Zielgruppenarbeit mit alkoholabhängigen Erwachsenen


Hausarbeit, 2022

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1 Zielgruppenbegriff
2.2 Abhängigkeit

3. Zielgruppenarbeit
3.1 Zielgruppenarbeit aus historischer Sicht
3.2 Definitionen und Theorien der Zielgruppenarbeit
3.2.1 Zielgruppenarbeit nach Schiersmann
3.2.2 Zielgruppenarbeit nach Schäffter
3.2.3 Zielgruppe nach Herwig-Lempp und Schwabe

4. Alkoholismus: Zahlen, Daten und Fakten
4.1 Alkohol und Corona Krise
4.2 Ursachen
4.3 Folgen
4.4 Unterstützungsmethoden
4.4.1 Prävention
4.4.2 Suchtberatung
4.4.3 Selbsthilfegruppe

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Gendervermerk:

Aus Gründen der Lesbarkeit im Text wird auf die zusätzliche Verwendung der Weiblichen Form und Divers verzichtet, jedoch beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

1. Einleitung

„Worldwide, 3 million deaths every year result from harmful use of alcohol, this represent 5.3 % of all deaths“ (WHO, 2018). Laut dem Zitat der World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation) sterben jedes Jahr rund drei Millionen Menschen an dem schädlichen Konsum von Alkohol. Diese Zahl macht ungefähr 5,3% der allgemeinen Sterberate aus. Somit ist also eines klar: Alkohol schädigt dem menschlichen Körper und kann im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.

Zudem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Alkohol dem Körper auf unterschiedliche Art und Weise schaden kann. Denn in vielen Fällen kann ein argloser Umgang mit Alkohol auch zu einer Alkoholabhängigkeit führen (Faßbender, 2021, S.17-18). Der Fakt, dass Alkohol die am stärksten verbreitete Droge des Alltags in Deutschland darstellt, erklärt auch weshalb die Fallzahlen so hoch sind (Tölle & Windgassen, 2009, S.138-139).

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Zielgruppenarbeit mit alkoholabhängigen Erwachsenen“. Somit wird in der Hausarbeit die folgende Forschungsfrage behandelt: „Welche Angebote für Erwachsene mit einer Alkoholabhängigkeit im Rahmen der Zielgruppenarbeit gibt es und wie sehen diese aus?“ An dieser Forschungsfrage soll zusätzlich die Relevanz der Zielgruppenarbeit hervorgehoben werden.

Im ersten Teil der Hausarbeit geht es um Definitionen der Begriffe „Zielgruppe“ und „Abhängigkeit“. Bei der Abhängigkeit wird auch definiert ab welchem Zeitpunkt und Merkmalen eine Abhängigkeit überhaupt festgestellt werden kann. In welchem Zusammenhang diese beiden Begriffe stehen, wird im weiteren Verlauf erläutert. Das dritte Kapitel beschäftigt sich insgesamt mit der Bedeutung von Zielgruppen. Beginnend mit dem historischen Kontext und der langjährigen Entwicklung. Anschließend folgen Definitionen und Theoretische Ansätze der Zielgruppenarbeit.

Im zweiten Teil der Hausarbeit wird das Thema Alkoholismus behandelt. Zu Beginn folgen diesbezüglich allgemeine Informationen, wie relevante Zahlen, Daten und Fakten. Hinsichtlich der hochaktuellen Situation der Corona Pandemie, wird anschließend untersucht, welchen Einfluss diese auf das Trinkverhalten der Menschen hat. Darauf aufbauend werden die Ursachen von Alkoholismus in den Blick genommen. Hier wird untersucht aus welchen Gründen Menschen zu Alkohol greifen und wodurch sie zum Alkoholkonsum beeinflusst werden. Es gibt unzählige Gründe, jedoch werden nur einige davon aufgezeigt. Nachdem die Ursachen in Betracht genommen wurden, geht es im nächsten Kapitel um die Folgen von Alkoholismus. Abgesehen von den vielzähligen medizinischen Folgen von Alkohol wird hier insbesondere Bezug auf das Berufsleben genommen. Zusätzlich wird kurz das soziale Umfeld, wie die Gesellschaft und Familie angeschnitten. Damit eine Sucht verhindert werden kann, muss präventiv vorgegangen werden. Möglichkeiten der Prävention werden im nachfolgenden Kapitel neben weiteren Unterstützungsmethoden behandelt. Nach der Prävention wird Suchtberatung thematisiert und eine Form der Selbsthilfe in Bezug auf Selbsthilfegruppen.

