Regionale Unternehmenscluster

Begriffsbestimmung und Theorien der Entstehung


Essay, 2007

14 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung und Verständnis

3. Ziele und Visionen

4. Das Stufenmodell regionaler Clusterbildung
4.1. Entstehung
4.2. Wachstum
4.3. Reife
4.4. Schrumpfung

5. Regionale Cluster und Unternehmensgründungen

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende schriftliche Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Thema „Regionale Unternehmenscluster: Begriffsbestimmung und Theorien der Entstehung“.

Die Wortschöpfung der regionalen Clusterung zählt vor allem seit den 90er Jahren zu den wichtigsten Modebegriffen in den Bereichen Wirtschaftsgeographie, Wirtschaftsförderung sowie Regionalpolitik. Durch die theoretische Untersuchung von wirtschaftlichen Ballungsräumen, in denen sich Netzwerke von eng zusammen arbeitenden Firmen gebildet haben, versucht die angewandte Forschung neue Erkenntnisse für die Praxis zu entwickeln. Allerdings weisen diese neuentwickelten Theorien unter den Wirtschaftsexperten viel Diskussionsstoff auf, weil viele abgeneigt sind, komplexe wirtschaftliche Wirkungsweisen in einem relativ statischen Modell zur Wirtschaftsförderung und langfristigen Erfolg zu komprimieren. Daher ist es sicherlich sehr interessant zu erfahren was man genau unter dem Begriff der „Regionale Unternehmenscluster“ und den Theorien der Entstehung versteht. Diese Ausarbeitung beginnt daher zunächst mit einer Begriffsbestimmung, die zu einem besseren Verständnis führen soll, um danach die Ziele und Visionen genauer zu erfassen. Darauf aufbauend wird das Stufenmodell regionaler Clusterung sehr detailliert beschrieben, welches die theoretische Untersuchung der Wirtschaftsforschung entwickelt hat.

Anschließend wird die wechselseitige Beziehung zwischen regionalen Clustern und Unternehmensgründungen analysiert, welche von sehr zentraler Bedeutung für das gesamte Konzept ist. Aus diesen Arbeitsschritten resultiert am Ende der Ausarbeitung ein abschließendes Fazit, welches noch einmal die wichtigsten Fakten aufgreift und das Konzept der regionalen Unternehmenscluster bewertet.

2. Begriffsbestimmung und Verständnis

Der englische Begriff „Cluster“ wird in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet und bedeutet erfahrungsgemäß Traube, Häufung, Bündel oder Zusammenballung. Die Grundvoraussetzung von einem räumlichen Unternehmenscluster in der Wirtschafts-geographie ist dementsprechend, wenn Unternehmen in einem bestimmten Gebiet räumlich konzentriert sind. Doch nicht nur Firmen gehören dem Cluster an, sondern auch Zulieferer, Dienstleistungsunternehmen sowie institutionelle Einrichtungen wie Universitäten und andere Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Diese sogenannten Elemente des Clusters sind also sowohl räumlich konzentriert, als auch wirtschaftlich und geschäftlich eng miteinander verknüpft1. Die zentralen Merkmale sind also die räumliche sowie die sektorale Konzentration. Der grundlegende Initiator des Begriffes ist Professor Michael E. Porter, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Harvard Business School. Er charakterisiert die eng konzentrierte Zusammenarbeit dieser homogenen Einzelteilchen mit dem Begriff der Wertschöpfungskette. Diese bezeichnet den Weg des gesamten Produkts vom Lieferanten über den Hersteller bis zum Endkunden und deckt somit alle Prozesse der Planung, Produktion und Vermarktung ab, welche für den kompletten Umsatz relevant sind.

