Seit ihrer Eroberung des östlichen Europa waren die Mongolen eng verwoben mit den dortigen Fürstentümern und hatten auch einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Aufstieg des Großfürstentums Moskau. Diese Arbeit befasst sich mit den Etappen dieses wechselseitigen Verhältnisses.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Grundzüge der mongolischen Herrschaft
3. Mongolische Hilfe beim Aufstieg Moskaus
4. Moskau als Zentrum des Widerstands gegen die Tataren
5. Schluss
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
a. Internet-Quellen
b. Schriftliche Quellen
c. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Wechselwirkung zwischen der mongolischen Herrschaft ("Goldene Horde") und dem Aufstieg des russischen Fürstentums Moskau, wobei analysiert wird, wie Moskau die mongolische Politik nutzte, um seine Vormachtstellung auszubauen.
- Die sozio-ökonomischen Grundlagen der mongolischen Tributherrschaft in der Rus.
- Die Rolle von Iwan I. ("Kalita") bei der Etablierung moskowitischer Macht durch Kollaboration mit den Khanen.
- Die Bedeutung der orthodoxen Kirche als machtpolitischer Ankerpunkt für Moskau.
- Der schleichende Niedergang der Goldenen Horde und Moskaus Übergang zur Unabhängigkeit.
- Die psychologischen Auswirkungen der Schlacht auf dem Schnepfenfeld 1380.
Auszug aus dem Buch
Die Grundzüge der mongolischen Herrschaft
Die Invasion, die gemeinhin als Mongolensturm bezeichnet wird, begann im Jahr 1237. Batu Khan, der Enkel des Dschingis Khan, führte die mongolischen Truppen nach Osteuropa, wo er im selben Jahr noch in Moskau einfiel und die Stadt anzündete. 1240 eroberten die Mongolen Kiew und besiegten in der Schlacht bei Liegnitz 1241 ein polnisch-deutsches Heer. In der Schlacht bei Muhi im selben Jahr schlugen sie schließlich die Truppen des ungarischen Königs Bela IV. Doch genau wie nach den Eroberungen Dschingis Khans ab 1223 etablierten die Tataren auch dieses Mal keine dauerhafte Präsenz in Osteuropa, da sich Bhat Khan mit seiner Armee wieder in die Steppe zurückzog.
Russland allerdings verblieb unter der Herrschaft der sogenannten Goldenen Horde, eines mongolischen Reichsteils, dessen Zentrum Batu in Sarai an der Wolga errichtete. Das Herrschaftsgebiet, das die Tataren im Zuge ihrer Eroberungen unterwarfen, unterstand der Goldenen Horde dabei nur mittelbar. Die Horde zielte in erster Linie auf finanzielle Leistungen. Reinhard C. Meier-Walser spricht daher im Kern von einer „Tributherrschaft“.
„Die Mongolen […] regierten […] durch ihre Statthalter, die vor allem für die regelmäßige Steuereintreibung verantwortlich waren.“ „Das System der Steuereintreibung war schon früh genau geregelt worden und erfuhr auch nach mancherlei Erhebungen keine Änderung.“ Mit der Zeit folgte ein organisiertes Steuer- und Abgabensystem, basierend auf einer ab 1257 unter Leitung von tatarischen Beauftragten durchgeführten Bevölkerungszählung.
Hier sieht man: „Die zur Zeit der mongolischen Eroberungen in der Rus […] herrschenden Siedlungs- und Gesellschaftsverhältnisse […] [blieben] trotz der erlittenen schweren Erschütterungen und Verluste in ihren Grundzügen erhalten.“ Die Herrschaft der Tataren „ließ die innere – politische, soziale und kirchliche – Ordnung Russlands im Wesentlichen intakt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet die historische Rolle der Mongolen in den Kontext der russischen Großmachtentwicklung ein und skizziert die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung.
2. Die Grundzüge der mongolischen Herrschaft: Dieses Kapitel erläutert die Anfänge der Invasion und beschreibt die Strukturen der Tributherrschaft sowie deren sozio-ökonomischen Auswirkungen auf die russischen Gebiete.
3. Mongolische Hilfe beim Aufstieg Moskaus: Es wird dargelegt, wie die Moskauer Fürsten, insbesondere Iwan I., die mongolische Oberhoheit nutzten, um durch geschickte Politik ihre Macht gegenüber Rivalen zu festigen.
4. Moskau als Zentrum des Widerstands gegen die Tataren: Das Kapitel behandelt den Prozess der allmählichen Emanzipation von der Goldenen Horde sowie die wachsende militärische Bedeutung Moskaus bis hin zur de-facto Unabhängigkeit.
5. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass die mongolische Herrschaft ungewollt die Voraussetzungen für eine staatliche Machtkonzentration in Moskau schuf und dessen Aufstieg begünstigte.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Dies ist das abschließende Verzeichnis der verwendeten Internetquellen, Quellenwerke und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Mongolen, Goldene Horde, Moskau, Iwan I. Kalita, Tributherrschaft, Großfürstentum, Russland, Mongolensturm, Schlacht auf dem Schnepfenfeld, Tatarenjoch, Orthodoxe Kirche, Machtkonzentration, Rjurikiden, Geschichte Osteuropas, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das ehemals unbedeutende Fürstentum Moskau durch das wechselseitige Verhältnis zu den mongolischen Invasoren den Grundstein für sein späteres politisches Übergewicht in Russland legen konnte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Dazu gehören die Verwaltung der Goldenen Horde, die politische Strategie der Moskauer Rjurikiden-Fürsten, die Rolle der orthodoxen Kirche als Integrationsfaktor und die militärische Emanzipation von der Tatarenherrschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, wie es Moskau trotz – oder gerade durch – die mongolische Fremdherrschaft gelang, die Vormachtstellung unter den russischen Teilfürstentümern zu erlangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der kritischen Auswertung von Standardwerken, Fachliteratur und zeitgenössischen Reiseberichten (wie dem des Wilhelm von Rubruck) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der mongolischen Herrschaftsstrukturen, die politische Instrumentalisierung dieser Herrschaft durch Iwan I. sowie den Prozess der späteren Widerstandsbildung durch Moscau gegen die Tataren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Besonders prägend sind die Begriffe Mongolen, Goldene Horde, Moskau, Iwan I. Kalita, Tributherrschaft, Tatarenjoch und Machtkonzentration.
Welche Rolle spielte Iwan I. ("Kalita") konkret beim Aufstieg Moskaus?
Er fungierte als loyaler Steuereintreiber für die Khanen, sicherte sich dadurch die Großfürstenwürde und finanzielle Mittel, mit denen er seine Rivalen ausschaltete und die Grundlagen für eine langfristige Vormachtstellung schuf.
Warum war die orthodoxe Kirche für Moskau so wichtig?
Die Verlegung des Metropolitensitzes nach Moskau durch Iwan Kalita machte die Stadt zum religiösen Zentrum des Reiches, wodurch die Macht der Kirche eng mit dem Moskauer Thron verknüpft wurde.
Welchen Einfluss hatte die Schlacht auf dem Schnepfenfeld 1380?
Trotz fehlender militärischer Endgültigkeit hatte sie starke psychologische Auswirkungen, da sie den Mythos der Unbesiegbarkeit der Tataren auf dem Schlachtfeld nachhaltig erschütterte.
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- Tobias Wagner (Author), 2018, Die Mongolen und der Aufstieg Moskaus. Etappen eines wechselseitigen Verhältnisses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243803