In der Arbeit geht es um Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte im Kindergarten, um adultistische Verhaltensweisen zu reduzieren. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern es möglich ist, adultistische Verhaltensweisen in der pädagogischen Praxis im Kindergarten ganz zu vermeiden. Denn als pädagogische Fachkraft hat man die Aufgabe, den Kindern in der Einrichtung einen sicheren Ort des Aufwachsens zu bieten, gleichzeitig aber die Entwicklung des Kindes durch bestimmte Verhaltensweisen nicht einzuschränken.
Um zu verstehen, worum es sich beim Thema Adultismus handelt, werden zuerst die Begriffe „Kindheit“ und „Adultismus“ definiert. Anschließend wird auf die verschiedenen Erscheinungsformen und die Entstehung von Adultismus eingegangen, da genau hier angesetzt werden muss, um die pädagogische Praxis zu verändern. Danach geht es explizit um Adultismus in der pädagogischen Praxis. Dabei werden unter anderem die Auswirkungen auf Kinder dargestellt, um die Wichtigkeit des Themas deutlich zu machen. In einem letzten Schritt werden dann Aufgaben und Handlungsperspektiven für Fachkräfte formuliert, die zur Vermeidung adultistischer Verhaltensweisen im Kindergarten beitragen können. Abschließend soll dann die Frage diskutiert werden, ob und inwiefern es möglich ist, in der pädagogischen Praxis im Kindergarten adultistische Handlungen komplett zu vermeiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Kindheit und Kindheitsforschung
2.2 Adultismus
3. Erscheinungsformen und Entstehung
4. Adultismus in der pädagogischen Praxis
4.1 Auswirkungen
4.2 Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Adultismus im Kindergartenalltag mit dem primären Ziel, Handlungsmöglichkeiten für pädagogische Fachkräfte aufzuzeigen, um machtungleiche Verhaltensweisen gegenüber Kindern zu reduzieren und ein respektvolles, kooperatives Miteinander zu fördern.
- Definition von Kindheit und Adultismus als Machtsystem
- Erscheinungsformen und historische Entstehung adultistischer Strukturen
- Die Auswirkungen von Adultismus auf die kindliche Entwicklung und das Selbstbild
- Reflexionsmöglichkeiten und konkrete pädagogische Ansätze zur Partizipation
Auszug aus dem Buch
4.2 Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte
Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Wege, um Adultismus in der pädagogischen Praxis zu reduzieren und zu vermeiden.
Der erste Schritt ist das Erkennen und Benennen adultistischer Verhaltensweisen. Das setzt eine Auseinandersetzung mit dem Thema Adultismus und mit verschiedenen Vorurteilen Kindern gegenüber voraus. Wichtig hierbei ist, Verhaltensweisen zu hinterfragen, sowohl die eigenen als auch die von KollegInnen.
In einem nächsten Schritt spielt dann die Reflexion eine wichtige Rolle. Man sollte sich als pädagogische Fachkraft darüber bewusst werden, dass diese Verhaltensweisen teilweise sehr tief verankert sind. Es kann zu Beginn durchaus schwer fallen, dies anzunehmen und anschließend zu vermeiden. Zur Reflexion können nach ManuEla Ritz, die sich seit zwei Jahrzehnten mit den Themen Diskriminierung und Adultismus auseinandersetzt, folgende Fragen sehr hilfreich sein: „Dient die jeweilige Regel der eigenen Bequemlichkeit?“, „Soll mit ihr die Überlegenheit Erwachsener demonstriert werden?“, „Soll ein Machtkampf dem Kind seine Machtlosigkeit verdeutlichen?“, „Oder dient eine Regel dem Schutz des Kindes?“. Anhand dieser Fragen kann man sich selbst bewusst machen, inwiefern aufgestellte Regeln wirklich sinnvoll für das Kind sind und ob man adultistische Verhaltensweisen zeigt.
