Georg Kerschensteiners Begriff der Arbeitsschule


Hausarbeit, 2002

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff „Schule“
2.1. Die Kritik an der „Alten Schule“
2.2. Die Forderung nach einer „Neuen Schule“

3. Die Kunsterzieherbewegung als Vorläufer der „Neuen Schule“

4. Die „Neue Schule“ und ihre Aufgabe

5. Georg Kerschensteiners Idee der Arbeitsschule und seine Forderungen
5.1. Biographische Daten zu Georg Kerschensteiner
5.2. Die Forderung von der Passivität in die Aktivität
5.3. Die Forderung nach Abschaffung der Buchschule

6. Die produktive Arbeit
6.1. Die Entwicklung produktiver Kräfte
6.2. Die produktive Arbeit und ihr Bildungswert

7. Die Aktivität des Schülers
7.1. Die Selbsttätigkeit
7.2. Die Überwindung von Widerständen
7.3. Die Sachlichkeit und Selbstprüfung
7.4. Die Charaktererziehung

8. Der Arbeitsunterricht

9. Kritische Stellungnahme

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Reformpädagogik beginnt mit dem Phänomen der Schulkritik. Aus diesem Grunde habe ich mich für das Thema „Die Arbeitsschule nach Georg Kerschensteiner“ entschieden.

Ich werde versuchen, einen groben Zusammenhang zu geben, um dann auf die Forderungen Kerschensteiners genauer eingehen zu können. Zuerst werde ich kurz die „Alte Schule“ erläutern, und mich dann mit den aufkommenden Forderungen nach einer „Neuen Schule“ zu beschäftigen sowie deren neuen Aufgabenfeldern.

Des weiteren werde ich mich mit Georg Kerschensteiners Arbeitsschule und seinen Forderungen intensiver beschäftigen.

2. Der Begriff „Schule“

2.1. Die Kritik an der „Alten Schule“

Um 1920 wird in Ost- und Westeuropa Kritik laut, und zwar die Kritik an der sogenannten „alten Schule“(Kerbs/ Reuleke 1998, S. 319). Man kritisiert den monotonen und einseitigen Unterrichtsablauf, der den Schüler wenig selbständig den Unterrichtsinhalt erarbeiten und durch eigenes Denken mitgestalten lässt. Das Handeln des Schülers ist fremdgesteuert, da der Lehrer den Unterrichtsstoff unterbreitet und dieser vorgegeben ist. Die Kritik, die geäußert wird, richtet sich gegen die Passivität des Schülers. Man behauptet, die Schule Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts wirke sich besonders schädlich und negativ auf die geistige Entwicklung des Kindes aus und betitelt die Schule sogar als „kinderfeindlich“(Kerbs/ Reuleke 1998, S. 319).

2.2. Die Forderung nach einer „Neuen Schule“

Man fordert nun eine verbessernde Neugestaltung der Pädagogik, in der die naturnahe Erziehung als Ideal angesehen wird. Man möchte dem Kind ohne jeglichen Zwang ermöglichen, seine natürlichen Anlagen völlig frei zu entfalten.

Die Forderung nach einer neuen Schule bildet sich heraus. Man fordert, dass die Schule zum Lebensraum für Schüler und Lehrer werden soll. Das bedeutet, dass Schule und alltägliches Leben zusammenspielen und ineinander übergehen sollen und nicht wie zuvor, stark voneinander getrennt werden, so dass Schule als bloßer Lernort angesehen wird. Außerdem verlangt man, dass sich der Lehrer, der ja den Unterrichtsstoff vermittelt, an der Entwicklung des Einzelnen orientiert sowie an dessen individuellen Kräften und Fertigkeiten. Ziel der Umsetzung dieser Forderungen ist die geistige Reife und Eigenverantwortung des Schülers.

Zuerst werden die gestellten Forderungen in privaten Versuchsschulgründungen und Landerziehungsheimen realisiert. Besonders großen Einfluss auf die pädagogische Neugestaltung haben Schriften und praktische Versuche von Herman Lietz (Landerziehungsheime), Berthold Otto (Hauslehrerschule) und Georg Kerschensteiner (Münchner Schulreform).

Mit der Novemberrevolution und dem Kriegsende im Jahre 1918 werden reformpädagogische Schulen eingerichtet, wie z.B. die Versuchs- und Gemeinschaftsschulen in Hamburg oder die Arbeits- und Gemeinschaftsschulen in Bremen (Kerbs/ Reuleke 1998, S.320). Doch mit der Machtergreifung der Nazis werden die meisten Schulen wieder aufgelöst.

Die zentrale Idee der Reformpädagogik ist, einen neuen Unterricht zu gestalten. Dieser Unterricht stellt den Schüler in den Mittelpunkt und konzentriert sich vollkommen auf ihn.

3. Die Kunsterzieherbewegung als Vorläufer der

„Neuen Schule“

Als erstes gehen die Vertreter der Kunsterzieherbewegung gegen die „alte Schule“ an. Die Folge ist, dass der bisherige Lehr- und Lernstil neu überprüft und durchdacht wird und somit einen Wandel der Schule und dessen Unterrichts hervorruft.

Kunst hat von nun an wieder einen höheren Stellenwert und ist für die Erziehung unverzichtbar, da die Kunst die noch verborgenen und noch nicht entfalteten gestalteten Kräfte des Kindes hervorbringt. Man ist der Auffassung, dass jeder Mensch sogenannte „Grundkräfte“ (Hagenmaier 1964, S. 23) besitzt, die geweckt und ausreifen müssen.

