Eines der bekanntesten Beispiele für interkulturelle Trainings ist das Anti-Rassismus-Training Blue Eyed –Brown Eyed. Bereits 1968 von der amerikanischen Grundschullehrerin Jane Elliott entwickelt, wird es auch heute noch zahlreich durchgeführt.
Die Arbeit setzt sich mit dieser Übung als Beispiel für interkulturelles Training im Kontext Schule auseinander. Es soll die Frage geklärt werden, ob die Übung zu dem Erlangen interkultureller Kompetenz führt und in welcher Form es sinnvoll ist, diese im Kontext Schule durchzuführen. Nach einer Einführung im Bereich der interkulturellen Kompetenz wird das Training mit dem ihm zugrunde liegenden Konzept vorgestellt und anschließend im Hinblick auf seine Anwendbarkeit als Erwerbsmedium interkultureller Kompetenz kritisch reflektiert und beurteilt.
Besonders in der Schule sind Konflikte zwischen Heranwachsenden unterschiedlicher Herkunft oder Kultur an der Tagesordnung. Zum einen wird Ausgrenzung durch die Schüler selbst vollzogen, die sich auf dem Schulhof in bestimmten Gruppen zusammentun. Zum anderen sind es oftmals Eltern und Lehrer, die – gewollt oder ungewollt – Kinder anders behandeln, sodass es zur Benachteiligung kultureller Gruppen kommt. Um solchen Konflikten vorzubeugen, versucht die interkulturelle Bildung einen angemessenen Umgang mit Kulturen im Rahmen von Schule zu ermöglichen. Unter anderem wird dieses Ziel durch interkulturelle Trainings verfolgt, die sensibilisieren, über Vorurteile und Rassismus aufklären und diesen teilweise sogar selbst erleben lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interkulturelle Kompetenz im Kontext Schule
2.1 Hintergrund
2.2 Begriffsdifferenzierung
2.3 Antirassistische und interkulturelle Trainings im Kontext Schule
3. Blue Eyed – Brown Eyed
3.1 Konzept
3.2 Training
3.3 Ziele und Lernmöglichkeiten
4. Blue Eyed – Brown Eyed als interkulturelles Training im Kontext Schule
5. Fazit
6. Reflexion
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das antirassistische Training "Blue Eyed – Brown Eyed" der US-amerikanischen Pädagogin Jane Elliott im Hinblick auf seine Eignung zur Förderung interkultureller Kompetenz im schulischen Kontext. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob diese Übung tatsächlich zum nachhaltigen Kompetenzerwerb führt bzw. in welcher Form ihr Einsatz in der Schule sinnvoll gestaltet werden kann.
- Grundlagen interkultureller Kompetenz und Bildungsstrategien
- Strukturelle Dynamiken von Rassismus und Diskriminierung
- Konzeptionelle Analyse des Trainings "Blue Eyed – Brown Eyed"
- Kritische Würdigung der Anwendbarkeit im deutschen Schulsystem
- Notwendigkeit der Lehrerprofessionalisierung und Selbstreflexion
Auszug aus dem Buch
3.2 Training
Die Basis für das Training bildet die Aufteilung der Teilnehmer in Braunäugige und Nicht-Braunäugige. Dabei wird auch darauf geachtet, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit schwarzer Hautfarbe, für die Diskriminierung sonst zum Alltag gehört, unabhängig von der eigentlichen Augenfarbe den Braunäugigen zugeordnet werden, während solche mit weißer Haut den Nicht-Braunäugigen zugeordnet werden. Die Nicht-Braunäugigen, oder auch die „Blauäugigen“ sollen nun so negativ behandelt werden, wie es in der Gesellschaft oftmals mit Randgruppen und Minderheiten üblich ist. Damit werden sie bewusst als unterlegen eingestuft und dementsprechend gedemütigt. Um diesen Umstand optisch zu markieren, bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gruppe oftmals eine gut sichtbare Halskrause. Dagegen werden die Braunäugigen während der gesamten Übung privilegiert und bevorzugt behandelt. Nach der Einteilung folgt die Isolation beider Gruppen. Durch den auf die Blauäugigen ausgeübten Druck sollen sie beginnen, den Stereotyp des Unterlegenen, weniger Intelligenten für sich anzunehmen und in ihrem Verhalten zu bestätigen. Um dieses Ergebnis zu erzielen, ist es von zentraler Bedeutung die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der privilegierten braunäugigen Gruppe einzuweihen, die erst durch ihre aktive Mitarbeit beziehungsweise ihre schweigende Kooperation Rassismus entstehen lassen und aufrechterhalten.
