoph, Pädagoge und als Übersetzer der Texte Platons im 19. Jahrhundert etablieren können.
Nach seinem Theologie- und Philosophiestudium in Halle arbeitete er als Prediger und war später als Professor in Halle und Berlin tätig. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts begann er mit seinen ersten Übersetzungen von Predigten englischer Geistlicher und erst Friedrich Schlegel soll ihn beeinflusst haben gegeben haben, an einer Platon-Übersetzung teilzunehmen. Schleiermachers Hermeneutik beschränkt sich nicht nur auf geschriebene Worte, sondern auf Reden jeglicher Art und hat somit nicht nur einen klassisch-theologischen, sondern auch einen alltäglichen soziokulturellen Charakter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schleiermachers Hermeneutikbegriff
2.1 Sprache als Fundament
2.2 Die Arten der Interpretationen
3. Übersetzungsmethoden nach Schleiermacher
3.1 Das hermeneutische Problem der Übersetzungsmethode
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die enge Verknüpfung zwischen Friedrich D. E. Schleiermachers hermeneutischem Theoriegebäude und seiner spezifischen Übersetzungstheorie, um aufzuzeigen, wie Sprache als Fundament des Verstehens fungiert und welche Herausforderungen sich daraus für Übersetzungsprozesse ergeben.
- Grundlagen der Schleiermacherschen Hermeneutik
- Die Rolle der Sprache als konstitutives Element des Verstehens
- Differenzierung verschiedener Interpretationsarten
- Analyse der Übersetzungsmethoden im hermeneutischen Kontext
- Das hermeneutische Problem bei der Übertragung fremdsprachlicher Texte
Auszug aus dem Buch
3.1 Das hermeneutische Problem der Übersetzungsmethode
In seiner Abhandlung Ueber die verschiedenen Methoden des Übersetzens beschreibt Schleiermacher selbst die hermeneutischen Probleme des Übersetzens:
Wenn nun das Verstehen auf diesem Gebiet selbst in der gleichen Sprache schon schwierig ist, und ein genaues und tiefes Eindringen in den Geist der Sprache und in die Eigenthümlichkeit des Schriftstellers in sich schließt: wie vielmehr nicht wird es eine hohe Kunst sein, wenn von den Erzeugnissen einer fremden und fernen Sprache die Rede ist (Schleiermacher, Methoden, 44).
Die Schwierigkeit für den Übersetzer besteht also darin den Geist der fremden Sprache und die Denkweise des Verfassers zu verstehen und zu reproduzieren, während er sich der Fremdheit einer Sprache aussetzt, die mit seiner eigenen „nirgends recht übereinstimmt“ (Schleiermacher, Methoden, 45). Schleiermacher stellt zwei Methoden des Verstehens fremdsprachlicher Texte und Reden, auch ohne Vertrautheit und Kenntnis der fremden Sprache, bereit. Die „Paraphrase“ soll „den Inhalt vielleicht mit einer beschränkten Genauigkeit wiedergeben, aber auf den Eindrukk leistet sie gänzlich Verzicht“ (Schleiermacher, Methoden, 46). Somit soll der Inhalt durch Umschreibungen der Ausdrücke des Originalwerks mit Elementen der Zielsprache vermittelt werden, ohne den Geist der Ursprache zu interpretieren, was ebenfalls eine Analogie zur Mathematik darstellt, in der Zeichen „durch Vermehrung und Verminderung auf gleichen Werth“ zurückgeführt werden (Schleiermacher, Methoden, 46). Die Nachbildung hingegen beugt sich der Irrationalität der Sprache und unterstreicht die Unmöglichkeit einer Kopie der Sprache in eine andere.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Hermeneutik als Kunst der Auslegung ein und verortet Schleiermachers Wirken als Theologe und Philosoph, der Sprache nicht nur als Instrument, sondern als soziokulturelles Fundament betrachtet.