Der Verlauf von einer Selbsthilfegruppe wird explizit am Beispiel der „Anonymen Alkoholiker“ beschrieben. Zum Schluss folgt das Resümee mit einem abschließenden Gesamteindruck. Außerdem soll mit den herausgearbeiteten Schlussfolgerungen die zu Anfang gestellte Forschungsfrage beantwortet werden und die Relevanz der Zielgruppenarbeit hervorgehoben werden.

2. Begriffserklärungen

Um den Zusammenhang zwischen alkoholabhängigen Erwachsenen und der Bedeutung der Zielgruppenarbeit herstellen zu können, werden im folgenden Kapitel zunächst einmal Begriffserklärungen vorgenommen. Zuerst wird kurz der Zielgruppenbegriff definiert und anschließend daran das Wort „Abhängigkeit.

Hier wird erläutert ab welchen Zeitpunkt von einer Abhängigkeit gesprochen werden kann. Im weiteren Verlauf des Textes wird der Begriff „Abhängigkeit“ im Zusammenhang mit Alkohol thematisiert. Wie diese Form der Abhängigkeit aussieht und welche Ursachen miteinhergehen wird im vierten Kapitel ausführlich beschrieben.

2.1 Zielgruppenbegriff

„Die Zielgruppe klassifiziert Menschen und Gruppen, stellt ein oder mehrere Merkmale, beispielsweise „Alter“ oder „alleinerziehend“ in den Vordergrund und vernachlässigt andere Persönlichkeitsmerkmale“ (Negri, 2011, S.16). Wenn von einer Zielgruppe gesprochen wird, handelt es sich also um einen bestimmten Personenkreis, denen gemeinsame und spezifische Merkmale zuzuordnen sind.

Herwig-Lempp und Schwabe (2002) beschreiben den Begriff „Zielgruppe“ wie folgt: „Einzelne, Familien und Gruppierungen, die selbst ihre Anliegen nach Unterstützung und Hilfe formulieren oder von anderen Personen und Institutionen als „problembehaftet“ oder „hilfebedürftig“ gesehen und an die Soziale Arbeit überwiesen werden“ (S. 457). Wenn also in der sozialen Arbeit von Zielgruppenarbeit gesprochen wird, dann bezeichnet diese jede Art von Angebote, die für bestimmte Personengruppen mit gemeinsamen Merkmalen infolge des individuellen Unterstützungsbedarfs konzipiert wurde. Jede Zielgruppe bedarf also einen anderen Hilfebedarf, der im Rahmen von Mitarbeitern aus der sozialen Arbeit gedeckt werden können. Das heißt, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Zielgruppen gibt. In der folgenden Hausarbeit werden explizit Erwachsene mit einer Alkoholabhängigkeit in den Blick genommen. Diese Zielgruppe hat mehrere Merkmale gemeinsam, wie zum Beispiel dieselbe Altersgruppe. Eine weitere Gemeinsamkeit, aus der sich der Unterstützungsbedarf ergibt, ist die Alkoholabhängigkeit. In dieser Zielgruppe erleiden alle Erwachsenen eine Alkoholabhängigkeit und benötigen Unterstützungsbedarf sich von dieser zu befreien. Für diese spezifische Zielgruppe gibt es im Rahmen der sozialen Arbeit viele Möglichkeiten an dem Problem zu arbeiten und den Betroffenen mit verschiedenen Methoden ein passendes Hilfsangebot zu bieten.

Einige der geeigneten Unterstützungsmöglichkeiten werden im weiteren Verlauf vorgestellt und beschrieben. Zusätzlich ist hierbei zu erwähnen, dass diesbezüglich noch viel mehr Angebote existieren, jedoch werden nur bestimmte davon beschrieben.

2.2 Abhängigkeit

„Abhängigkeit“ oder auch „Sucht“ ist gekennzeichnet durch ein dominierendes Verlangen, ein zwanghaftes Bedürfnis und dem Angewiesensein nach bestimmten Substanzen. Abhängigkeit ist aber nicht nur auf Substanzen zu beziehen, sondern auch auf konkrete Situationen oder Konstellationen. In solchen Fällen durchleben Betroffene einen starken Drang zu Wiederholungen bis hin zur süchtigen Persönlichkeitsentwicklung (Nissen, 1994, S.7). In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit wird ausschließlich die Abhängigkeit in Bezug auf Substanzen in den Blick genommen. Jedoch wird es sich dabei nur um eine Substanz handeln, dem Alkohol.

