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Der Jugendarrest

Rechtsgeschichtliche und gegenwärtige Bedeutung, erzieherische Risiken und Vollzugspraxis einer kurzen "Freiheitsstrafe" im Jugendstrafrecht

Titel: Der Jugendarrest

Akademische Arbeit , 2018 , 31 Seiten

Autor:in: Merve Yigit (Autor:in)

Jura - Strafprozessrecht, Kriminologie, Strafvollzug
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Jugendarrest ist gemäß § 16 JGG eine Maßnahme kurzfristiger Freiheitsentziehung mit einer Dauer von zwei Tagen bis vier Wochen. Er stellt unter den Zuchtmitteln nach § 13 JGG die einzige freiheitsentziehende Sanktion dar und ist daher der schwerste Eingriff in die Grundrechte der jungen Straftäter.

Der Jugendarrest steht heute unter enorm wachsender Kritik. Es wird sogar von der Mehrheit die völlige Abschaffung des Arrestes gefordert, da er eher schade als nutze. Es heißt, dass auch im allgemeinen Strafrecht die Abschaffung kurzer Freiheitsstrafen bis zu einem Monat keine negativen Auswirkungen gehabt habe.

Zu bedenken ist jedoch, dass der Jugendarrest nach § 16 JGG nicht ansatzweise mit der Freiheitsentziehung aus dem Erwachsenen Strafrecht vergleichbar ist. Während die Mindeststrafe im allgemeinen Strafrecht ein Monat beträgt, beträgt die Höchstdauer des Jugendarrestes vier Wochen.

Der kurze Jugendarrestvollzug soll außerdem erzieherisch gestaltet sein. Folglich bietet der Jugendarrest ein „Mehr“ als nur eine Freiheitsentziehung mit Schock- und Besinnungswirkung an. Die ursprünglich verfolgte „short, sharp, shock“ Idee, die mit strenger Einzelhaft, harter Lager und karger Kost, der maßvollen körperlichen Züchtigung der Eltern entsprechend, die „Prügel des Staates“ darstellen sollte, wird heute durch ein „Ahndungsmittel eigener Art“ mit schuldausgleichendem und erzieherischem Charakter ersetzt.

Die Arrestanten haben während des Arrestes die Möglichkeit durch angebotene Freizeitaktivitäten, Veranstaltungen und Unterricht unentdeckte Talente zu entdecken und ihre Freizeit weit weg von Kriminalität zu gestalten. Die Ziele des Jugendarrestes scheinen lobenswert zu sein. Doch ob die erzieherische Soll-Vorschriften tatsächlich umgesetzt werden und wirklich Erfolg versprechen, ist mit Blick auf die enorm wachsende Kritik fraglich.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis des Buches

I. Einleitung

II. Hauptteil

A. Rechtsgeschichtliche und gegenwärtige Bedeutung

1. Jugendarrest in der Geschichte

2. Jugendarrest in der Gegenwart

B. Jugendarrest

1. Arten des Jugendarrestes

a. Der Dauerarrest

b. Der Freizeitarrest

c. Der Kurzarrest

d. Der Einstiegs- oder Warnschussarrest

2. Ziele des Jugendarrestes

3. Anwendungsbereich des Jugendarrestes

a. Tatvoraussetzungen

b. Tätervoraussetzung

4. Rückfallquote

5. Verurteilungen des Jugendarrest in der Justizpraxis

C. Vollzugspraxis einer kurzen „Freiheitsstrafe“

1. Vollzugsanstalten und Arresträume

2. Alltag im Jugendarrestanstalt und Arresträumen

3. Vollzug beim Bundeswehr

4. Vollzugsverbot und Absehen von der Vollstreckung

a. Bei Jugendlichen

b. Bei Soldaten

D. Erzieherische Risiken

E. Vorteile und Nachteile des Jugendarrestes

1. Vorteile des Jugendarrestes

2. Nachteile des Jugendarrestes

3. Verbesserungsvorschlag

III. Schlussfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Jugendarrest als Sanktionsmittel im Jugendstrafrecht und analysiert dessen rechtsgeschichtliche Entwicklung, die Vollzugspraxis sowie die damit verbundenen erzieherischen Risiken. Das primäre Ziel ist es, die Effektivität des Arrestes kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob das gesetzlich verankerte Erziehungsziel unter den gegebenen Bedingungen erreicht werden kann.

  • Rechtsgeschichtliche Entwicklung und heutige Bedeutung des Jugendarrestes.
  • Unterscheidung und Anwendung der verschiedenen Arrestformen (Dauer-, Freizeit-, Kurz- und Warnschussarrest).
  • Analyse der Vollzugspraxis und der pädagogischen Defizite in Arrestanstalten.
  • Untersuchung der erzieherischen Risiken und der hohen Rückfallquoten.
  • Diskussion über Notwendigkeit, Reformbedarf und Verbesserungsvorschläge zur Vermeidung von Fehlentwicklungen.