Den Blauäugigen dagegen wird jeglicher Aufschluss über das Training und seine Inhalte verschwiegen. Damit soll bewirkt werden, dass der Rassismus die benachteiligte Gruppe ebenso überraschend und unvorhergesehen trifft, wie es bei tatsächlichen Opfern von Diskriminierung in der Gesellschaft passiert. Nach geraumer Zeit, die der weiteren Verunsicherung der Blauäugigen dient, werden die Gruppen wieder zusammengeführt. In dem Seminarraum sitzen die Braunäugigen bereits an den Seiten auf Stühlen, in manchen Fassungen des Trainings sogar auf Podesten. Die Blauäugigen werden gezwungen, sich in der Mitte des Raumes auf kleinen Hockern zu platzieren, wobei es aber nicht genügend Plätze gibt, sodass einige Teilnehmer auf dem Boden sitzen müssen. Damit werden sie deutlich herabgesetzt und gedemütigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Heterogenität in Gesellschaft und Schule und führt das Konzept der interkulturellen Bildung sowie das Training "Blue Eyed – Brown Eyed" als Untersuchungsgegenstand ein.
2. Interkulturelle Kompetenz im Kontext Schule: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen interkultureller Kompetenz, deren Notwendigkeit im schulischen Alltag und die Relevanz von Antirassismus-Trainings.
3. Blue Eyed – Brown Eyed: Das Kapitel stellt die Entstehungsgeschichte, das zugrunde liegende pädagogische Konzept, den konkreten Ablauf des Trainings sowie die damit verbundenen Lernziele detailliert dar.
4. Blue Eyed – Brown Eyed als interkulturelles Training im Kontext Schule: Eine kritische Analyse der Anwendbarkeit des Trainingsmodells in der deutschen Schulpraxis, wobei Stärken und Schwächen der Methode abgewogen werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Training zwar einen wertvollen pädagogischen Denkanstoß bietet, aber zwingend in einen breiteren didaktischen Kontext eingebettet werden muss.
6. Reflexion: Der Autor reflektiert die Erkenntnisse aus dem Modul BA-UM-HET und unterstreicht die persönliche Bedeutung kontinuierlicher Selbstreflexion für Lehrkräfte.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text zitierten Fachliteratur sowie verwendeter Filme.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Rassismus, Blue Eyed – Brown Eyed, Schule, Diskriminierung, Heterogenität, Antirassismus, Lehrerbildung, Machtverhältnisse, Selbsterfahrung, Vorurteile, Pädagogik, Identität, Machtspiel, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung interkultureller Kompetenz in Schulen und analysiert kritisch das bekannte antirassistische Simulationstraining „Blue Eyed – Brown Eyed“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Notwendigkeit von Antirassismus-Bildung im Schulwesen, die Dynamik von Diskriminierung sowie die Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte durch Selbsterfahrung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob Jane Elliotts Übung geeignet ist, interkulturelle Kompetenz zu fördern, und wie diese Methode in der Lehrerausbildung sinnvoll eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse, die durch eine persönliche Reflexion des Autors im Rahmen seines Studiums (Modul BA-UM-HET) ergänzt wird.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur interkulturellen Kompetenz, die detaillierte Vorstellung und Analyse des Trainingsmodells sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dessen schulischer Anwendbarkeit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Interkulturelle Kompetenz, Rassismuskritik, Diskriminierungsschutz, schulische Heterogenität und der gezielte Einsatz von Simulationstrainings.
Warum wird das Training von Kritikern als "starr" empfunden?
Kritiker bemängeln, dass das Training eine zu einfache Täter-Opfer-Dichotomie erzeugt, Teilnehmer bei negativen Gefühlen allein lässt und dem Widerstand im Training kaum Raum gibt.
Welche Bedeutung hat das Machtgefälle im Training?
Das Machtgefälle ist zentral: Es soll den Teilnehmern erfahrbar machen, wie sich institutionelle Macht und Diskriminierung anfühlen und dass die machtlose Gruppe meist keine Möglichkeit zur aktiven Veränderung ihrer Lage hat.
Warum ist das Training allein laut Arbeit nicht ausreichend?
Da Rassismus hochkomplex ist und das Training nur Aspekte wie Unterdrückung simuliert, muss es durch fachliche Vertiefung, theoretisches Wissen und kontinuierliche Reflexion ergänzt werden, um nachhaltig zu wirken.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Interkulturelles Training in der Schule. Jane Elliots Blue-Eyed/Brown-Eyed-Training, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1247563