Peter Schay (2010) beschreibt in seinem Werk nochmal genauer, was Abhängigkeit in Verbindung mit bestimmten Substanzen bedeutet:

Abhängigkeit von Suchtstoffen bezeichnet einen Zustand psychischer und/ oder physischer Abhängigkeit von einer Substanz mit zentral-nervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird, um durch bestimmte Reize oder Reaktionen Lustgefühle oder Lustzustände herbeizurufen, beziehungsweise Unlustgefühle zu vermeiden. Sucht ist definiert als ein unbezwingbares, gieriges seelisches Verlangen, mit der Einnahme der Droge fortzufahren. (S.19)

3. Zielgruppenarbeit

Zielgruppenarbeit existiert schon seit vielen Jahren in der Gesellschaft. Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Zielgruppenansätze entwickelt und die Zielgruppenarbeit vorangetrieben. In welchem Kontext die Zielgruppenarbeit entstanden ist und welche Ansätze heute bekannt sind, wird im weiteren Verlauf explizit erläutert.

3.1 Zielgruppenarbeit aus historischer Sicht

Der Ursprung der Zielgruppenarbeit ist auf eine langjährige historische Entwicklung zurückzuführen. Schon seit Beginn der 1970er Jahre werden Möglichkeiten und Grenzen der Zielgruppenarbeit intensiv diskutiert und erforscht. Obwohl der Begriff Zielgruppenarbeit erst seit einigen Jahrzehnten im Gebrauch ist, lässt sich die didaktische Orientierung an bestimmten Gruppen schon viel eher in der Zeit einordnen. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand einer der ersten Zielgruppen unter den Namen "Arbeiterschaft". Auch bekannt unter der Arbeiterbewegung. Die Bewegung ergab sich aus den damaligen Folgen der industriellen Revolution, mit dem Ziel die wirtschaftliche, soziale und politische Lage der Arbeiter zu verbessern (Faulstich & Zeuner, 2010, S. 61).

Eine weitere Zielgruppe entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde die erste Frauenbewegung durchgeführt. Die Frauen setzten sich für das Recht auf Bildung, für freie Berufswahl und die Zulassung zum Universitätsstudium ein und forderten vor allem politische Gleichberechtigung (Lebendiges Museum Online, 2014).

Doch vor allem die gesellschaftliche Entwicklung in den 1970er Jahren war ausschlaggebend für den Zielgruppenbegriff. Dieses Jahrzehnt war geprägt von der damaligen Bildungsreformdiskussion und der Forderung nach Chancengleichheit:

In dieser Phase der Bildungsexpansion, dem gestiegenen gesellschaftlichen und ökonomischen Interesse an Bildung und der Ausweitung öffentlicher und privater Ausgaben für Bildung zeigte sich die bestehende Ungleichheit in der Bildungsbeteiligung in doppelter Weise als inakzeptabel: sie war nicht vereinbar mit dem Anspruch einer demokratischen und sozial gerechten Gesellschaft und sie war wirtschaftlich dysfunktional. (Iller, 2009, S. 987-988)

Zielgruppenarbeit ist also aus zwei besonders relevanten Entwicklungen heraus entstanden:

Einerseits formulierten, historisch gesehen, bestimmte Berufs- oder Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise die Handwerkerschaft, die Arbeiterschaft oder auch die Frauen eigenständige Bildungsinteressen, die ihnen nach ihrem Eindruck von der Gesellschaft nicht gewährt wurden. In diesem Zusammenhang thematisierten sie in der Regel nicht nur Benachteiligungen im Bildungsbereich, sondern auch in Bezug auf ihre politischen Partizipationsmöglichkeiten. Beispiele sind die sozialistische Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert und die Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und in den 70er Jahren. Um sowohl ihre Bildungs- als auch ihre politischen Interessen durchzusetzen, gründeten sie häufig eigene Organisationen, in denen sie beide miteinander verbanden. Andererseits wurden aus der Perspektive der organisierten Erwachsenenbildung Zielgruppen definiert, deren Bildungsbedürfnisse aus den verschiedensten Gründen vom öffentlichen Bildungssystem nicht genügend unterstützt werden: Bildungsbenachteiligte, Personen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Lese- und Rechtschreibproblemen usw. (Faulstich & Zeuner, 2010, S.61)

Charakteristisch für die Entwicklung der Zielgruppenarbeit sind also die verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die sich für eigene Interessen stark machten und die Entwicklung der Erwachsenenbildung, wodurch Bildungsbedürfnisse verschiedener Gruppen stärker berücksichtigt wurden.

