Betrachtet man Mary Wollstonecrafts Forderungen, die sie in „A Vindication of the Rights of Woman“ niederschrieb, auf globaler Ebene, stellt man fest, dass diese für die Mehrheit von Frauen auch heute noch nicht in Reichweite sind. Um das Ziel einer Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu erreichen, wurden verschiedene Theorien und Strategien erarbeitet. Der Gleichheitsansatz und der Differenzansatz der feministischen Theorien sind die prominentesten und für diese Untersuchung die relevantesten Ansätze.
Im Rahmen dieser Arbeit wird sich mit der Fragestellung auseinandergesetzt, welche Ansätze der heute bekannten feministischen Theorien in Mary Wollstonecrafts „A Vindication of the Rights of Woman“ finden lassen. Darüber hinaus soll geklärt werden, welcher der beiden genannten Ansätze dem Werk Wollstonecrafts mehr zuzuteilen ist und welche Bedeutung sie für das Verständnis von Wollstonecrafts feministischer Theorie in der Gegenwart haben.
Zunächst wird auf den historischen Kontext der Französischen Revolution und die zu der Zeit herrschenden Geschlechterverhältnisse eingegangen. Anschließend wird Wollstonecrafts Kritik an Jean-Jacques Rousseaus Erziehungskonzept, welches er in seinem Werk „Émile oder Über die Erziehung“ (1762) beschreibt, thematisiert. In ihrer Schrift „A Vindication of the Rights of Woman“ geht sie an mehreren Stellen auf seine Thesen ein mit dem Vorhaben, diese zu widerlegen. Daraufhin sollen der Gleichheitsansatz und der Differenzansatz beschrieben werden, um diese im weiteren Verlauf als elementare Analyse-Werkzeuge zu verwenden. Schließlich werden die Grundpositionen, die sie in ihrem Werk beschreibt, herausgelöst und gebündelt dargestellt. Die Arbeit soll mit einer Bewertung von Wollstonecrafts Grundthesen hinsichtlich gleichheits- und differenzfeministischer Ansätze abgeschlossen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Forschungsstand
2 Historischer Kontext
2.1 Die Französische Revolution
2.2 Jean-Jacques Rousseaus Émile oder über die Erziehung
3 Überblick feministischer Theorien
4 Wollstonecrafts A Vindication of the Rights of Woman
4.1 Über das Verhalten der Frauen
4.2 Über Erziehung und die Ehe
4.3 Über die nötigen Veränderungen
4.4 Über den natürlichen Kraftvorteil des Mannes
5 Die Gleichheit und Ungleichheit der Geschlechter
5.1 Über die Vernunft
5.2 Über die Sensibilität
5.3 Über die Ungleichheit
5.4 Über die Pflichten
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht Mary Wollstonecrafts Werk "A Vindication of the Rights of Woman" vor dem Hintergrund feministischer Theoriebildung. Dabei wird analysiert, wie sich Ansätze der Gleichheits- sowie Differenzfeministik in Wollstonecrafts Forderungen nach umfassender Bildung und rechtlicher Gleichstellung widerspiegeln und welche Bedeutung historische Geschlechterrollen sowie gottgegebene Pflichten für ihr argumentatives Gefüge haben.
- Historische Einbettung in den Kontext der Französischen Revolution
- Kritische Auseinandersetzung mit Jean-Jacques Rousseaus Erziehungsmodell
- Analyse gleichheits- und differenzfeministischer Analyse-Ansätze
- Untersuchung der Bedeutung von Bildung und Vernunft für das weibliche Geschlecht
- Bewertung der Konzepte von Pflicht, Tugend und gesellschaftlicher Gleichheit
Auszug aus dem Buch
4.1 Über das Verhalten der Frauen
Wollstonecraft beginnt ihre Schrift mit einer Beobachtung, die sie dazu inspirierte, diese Schrift zu verfassen: „[...] either nature has made a great difference between man and man, or [...] the civilization which has hitherto taken place in the world has been very partial.“ (Wollstonecraft 2008, S.71). Gesellschaften spalten sich, eine Nation befindet sich sogar in einem politischen Umbruch. Grund dafür sei die vernachlässigte Erziehung der Menschen (Wollstonecraft 2008, S.71). Insbesondere Frauen würden unter der gegebenen Situation leiden: „[...] women, in particular, are rendered weak and wretched by a variety of concurring causes, originating from one hasty conclusion.“ (Wollstonecraft 2008, S.71). Ihr Benehmen und ihre Manieren seien für Wollstonecraft der Beweis dafür, dass sie sich in einem ungesunden Zustand befänden (Wollstonecraft 2008, S.71). Die Erziehung, die ihnen widerfährt, nehme Frauen nicht als Menschen wahr, sondern als untergeordnete Wesen (Wollstonecraft 2008, S.71).