2. Schleiermachers Hermeneutikbegriff: Dieses Kapitel erläutert den hermeneutischen Ansatz ausgehend von Schleiermachers pädagogischem Verständnis sowie der anthropologischen Annahme zweier Urkräfte, Aneignen und Abstoßen, die das menschliche Handeln bestimmen.
2.1 Sprache als Fundament: Hier wird die zentrale Rolle der Sprache als notwendiges Medium für das Verstehen und die gegenseitige Kommunikation sowie das komplexe Zusammenspiel von Rhetorik und Hermeneutik analysiert.
2.2 Die Arten der Interpretationen: Das Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Wertkategorien von Reden und stellt die grammatikalische gegenüber der psychologischen Interpretation als zwei gleichwertige, notwendige Verfahren einer kunstvollen Auslegung dar.
3. Übersetzungsmethoden nach Schleiermacher: Die Untersuchung befasst sich mit der Abgrenzung von Dolmetschen und Übersetzen und analysiert, wie Schleiermacher Übersetzung als eine höherwertige Tätigkeit definiert, die unweigerlich mit hermeneutischen Prozessen verknüpft ist.
3.1 Das hermeneutische Problem der Übersetzungsmethode: Dieses Kapitel thematisiert die spezifischen Schwierigkeiten für Übersetzer, zwischen der eigenen und der fremden Sprache zu vermitteln, wobei Methoden wie die Paraphrase und die Nachbildung kritisch beleuchtet werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Flexibilität der Sprache einerseits Voraussetzung für das menschliche Verstehen ist, andererseits aber ein fundamentales Problem für die exakte Reproduktion von Texten in Übersetzungsprozessen darstellt.
Schlüsselwörter
Hermeneutik, Friedrich D. E. Schleiermacher, Übersetzungstheorie, Sprachphilosophie, Interpretation, Grammatikalische Auslegung, Psychologische Deutung, Übersetzungsmethoden, Rhetorik, Verstehensprozess, Sprachvermittlung, Paraphrase, Nachbildung, Kulturtheorie, Textauslegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Schleiermachers Hermeneutik und die daraus resultierenden Übersetzungsmethoden unter besonderer Berücksichtigung der zentralen Rolle der Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die philosophischen Grundlagen der Hermeneutik, die Bedeutung von Sprache als Fundament der menschlichen Kommunikation sowie die Methoden der textuellen Übertragung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen der hermeneutischen Auffassung Schleiermachers und seinen Übersetzungstheorien aufzuzeigen sowie die Schwierigkeiten zu verdeutlichen, die bei der Übertragung fremdsprachlicher Texte entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Primärquellen Schleiermachers sowie die Auswertung relevanter Forschungsliteratur zur Hermeneutik und Übersetzungswissenschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Hermeneutikbegriffs, die Differenzierung von Interpretationsarten und die kritische Analyse von Übersetzungsmethoden inklusive der damit verbundenen hermeneutischen Probleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interpretationskunst, grammatikalische Interpretation, Übersetzungstheorie, Sprachflexibilität und Verstehensprozess definiert.
Wie unterscheidet Schleiermacher laut der Arbeit zwischen Dolmetschen und Übersetzen?
Dolmetschen wird als mündliche Überlieferung im Alltag und Geschäftswesen verstanden, während Übersetzen eine höherwertige, komplexe Tätigkeit beschreibt, die sich mit geistig anspruchsvollen Texten von Kunst und Wissenschaft befasst.
Warum stellt laut der Arbeit die Flexibilität der Sprache ein hermeneutisches Problem dar?
Da Sprache sich ständig verändert und individuellen sowie sozialen Kontexten unterliegt, muss der Interpret über ein hohes Maß an Sprachwissen und Menschenkenntnis verfügen, um bei der Übersetzung nicht den Geist der Ursprache zu verfälschen.
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- Anne Haupt (Autor), 2022, Friedrich D. E. Schleiermachers Hermeneutik und seine Übersetzungsmethoden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1239700