4. Die „Neue Schule“ und ihre Aufgabe

Diese Grundkräfte sind von Natur aus gegeben. Man fordert nun, dass die Schule diese noch nicht entfalteten Kräfte befreit und fördert und sie bis zur endgültigen Reife kommen lässt. Das sieht in der Praxis so aus, dass man das Kind z.B. ohne Unterbrechung schreiben lässt, um den Grundkräften die Möglichkeit zu geben, sich frei zu entfalten. Um die freie Entfaltung der Kräfte zu ermöglichen, ist die bisherige Unterrichtsstruktur zu verändern. Die sogenannte Selbsttätigkeit, auf die ich später noch genauer eingehen werde, wird zum neuen Prinzip des Unterrichts. „Im Mittelpunkt der Schule steht jetzt der Mensch (Hagenmaier, 1964, S. 21).“

5. Georg Kerschensteiners Idee der Arbeitsschule und seine Forderungen

5.1. Biographische Daten zu Georg Kerschensteiner

Georg Kerschensteiner, am 29.7.1854 in München geboren, ist im Alter von bereits 16 Jahren Hilfslehrer. Dieser Beruf befriedigt ihn jedoch kaum und er entscheidet sich, sein Abitur am humanistischen Gymnasium zu machen. Daran knüpft er ein Studium der Mathematik und Naturwissenschaften in München, macht sein Lehramtsexamen und promoviert. Zunächst lehrt Kerschensteiner an einem Gymnasium in Schweinfurt ( 1890), dann 1893 im Ludwigsgymnasium in München.

Im Jahre 1895 findet eine Wende in seinem Leben statt. Kerschensteiner wird Stadtschulrat in München. Von nun an ist er verantwortlicher Leiter, aber auch Beobachter des Schulwesens in München. Dort ist er bis 1918 tätig.

Georg Kerschensteiner beschäftigt sich besonders mit dem Aufbau der Berufsschule und fordert eine Berufsschulpflicht. Dabei soll die Schule berufsorientiert tätig werden, was den Begriff der Arbeit impliziert. Deshalb schafft Kerschensteiner neue Richtpläne für die Fächer Physik, Chemie, Biologie, Geographie und Mathematik. Er versucht, Volks- und Realschulen so gut wie nur möglich mit Gärten, Werkstätten, Laboratorien auszustatten, damit die Schüler handwerklich und technisch tätig werden können (Scheibe 1977, S. 173). Dies erfordert allerdings eine qualifizierte Lehrerbildung, was eine völlige Neuorganisation des Schulsystems erfordert. Kerschensteiner vertritt die Meinung, dass Schulerziehung nur durch Praxis erfolgen kann.

Seine Ideen stoßen nicht nur auf Zustimmung, sondern vielmehr auf Ablehnung.

5.2. Die Forderung von der Passivität in die Aktivität

Eindeutig kann man feststellen, dass Kerschensteiner Kritik an den Unterrichtsmethoden der „Alten Schule“ übt, da sie sich lediglich auf die Vermittlung des Unterrichtsstoffes beschränkt und sich wenig um den einzelnen Schüler kümmert. Außerdem beklagt Kerschensteiner, dass die Unterrichtsstoffmenge zu umfangreich sei und der Schüler den Unterrichtsstoff nur vollkommen passiv aufnimmt, womit er meint, dass dem Lernenden ein Wissen vorgegeben wird, das uneingeschränkt gelernt werden muss.

Für ihn besteht die Aufgabe der Schule darin, einen jeden Menschen zu einem brauchbaren Staatsbürger zu erziehen, der dem Staat dient und ihm nützt.

Kerschensteiner fordert einen Wechsel der Schülerrolle, nämlich von der Passivität in die Aktivität. Der Schüler kann aber nur aktiv werden, wenn man ihm die Entfaltung seiner geweckten Grundkräfte ermöglicht, denn diese Grundkräfte, die auch als produktive Kräfte bezeichnet werden, drängen nach außen und wollen verwirklicht werden. Die Schule muss folglich den produktiven Kräften eine freie Entwicklungsmöglichkeit gewährleisten. Strenge würde sie nur unterdrücken und wäre für die Entwicklung des Kindes schädlich.

Die Aufgabe der Schule besteht zunächst darin, sich auf die schaffenden Kräfte des einzelnen Schülers zu konzentrieren, sie zu wecken, zu formen und zur Reifung zu bringen. Das geschieht zunächst dadurch, dass die Schule bzw. der Erziehende sich an die Interessen des Kindes wendet. Dann kann der Schüler aktiv und produktiv tätig werden.

Kerschensteiner ist der Ansicht, dass über 90% aller Schüler eher an praktischer Betätigung als an passivem Unterricht interessiert sind. Die Schüler möchten Wissen lieber selbst erfahren und nicht bloß belehrt werden.

[...]

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Details

Titel
Georg Kerschensteiners Begriff der Arbeitsschule
Hochschule
Universität Trier  (FB Pädagogik)
Veranstaltung
Zur Pädagogik der Reformbewegung (1890- 1930)
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V12474
ISBN (eBook)
9783638183475
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Georg, Kerschensteiners, Begriff, Arbeitsschule, Pädagogik, Reformbewegung
Arbeit zitieren
Sabrina Prinzen (Autor), 2002, Georg Kerschensteiners Begriff der Arbeitsschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12474

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