3.2 Definitionen und Theorien der Zielgruppenarbeit

Die Zielgruppenarbeit kann unter verschiedenen Aspekten und Funktionen definiert werden. In dem folgenden Kapitel werden drei unterschiedliche Definitionen und Theorien vorgestellt und erörtert. Beginnend mit Zielgruppenarbeit nach Schiersmann, davon gefolgt mit dem Ansatz von Schäffter und abschließend die Definition von Herwig-Lempp und Schwabe.

Anhand der ausgewählten Ansätze und Theorien, werden wichtige Erkenntnisse, die im Verlauf der Zielgruppendiskussion erreicht wurden, aufgezeigt und dienen somit zumindest in Teilaspekten als theoretische Grundlage für das Basismodell.

3.2.1 Zielgruppenarbeit nach Schiersmann

Schiersmann (1984) versteht unter dem Begriff Zielgruppenarbeit „eine normative Zuschreibung von sozialen Problemen aus wissenschaftlicher Perspektive“ (S.17). Dazu gehört die „Feststellung von objektiven sozialen Aspekten, die der Zielgruppe zugehören, wie beispielsweise Alter oder Geschlecht als auch die Untersuchung subjektiver Schwierigkeiten beinhalten, die von der Seite der Adressaten aufgezeigt und Berücksichtigung finden müssen“ (Fath, 2009, S.16).

Zusätzlich unterscheidet Schiersmann bei der Zielgruppenarbeit zwischen drei Ansätzen: Lernpsychologischer Ansatz, Bildungs- und sozialpolitischer Ansatz und der politisch akzentuierte Ansatz. Der lernpsychologische Ansatz beinhaltet folgende Merkmale: „der auf Gruppenhomogenisierung nach soziodemografischen Aspekten orientierte, lernpsychologisch begründete Ansatz verspricht mehr Effektivität in den Bildungsprozessen“ (Börjesson, 2011, S.336). Mithilfe des Ansatzes soll also die Lerneffektivität gesteigert werden. Schneider (2011) beschreibt ebenfalls in seinem Werk, dass eine höhere Effektivität erreicht werden kann, wenn durch eine auf die spezifischen Eigenschaften der Zielgruppe ausgerichtete Gestaltung der Lernsituationen durchgeführt wird (S. 336).

Der zweite Ansatz ist der „bildungs- und sozialpolitische Ansatz“ und verfolgt bildungs- und sozialpolitische Werte. Hierbei ist das Ziel Bildungsbenachteiligte Gruppen anzusprechen, die von sich aus nicht an Erwachsenenbildung teilnehmen würden (Faulstich & Zeuner, 2010, S. 58). Die in der Gesellschaft entstandenen Randgruppen sollen auf diese Art zur Weiterbildung motiviert werden, aber auch die zu der Zeit herrschende Ungerechtigkeit soll somit ausgeglichen werden (Fath, 2009, S. 18). „Typisch für die Bestimmung dieser Zielgruppen ist, dass ihnen Defizite zugeschrieben werden, die durch Erwachsenenbildung evtl. überwunden werden könnten“ (Faulstich & Zeuner, 2010, S. 58). Defizite von bestimmten Gruppen könnten beispielsweise sein: fehlende schulische und berufliche Anschlüsse (zumeist junge Erwachsene), fehlende Deutschkenntnisse (zumeist Menschen mit Migrationshintergrund) oder Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten (Faulstich & Zeuner, 2010, S. 58). Schneider (2011) kritisiert in seinem Werk den bildungs- und sozialpolitischen Ansatz mit folgender Aussage: „Obwohl in der Tradition der Aufklärung verankert und mit einem Demokratisierungsanspruch verbunden, läuft dieser Ansatz Gefahr, durch die Zuschreibung von Defiziten Stigmatisierungsprozesse zu verfestigen“ (S. 336).

Der von Schiersmann definierte dritte Ansatz zeichnet eine politisch akzentuierte Zielsetzung aus und hängt eng mit dem bildungs- und sozialpolitischen Ansatz zusammen: „Das Ziel der Lernprogramme besteht in einer hohen Handlungsorientierung, d.h. die Konflikte, denen sich die Zielgruppe in ihrer Lebenswelt gegenüber sieht, müssen analysiert und reflektiert werden, um Anleitungen zum Handeln und zur Auflösung der Problemsituationen für die Zielgruppe geben zu können“ (Fath, 2009, S. 18).