Es besteht folglich ein Netzwerk von konzentrierten Einheiten, die sich durch die räumliche Zusammenballung auch technologische Nähe und kooperatives Arbeiten versprechen, damit die Abläufe und der Erfolg der Wertschöpfungskette optimiert werden können. Neben den Unternehmen und Firmen ist ein spezielles institutionelles Umfeld notwendig, welches sich aus den Bestandteilen Clusterorganisationen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen zusammensetzt. Diese sollen besonders für die Förderung der Innovationsnetzwerke und des Humankapitals sorgen. Die Entwicklung von Innovationsnetzwerken sind ein Hauptmerkmal regionaler Cluster, sie fördern die Verzahnung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen untereinander mit den Unternehmen. Weitere Aufgaben von Innovationsnetzwerken sind zusätzlich die Anleitung und Unterstützung potentieller Gründer in informativer, finanzieller, marktorientierter und technologischer Hinsicht. Wichtig bei der Charakteristik eines Clusters ist, dass diese konzentrierte Raumeinheit keinen allgemeinen Industriezweig bilden, sondern lediglich Ausschnitte solcher sind. Dieses M]erkmal meint genauer, dass sich ein Cluster auf einen bestimmten Bereich einer Branche spezialisiert, denn nur deshalb ist überhaupt eine effektive Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Institutionen möglich. Hierbei können sich aber auch häufig Werkschöpfungsketten bilden, die über Branchengrenzen hinweg arbeiten: “So arbeiten z.B. in Bereichen wie Multimedia, Umweltschutz oder Life Science Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen.“2

Die Verknüpfungen zwischen diesen Elementen des Clusters können sich einerseits durch „marktliche Austauschprozesse von Gütern und Dienstleistungen“ auszeichnen und andererseits durch eine vertrauensvolle, technologisch verwandte Zusammenarbeit3. Innerhalb eines Clusters arbeiten nicht alle Unternehmen und Institutionen in gleichem Maße miteinander, sondern es entwickeln sich mehrere Schwerpunkte von technologisch verwandten Einheiten. Weitere Faktoren zur Entstehung eines regionalen Clustersystems sind der politische Einfluss auf die Region, die vorhandenen Bildungseinrichtungen, die Infrastruktur sowie die Bevölkerungsdichte. Das zentralste Element zur Entstehung und Vergrößerung eines Clusters sind aber die Unternehmensgründungen - ohne diese können keine intakten Netzwerke entwickelt und keine Ideen, Innovationen und Visionen reifen. Regionale Cluster können allerdings nicht einfach durch wirtschaftspolitischen Einfluss gegründet werden, sondern sie entstehen in einem langwierigem, nicht berechenbaren Prozess - so können bestimmte Entwicklungsphasen eines Clusters oft erst im Nachhinein festgestellt werden.

Zusammenfassend ist ein regionaler Unternehmenscluster also ein räumlich und sektoral begrenzter Ballungsraum, der mit Hilfe seines institutionellen Umfeld sowie der vertrauensvollen, technologienahen Kooperation eine hohe Qualität der Wertschöpfungskette für seine Produkte und Innovationen gewährleisten will.

3. Ziele und Visionen

Das Konzept der regionalen Unternehmenscluster wird von vielen Regionen wie bspw. dem Silicon Valley in Kalifornien oder der deutschen Autovision in Wolfsburg angewendet, die sich wie viele andere Cluster natürlich zahlreiche Wettbewerbsvorteile, Ziele und Visionen versprechen, die in Folgenden erläutert werden.

Vor allem wegen der räumlichen Konzentration eines Clusters gibt es sehr viele Wettbewerbsvorteile gegenüber einzeln arbeitenden Unternehmen. Durch die Lokation4 sinken die Zuliefererkosten, dies wirkt sich positiv auf die Wertschöpfungskette aus. Des weiteren erfolgt ein intensiver Wissensaustausch zwischen den Clusterelementen durch persönliche Beziehungen untereinander. Dadurch entwickelt sich ein kollektiver Lernprozess, der zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit führt5. Außerdem kann durch die räumliche Ballung ein zeiteffektiveres Arbeiten stattfinden, weil in einem Cluster Austauschbeziehungen sowie das Treffen der Akteure erleichtert wird. Aufgrund der hohen Verflechtungen der Akteure untereinander wird ein Wettbewerbsdruck initiiert, der Innovationsleistung sowie Qualitätsbewusstsein steigern kann – getreu dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“6. Durch die engen Kooperationen kann sich das regionale Cluster bei großem Erfolg sogar ein besonders hohes Image aufbauen, welches die Wahrnehmung sowie die Weiterentwicklung des Clusters fördern kann. Ein gutes Image kann ebenfalls durch gemeinsam organisierte Messeauftritte geschaffen werden, welches eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit fördern würde. Ein letzter aber wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen, welche bei großem wirtschaftlichen Erfolg noch effektivere Kooperationen zulassen würde, bspw. richten viele Universitäten und Fachhochschulen neue oder auch duale Studiengänge in Verbindung mit den Unternehmen ein.

