Damit eine Einschätzung über die Bedeutung und Beziehung der zwei politischen Denker Machiavelli und Hobbes erfolgen kann, ergeben sich für die Arbeit zwei zentrale Aufgaben. Zum ersten müssen die Elemente neuzeitlichen Denkens erfasst und eingeordnet werden. Zum anderen gilt es eine jahrhundertealte Streitfrage zu untersuchen: Wer verdient die Bezeichnung des ersten politischen Denkers der Neuzeit eher?
Um diese Frage zu beantworten, werden zunächst die Hauptwerke der beiden Theoretiker inhaltlich untersucht. Dabei sollen die geschichtlichen Hintergründe einbezogen und die Anthropologie der Autoren analysiert werden. Anschließend werden die methodischen Vorgehensweisen in den Werken betrachtet. Dabei sollen besonders neuzeitliche Elemente kenntlich gemacht werden. Als literarische Grundlage dieser Arbeit dienen die Werke Il Principe und Discorsi von Niccolò Machiavelli und Leviathan von Thomas Hobbes. Zusätzlich bieten u. a. Hans Maier, Herfried Münkler und Eberhard Schmitt Sekundärliteratur. Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse bieten eine richtungsweisende Sicht auf die Schriften der Theoretiker.
Zunächst werden die Werke Machiavellis näher auf die Struktur seiner Argumentation untersucht. Darüber hinaus werden vorhandene neuzeitliche Elemente herausgestellt. Gleichermaßen wird anschließend Hobbes´ Leviathan analysiert. Im nächsten Schritt erfolgt ein Vergleich der Autoren. Dieser soll unter Berücksichtigung der analytischen Kategorien Staat und Methodik letztendlich eine Antwort auf die Forschungsfrage geben, wer die Bezeichnung des ersten politischen Denkers eher verdient.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Niccolò Machiavelli
2.1. Il Principe
2.1.1. Inhalt
2.1.2. Intentionen
2.2. Discorsi
2.2.1. Inhalt
2.2.2. Intentionen
2.3. Neuzeitliche Elemente bei Machiavelli
2.3.1. Methode und Anthropologie
2.3.2. Staat und Theologie
3. Thomas Hobbes
3.1. Leviathan
3.1.1. Naturzustand und Naturgesetze (law of nature, lex naturalis)
3.1.2. Vertrag und Staat
3.2. Neuzeitliche Elemente bei Hobbes
3.2.1. Anthropologie
3.2.2. Methode
3.2.3. Theologie
4. Machiavelli und Hobbes: Denker der Neuzeit?
4.1. Der moderne Staat
4.2. Die politische Philosophie als Wissenschaft
4.3. Denker und Vordenker
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die politische Philosophie von Niccolò Machiavelli und Thomas Hobbes, um die Frage zu beantworten, wer von beiden als der erste politische Denker der Neuzeit gelten kann. Dabei werden ihre Hauptwerke sowie deren anthropologische und methodische Grundlagen analysiert, um die Entwicklung des modernen Staatsverständnisses zu beleuchten.
- Analyse der Hauptwerke Il Principe, Discorsi und Leviathan
- Untersuchung neuzeitlicher Elemente in der politischen Philosophie
- Vergleichende Betrachtung der anthropologischen Menschenbilder
- Erarbeitung der methodischen Herangehensweise beider Denker
- Klärung der Entwicklung vom Mittelalter zum modernen Staat
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Inhalt
Il Principe beginnt mit der Analyse von Fürstenherrschaft, wobei er dazugehörige spezifische Wachstums- und Verfallsfaktoren benennt. Machiavelli unterscheidet zwischen ererbten und neuerworbenen Fürstentümern, dabei je vier Arten von Angliederung und Neubildung und anschließend als besondere Gattung das geistliche Fürstentum. „Inwieweit Herrscher ihre Versprechen halten sollen“ und „Was ein Herrscher tun sollte, um Achtung zu erwerben“ (Machiavelli 1991: 96,111). Diese Kapitelüberschriften sind nur zwei von 26, die sich auf das Verständnis von Macht und Herrschaft beziehen. Machiavelli sieht Machtgewinn, deren Erhalt und Ausbau als einzigen Zweck von Herrschaft und gibt explizite Handlungsanweisungen. Ein Fürst soll verstehen, was zu tun ist um sich an die Macht zu bringen und auch dort zu bleiben. In diesem Zusammenhang stellt das folgende Zitat eine entschieden eindrucksvolle Erwähnung seiner Dogma dar: „Es muss also des Fürsten einziger Zweck sein, sein Leben und seine Herrschaft zu erhalten. Man wird alle Mittel, derer er sich hierzu bedient, rechtfertigen, und jeder wird ihn loben; denn der Pöbel hält sich nur an den äußeren Schein und beurteilt Dinge nur nach ihrem Erfolge“ (Machiavelli 1991: 98).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Relevanz des modernen Staates und führt in die zentrale Fragestellung ein, welcher der beiden Theoretiker Machiavelli oder Hobbes als erster Denker der Neuzeit einzustufen ist.
2. Niccolò Machiavelli: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben Machiavellis und seine historische Bedeutung im Kontext der politisch instabilen Verhältnisse in Florenz.
