Ein kurzer Slam und ein Essay zum Thema „Predigen heute“
Fünf Tipps für gute Prediger und Predigerinnen zu Beginn:
Was solltest du wissen?
Denn eine Predigt zu bauen
ist statisch nicht leicht:
Kein Wort ist in Stein gehauen...
Biblisch predigen für Menschen von heute – Wie ist das zu verstehen?
Begrifflich kann man sich dem Predigen über verschiedene theoretische wie theologische Zugänge nähern. Seit der Antike ist die Predigt eine eigene literarische Gattung, die je nach Aufgabe und Gebrauch auch theologisch betrachtet wird. Moderne Homiletik reflektiert zudem die Idee von Predigt und betrachtet diese sowohl als Artikulation kirchlicher Praxis oder als Mittel und Weg in einem Tradierungsprozess. Oder sie setzt sich mit den Voraussetzungen und prozessualen Bedingungen auseinander und versteht das Predigen als Kommunikations- und Beziehungsgeschehen zwischen dem oder der Predigenden, der Bibel und den Hörenden – als einen dynamischen Dialog also, wie auch Papst Franziskus diesen Prozess in seinem Apostolischen Schreiben EVANGELII GAUDIUM (EG) skizziert. Hierfür bedarf es, wie er betont, der Demut vor dem Wort Gottes, welches uns und die kanonisch gefassten heiligen Schriften übersteigt. Ein sorgfältiger Umgang mit den biblischen Texten verhindert einen manipulativen rhetorischen Gebrauch, denn schnelle und einfache Antworten sind der Bibel nicht zu entlocken. Von homiletischem Interesse ist es aber auch, über die verschiedenen Interessen ins Gespräch zu kommen, welche die Methodenwahl und die Forschung beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biblische Hermeneutik– Erkennst du auch, was du liest?
2.1. Begegnende Hermeneutik – Kontrast und Konturen
2.2. Differenzhermeneutik – Sinn und Bedeutung
3. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verständnis eines zeitgemäßen, biblisch fundierten Predigens und analysiert, wie moderne homiletische Ansätze ein dialogisches Beziehungsgeschehen zwischen biblischen Texten, dem oder der Predigenden und den Hörenden ermöglichen können.
- Theoretische Grundlagen biblischer Hermeneutik
- Die Rolle der Begegnung im homiletischen Prozess
- Unterscheidung von Sinn und Bedeutung in der Schriftauslegung
- Anwendung moderner Predigtkonzepte wie die dramaturgische Homiletik
- Bedeutung der Inkulturation und Rezeptionsästhetik in der Predigtpraxis
Auszug aus dem Buch
2.1. Begegnende Hermeneutik – Kontrast und Konturen
Wie man diesen biblischen Narrativen vor und während der Predigt begegnet, hängt vor allem von der Lesart und dem hermeneutischen Verstehen-Wollen ab – so der katholische Philosoph und Theologe Ottmar Fuchs, der für eine Homiletik der Begegnung plädiert – und, korrespondierend mit der Lesehaltung, von dem eingangs erwähnten Grundentscheid. Liest man die biblischen Texte nicht allein identifizierend-zustimmend, kann man mit den Narrationen den Zeugnissen der antiken Gläubigen begegnen und mit ihnen auch allen menschlichen Fähigkeiten und Unfähigkeiten, auf Krisen und auf Gnade zu reagieren, und eigenen Erfahrungen gegenüberstellen.
Schon der ehemalige Kirchenvater Origenes, dem wir den heutigen Bibelkanon ganz maßgeblich zu verdanken haben, ging von der Vorstellung eines mehrfachen Schriftsinns aus, bei dem literarische, aber auch theologische und ethische Dimensionen des Textes unterschieden wurden. Was die Homiletik des 21. Jahrhunderts interessiert, sind u.a. die Chancen und Bedingungen von Begegnung. Wie können die Lesenden und Hörenden nicht nur Bedeutung für ihr Leben in der Begegnung mit dem Text erfahren, sondern ebenso der Bedeutung des Textes für die ursprünglichen Glaubenszeugen gewahr werden? Und ist dies überhaupt möglich und wenn ja, was verändert sich dadurch?
