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Heinrich Leopold Wagners "Die Kindermörderin" als literarische Stellungnahme zum gesellschaftlichen Umgang mit der Kindsmordproblematik

Titel: Heinrich Leopold Wagners "Die Kindermörderin" als literarische Stellungnahme zum gesellschaftlichen Umgang mit der Kindsmordproblematik

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 27 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Elsa-Laura Horstkötter (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Lange wurde die Todesstrafe für Kindsmörderinnen nicht hinterfragt. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fing man an darüber nachzudenken, ob neben der eigentlichen Tat, auch die Umstände eines Kindmords bei der Bestrafung berücksichtigt werden sollten. Vor allem Rechtsdenker und Philosophen der Aufklärung stellten sich Fragen wie: Gibt es äußere Faktoren, die eine Frau zu einem Mord am eigenen Kind treiben können? Inwieweit könnte man Kindsmorde verhindern? Könnte man durch eine mildere Strafe mehr erreichen, als durch reine Abschreckung? Sichert die Gesetzeslage Frauen in ehelosen Verhältnissen in irgendeiner Form ab?
Es wurde ebenso diskutiert, ob Kindsmord mit Verwandtenmord überhaupt gleichzusetzen sei oder, ob nicht das Ehrenrettungsmotiv beim Kindsmord eine viel größere Rolle spiele?
Nicht nur Rechtsdenker und Philosophen nahmen sich diesen Überlegungen an. Auch Dichter und Schriftsteller des späten 18. Jahrhunderts setzten sich mit der Kindsmordproblematik auseinander. Es wurden sogar Preisfragen zur Vorbeugung von Kindsmorddelikten gestellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Evchen Humbrecht als Objekt und Subjekt des Handelns

1.1 Evchen in der Objektrolle zu v. Gröningseck

1.2 Evchen in der Subjektrolle zu v. Gröningseck

1.3 Evchen in der Subjekt- und Objektrolle zu den Eltern

1.4 Fazit

2. Das Drama als Stellungnahme zum juristischen Umgang mit Kindsmord

2.1 Die Kindermörderin im rechtsgeschichtlichen Kontext

2.2 Funktion des Stückes

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Heinrich Leopold Wagners Drama "Die Kindermörderin" hinsichtlich der Rollenverteilung der Protagonistin Evchen Humbrecht und analysiert das Stück als literarische Stellungnahme zum gesellschaftlichen und juristischen Umgang mit der Kindsmordproblematik im 18. Jahrhundert. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob die Hauptfigur als autonomes Subjekt oder als fremdbestimmtes Objekt gesellschaftlicher Konventionen dargestellt wird.

  • Analyse der Subjekt- und Objektrolle von Evchen Humbrecht im Interaktionsverlauf.
  • Untersuchung der familiären Abhängigkeitsverhältnisse und väterlicher Autorität.
  • Einordnung des Dramas in den zeitgenössischen rechtsgeschichtlichen Kontext.
  • Diskussion der dramaturgischen Funktion des Stückes und seiner gesellschaftskritischen Intention.

Auszug aus dem Buch

1.1 Evchen in der Objektrolle zu Gröningseck

Trotz ihres selbstbewussten Auftretens ist Evchen in Gröningsecks Gegenwart im ersten Akt etwas unsicher und verfällt ungewollt in die Rolle der sich zierenden, aber bereitwilligen jungen Frau. Auf Gröningsecks Annäherungen reagiert sie angetan und lachend, vermittelt dem Gesprächspartner eine aufgeschlossene Art, die leicht fehl gedeutet werden kann. Absolut offensichtlich ist es nämlich, dass Evchens ausgelassene Art nichts mit einer Frau gemeinsam hat, sondern eher den Anschein eines eingeschüchterten jungen Mädchens erweckt. Auch Gröningseck spricht mit ihr teilweise wie zu einem Kind: „Frisch Evchen! Nicht so geleppert, das Glas muß aus: (Evchen leerts.) So bist brav!“ Wegen der Anwesenheit der Mutter fürchtet sie keine Übergriffe seitens Gröningsecks und genießt die Konversation mit dem jungen, stattlichen und charmanten Mann. Als die Mutter in tiefen Schlaf verfällt, ergreift Evchen sofort die Angst und wird kurze Zeit später Objekt von Gröningsecks Begierde. Sie muss sich der sexuellen Gewalt fügen.