2.1. Il Principe: Der Autor erläutert die Kernaussagen und die inhaltliche Ausrichtung des Werkes als Handlungsleitfaden für Fürsten zur Machtbehauptung.
2.1.1. Inhalt: Hier werden die spezifischen Wachstumsfaktoren von Herrschaft und der Fokus auf den Machterhalt als oberster Zweck analysiert.
2.1.2. Intentionen: Das Unterkapitel beleuchtet die persönlichen Beweggründe des Verfassers, geprägt durch seine politische Laufbahn und Verbannung.
2.2. Discorsi: Der Text analysiert Machiavellis Werk zur Republik und die kritische Auseinandersetzung mit der antiken römischen Geschichte.
2.2.1. Inhalt: Die Zusammenfassung behandelt die Mischverfassung und das Streben nach Stabilität sowie die Rolle der Religion in den Discorsi.
2.2.2. Intentionen: Dieser Abschnitt thematisiert die Entstehungsbedingungen der Discorsi im Vergleich zum Principe.
2.3. Neuzeitliche Elemente bei Machiavelli: Hier werden die Brüche mit mittelalterlichen Traditionen herausgearbeitet.
2.3.1. Methode und Anthropologie: Die Analyse des negativen Menschenbildes und der Abkehr von der ethischen Politikgrundlegung steht hier im Zentrum.
2.3.2. Staat und Theologie: Es wird die Trennung von Religion und Politik sowie der Begriff der Staatsraison als Voraussetzung moderner Staatlichkeit behandelt.
3. Thomas Hobbes: Dieses Kapitel beschreibt die biographischen Grundlagen und den historischen Kontext von Thomas Hobbes.
3.1. Leviathan: Es wird das Hauptwerk als Antwort auf die conditio humana im Kontext der politischen Instabilität Englands vorgestellt.
3.1.1. Naturzustand und Naturgesetze (law of nature, lex naturalis): Darstellung der Theorie über das menschliche Dasein ohne staatliche Ordnung und die resultierende Notwendigkeit der Friedenssicherung.
3.1.2. Vertrag und Staat: Erklärung des Gesellschaftsvertrags als Mittel zur Überwindung des Kampfes aller gegen alle durch einen Souverän.
3.2. Neuzeitliche Elemente bei Hobbes: Fokus auf die Abgrenzung zum Mittelalter durch die Legitimation von Herrschaft durch Vertragsschluss.
3.2.1. Anthropologie: Untersuchung des Menschenbildes (homo homini lupus) als Begründung für die absolute staatliche Macht.
3.2.2. Methode: Darstellung der Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnismethoden (mos geometricus) in der Politiktheorie.
3.2.3. Theologie: Erörterung der Haltung zur Zivilreligion und der Ablösung von der kirchlichen Dominanz durch staatliche Ordnung.
4. Machiavelli und Hobbes: Denker der Neuzeit?: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Forschungsfrage.
4.1. Der moderne Staat: Vergleich der Staatskonzepte beider Autoren hinsichtlich Souveränität und Legitimation.
4.2. Die politische Philosophie als Wissenschaft: Diskussion über die Verschiebung der Politik hin zu einer systematischen Wissenschaft.
4.3. Denker und Vordenker: Fazit zur Frage der Priorität bei der Einordnung der beiden Philosophen in die Neuzeit.
Schlüsselwörter
Niccolò Machiavelli, Thomas Hobbes, Il Principe, Leviathan, Neuzeit, Moderner Staat, Gesellschaftsvertrag, Anthropologie, Naturzustand, Staatsraison, Souveränität, Machttheorie, Politische Philosophie, Wissenschaftliche Methode, Historische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Denken von Niccolò Machiavelli und Thomas Hobbes, um zu klären, wer von beiden als der erste politische Denker der Neuzeit bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Definition des modernen Staates, die methodische Vorgehensweise bei der Analyse politischer Systeme sowie das anthropologische Menschenbild der Autoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Leistungen beider Denker kritisch zu vergleichen und zu bewerten, wer die Grundlagen für das neuzeitliche Politikverständnis maßgeblicher gelegt hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine textanalytische Untersuchung der Hauptwerke, ergänzt durch einen Vergleich mit relevanter Sekundärliteratur zur historischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich in separaten Abschnitten der detaillierten Analyse der Schriften von Machiavelli und Hobbes, mit Fokus auf deren Innovationsgehalt gegenüber mittelalterlichen Lehren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Modernität, Gesellschaftsvertrag, Macht, Naturzustand, Souveränität und politische Philosophie.
Warum wird Hobbes oft mit der Methode des "mos geometricus" in Verbindung gebracht?
Hobbes übertrug Methoden der zeitgenössischen Naturwissenschaften auf die Politik, um durch mathematisch-logische Reduktion komplexe gesellschaftliche Modelle zu konstruieren.
Inwieweit spielt das "negative Menschenbild" bei beiden Autoren eine Rolle?
Das pessimistische Menschenbild dient beiden Denkern als Legitimation für die Notwendigkeit einer starken, zentralen Machteinheit, die Ordnung und Frieden garantiert.
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- Lysann Prescher (Author), 2014, Machiavelli und Hobbes. Denker der Neuzeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1252598