Zu beachten ist jedoch, dass sich aus dieser Form der Zielgruppenarbeit folgendes Problem ergibt: „Die Schwierigkeit in dieser Form der Zielgruppenarbeit besteht in der starken politischen Einbindung; die Weiterbildung läuft hier Gefahr zum Ersatz für politisch-soziales Handeln zu werden und mehr als deren Helfer zu fungieren, als ihren eigenen Anspruch zu verfolgen (Fath, 2009, S. 19).

Zusammenfassend ergeben sich also aus den oben genannten Ansätzen folgende Gemeinsamkeiten: Die Bildungsarbeit mit Zielgruppen verfolgt immer das Ziel, adäquate Bildungsprogramme für die betroffene Zielgruppe zu schaffen (Fath, 2009, S. 19).

3.2.2 Zielgruppenarbeit nach Schäffter

Laut Schäffter (1981) gilt Zielgruppenarbeit als ein Angebot, eine Maßnahme oder eine Veranstaltung, die für einen zuvor ausgewählten Personenkreis auf Grundlage spezifischer Merkmale konzipiert wurde. Zu den Angeboten zählen zum Beispiel auch solche, die mit spezifischen Inhalten geplant werden, da diese Inhalte auch nur für einen bestimmten Personenkreis interessant wären (Fath, 2009, S. 24). Die Zielgruppe kann sich dabei durch verschiedene Eigenschaften auszeichnen, wie zum Beispiel „eine berufliche Zugehörigkeit oder eine aus politischen Gründen geförderte Bildungsnotwendigkeit“ (Fath, 2009, S. 23). Somit gelten laut Schäffter bildungsbenachteiligte Gruppen nicht automatisch zur Zielgruppe.

Schäffter setzt den Zielgruppenbegriff in andere Beziehung: Die Erwachsenenbildung steht vor der Aufgabe, immer von neuem Strukturen in der Kontaktaufnahme und in der bestehenden Interaktion zwischen Weiterbildungsinstitution und Adressaten zu entwickeln und diese zu festigen. Die sich wandelnden Bildungsteilnehmergruppen und ihre Bedürfnisse müssen von der Weiterbildung stets als im Wandel begriffen und neu analysiert werden (Fath, 2009, S.23)

Dabei kritisiert Schäffter (1981) die Erreichbarkeit und die Motivation der Zielgruppen und bezeichnet dies als „methodisch-didaktisches Problem, dass nur in immer neuen Formen pädagogischer Planung und Arbeitsweisen gelöst werden kann“ (S.23). Zudem steht laut Schäffter die Beziehung zwischen den Lernenden und den Lehrenden, beziehungsweise den Institutionen der Weiterbeildung im Mittelpunkt. Hierbei stellt Zielgruppenorientierung das Bindeglied zwischen Adressaten- und Teilnehmerorientierung dar (Fuhr & Gonon, 2011, S. 249). Hier wird also zusätzlich der Aspekt der Kooperation zwischen Akteuren und Klientel betont.

Schäffter geht somit davon aus, dass durch Zielgruppenarbeit ein spezifisches Problem der Weiterbildung verfolgt wird, welche in diesem Fall die Gestaltung einer Beziehung zwischen Weiterbildung und dem lernenden Erwachsenen darstellt. „Die damit verbundenen Aktivitäten beziehen sich aber primär auf sozial- und bildungsbenachteiligte Gruppen, die ihre Lebenssituation als belastend empfinden und die durch Weiterbildung eine Verbesserung ihrer Situation erwirken können (Fuhr & Gonon, 2011, S. 249).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zielgruppenarbeit mit alkoholabhängigen Erwachsenen
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2022
Seiten
24
Katalognummer
V1244172
ISBN (Buch)
9783346670397
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Sozial, Zielgruppenarbeit, Fallmanagement, Alkohol, Alkoholismus, Alkoholabhängigkeit, Zielgruppenarbeit und Fallmanagement, Sucht, Abhängigkeit, Zielgruppe
Arbeit zitieren
Dilara Mey Kaplan (Autor:in), 2022, Zielgruppenarbeit mit alkoholabhängigen Erwachsenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244172

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