Ein Ansatz ist es, der involvierenden Schreibart, wie sie etliche Texte der Bibel aufweisen, nachzuspüren. Durch eine die Lesenden und Hörenden involvierende Sprache wird ein Dialog zwischen den hörenden Menschen heute mit den Menschen der Bibel, mit den ursprünglichen Gläubigen der verschiedenen Traditionslinien, provoziert. Eva-Maria Faber, Fundamentaltheo-login und Konsultorin des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, setzt sich beispielsweise dafür ein, dass in der Sprache manchmal etwas durchaus bestürzend aufklaffen muss, so wie in dem ursprünglichen Markusschluss mit dem Schrecken und dem Entsetzen der Jünger und Jüngerinnen am leeren Grab, dem Schweigen und dem Fliehen am Ostermorgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert das Predigen als dynamischen Kommunikations- und Beziehungsdialog zwischen Predigenden, biblischem Text und Hörenden unter Einbeziehung theologischer und hermeneutischer Perspektiven.
2. Biblische Hermeneutik– Erkennst du auch, was du liest?: Dieses Kapitel beleuchtet das Spannungsfeld zwischen kanonischer und historisch-kritischer Exegese und betont die Bedeutung hermeneutischer Grundentscheidungen für die Auslegungspraxis.
2.1. Begegnende Hermeneutik – Kontrast und Konturen: Hier wird der Fokus auf eine dialogische Begegnung mit biblischen Narrativen gelegt, die durch involvierende Sprache und eine offene Lesehaltung ein gegenseitiges Verstehen ermöglichen soll.
2.2. Differenzhermeneutik – Sinn und Bedeutung: Dieses Kapitel diskutiert eine rezeptionsästhetische Hermeneutik, die biblische Texte in neuen Kontexten inszeniert, um Hörenden die Verknüpfung mit dem eigenen Leben zu erleichtern.
3. Resümee: Die Zusammenfassung unterstreicht die Notwendigkeit einer vorurteilsfreien Theologie, die biblische Texte als lebendige Glaubenszeugnisse ernst nimmt und Handlungsoptionen für die aktuelle Lebenswirklichkeit eröffnet.
Schlüsselwörter
Homiletik, Biblische Hermeneutik, Predigen, Begegnungsdimension, Exegese, Evangelii Gaudium, Tradierungsprozess, Sinnstiftung, Rezeptionsästhetik, Differenzhermeneutik, biblische Narrative, Kommunikation, Theologie, Gotteswort, Glaubenszeugen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der modernen Homiletik und der Frage, wie biblische Texte für Menschen von heute durch eine hermeneutisch reflektierte und dialogorientierte Predigtpraxis erschlossen werden können.
Welche Themenfelder stehen im Vordergrund?
Im Zentrum stehen die hermeneutischen Zugänge zur Bibel, die Bedeutung der Begegnung zwischen Text und Hörer sowie die Abgrenzung und Ergänzung von historisch-kritischer und kanonischer Exegese.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine sorgfältige Methodenwahl und eine offene Haltung gegenüber dem Text ein lebendiger Dialog stattfinden kann, der den Sinn des Gotteswortes für heutige Lebenssituationen erfahrbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin nutzt eine theologische und hermeneutische Analyse, die verschiedene homiletische Konzepte (begegnende Hermeneutik, Differenzhermeneutik, dramaturgische Homiletik) kritisch reflektiert und in einen aktuellen Kontext überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung zur Hermeneutik des biblischen Lesens bzw. Predigens, wobei die Bedeutung von Narrativen, der "unbeschriebenen" Leerstellen in Texten und das Wechselspiel von Sinn und Bedeutung im Vordergrund stehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Homiletik, Begegnungshermeneutik, der hermeneutische Dreiklang aus Prediger, Text und Hörer, sowie die Unterscheidung zwischen historischem Sinn und gegenwärtiger Bedeutung.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "Sinn" und "Bedeutung"?
Die Autorin hebt hervor, dass der historische Sinn durch Exegese erschlossen wird, während die "Bedeutung" erst in der aktuellen Begegnung zwischen dem Text und dem spezifischen Adressaten in seiner Lebenssituation entsteht.
Welche Rolle spielt Papst Franziskus in dieser Arbeit?
Papst Franziskus dient mit seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" als wichtige Referenz, um den dynamischen Dialog-Charakter der Predigt und die Demut vor dem biblischen Wort philosophisch und theologisch zu untermauern.
- Arbeit zitieren
- Anja M. Metzentien (Autor:in), 2020, Predigen heute. Kurze Tipps für biblisch Predigende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1242825