In der Arbeit soll es darum gehen, die antike Rezeption am Beispiel der Biographie Plutarchs genau zu untersuchen, um anschließend den Versuch zu unternehmen, ein differenzierteres Bild des Crassus sowie „seiner“ Niederlage gegen die Parther zu entwerfen. Zu diesem Zweck wird zuerst Plutarch, sein Werk und seine möglichen Quellen vorgestellt. Anschließend soll das Leben des Crassus und sein Feldzug gegen die Parther skizziert werden, um letztlich die Niederlage bei Carrhae und ihre Rezeption durch Plutarch kritisch zu betrachten.
Marcus Licinius Crassus war zu seiner Zeit reichster Mann Roms, ein erfolgreicher Politiker und Verbündeter Caesars. Der Nachwelt bekannt ist er jedoch fast ausschließlich für seine epochale Niederlage in der Schlacht von Carrhae gegen das Partherreich 53. v. Chr. Seit den punischen Kriegen hatte man nicht mehr ein derartiges Fiasko erlebt. Das Selbstbild der Römer war bis in die Grundfesten erschüttert. In der Person des Crassus, der die Schlacht nicht überlebt hatte, fand man jedoch einen geeigneten Sündenbock. Die Quellen zeichnen in überwältigender Mehrheit ein höchst negatives Bild des Feldherren. Seine Geldgier, sein Machthunger und militärisches Unvermögen seien verantwortlich für die Katastrophe von Carrhae gewesen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Zu den Quellen
III. Das Leben des Crassus
III.1. Crassus Werdegang bis zum Partherfeldzug
III.2. Der Partherfeldzug des Crassus
IV. Die Crassus Biographie des Plutarch - Eine kritische Lektüre
IV.1. Crassus Karriere bis zum Feldzug
IV.2. Der Partherfeldzug des Crassus bei Plutarch
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die antike Rezeption des römischen Politikers Marcus Licinius Crassus, insbesondere durch die kritische Analyse seiner Biographie bei Plutarch, um ein historisch fundierteres und differenzierteres Bild seiner Person sowie der verheerenden Niederlage bei Carrhae zu entwerfen.
- Historische Rezeption des Crassus
- Analyse des Werks und der Arbeitsweise des Biographen Plutarch
- Untersuchung des Partherfeldzuges und der Schlacht von Carrhae
- Kritische Gegenüberstellung von populärer Überlieferung und historischen Realitäten
- Rolle moralisierender Narrative in der antiken Geschichtsschreibung
Auszug aus dem Buch
IV.2. Der Partherfeldzug des Crassus bei Plutarch
Die Aussage Plutarchs, man habe Crassus in Folge seines Konsulats zu keinem Feldzug gegen die Parther autorisiert und sogar versucht ihn festnehmen zu lassen, scheint kaum realistisch. Zunächst musste Crassus in Rom ein beachtliches Herr aufstellen, das sicher nicht für einen geruhsamen Urlaub in Syrien versammelt wurde. Zweitens gab es für die Römer, bei genauerem Hinsehen, doch einige Gründe gegen die Parther Krieg zu führen.
Bereits Crassus Vorgänger als syrischer Statthalter Gabinius, war drauf und dran gewesen, im Partherreich einzumarschieren. In der Zeit vor Crassus Auszug aus Rom war es im Partherreich zu Thronstreitigkeiten gekommen. Der parthische Prinz Mithridates hatte im Kampf gegen seinen Bruder bei Gabinius um Unterstützung gebeten, welche dieser ihm auch bewilligte, nur um im letzen Moment doch nach Ägypten zu ziehen, um sich in dortige Machtkämpfe einzumischen. Mithridates fiel nichtsdestotrotz mit seiner Streitmacht ins parthische Babylonien ein, wo er schließlich von seinem Bruder Orodes gefasst und hingerichtet wurde. Die genaue Datierung der Ereignisse fällt aufgrund der dünnen Quellenlage schwer. Möglicherweise hatte Crassus vor Mithridates in seinem Kampf Unterstützung zu leisten. So oder so hatte der Partherkönig Orodes einen Verbündeten der Römer hinrichten lassen und somit einen möglichen Kriegsgrund geliefert. Die Anschuldigungen Plutarchs und anderer Autoren, Crassus habe den Krieg gegen ein friedfertiges Volk aus Gier und Eigennutz betrieben entsprechen also kaum der Wahrheit.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung exponiert das negative Nachwirken von Crassus’ Niederlage bei Carrhae und skizziert das Ziel der Arbeit, ein differenzierteres Bild mittels einer kritischen Plutarch-Lektüre zu erarbeiten.