Um Adultismus entgegen zu wirken, spielt Partizipation eine wichtige Rolle, denn auch schon sehr kleine Kinder können lernen, selbst zu handeln und sich für ihre Meinung durchzusetzen. Dies lernen sie jedoch nur, wenn ihnen auch die Möglichkeit dazu gegeben wird. Kinder sollten also entsprechend ihres Alters die Möglichkeiten bekommen, sich aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligen zu können. Vor allem bei Themen, die die Kinder direkt betreffen wie Raumgestaltung, Tagesablauf oder Einkauf von Materialien können Kinder gut mitgestalten. In vielen Kindergärten gibt es schon Kinderparlamente, die eine Möglichkeit bieten, dass Kinder in Entscheidungen mit einbezogen werden. Besonders wichtig hierbei ist dann im Anschluss, dass die Wünsche der Kinder auch ernst genommen werden, es geht also vor allem um die Umsetzung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Problem des unreflektierten, machtungleichen Umgangs von Erwachsenen mit Kindern dar und formuliert die Forschungsfrage nach den Vermeidungsstrategien in der Kita.
2. Definitionen: Erläutert den Wandel des Kindheitsbegriffs vom "kleinen Erwachsenen" zum sozialen Akteur und definiert Adultismus als tief verankertes Machtsystem.
3. Erscheinungsformen und Entstehung: Analysiert, warum Adultismus in allen Lebensbereichen präsent ist und welche historischen Wurzeln das negative Bild der "unfertigen" und "wilden" Kinder hat.
4. Adultismus in der pädagogischen Praxis: Beleuchtet die institutionelle Umsetzung von Macht sowie die notwendigen Schritte zur Reflexion und aktiven Partizipation im pädagogischen Alltag.
4.1 Auswirkungen: Beschreibt die Folgen für Kinder, wie Resignation, negatives Selbstbild oder die Gefahr der Verinnerlichung von Unterdrückungsmechanismen.
4.2 Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte: Benennt konkrete Werkzeuge wie Selbstreflexion, gezielte Partizipation und respektvolle Kommunikation auf Augenhöhe zur Reduzierung von Adultismus.
5. Fazit: Fasst zusammen, dass ein respektvolles Miteinander durch das Erkennen eigener Vorurteile und die Bereitschaft zur ehrlichen Fehlerreflexion im Team erreichbar ist.
Schlüsselwörter
Adultismus, Kindheit, Kindheitsforschung, Machtverhältnis, Diskriminierung, Pädagogische Fachkraft, Partizipation, Reflexion, Machtungleichheit, Kindeswohl, Selbstbild, Vorurteilsbewusste Bildung, Interaktion, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Adultismus, also dem strukturellen Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern im pädagogischen Kontext des Kindergartens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Kindheit, die Entstehung und Erscheinungsformen adultistischer Verhaltensweisen sowie die Auswirkungen dieser Diskriminierungsform auf die Entwicklung von Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Handlungsmöglichkeiten für pädagogische Fachkräfte aufzuzeigen, um adultistisches Verhalten zu erkennen, kritisch zu reflektieren und abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse bestehender Literatur, Forschungsergebnisse zum Kindheitskonstrukt sowie pädagogische Reflexionsansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Erwachsenenmacht im Kita-Alltag wirkt, welche Konsequenzen dies für das Selbstbewusstsein der Kinder hat und wie durch Partizipation und Reflexion kooperative Strukturen geschaffen werden können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Adultismus, Partizipation, Machtungleichheit, Kindheitskonstrukt, Reflexion und respektvolles Miteinander.
Spielen die räumlichen Gegebenheiten im Kindergarten eine Rolle für Adultismus?
Ja, der Autor führt aus, dass selbst scheinbar kinderfreundliche Umgebungen wie Waschbeckenhöhen durch unzugängliche Bereiche für Kinder Abhängigkeitsverhältnisse schaffen und somit unbewusst adultistisch wirken.
Ist ein vollständiges Vermeiden von adultistischem Verhalten möglich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es weniger um absolute Fehlerfreiheit geht, sondern vielmehr um das kontinuierliche Erkennen, Benennen und Reflektieren des eigenen Handelns sowie die Entschuldigungsbereitschaft gegenüber den Kindern.
- Quote paper
- Paula Böhm (Author), 2021, Adultismus im Kindergarten. Inwiefern können adultistische Verhaltensweisen pädagogischer Fachkräfte vermieden werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244721