Inwieweit sie durch ihr vorhergehendes neckisches und schelmisches Verhalten den Übergriff herausgefordert hat, lässt sich schwer entscheiden. Aus heutiger Sicht steht die Unschuld des Mädchens zweifelsohne außer Frage. Im 18. Jahrhundert wurde eine sich zwar deutlich wehrende Frau durchaus als willig angesehen. Evchen animiert Gröningseck zumindest zu Annäherungsversuchen, indem sie ihm zum Beispiel „hinterrücks der Mutter ein Rübchen [schabt]“ oder sich gegen das Duzen Gröningsecks nicht mehr wehrt, was ihr anfänglich doch sehr missfallen hatte („Du! Seit wann so vertraut?“). Ihr Umgang mit Männern zeugt trotzdem nicht von der Reife einer Frau, die sich ihrem Stand bewusst ist und Wert auf gesittete Unterhaltungen legt. Es ist eine pubertäre Schwärmerei oder Ähnliches für den Offizier zu vermuten. So auch Beat Weber: Die Liebe auf den ersten Blick gegenüber dem jungen Offizier ist Evchen ohne weiteres zuzutrauen […] Er begegnete Evchen wie einer Dirne oder einem dümmlichen, leichtfertigen Mädchen, und dabei hatte es überhaupt noch keine geschlechtliche Erfahrung […].

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Debatte um Kindsmord im 18. Jahrhundert und führt in die spezifische Problemstellung des Dramas ein.

1. Evchen Humbrecht als Objekt und Subjekt des Handelns: Dieses Kapitel analysiert Evchens Handlungsspielräume und ihre Rollenidentität im Spannungsfeld zwischen persönlichem Charakter und gesellschaftlichem Druck.

1.1 Evchen in der Objektrolle zu v. Gröningseck: Untersuchung von Evchens Unsicherheit und ihrer unfreiwilligen Rolle als Objekt männlicher Begierde im Kontext der Vergewaltigung.

1.2 Evchen in der Subjektrolle zu v. Gröningseck: Analyse von Momenten, in denen Evchen durch ihr Auftreten versucht, aktiv in den Dialog mit Gröningseck einzugreifen.

1.3 Evchen in der Subjekt- und Objektrolle zu den Eltern: Betrachtung der belasteten Beziehung zum Vater und der instrumentellen Behandlung durch die Mutter.

1.4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die Evchen abschließend als Objekt der gesellschaftlichen Umstände definiert.

2. Das Drama als Stellungnahme zum juristischen Umgang mit Kindsmord: Dieses Kapitel kontextualisiert das Stück innerhalb der zeitgenössischen Strafrechtssysteme und deren Reformdiskursen.

2.1 Die Kindermörderin im rechtsgeschichtlichen Kontext: Historischer Abriss über die Todesstrafe für Kindsmörderinnen im 18. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich.

2.2 Funktion des Stückes: Kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftskritischen Wirkung des Dramas trotz seines ambivalenten Schlusses.

Schlüsselwörter

Kindsmord, Heinrich Leopold Wagner, Die Kindermörderin, Aufklärung, Objektrolle, Subjektrolle, Sturm und Drang, Gesellschaftskritik, Strafrecht, 18. Jahrhundert, Patriarchat, Evchen Humbrecht, Literaturanalyse, Geschlechterrollen, Recht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Drama "Die Kindermörderin" von Heinrich Leopold Wagner und analysiert die Rolle der Hauptfigur Evchen Humbrecht als handelndes Subjekt oder fremdbestimmtes Objekt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen individuellen Lebensentscheidungen, familiären Zwängen und den rigiden gesellschaftlichen sowie juristischen Normen des 18. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob und wie Evchen Humbrecht aus ihrer gesellschaftlich determinierten Objektrolle ausbrechen kann und ob das Stück eine explizite Kritik am zeitgenössischen Rechtssystem übt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, ergänzt durch die Einbeziehung rechtsgeschichtlicher Hintergründe und fachspezifischer Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Interaktionen Evchens mit Gröningseck und ihren Eltern sowie in eine rechtsgeschichtliche Einordnung des Stücks.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kindsmord, Aufklärung, Patriarchat, Subjekt/Objekt-Dichotomie und gesellschaftskritische Literatur des Sturm und Drang.

Inwiefern beeinflusst die Vaterfigur den Fall von Evchen?

Der Vater fungiert als Stellvertreter patriarchaler Traditionen, dessen starrer Erwartungsdruck und moralische Strenge Evchen in die Angst und damit in die Katastrophe treiben.

Warum wird das Ende des Stückes im Text kritisch hinterfragt?

Das Ende wird als komödiantisch und inkonsequent empfunden, da es die zuvor aufgebaute gesellschaftskritische Dramatik abschwächt und die moralische Schuldfrage verwässert.

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Details

Titel
Heinrich Leopold Wagners "Die Kindermörderin" als literarische Stellungnahme zum gesellschaftlichen Umgang mit der Kindsmordproblematik
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Literatur und Recht
Note
1,7
Autor
Elsa-Laura Horstkötter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V124379
ISBN (eBook)
9783640296835
ISBN (Buch)
9783640302338
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Leopold Wagners Kindermörderin Stellungnahme Umgang Kindsmordproblematik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Elsa-Laura Horstkötter (Autor:in), 2008, Heinrich Leopold Wagners "Die Kindermörderin" als literarische Stellungnahme zum gesellschaftlichen Umgang mit der Kindsmordproblematik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124379
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Leseprobe aus  27  Seiten
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