II. Zu den Quellen: Dieses Kapitel bewertet die Quellenlage zur späten Republik und analysiert die Entwicklung der Rezeption des Crassus, die von Cicero bis zur frühen Kaiserzeit zunehmend negativer gefärbt war.
III. Das Leben des Crassus: Hier wird der historische Werdegang von Crassus, sein Aufstieg durch Sulla, sein Engagement im Spartacus-Aufstand und seine Rolle im Ersten Triumvirat zusammengefasst.
III.1. Crassus Werdegang bis zum Partherfeldzug: Darstellung der frühen politischen und militärischen Karriere von Crassus sowie die konsolidierten Machtverhältnisse vor dem Feldzug.
III.2. Der Partherfeldzug des Crassus: Eine historische Rekonstruktion des Feldzuges, der Schlacht bei Carrhae und der Umstände des Todes von Crassus.
IV. Die Crassus Biographie des Plutarch - Eine kritische Lektüre: Überleitung zur systematischen Analyse der plutarchischen Darstellung, die Crassus moralisch einseitig als gierigen Feldherrn charakterisiert.
IV.1. Crassus Karriere bis zum Feldzug: Analyse von Plutarchs Anekdoten und der selektiven Hervorhebung negativer Charaktereigenschaften des Crassus.
IV.2. Der Partherfeldzug des Crassus bei Plutarch: Kritische Untersuchung von Plutarchs Darstellung der Entscheidungen und der strategischen Führung von Crassus während des Partherfeldzugs.
V. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Plutarch primär eine moralische Lehre vermitteln wollte und das historische Gesamtbild hinter sein Narrativ der Verfehlungen zurücktrat.
Schlüsselwörter
Marcus Licinius Crassus, Plutarch, Schlacht von Carrhae, Partherfeldzug, Römische Republik, Antike Rezeption, Erstes Triumvirat, Historische Kritik, Moralität, Politische Biographie, Militärgeschichte, Sulla, Pompeius, Caesar, Quelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Person des Marcus Licinius Crassus und der Art und Weise, wie sein Wirken und sein Scheitern bei Carrhae in der antiken Literatur, namentlich bei Plutarch, rezipiert wurden.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Biographie des Crassus, die Methodik der plutarchischen Geschichtsschreibung, der politische Kontext des späten Roms und die militärhistorische Rekonstruktion des Partherfeldzugs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch eine kritische Dekonstruktion des einseitig negativen Bildes, das Plutarch in seiner Biographie zeichnet, ein historisch differenzierteres Verständnis der Person Crassus zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der historischen Quellenkritik. Dabei werden Plutarchs Erzählungen mit modernen Erkenntnissen und anderen antiken Zeugnissen kontrastiert, um rhetorische Absichten von historischen Fakten zu trennen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Skizzierung des Lebens des Crassus sowie eine detaillierte Analyse der plutarchischen Crassus-Biographie, mit besonderem Augenmerk auf die Darstellung des Partherfeldzuges.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Plutarch, Parallelbiographien, Crassus, Rezeptionsgeschichte, Carrhae, Partherreich, Triumvirat und Historische Quellenkritik charakterisiert.
Wie bewertet der Autor Plutarchs Darstellung der Person Crassus?
Der Autor argumentiert, dass Plutarch Crassus massiv moralisch abwertet und ihn als negatives Exempel nutzt, wobei die historische Komplexität seiner Entscheidungen zugunsten einer tragisch-moralisierenden Erzählweise weitgehend vernachlässigt wird.
Welche Rolle spielt die Schlacht bei Carrhae für die Argumentation?
Die Schlacht bei Carrhae dient als Brennpunkt, an dem Plutarch seine These der Unfähigkeit des Crassus festmacht. Die Arbeit hingegen zeigt auf, dass strategische Zwänge und externe Faktoren eine wichtigere Rolle spielten als das von Plutarch unterstellte persönliche Versagen.
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- Kaspar Elias Fränkel (Author), 2021, Die Crassus-Biographie des Plutarch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1249631