Wollstonecraft ist jedoch davon überzeugt, dass Frauen und Männer mit demselben Grund erschaffen wurden: „I shall first consider women in the grand light of human creatures, who, in common with men, are placed on this earth to unfold their faculties [...]“ (Wollstonecraft 2008, S.72). Doch gerade Frauen besäßen nicht die notwendigen Voraussetzungen, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln (Wollstonecraft 2008, S.73). Die von Männern geschriebenen Erziehungskonzepte, wie beispielsweise die von Jean-Jacques Rousseau und Dr. John Gregory, trugen zusätzlich dazu bei, dass Frauen eher zu „alluring mistresses than affectionate wives and rational mothers“ erzogen werden würden (Wollstonecraft 2008, S.71).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Wollstonecrafts Werk für die feministische Philosophie dar und benennt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen.
2 Historischer Kontext: Dieses Kapitel beleuchtet die Epoche der Französischen Revolution und analysiert, wie diese gesellschaftlichen Umbrüche das Werk und die Rezeption von Wollstonecraft beeinflussten.
3 Überblick feministischer Theorien: Hier werden der Gleichheitsansatz und der Differenzansatz als theoretische Werkzeuge eingeführt und in den historischen Kontext der Frauenbewegung eingeordnet.
4 Wollstonecrafts A Vindication of the Rights of Woman: Dieses Kapitel analysiert zentrale Grundpositionen des Primärwerks, wie etwa die Bedeutung der Bildung und die Notwendigkeit einer revolutionären Veränderung weiblichen Benehmens.
5 Die Gleichheit und Ungleichheit der Geschlechter: In diesem Abschnitt werden die Konzepte von Vernunft, Sensibilität und Pflichten im Verhältnis zur gesellschaftlichen Ungleichheit und zu Wollstonecrafts Forderung nach universeller Tugendhaftigkeit detailliert untersucht.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und bewertet Wollstonecrafts Werk als einen wesentlichen Grundstein für feministische Theorien, der trotz zeitlicher Distanz zentrale Fragen nach Gleichheit und Differenz aufwirft.
Schlüsselwörter
Mary Wollstonecraft, A Vindication of the Rights of Woman, Feminismus, Gleichheitsfeminismus, Differenzfeminismus, Französische Revolution, Bildungsrecht, Frauenrechte, Geschlechterrollen, Vernunft, Tugend, Erziehung, Geschlechtergerechtigkeit, Aufklärung, Soziale Ungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das 1792 erschienene Werk "A Vindication of the Rights of Woman" von Mary Wollstonecraft und untersucht dessen Bedeutung als eine der frühen Schriften der feministischen Philosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die historische Einordnung der Französischen Revolution, Rousseaus Erziehungskonzept und die Bewertung von Wollstonecrafts Thesen hinsichtlich gleichheits- und differenzfeministischer Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin herauszuarbeiten, welche feministischen Theorietypen sich in Wollstonecrafts Text finden lassen und wie diese für ein heutiges Verständnis des Werkes zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine chronologische, inhaltsanalytische Untersuchung des Primärwerks unter Einbeziehung aktueller Sekundärliteratur, um die Argumentationsstruktur von Wollstonecraft herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung, eine kritische Auseinandersetzung mit Rousseaus "Émile" sowie eine detaillierte Untersuchung zentraler Themen wie Vernunft, Sensibilität, Ungleichheit und Pflichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf Begriffe wie "Gleichheit", "Differenz", "Bildung", "Aufklärung", "Tugend" und "Geschlechterrolle".
Wie bewertet die Autorin Wollstonecrafts Fokus auf die Mutterschaft?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Wollstonecraft die Mutterschaft im historischen Kontext als das einzige damals verfügbare "Schlupfloch" für Frauen sah, um Tugendhaftigkeit zu erlangen, und nicht als bloßes biologisches Schicksal.
Inwieweit lässt sich das Werk heute noch einordnen?
Trotz der thematischen Fixierung auf das Benehmen und mütterliche Pflichten wird das Werk als "Urwerk" eingestuft, das durch die Forderung nach universeller Vernunft und Bildung den heutigen Feminismus maßgeblich geprägt hat.
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- Anonym (Author), 2020, Zwischen rechtlicher Gleichheit und substanzieller Differenz. "A Vindication of the Rights of Woman" von Mary Wollstonecraft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245237