Auszug aus dem Buch

1. Jugendarrest in der Geschichte

Der Jugendarrest wurde am 04.10.1940 als nationalsozialistische Neuschöpfung durch Verordnung zur Ergänzung des Jugendstrafrechts für „gutgeartete“ Jugendliche, die kleinere und mittlere Verfehlungen begangen haben, als „kurze, aber harte Erziehungsstrafe“ in das Jugendstrafrecht aufgenommen, um sie auf den rechten Weg zurückzuführen. Die Gestaltung des nationalsozialistischen Jugendstrafrechts erfolgte dabei in Orientierung an den Prinzipien der Rassetheorie, der Kriminalbiologie und der sozialdarwinistischen Erbbiologie. Nicht „gutgeartet“ sind somit Jugendliche, die „fremdvölkische“, gemeint sind vor allem Juden und „Zigeuner“ oder „minderwertige“ junge Menschen, diese sollten weiterhin Freiheitsstrafen erleiden.

Neben der Erziehungsideologie spielt aber auch das Motiv eine Rolle, die zu der Zeit bestehenden Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten mit ihren schädlichen Wirkungen, wie zum Beispiel die Endsozialisierung, aus dem Jugendstrafrecht endgültig zu verbannen. Eine Strafaussetzung war damals nicht gestattet. So wurden immer wieder Jugendliche für wenige Wochen oder Monate in überfüllte, oft vom Erwachsenenvollzug nicht getrennte Gefängnisse eingewiesen, ohne wegen der kurzen Dauer einer gründlichen Gesamterziehung unterworfen zu werden. Zu dem schlechten Einfluss der anderen Gefangenen trat die Gewöhnung an das „gar nicht so schlimme“ Gefängnisleben. Durch Jugendarrest sollte diese Art von Resozialisierung dem gutgearteten Jugendliche verschont bleiben.

Außerdem versprach der Jugendarrest politisch drängende, mit dem Krieg zusammenhängende Probleme wie Bekämpfung der Arbeitsbummelei, besonders in den Rüstungsbetrieben, zu lösen und disziplinierte die Jugendliche zugleich auch im militärischen Bereich.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einführung führt in die Thematik des Jugendarrestes ein, erläutert die gesetzliche Definition und beleuchtet die wachsende Kritik sowie die erzieherische Zielsetzung der Maßnahme.

II. Hauptteil: Der Hauptteil bietet eine umfassende Analyse der rechtsgeschichtlichen Hintergründe, der verschiedenen Arrestarten, der Vollzugspraxis, der erzieherischen Risiken sowie der Vor- und Nachteile dieses Sanktionsmittels.

III. Schlussfassung: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass eine komplette Abschaffung des Jugendarrestes nicht zumutbar sei, plädiert jedoch für eine dringende Reform und eine disziplinierte, individuell abgestimmte Vollzugspraxis.

Schlüsselwörter

Jugendarrest, Jugendstrafrecht, Erziehung, Strafvollzug, Rückfallquote, Freiheitsentziehung, Zuchtmittel, Warnschussarrest, Resozialisierung, Pädagogik, Justizpraxis, Sanktionen, Jugendgericht, Bewährung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Jugendarrest im deutschen Jugendstrafrecht, analysiert dessen rechtlichen Rahmen sowie seine praktische Anwendung und Wirksamkeit im Hinblick auf Erziehungsziele.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Kernbereichen zählen die historische Genese, die verschiedenen Formen des Arrests, das Vollzugsumfeld und die kritische Auseinandersetzung mit der erzieherischen Wirkung sowie der Rückfallstatistik.

Was ist die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob der Jugendarrest seine erzieherischen Ziele tatsächlich erreichen kann oder ob er aufgrund der bestehenden Vollzugspraxis eher negative Auswirkungen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine juristische und kriminologische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Gesetzestexte, fachwissenschaftlicher Literatur und statistischer Daten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in rechtshistorische Aspekte, eine detaillierte Aufschlüsselung der Arrestarten (Dauer-, Freizeit-, Kurz- und Warnschussarrest), Erörterungen zur Vollzugspraxis und eine Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen des Arrestes.

Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?

Die wesentlichen Begriffe sind Jugendarrest, Erziehung durch Strafe, Rückfallquote, Resozialisierung und Reformbedarf.

Wie unterscheidet sich der Jugendarrest von einer Jugendstrafe?

Der Jugendarrest ist ein kurzfristiges Zuchtmittel von maximal vier Wochen, während eine Jugendstrafe eine freiheitsentziehende Sanktion mit einer Mindestdauer von sechs Monaten darstellt.

Warum wird der "Warnschussarrest" teilweise kritisiert?

Die Kritik entzündet sich daran, dass dieser Arrest oft mitten in eine laufende Bewährungsphase eingreift und diese stören kann, anstatt förderlich zur Resozialisierung beizutragen.

Welche Rolle spielt die Personalsituation in Arrestanstalten?

Laut der Studie führt Personalmangel dazu, dass die gesetzlich vorgeschriebene pädagogische Arbeit oft nur auf dem Papier existiert und eine echte erzieherische Einwirkung in der Praxis häufig scheitert.

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Details

Titel
Der Jugendarrest
Untertitel
Rechtsgeschichtliche und gegenwärtige Bedeutung, erzieherische Risiken und Vollzugspraxis einer kurzen "Freiheitsstrafe" im Jugendstrafrecht
Autor
Merve Yigit (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
31
Katalognummer
V1248829
ISBN (PDF)
9783346684882
ISBN (Buch)
9783346684899
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendstrafrecht Jugendarrest
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Merve Yigit (Autor:in), 2018, Der Jugendarrest, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1248829
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Leseprobe aus  31  Seiten
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