Der Cluster-Experte Christian Ketels identifiziert sich sehr mit diesen gennanten Zielen, Visionen und Vorteilen von regionalen Clustern gegenüber einzelnen und auch großen Unternehmen, denn „Cluster sind in der Regel ein fruchtbarer Grund für neue Entwicklungen, da sie einen sehr komplexen Prozess auf viele, miteinander kooperierende Schultern verteilen – auf spezialisierte Unternehmen und Dienstleister, Universitäten, Forschungsinstitute, die alle nicht linear agieren, sondern vernetzt“7.

Obwohl es sehr viele Wettbewerbsvorteile gibt, darf aber nicht vergessen werden, dass eine Clusterzugehörigkeit keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg ist. Besonders wichtig bei Entwicklungen von Clustern sind nämlich die Entwicklungsstufen eines Clusters, welche im nachfolgenden Teil detailliert beschrieben werden.

4. Das Stufenmodell regionaler Clusterung

Basierend auf den empirischen Untersuchungen der regionalen Clusterung wurde ein spezielles Stufenmodell entwickelt, welches das gesamte regionale Cluster in seinen Entwicklungsstufen darstellen sollte, denn ohne die Miteinbeziehung des Entwicklungs-stadiums können keine fundierten Aussagen formuliert werden.

Es gibt drei zentrale Faktoren, die den Lebenszyklus eines Clusters maßgeblich prägen, nämlich die Unternehmen, das institutionelle Umfeld sowie die potentiellen Gründer. Entsprechend dazu zählt dieser Lebenszyklus drei bzw. vier Entwicklungsphasen: Entstehung, Wachstum, Stagnation und Schrumpfung. Dieser Kreislauf entspricht dem sogenannten „Produktlebenszyklus“, welcher die wirtschaftliche Entwicklung eines neu entwickelten Produkt beschreibt, denn „Ähnlich einem Produkt durchläuft auch eine Industrie einen Lebenszyklus.“8 So kann man die Stufen der Entwicklung durch das Alter und das Wachstum des Clusters beschreiben.

Bei der Entstehung eines Clusters ist der Ballungsraum fast kaum erkennbar, in der Wachstumsphase sind hohe Zuwachsraten erkennbar, in der Reife stagniert die Entwicklung auf hohem Niveau und in der Schrumpfungsphase nehmen Wachstumsraten und Clusterelemente ab. Da das Stufenmodell regionaler Clusterung noch wesentlich umfangreicher ist, werden diese verschiedenen Phasen anhand Abbildung 1 schrittweise detailliert erläutert. Der Begriff der Heterogenität (=Uneinheitlichkeit) bezeichnet eine Orientierungs- oder Selektionsphase von einem bestimmten Technologiepfad, den ein Cluster einschlagen will. Bei dem Modell ist zu beachten, dass die Übergänge zwischen den Stufen fließend ineinander übergehen können und nicht deterministisch nacheinander abfolgen.

[...]


1 Vgl. Sautter,B., 2004, S.66-67

2 Sautter,B., 2004, S.67

3 vgl. Menzel, M.-P./Fornahl, D., 2005, S.133

4 hier : räumlich konzentrierte Lage

5 Sautter,B., 2004, S.67

6 vgl. Sternberg, R./Kiese, M./ Schätzl, L., 2004, S.165

7 Ketels, C., 2004, S.12.

8 Menzel, M.-P./Fornahl, D., 2005, S.134 zitiert nach Klepper, S., 1997: „Industry life cycles“.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Regionale Unternehmenscluster
Untertitel
Begriffsbestimmung und Theorien der Entstehung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Seminar zur Einführung in die Anthropogeographie
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V124140
ISBN (eBook)
9783640285730
ISBN (Buch)
9783640286218
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regionale, Unternehmenscluster, Seminar, Einführung, Anthropogeographie
Arbeit zitieren
Matthias Kaiser (Autor), 2007, Regionale Unternehmenscluster, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124140

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